USA 4:1 Paraguay: Balogun-Doppelpack, Pulisic-Show und der Gastgeber-Traumstart im SoFi Stadium
USA - Paraguay 4:1 (3:0): Folarin Balogun trifft doppelt, Bobadilla-Eigentor, Reyna-Schlusspunkt. Gastgeber-Spielbericht aus dem SoFi Stadium Los Angeles.
Von Marco Feldmann 13. Juni 2026
Der Heim-WM-Start ist gelungen: Die USA haben das Eroeffnungsspiel der Gruppe D am Freitagabend im SoFi Stadium von Los Angeles mit 4:1 (3:0) gegen Paraguay gewonnen. Folarin Balogun erzielte in der 31. und der 45.+5 Minute zwei Tore, Damian Bobadilla traf in der 8. ins eigene Netz, Joker Giovanni Reyna setzte in der 90.+8 per Aussenrist den Schlusspunkt. Mauricio verkuerzte fuer Paraguay in der 73. Minute zwischenzeitlich auf 1:3. Mauricio Pochettino sprach nach Abpfiff von einem “unglaublichen” Auftritt, Stuermer Ricardo Pepi nannte die Atmosphaere im Inglewood-Rund “fantastisch”. Im 70.000 Zuschauer fassenden Rund, kurz nach der Show mit Katy Perry, Future und Tyla bei der WM-Eroeffnungsfeier im SoFi Stadium, war der erste sportliche Akt der USA-Heim-WM ein Statement.
Bobadilla-Eigentor in der 8.: Der Pochettino-Plan greift sofort
Pochettino schickte die USA in einem klar nach vorne ausgerichteten 4-3-3 ins Rennen. Christian Pulisic stand auf der linken Aussenbahn, Tim Weah auf der rechten, Folarin Balogun, der Stuermer von AS Monaco, agierte zentral. Tyler Adams und Weston McKennie besetzten die Doppelsechs vor der Innenverteidigung um den 39-jaehrigen Tim Ream (Charlotte FC) und Chris Richards. Matt Freese stand im Tor.
Schon die zweite Strafraumaktion der Partie brachte die Fuehrung. Eine Hereingabe von der rechten Seite landete in der Mitte vor Damian Bobadilla, der den Ball unter Druck von Balogun ins eigene Tor lenkte. 1:0 fuer den Gastgeber, 8. Minute - und der ohrenbetaeubende Jubel im Stadion zeigte sofort, dass dieses Spielfeld in Inglewood, sonst Heimat der Los Angeles Rams und Chargers, an diesem Abend dem Fussball gehoerte. Paraguays Trainer Gustavo Alfaro, der die Paraguay-Truppe um Enciso und Alderete seit der Quali stabilisiert hat, hatte sich auf eine kompakte Defensivordnung verlassen - sie wurde innerhalb von acht Minuten geknackt.
Balogun-Doppelpack 31. und 45.+5: Die US-Spitze macht das Spiel kaputt
Die USA blieben in Vorwaertsbewegung. In der 16. Minute haemmerte Balogun den Ball ins Netz, der Treffer zaehlte aber wegen einer Abseitsposition nicht - sowohl Balogun als auch Pulisic standen vor der Abwehrlinie. Eine Viertelstunde spaeter sass die Aktion. Pulisic eroberte den Ball im linken Halbraum, dribbelte am Aussenfussverteidiger vorbei und legte flach in die Mitte auf Balogun, der aus 14 Metern ins lange Eck einschoss. 2:0, 31. Minute, das erste WM-Tor des Stuermers im Trikot des Heimatlandes.
Kurz vor der Pause setzte Balogun den Doppelpack. Tief in der Nachspielzeit der ersten Haelfte (45.+5) traf der AS-Monaco-Stuermer per Traumtor, wie es sportschau.de in seiner Live-Bewertung nannte. Der Pausenpfiff folgte fast unmittelbar. 3:0 zur Halbzeit, Balogun mit seinem ersten WM-Doppelpack, das SoFi Stadium drehte fast durch. Es war der Moment, in dem aus der Heim-Eroeffnung ein Fest wurde.
Pulisic-Show auf der linken Seite - Pochettinos Halbzeit-Wechsel
Pulisic war bis dahin der auffaelligste US-Akteur gewesen. Mehrere direkte Tor-Beteiligungen, dauerhaftes Eins-gegen-Eins auf der linken Seite. Die Auswechslung in der Pause war daher die ueberraschendste Pochettino-Entscheidung des Abends. Der Argentinier nahm den AC-Mailand-Profi vom Platz - eine Schonung mit Blick auf die kommenden Pflichtspiele in Seattle und Inglewood. “Es fiel ihm schwer zu laufen”, erklaerte Pochettino nach dem Schlusspfiff. Eine Verletzung schloss er aus, die Belastung der vergangenen Wochen sei der Grund gewesen.
Pochettino hatte das US-Team im September 2024 von Gregg Berhalter uebernommen und Pulisic von Tag eins als Schluesselspieler markiert. Vor der WM 2026 hatten die USA in der Vorbereitung mit dem 3:2 gegen den Senegal und dem knappen 1:2 gegen das DFB-Team in Chicago ein gemischtes Bild abgeliefert. Der Auftritt gegen Paraguay sortiert die Bilder neu - vor allem das in der Defensive.
Paraguays 5er-Kette unter Alfaro: Warum der Plan nicht aufging
Alfaro hatte mit einer 5-3-2-Grundordnung begonnen - fuenf Mann auf einer Linie, zwei Sechser davor, Antonio Sanabria und Julio Enciso vorne. Der Plan: tief stehen, Konter aus der Tiefe ueber Enciso. Was auf der Taktiktafel funktioniert, scheiterte am zweiten Schritt - Paraguay kam in der ersten Halbzeit nicht aus dem eigenen Sechzehner heraus. Die Fuenfer-Defensive verhinderte zwar Distanzschuesse, oeffnete aber Halbraum-Korridore, weil die Aussenverteidiger gegen Pulisic und Weah gebunden waren. Bezeichnend: die Modell-Lesart aus dem Vorbericht der WM-Auftaktpartie hatte einen US-Sieg mit zwei Toren Differenz als wahrscheinlichste Variante gesehen - bei drei Toren Differenz war die Spanne ueberschritten, was die Schwere der paraguayischen Auftakt-Pleite unterstreicht.
Erst der 1:3-Anschlusstreffer durch Mauricio in der 73. Minute brachte kurz Hoffnung. Die war jedoch verbraucht, als Reyna in der Nachspielzeit den Schlusspunkt setzte.
VAR-Kuriosum: Ream-Verwarnung wird zur Schwalbe Almiróns
Eine Szene aus der 53. Minute geht in die WM-Geschichte ein: Schiedsrichter Danny Makkelie aus den Niederlanden verwarnte zunaechst Tim Ream nach einem Zweikampf mit Miguel Almirón. Nach einem VAR-Check bog der Niederlaender die Entscheidung um - die Gelbe Karte gegen Ream wurde zurueckgenommen, stattdessen sah Almirón Gelb wegen Schwalbe. Ein seltener Akt der ueberholten Entscheidung mid-match, der die Veraenderung der VAR-Praxis bei der FIFA seit der vergangenen Klub-WM unterstreicht. Bei der WM 2026 sollen Karten-Korrekturen explizit gestattet sein, wenn der VAR eine eindeutig falsche Erstentscheidung erkennt. Almirón blieb auf dem Platz, Ream spielte ohne Verwarnung weiter.
Mauricio und Reyna in der Schlussphase - was die 73./90+8 fuer beide Seiten heissen
Paraguays 1:3 in der 73. Minute kam zu spaet, um das Spiel zu drehen, aber rechtzeitig genug, um die Statistik des Abends ertraeglich zu machen. Mauricio nutzte einen kurzen US-Stellungsfehler im Strafraum zum Anschlusstreffer. Fuer den Suedamerikaner ist der Treffer Aufwind im Hinblick auf das zweite Gruppenspiel gegen die Tuerkei am 20. Juni.
Reynas Schlusspunkt war dagegen ein Statement der Generation 2000. Der Sohn des ehemaligen US-Internationals Claudio Reyna, der bei Borussia Moenchengladbach spielt und seine Bundesligakarriere bei Borussia Dortmund begonnen hatte, war erst eingewechselt worden. Sein Aussenrist-Schuss von rechts in den linken Torwinkel war das Tor des Abends. Mit dem Treffer setzt Reyna ein persoenliches Comeback-Zeichen, das im Kontext der Reyna-Berhalter-Affaere aus der WM 2022 erst recht Gewicht bekommt.
Was das 4:1 fuer Gruppe D und den deutschen WM-Start in Houston heisst
Die USA stehen in Gruppe D mit drei Punkten und 4:1 Toren vorne. Das parallele Duell zwischen Australien und der Tuerkei steigt am Sonntag, 14. Juni, um 06:00 MESZ in Vancouver. Der zweite US-Spieltag folgt am 19. Juni um 21:00 MESZ in Seattle gegen Australien, Paraguay trifft am 20. Juni um 06:00 MESZ in San Francisco auf die Tuerkei. Mit Blick auf die K.o.-Runde der besten 32, in die bei der WM 2026 erstmals 32 statt 16 Mannschaften einziehen, ist der Auftaktsieg fuer Pochettinos Mannschaft ein deutlicher Schritt Richtung Zwischenrunde - kein Pflichtbaustein, aber ein psychologischer.
Fuer das DFB-Team am Samstagabend in Houston liefert der Abend zwei Botschaften. Erstens: Der Heimvorteil der USA ist real - die Akustik des SoFi Stadium und die Energie der Heim-Fans waren spuerbar. Zweitens: Die Sicherheits- und Reise-Architektur der WM-Veranstalter, die zuvor von der politischen Frage rund um US-Praesident Donald Trump dominiert war, hat den ersten echten Test bestanden. Pochettino ist mit der US-Auswahl drei Punkte naeher am Achtelfinale dran. Jetzt zaehlt fuer das DFB-Team, das im Auftaktspiel gegen Curacao am Samstag den eigenen Heim-WM-Sound finden muss, derselbe Standard: der ueberzeugende Start.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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