Zum Inhalt springen
WM 2026

Mexiko 2:0 Südafrika: Quiñones, Jiménez und drei Platzverweise zum WM-Auftakt 2026

Mexiko gewinnt das WM-Eröffnungsspiel 2026 vor 80.824 Fans im Azteca mit 2:0 gegen Südafrika. Drei rote Karten, Jiménez trifft, der Fluch ist gebrochen.

Von Marco Feldmann 11. Juni 2026

Raúl Jiménez jubelt nach dem 2:0 im WM-Eröffnungsspiel am 11. Juni 2026 im Estadio Azteca in Mexiko-Stadt. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Co-Gastgeber Mexiko hat das WM-Eröffnungsspiel der Fußball-WM 2026 am Donnerstagabend mit 2:0 (1:0) gegen Südafrika gewonnen und damit den 96-jährigen Eröffnungsspiel-Fluch beendet. Vor 80.824 Zuschauern im ausverkauften Estadio Azteca trafen Julián Quiñones in der 9. und Raúl Jiménez in der 57. Minute. Drei rote Karten in einer einzigen Partie sind ein neuer Negativrekord für ein WM-Eröffnungsspiel. Mexiko ist erster Tabellenführer der Gruppe A und der gesamten WM.

Quiñones nutzt Sitholes Patzer - das erste Tor der WM 2026

Schon nach acht gespielten Minuten schenkte Südafrikas Innenverteidiger Yaya Sithole dem Gegner das Eröffnungstor. Der 24-Jährige verlor im eigenen Strafraum gegen Quiñones die Übersicht, der Stürmer von Al-Qadsiah schob den Ball trocken ins leere Tor. Es war das erste Tor der WM 2026, gefallen unter den Augen des brasilianischen Schiedsrichters Wilton Sampaio. “Ich bin sehr glücklich und emotional, denn ich habe das erste Tor geschossen”, sagte Quiñones bei der ARD.

Mexiko ließ den Bafana Bafana danach keine Zeit zum Sortieren. Trainer Javier Aguirre hatte sein Team in einem 4-2-3-1 aufgestellt, mit dem zurückgekehrten Routinier Guillermo Ochoa im Tor und der Doppel-Sechs Edson Álvarez/Luis Romo. Über die rechte Seite kombinierten Quiñones und Roberto Alvarado immer wieder Richtung Grundlinie. Bis zur 60. Minute lag Mexiko mit 14 zu 3 Torschüssen vorn.

Sitholes Rot in der 49. Minute - der Wendepunkt

Vier Minuten nach Wiederanpfiff war für Sithole Schluss: Brian Gutiérrez hatte sich auf der linken Seite frei gespielt und zog Richtung Strafraum, der Südafrikaner kam mit einem rüden Einsteigen als letzter Mann zu spät. Sampaio zeigte ohne Zögern Rot. In Unterzahl zog sich Hugo Broos’ Team auf die eigene Hälfte zurück, was Mexikos Übergewicht endgültig zementierte. Hinten verteidigte der mit nur 26 Jahren als Kapitän aufgebotene César Montes routiniert, vorne suchte Aguirre den schnellen zweiten Treffer.

Den lieferte Jiménez in der 57. Minute. Eine Alvarado-Flanke vom rechten Strafraumrand köpfte der Fulham-Stürmer ungestört aus zentraler Position ein. Es war Jiménez’ erstes WM-Tor in seiner vierten Endrundenteilnahme nach 2014, 2018 und 2022 - und es schloss thematisch an den Modell-Vorbericht zum Eröffnungsspiel an, der einen knappen mexikanischen Heimsieg als wahrscheinlichstes Resultat ausgewiesen hatte.

Jiménez köpft mit Stirnband - die Wolverhampton-Geschichte

Das Bild der Nacht: ein 34 Jahre alter Stürmer mit dunklem Stirnband, der den Ball aus 11 Metern unhaltbar in die linke Ecke nickt. Das Stirnband trägt Jiménez seit dem 29. November 2020. Damals prallte er im Premier-League-Spiel für die Wolverhampton Wanderers im Emirates Stadium mit Arsenals David Luiz zusammen und erlitt einen Schädelbruch. Eine Notoperation rettete dem damals 29-Jährigen die Karriere, sein Comeback gelang erst im August 2021. Seither läuft Jiménez nur mit dem schützenden Kopfband auf - es ist zugleich Markenzeichen und Mahnung. Sein WM-Auftakttor 2026 schloss einen langen Bogen.

Zwei weitere rote Karten in der Schlussphase

Das Spiel war längst entschieden, als Themba Zwane in der 84. Minute nach einem VAR-Check wegen Tätlichkeit ebenfalls vom Platz musste. Südafrika beendete die Begegnung zu neunt. In der Nachspielzeit (90.+) zog auch Mexikos Kapitän Montes mit einer Notbremse gegen einen aufgerückten Bafana-Stürmer den dritten Roten Karton der Partie. Drei Platzverweise hatte es zuvor in keinem WM-Eröffnungsspiel der Geschichte gegeben.

“Es ist schade, wir hatten gar keine Chance, eine zweite Halbzeit zu spielen”, sagte Südafrika-Coach Hugo Broos hörbar enttäuscht und kritisierte den zweiten Platzverweis seiner Mannschaft scharf. Bafana-Spielmacher Zwane gilt im zweiten Gruppenspiel der Südafrikaner am 18. Juni in Atlanta gegen Tschechien für mindestens ein, vermutlich aber zwei Pflichtspiele gesperrt.

Eröffnungsspiel-Fluch nach 96 Jahren beendet - der Blick voraus

Mit dem 2:0 von Mexiko-Stadt endete eine Fluch-Serie, die seit dem WM-Debüt 1930 gegen Frankreich (1:4) angehalten hatte. Vier weitere Auftakte (1950 gegen Brasilien 0:4, 1958 gegen Schweden 0:3, 1970 gegen die Sowjetunion 0:0, 2010 gegen Südafrika 1:1) waren ohne Sieg geblieben. Mexiko ist das Land mit den meisten WM-Eröffnungsspielen überhaupt - nun gibt es einen ersten Auftaktsieg im sechsten Anlauf.

In der 66. Minute durfte der erst 17-jährige Gilberto Mora für Quiñones ran. Damit ist der Stürmer von Xolos Tijuana jüngster Spieler dieser WM 2026 und stellt einen mexikanischen Rekord auf, der Hugo Sánchez ablöst. Im Gruppen-A-Programm eröffnen am 12. Juni um 4 Uhr deutscher Zeit Südkorea und Tschechien im Estadio Akron in Guadalajara den zweiten Spieltag. Mexiko trifft am 19. Juni in Atlanta auf Südkorea, Südafrika empfängt einen Tag zuvor in Vancouver Tschechien.

Vor dem Anpfiff hatte das Aztekenstadion die Eröffnungsfeier mit Shakira, Burna Boy und Maná erlebt; FIFA-Präsident Gianni Infantino und Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sprachen kurze Grußworte. Eine fünfminütige Verzögerung beim Anpfiff war die einzige Schramme an einem aus mexikanischer Sicht perfekten Eröffnungstag - vor 22 Uhr MESZ stand fest: Der Auftakt der größten WM aller Zeiten gehört dem Gastgeber.

Die komplette WM-Spielplan-Übersicht führt durch alle 104 Partien bis zum Finale am 19. Juli in East Rutherford. Bis dahin sind es noch 38 Tage. Ein erster Schritt ist getan - und er gehört Mexiko.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026