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WM 2026

Tschechien-Suedafrika 1:1: Sulc-Handelfmeter rettet Bafana den ersten WM-Punkt

Spielbericht Tschechien gegen Suedafrika (1:1, 18.06.2026 Atlanta): Sadilek fuehrt frueh, Sulc-Handspiel, Mokoena-Elfmeter zum Ausgleich in der 83. Minute.

Von Marco Feldmann 18. Juni 2026

Mokoenas Jubel nach dem 1:1: Der Handelfmeter in der 83. Minute beschert Bafana den ersten WM-Punkt seit 16 Jahren (Foto: Ulrik Pedersen / Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es haette der erste tschechische WM-Sieg seit 2006 werden sollen - es wurde ein Punkt, der eher schmerzt als hilft. Tschechien und Suedafrika trennten sich am Donnerstagabend MESZ im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta 1:1, und beide Teams nahmen mit, was sie brauchten: einen Zaehler, der die letzte Hoffnung auf das Sechzehntelfinale am Leben haelt. Trainer Miroslav Koubek wird sich fragen, warum sein Team eine 75 Minuten lang sauber verteidigte Fuehrung in einer einzigen Strafraum-Aktion verspielte. Trainer Hugo Broos kann mit dem ersten WM-Punkt fuer Bafana seit 16 Jahren leben - der erste seit der eigenen Heim-WM 2010.

Tor-Chronologie: Sadilek 6., Mokoena 83.

Die Partie war fuer Tschechien fruehzeitig auf die Schiene gesetzt: In der 6. Minute verwertete Michal Sadilek eine Vorarbeit von Alexandr Sojka zum 1:0. Es war das erste Tor in einer WM-Partie fuer den 28-jaehrigen FC-Utrecht-Mittelfeldspieler, der in der Quali nur zweimal getroffen hatte und ueberraschend in der Startelf stand. Suedafrika brauchte rund 25 Minuten, um sich von dem fruehen Treffer zu erholen, blieb aber bis zum Pausenpfiff offensiv blass.

Der Wendepunkt kam in der 83. Minute. Ein Distanzschuss der eingewechselten Bafana-Offensive prallte an den angewinkelten Arm von Pavel Sulc, der erst in der 71. Minute aufs Feld gekommen war. Die US-amerikanische Schiedsrichterin Tori Penso entschied nach kurzer Pruefung auf Strafstoss. Die Sportschau formuliert die Linie der Spielleitung so: “Bei einem Fernschuss bekam Pavel Sulc den Ball an den angewinkelten Arm, Schiedsrichterin Tori Penso gab nachvollziehbarerweise Elfmeter.” Sulcs Hand stand in unnatuerlicher Position weg vom Koerper - eine Szene, die seit der UEFA-Klarstellung 2023 in der Regel pfiff-faellig ist.

Mokoena verwandelte den Strafstoss sicher in die linke Torecke. Der 28-jaehrige zentrale Mittelfeldspieler von Mamelodi Sundowns, der die Qualifikations-Torjaegerliste der Bafana mit sechs Pflichtspieltoren angefuehrt hatte, ueberzeugte einmal mehr mit kalter Konzentration vom Punkt.

Die Schluesselszene - Sulcs Hand und die Penso-Entscheidung

Die Penso-Entscheidung wird im Tschechien-Lager fuer den restlichen Atlanta-Aufenthalt das beherrschende Thema sein. Eine Beschwerde der Tschechen lief auf den Standard-Einwand hinaus: Der Arm sei nicht unnatuerlich weit vom Koerper entfernt gewesen. Im Sportschau-Bewegtbild ist allerdings zu sehen, dass Sulcs Arm tatsaechlich auf Schulterhoehe abgewinkelt steht, als der Ball ihn trifft - eine Konstellation, die die Spielleitung nach IFAB-Auslegung Stand 2026 in fast allen Faellen ahnden muss. Penso war damit die Lehrbuch-Loesung, nicht der Sonderfall.

Die Penso-Linie folgt der internationalen Lesart der IFAB-Regel 12: Ein angewinkelter Arm in Schulterhoehe gilt seit der 2023er Klarstellung als “unnatuerlich vergroessernde Koerperflaeche”, auch wenn die Distanz zwischen Schuetzen und Abwehr klein ist. Die Spielleitung muss in dieser Konstellation pfeifen - Ermessensspielraum gibt es kaum noch. Genau das bekam Tschechien zu spueren.

Darida-Vergeben in der 47.: das verpasste 2:0

Bevor die Schluesselszene stattfand, haette das Spiel laengst entschieden sein muessen. Drei Sekunden in die zweite Halbzeit, in der 47. Minute, hatte der 35-jaehrige Routinier Vladimir Darida einen Konter aus 14 Metern auf dem Fuss - und schoss links neben das lange Eck. Auch Patrik Schick, der Leverkusener Mittelstuermer, blieb in den 75 Minuten, die er auf dem Platz stand, kein einziges Mal in einer Schussbeteiligung aktiv. Koubek hatte fuenf Aenderungen im Vergleich zum Suedkorea-Spiel vorgenommen und damit auf Frische gesetzt - bezahlt wurde die Rotation mit Effektivitaet, die das Schick’sche Vollstrecker-Profil normalerweise mitbringt.

Wie sich Bafana in das Spiel zurueckkaempfte

Hugo Broos hatte drei Wechsel im Vergleich zur Eroeffnungs-Niederlage gegen Mexiko vorgenommen - drei Mal auch mit Blick auf die Rotsperren-Konstellation aus Mexiko-Stadt. Die ersten 70 Minuten waren mau, eine Truppe ohne richtigen Lautsprecher. Nach der Einwechslung mehrerer Offensiver, allen voran der erst spaet einsatzfaehige Lyle Foster, gewann Suedafrika Tempo. Die Bafana-Offensiv-Stuetze blieb aber Mokoena selbst - das Tor zum 1:1 war sein dritter Pflichtspielelfmeter binnen zwoelf Monaten, in keinem hat er die Nerven verloren.

Gruppe A vor MD3 - die Rechenspiele

Die Tabelle der Gruppe A liest sich nach MD2 so:

  • Mexiko: 2 Spiele, 6 Punkte, +4 Tordifferenz - vorzeitig im Sechzehntelfinale.
  • Suedkorea: 2 Spiele, 3 Punkte, +1 - mit Sieg gegen Mexiko fix weiter, sonst Rechnerei.
  • Tschechien: 2 Spiele, 1 Punkt, -1 - Pflichtsieg gegen Mexiko noetig.
  • Suedafrika: 2 Spiele, 1 Punkt, -1 - Pflichtsieg gegen Suedkorea noetig.

Beide MD3-Spiele finden parallel am Donnerstag, dem 25. Juni 2026, um 03:00 Uhr MESZ statt. Tschechien spielt im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt gegen den schon qualifizierten Tabellenfuehrer; Suedafrika trifft im Estadio BBVA in Monterrey auf Suedkorea. Fuer beide reicht ein Unentschieden nicht. Mit der erweiterten Drittplatzierten-Regel der 48er-WM (acht der zwoelf Gruppendritten erreichen das Sechzehntelfinale) ist die Hoffnung mathematisch nicht erloschen - aber wahrscheinlich nur bei einem Sieg mit komfortabler Tordifferenz.

Was Koubek und Broos jetzt umstellen muessen

Koubek wird seine Personalrotation noch einmal grundsaetzlich pruefen muessen. Schick brauchte im Atlanta-Auftritt zu lange, um in die Partie zu finden; mit Tomas Soucek und Patrik Schick auf dem Platz war Tschechien zwar physisch stabil, offensiv aber zu langsam in den letzten Pass. Broos hingegen kann den Punktgewinn als Argument fuer Mokoena als zentralen Schluesselspieler verbuchen - und muss nun klaeren, ob Lyle Foster im Suedkorea-Endspiel von Beginn an spielen kann.

Fuer beide Teams gilt: Das eigentliche Spiel um das Sechzehntelfinale beginnt jetzt erst. Mit einem Punkt, einem Pflichtsieg vor Augen, und der Erinnerung daran, dass die Hand des eingewechselten Sulc ein Spiel verschob, das fast schon entschieden war.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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