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WM 2026

VAR-Premiere bei der WM 2026: Makkelie dreht Reams Gelb zu Almirón um

Schiedsrichter Makkelie hat bei USA-Paraguay erstmals die neue IFAB-Regel angewendet: Reams Gelb zurück, Almirón Verwarnung wegen Schwalbe.

Von Die Redaktion 13. Juni 2026

Referee Danny Makkelie rules out Harry Kane #10 of Tottenham Hotspur goal after a VAR check during the UEFA Champions League match Tottenham Hotspur vs Sporting Lisbon at Tottenham Hotspur Stadium, London, United Kingdom Foto: News Images via SmartFrame

Es war die 53. Minute am SoFi Stadium in Inglewood, als die WM 2026 ihre erste vollständige VAR-Korrektur einer Verwarnung erlebte. Schiedsrichter Danny Makkelie hatte gerade Tim Ream die Gelbe Karte gezeigt, die Hand des Niederländers ging an die Kopfhörer. Aus der Videozentrale meldete sich der Assistent. Zwei Minuten später war Reams Verwarnung annulliert, Miguel Almirón hatte sie wegen einer Schwalbe übernommen. Eine Premiere für die neue IFAB-Regel zur Korrektur falscher Verwarnungen und ein Lehrstück über die Lücken, die sie öffnet.

Was in der 53. Minute am SoFi Stadium passierte

Der Spielstand beim Eingriff war bereits klar: Die USA führten mit 3:1 gegen Paraguay, Folarin Balogun hatte einen Doppelpack erzielt. Almirón setzte zum Antritt im rechten Halbraum an, Ream stellte den Fuss, aus Sicht von Makkelie war der Kontakt klar genug für die Gelbe Karte. Der Niederländer zeigte sie. Sekunden später war er an der Linie und schaute sich die Szene noch einmal an. Anschliessend wandte er sich an den Schreiberblock, kassierte Reams Karte ein und verwarnte stattdessen Almirón. Begründung: Schwalbe.

Sportschau bestätigt den Ablauf im Liveblog ebenso wie im USA-Paraguay-Spielbericht: Die Karte für Ream wurde annulliert, stattdessen erhielt Almirón die Verwarnung wegen einer Schwalbe. Kicker spricht in seiner Bewertung von einem VAR-Novum, der ersten realen Anwendung der neuen Befugnis in einem WM-Spiel.

Welche neue VAR-Regel hier zum Einsatz kam

Das International Football Association Board hat im Februar 2026 den Aufgabenkatalog des Video-Assistenten dreifach ausgeweitet: Eckball-Abstoss-Tausch, Zweite Gelbe vor der Roten und die sogenannte falsche Verwarnung. Letzteres lässt sich knapp zusammenfassen: Wenn der Schiedsrichter den falschen Spieler mit Gelb erwischt, darf der VAR jederzeit korrigieren.

In der Buchstaben-Logik passt der Vorgang am SoFi Stadium genau dorthin. Ream war als Foulender ausgemacht, der VAR sah die Szene als Schwalbe, also war die Verwarnung für Ream “falsch zugeordnet”. Makkelie kassierte sie ein und richtete sie an den tatsächlichen Vergehensverursacher, in diesem Fall den Simulanten. Verfahrenstechnisch sauber.

Warum die Auslegung umstritten ist

Genau hier setzt die Diskussion an, die kicker als “zweifelhaft” markiert hat. Das IFAB hatte bei seiner Hauptversammlung im walisischen Hensol Castle klargestellt: Bewusst nicht ausgeweitet wurde der VAR auf Fouls im Vorlauf einer Aktion oder auf strittige Schwalben in der Mitte des Spiels. Die Schwelle für ein Eingreifen bleibt das klare und offensichtliche Fehlurteil.

Strittige Schwalben standen explizit nicht auf der Erweiterungsliste. Über die Tür der falschen Verwarnung ist die Schwalbenbewertung gleichwohl in den VAR-Katalog gelangt. Wenn der Schiedsrichter ein Foul nicht erkennt und stattdessen den geprellten Spieler verwarnt, kann der VAR ihn nach Almirón-Logik künftig immer bitten, die Karte zum anderen Spieler wandern zu lassen. Das umgekehrte Szenario, in dem kein Foul vorlag, aber der Schiri Gelb für den vermeintlich Gefoulten zückt, wird damit jederzeit angreifbar.

Die Frage ist nicht akademisch. Der VAR darf nach FIFA-Protokoll nur bei klaren und offensichtlichen Fehlurteilen eingreifen. War die Almirón-Schwalbe so eindeutig, dass jeder Beobachter sie auf den ersten Blick als Simulation erkannt hätte? Die TV-Bilder lassen Spielraum: leichter Kontakt, der Paraguayer ging ohne Not zu Boden. Klar war das nur für den, der mit dem Vergrösserungsglas an mehrere Wiederholungen ging, im Live-Tempo nicht.

Was das für die nächsten 100 WM-Spiele bedeutet

Drei Lesarten lassen sich aus dem Vorgang ableiten:

  • VAR-Aktivismus: Wenn die Auslegung in Los Angeles Schule macht, werden Schiedsrichter bei jedem Schwalbenverdacht früher gefragt sein, weil das Tor zum Eingreifen nun durchschritten ist. Das könnte Tempo aus emotionalen Phasen nehmen oder sie nur länger werden lassen.
  • Risiko für Simulanten: Stürmer, die im Strafraum gerne nachhelfen, bekommen einen neuen Risikofaktor. Auch der Mittelfeldspieler-Antritt wie der von Almirón ist seit Freitagnacht VAR-relevant.
  • Klärung wird nötig: Die FIFA oder das IFAB werden sich vermutlich noch im Verlauf der Gruppenphase zur Auslegung positionieren müssen. Sonst bauen die Schiedsrichter ihre Linien selbst, was Inkonsistenzen produziert.

Pierluigi Collina, der Schiedsrichter-Chef der FIFA, hatte sich seit Ende Mai mehrfach zu VAR-Einsatz und halbautomatischem Abseits geäussert. Zum Schwalben-Schlupfloch liegt noch keine offizielle Erklärung vor. Der nächste WM-Spieltag mit Brasilien gegen Marokko und am Sonntag Deutschland gegen Curaçao wird zeigen, ob die Almirón-Auslegung Bestand hat.

Häufige Fragen zur VAR-Korrektur Ream-Almirón

Was war das VAR-Novum beim Spiel USA gegen Paraguay? In der 53. Minute hat Schiedsrichter Danny Makkelie nach Hinweis des Video-Assistenten die Gelbe Karte für US-Verteidiger Tim Ream zurückgenommen und stattdessen den Paraguayer Miguel Almirón wegen einer Schwalbe verwarnt. Es war die erste reale Anwendung der neuen IFAB-Regel zur Korrektur falscher Verwarnungen bei einer WM.

Welche IFAB-Regel hat Makkelie hier angewendet? Die Korrektur einer falschen Verwarnung. Sie wurde am 28. Februar 2026 von der IFAB-Hauptversammlung beschlossen und gilt seit dem Eröffnungsspiel der WM 2026. Wenn der Schiedsrichter den falschen Spieler mit Gelb erwischt, darf der VAR jederzeit eingreifen und die Karte umverteilen.

Warum ist die Auslegung umstritten? Das IFAB hatte ausdrücklich gesagt, dass strittige Schwalben in der Spielmitte nicht in den VAR-Katalog aufgenommen wurden. Über die Tür der falschen Verwarnung ist die Schwalbenbewertung in Los Angeles trotzdem zum VAR-Thema geworden. Kritiker sprechen von einem Schlupfloch.

Wer war Schiedsrichter beim WM-Spiel USA-Paraguay? Der Niederländer Danny Makkelie. Er gehört zum FIFA-Schiedsrichter-Aufgebot für die WM 2026 und hat am 13. Juni 2026 das Spiel am SoFi Stadium in Inglewood geleitet.

Wie ging das Spiel USA gegen Paraguay aus? Die USA gewannen mit 4:1. Folarin Balogun schoss einen Doppelpack, ausserdem trafen Bobadilla (Eigentor) und Reyna. Für Paraguay verkürzte Mauricio.

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Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

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