Südkorea 2:1 Tschechien: Hwang dreht es, Joker Oh trifft zum WM-Auftakt 2026
Südkorea dreht im WM-Auftakt 2026 gegen Tschechien einen 0:1-Rückstand. Hwang gleicht in der 66. Minute per Lupfer aus, Joker Oh trifft in der 81.
Von Marco Feldmann 12. Juni 2026
Südkorea hat seinen WM-Auftakt 2026 erfolgreich gestaltet. Die Asien-Auswahl drehte in der Nacht zum Freitag im Estadio Akron in Guadalajara einen 0:1-Rückstand und gewann gegen Tschechien mit 2:1 (0:0). Vor leeren Sitzplätzen in den oberen Rängen war es Hwang In-beom, der in der 66. Minute per feinem Lupfer ausglich. Joker Hyeon-gyu Oh entschied die Partie in der 81. zugunsten der Taeguk Warriors, nachdem dem Tschechen Tomáš Souček in der 78. Minute der vermeintliche Siegtreffer wegen Abseits aberkannt worden war. Damit übernimmt Südkorea hinter Mexiko Rang zwei in Gruppe A.
Krejci köpft Tschechien in Führung - die Coufal-Einwurf-Vorlage
Bis zur Pause hatten die Asiaten das Geschehen klar bestimmt. Acht zu zwei Torschüsse standen nach 45 Minuten zu Buche, dreimal hatte Kapitän Son Heung-min die Führung auf dem Fuß. In der 38. und 39. Minute zwei Distanzversuche, beide knapp am rechten Pfosten vorbei. Kurz vor dem Pausenpfiff verstolperte der LAFC-Stürmer im Strafraum eine Hereingabe von Jae-Sung Lee aus fünf Metern - eine Szene, die Trainer Hong Myung-bo am Spielfeldrand für einen Moment fassungslos machte.
Die kalte Dusche kam in der 59. Minute. Rechtsverteidiger Vladimír Coufal warf weit in den Strafraum ein, dort stieg Kapitän Ladislav Krejci höher als die koreanische Innenverteidigung und nickte zum 1:0 für Tschechien ein. Es war der erste Treffer aus dem ersten ernsthaften Tschechen-Versuch in der zweiten Hälfte. Auf der Tribüne reisten an dieser Stelle die ersten Spieler-Familien aus Prag mit den Fäusten in die Luft.
Hwangs Lupfer über Kovar - der Ausgleich nach 66 Minuten Geduld
Sieben Minuten später kam die Antwort. Eine Kombination über die linke Seite endete mit einem Ball in den Halbraum, Hwang In-beom nahm an, schüttelte Tschechiens Innenverteidiger Robin Hranac mit einer Körperdrehung ab und hob die Kugel aus 14 Metern über den herauseilenden Matěj Kovar zum 1:1 in das Tor. Für Hwang war es das erste Tor bei einer WM-Endrunde. Bei der WM 2022 in Katar hatte der inzwischen 29-jährige Feyenoord-Profi alle vier Spiele Südkoreas einschließlich des Achtelfinals gegen Brasilien als Stammkraft bestritten, ohne dabei selbst zu treffen oder vorzubereiten.
Hwang spielt seit Sommer 2024 in Rotterdam. Davor hatte ihn seine Karriere über Vancouver Whitecaps, Rubin Kasan, Olympiakos Piräus und Roter Stern Belgrad geführt - vier Ligen, vier Wechsel binnen fünf Jahren. Bei der Nationalmannschaft ist er trotzdem seit der Asien-Spiele 2018 in Jakarta gesetzt, wo er Olympia-Gold und die Wehrdienst-Befreiung gewann.
VAR aberkennt Souček das vermeintliche 2:1 (78.)
Die Schlussphase wurde dann zur VAR-Show. In der 78. Minute schien Tomáš Souček, in Englands Premier League seit Jahren der Verlässlichkeitswert von West Ham United, mit einem Volley aus elf Metern das 2:1 für Tschechien zu erzielen. Die Stadionregie zeigte schon den Jubel, ARD-Kommentator Stephan Klemm rief den Treffer aus - dann verzögerte sich die Anzeige auf der Anzeigetafel. Mehr als drei Minuten zog die Überprüfung des Videoassistenten in der Lounge in Mexiko-Stadt sich hin, am Ende stand die Diagnose Abseits-Stellung im Aufbauspiel.
Die psychologische Wucht der Entscheidung war auf beiden Seiten zu sehen. Tschechiens Trainer Ivan Hašek schüttelte den Kopf, Krejci protestierte beim Schiedsrichter. Auf der Gegenseite klatschten Hwang und Son sich an der Seitenlinie ab - und Hong Myung-bo zog die Auswechslungen, die das Spiel kippen sollten.
Joker Oh trifft im Lauf - Paik und Hwang treiben den Konter (81.)
Drei Minuten nach dem aberkannten Tor war Hyeon-gyu Oh nach knapp einer halben Stunde Vorbereitung am Drücker. Hong hatte ihn in der 73. Minute für den verbrauchten Jae-Sung Lee gebracht, dazu kam Seung-Ho Paik für ein letztes Zentrumsdoppel. Der entscheidende Konter lief in der 81. Minute über genau diese beiden Einwechslungen. Paik gewann den zweiten Ball nach einer tschechischen Ecke, leitete auf Hwang weiter, der mit einem präzisen Schnittstellenpass den Lauf von Oh in der rechten Halbposition bediente.
Der 25-jährige Stürmer von Beşiktaş Istanbul, im Februar 2026 von KRC Genk an den Bosporus gewechselt, nahm den Ball mit links an, ließ Hranac mit einer Körpertäuschung im Strafraum stehen und schob unten ins lange Eck. Es war Ohs erster WM-Treffer und der bislang wichtigste seiner Karriere. Bei Celtic Glasgow hatte er 2023 und 2024 die schottische Meisterschaft gewonnen, beim Asian Cup 2024 für Südkorea zwei Gruppenspiele und das Viertelfinale bestritten. In Guadalajara hat sich der Mann, der vor Turnierbeginn bei Hong Myung-bo nur eine Reserverolle eingenommen hatte, mit 25 Jahren in die Startelf-Diskussion für das Mexiko-Spiel gespielt.
Son ohne Tor: Was Mexiko-Spiel und Bilanz jetzt bedeuten
Son Heung-min beendete sein WM-2026-Auftaktspiel nach 90 Minuten mit Null Toren, vier Abschlüssen, einer Doppelchance in der ersten Hälfte - und dem Trostpreis Auftaktsieg. Was sein Trainer Hong Myung-bo schon vor dem Turnier eingeräumt hatte (“Heung-min Son ist das Herz unserer Mannschaft - ich habe nicht einen Moment an ihm gezweifelt”), blieb auf dem Platz zumindest am ersten Spieltag eine Erzählung ohne Beweis. Die Sportschau-Vorschau am Mittwoch hatte das LAFC-Statistikproblem (null Tore, neun Assists in 13 MLS-Spielen) zum Aufhänger gemacht - das Bild wackelt jetzt nicht so stark, weil die Mannschaft ohne ihn drei Punkte holt.
Für den nächsten Auftritt am 19. Juni um 03:00 MESZ gegen Co-Gastgeber Mexiko zurück in Guadalajara ist die Tabelle bereits eine schwere Hypothek. Mexiko führt nach dem 2:0 gegen Südafrika die Gruppe an, ein Remis im direkten Duell würde Südkorea ins Achtelfinal-Rennen wuchten. Der bisher schnellste Achtelfinal-Einzug der koreanischen WM-Geschichte ist nach zwei Spielen drin. Das Modell für Mexiko gegen Südkorea ist bereits am Mittwoch veröffentlicht worden.
Für Tschechien dagegen wird das zweite Spiel am 18. Juni in Atlanta gegen Südafrika zum Endspiel. Die Mannschaft von Ivan Hašek ist nach 20 Jahren Pause auf die WM-Bühne zurückgekehrt - und steht am Rand der frühen Heimfahrt, sollten die nächsten 90 Minuten gegen die ebenfalls geschlagenen Südafrikaner nicht ähnlich engagiert geraten wie die zweiten 45 Minuten in Guadalajara. Das Kader-Profil mit Koubek, Šochůřek und Schick bleibt dabei das gleiche - die Frage ist, ob Hašek aus dem 1:2 die richtigen Lehren zieht. Vor dem Anpfiff hatte das Modell im Vorbericht zu Südkorea gegen Tschechien einen knappen Sieg der Koreaner als wahrscheinlichstes Resultat ausgewiesen. Das Modell bekommt vom Spielplan-Pillar jetzt einen Treffer mehr.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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