WM 2014 in Brasilien: Deutschlands Weg zum vierten Stern
WM 2014 in Brasilien: Deutschlands Weg zum vierten WM-Titel - die Vorrunde, das 7:1 gegen Brasilien in Belo Horizonte und Mario Götzes Tor in der 113. Minute des Finales gegen Argentinien.
Von Nina Hartmann 03. Mai 2026
Bei Hochsommer-Temperaturen in Brasilien, in der Hitze von Salvador und der Höhe von Belo Horizonte, holte Deutschland 2014 den vierten Stern - und löschte dabei nebenbei eine 24 Jahre alte Wartezeit. Was zwischen dem 16. Juni in Salvador und dem 13. Juli in Rio passierte, ist die wahrscheinlich vollständigste Reise einer deutschen Mannschaft seit dem “Sommermärchen”: eine generationenstarke Auswahl, ein historisches Halbfinale, ein Joker-Tor in der Verlängerung des Finales.
Die Ausgangslage: zwölf Jahre Umbau, eine Generation am Ziel
Bei der WM 2014 in Brasilien traf Deutschland mit einer Mannschaft an, die seit Jahren auf diesen Moment hingearbeitet hatte. Jürgen Klinsmann hatte 2004 den DFB-Umbau eingeleitet, Joachim Löw übernahm 2006 und führte die Mannschaft zu drei Halbfinals (2006 Heim-WM, EM 2008, WM 2010) und einem EM-Finale (2008). Was bis 2014 fehlte, war der letzte Schritt - der Titel. Die Auswahl, die in Brasilien antrat, war ein eingespielter Block: Manuel Neuer im Tor, Mats Hummels und Jérôme Boateng in der Innenverteidigung, Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira im Mittelfeld, Thomas Müller und Mesut Özil davor, Miroslav Klose vorne. Im Lauf des Turniers bekamen André Schürrle und Mario Götze ihre Schlüsselmomente.
Die Vorrunde: 4:0, 2:2, 1:0
Der Auftakt am 16. Juni in Salvador war ein Statement: 4:0 gegen Portugal, drei Tore von Thomas Müller (darunter ein Elfmeter), einer von Hummels. Pepe sah früh Rot. Sechs Tage später in Fortaleza folgte das einzige holprige Spiel der Vorrunde - 2:2 gegen Ghana, ein Spiel, in dem die Mannschaft physisch an Grenzen kam und ein Tor von Klose (das ihn auf 15 brachte, Gleichstand mit Ronaldo) den Punkt rettete. Im Abschluss-Match in Recife dann ein zähes 1:0 gegen die USA, das die Gruppenführung in Gruppe G sicherte.
Das Achtelfinale: 2:1 gegen Algerien
Was als deutscher Spaziergang gegen einen vermeintlich kleineren Gegner wahrgenommen wurde, wurde am 30. Juni in Porto Alegre zur Geduldsprobe. Algerien lief mit einem hoch organisierten 4-2-3-1, presste die Deutschen früh, brachte Manuel Neuer mehrfach in Verlegenheit. Das 0:0 nach 90 Minuten war kein Zufall. In der Verlängerung trafen erst Schürrle nach Hereingabe von Müller, dann Özil zum 2:0. Das späte Anschlusstor von Abdelmoumene Djabou (1:2) blieb folgenlos. Im Viertelfinale wartete Frankreich - ein 1:0 in Rio durch einen Hummels-Kopfball nach Toni-Kroos-Freistoß, bei dem Mats Hummels nach 13 Minuten traf und das Spiel danach mit kontrolliertem Ballbesitz zu Ende verwaltet wurde.
Das 7:1 von Belo Horizonte
Was am 8. Juli im Mineirão von Belo Horizonte geschah, ist Fußballgeschichte. Brasilien, das Gastgeberland, eine fußballverrückte Nation mit fünf WM-Sternen, ohne den verletzten Neymar und den gesperrten Thiago Silva - aber dennoch der ein Spiel zuvor gegen Kolumbien gewonnene Stolz. Was folgte, kann man nicht erfinden:
- 11. Minute: Thomas Müller köpft eine Ecke ungehindert zum 1:0 ein
- 23. Minute: Miroslav Klose drückt nach einem Querpass den Ball über die Linie - sein 16. WM-Tor, neuer Allzeitrekord, vorbei an Ronaldo
- 24. Minute: Toni Kroos zum 3:0
- 26. Minute: Toni Kroos zum 4:0
- 29. Minute: Sami Khedira zum 5:0
Fünf Tore in 18 Minuten gegen den Gastgeber eines WM-Halbfinales. Joachim Löw nahm danach in der zweiten Halbzeit Tempo aus dem Spiel, ließ Klose und Khedira raus. Schürrle traf in der 69. und 79. Minute zum 6:0 und 7:0. Oscar gelang in der 90. Minute der Anschluss zum 7:1. Ein ganzes Land stand im Mineirão im Schock - es war die schwerste Halbfinal-Niederlage in der WM-Geschichte für einen Gastgeber. Wer mehr zu Klose und seinem Rekord lesen will: Ewige WM-Torjägerliste.
Das Finale: Götzes Linksschuss
Ins Finale am 13. Juli im Maracanã von Rio kam Argentinien um Lionel Messi, das sich nüchtern durch sein eigenes Turnier gebissen hatte. Es wurde ein zähes, hochnervöses Endspiel: Gonzalo Higuaín vergab in der ersten Halbzeit freistehend, Manuel Neuer parierte mehrfach, die deutsche Offensive um den frühzeitig verletzten Christoph Kramer (Wechsel auf Schürrle) fand nicht zu ihrem Rhythmus. 0:0 nach 90 Minuten. Es ging in die Verlängerung.
In der 113. Minute dann die Szene, die jeder kennt: André Schürrle zieht über links durch, flankt halbhoch in den Strafraum, Mario Götze nimmt den Ball mit der Brust an, lässt fallen und schießt mit dem Linken ins lange Eck. 1:0. Götze, der gerade 22 Jahre alt war, war damals erst in der 88. Minute ins Spiel gekommen. Was Joachim Löw ihm beim Einwechseln gesagt haben soll - “Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi” - wurde später zur Folklore. Argentinien hatte noch zehn Minuten, mehr nicht. Schlusspfiff: Deutschland zum vierten Mal Weltmeister, der erste europäische Titel auf amerikanischem Boden.
Was 2014 hinterlassen hat
Vier Sterne, eine Generation am Ziel, ein historisches Halbfinale - und ein neuer WM-Rekordtorschütze. Miroslav Klose beendete nach diesem Turnier seine Nationalmannschaftskarriere mit 16 WM-Toren in vier Endrunden (2002 bis 2014), die Ewige WM-Torjägerliste zeigt ihn bis heute an der Spitze. Mario Götze wurde später Bundestrainer-Lieblingsspieler in Mainz und Eintracht Frankfurt; sein Tor blieb das einzige WM-Tor seiner Karriere. Die Mannschaft, die in Brasilien Weltmeister wurde, scheiterte vier Jahre später in Russland als Titelverteidigerin in der Vorrunde - eine der härtesten Rückkehrgeschichten der WM-Historie. Die Geschichte beider Pole findet sich unter WM 2018 und in der Aufarbeitung aller vier deutschen WM-Titel.
Vor der WM 2026 bleibt aus 2014 die wichtigste Lehre: Mit einer eingespielten Generation, ohne große Egos, ist auch der Titel möglich - so unwahrscheinlich er aus heutiger Sicht für die Mannschaft von Julian Nagelsmann auch ist. Alles zum aktuellen Stand: Deutschland bei der WM 2026 und im evergreen Porträt der deutschen Nationalmannschaft.
Häufige Fragen zur WM 2014
Wie endete das WM-Finale 2014? Deutschland gewann das Finale am 13. Juli 2014 im Maracanã von Rio de Janeiro mit 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien. Das entscheidende Tor erzielte Mario Götze in der 113. Minute nach Vorarbeit von André Schürrle. Es war der vierte WM-Titel für Deutschland.
Wie kam es zum 7:1 gegen Brasilien? Das Halbfinale am 8. Juli in Belo Horizonte war eine der ungewöhnlichsten WM-Partien überhaupt. Deutschland traf zwischen der 11. und 29. Minute fünfmal (Müller, Klose, Kroos zweimal, Khedira), schaltete dann einen Gang zurück und legte in der zweiten Halbzeit durch Schürrle nach. Brasiliens Anschlusstor durch Oscar fiel erst kurz vor Schluss.
Wer wurde 2014 WM-Torschützenkönig? Der Kolumbianer James Rodríguez mit sechs Toren - darunter ein viel gefeierter Volleyschuss aus der Drehung im Achtelfinale gegen Uruguay. Deutschlands bester Torschütze bei dem Turnier war Thomas Müller mit fünf Treffern.
Warum überholte Miroslav Klose 2014 Ronaldo als WM-Rekordtorschützen? Klose schoss im Halbfinale gegen Brasilien sein 16. WM-Tor und überholte damit Ronaldo (15 Tore) als alleinigen Rekordhalter aller WM-Endrunden. Die komplette Liste steht unter Ewige WM-Torjägerliste.
Was war 2014 Deutschlands schwierigstes Spiel vor dem Halbfinale? Das Achtelfinale gegen Algerien am 30. Juni in Porto Alegre. Die Mannschaft von Joachim Löw lief in eine hoch organisierte, kampfstarke afrikanische Auswahl und gewann erst in der Verlängerung 2:1 (Schürrle und Özil; Anschluss durch Djabou).
Autor
Nina HartmannRedakteurin Frauenfußball & Analyse
Nina Hartmann deckt den Frauenfußball ab - von der Frauen-WM 2027 in Brasilien bis zu den DFB-Frauen - und liefert daten- und taktikgetriebene Analysen zu großen Turnieren.