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WM 2026

WM-Finale 2026: Madonna, Shakira und BTS bei der Halbzeitshow - aber 25 Minuten Pause sind ein Problem

Madonna, Shakira und BTS spielen die Halbzeitshow beim WM-Finale 2026 in New Jersey. Coldplay-Sänger Chris Martin produziert, FIFA folgt dem Super-Bowl-Modell - und löst eine Debatte um Spielerschutz aus.

Von Marco Feldmann 14. Mai 2026

MetLife Stadium in East Rutherford (New Jersey) - hier findet am 19. Juli 2026 das WM-Finale samt erster offizieller Halbzeitshow der WM-Geschichte statt. Foto: New York Jets / Dan Szpakowski via SmartFrame

Es ist die erste WM mit einer offiziellen Halbzeitshow nach Super-Bowl-Manier - und sie hat ein Problem, bevor der erste Ton gespielt ist. Am 14. Mai 2026, gut neun Wochen vor dem Anpfiff im MetLife Stadium, hat Coldplay-Sänger Chris Martin in einem Social-Media-Video die Besetzung bestätigt: Madonna, Shakira und die K-Pop-Band BTS spielen im Endspiel der Fußball-WM 2026. Drei Namen, die das Stadion füllen würden, ohne dass auch nur ein Ball rollt. Genau das aber ist der Knackpunkt: Damit Madonna und Co. ihre Setlist abspielen können, soll die Halbzeit auf rund 25 Minuten ausgedehnt werden - fast doppelt so lang wie es das Regelwerk vorsieht. Trainer, Mediziner und die regelgebende IFAB sind nicht begeistert.

Die bestätigte Besetzung

Die Verkündung kam über Chris Martin selbst, nicht über eine FIFA-Pressekonferenz. Der Coldplay-Frontmann fungiert als Music Director der Show - in derselben Rolle, in der er bereits das Halbzeit-Spektakel des Klub-WM-Finales 2025 verantwortet hat. Damals traten Coldplay selbst sowie Doja Cat, J Balvin und Tems auf; Martin nutzte den Auftritt offen als Generalprobe für das Megaformat 2026.

Für das WM-Finale stehen drei Headliner fest:

  • Madonna, 67, mit der größten Live-Erfahrung des Trios und einem Repertoire, das in praktisch jeder Setlist funktioniert.
  • Shakira, die kolumbianische WM-Sängerin schlechthin - “Waka Waka” (2010) und “La La La” (2014) waren offizielle WM-Songs der FIFA.
  • BTS, die im Frühjahr 2025 aus der zeitweisen Pause wegen des südkoreanischen Militärdienstes zurückgekehrte K-Pop-Gruppe, die das jüngere und globalste Publikum mitbringt.

Produziert wird die Show wie schon bei der Klub-WM von Global Citizen zusammen mit der FIFA. Weitere Acts sind nicht ausgeschlossen - bei der Klub-WM kam Emmanuel Kelly erst rund eine Woche vor dem Auftritt dazu.

Warum 25 Minuten Halbzeit ein Problem sind

Das eigentliche Spielfeld dieser Geschichte ist nicht das MetLife Stadium, sondern eine Regel: Die IFAB-Spielregeln sehen eine Halbzeitpause von maximal 15 Minuten vor. Diese 15 Minuten sind kein Verwaltungsdetail, sondern sportmedizinisch begründet. Sie sind kurz genug, dass die Muskulatur nicht auskühlt, lang genug für taktische Ansprache, Flüssigkeit und Toilettengang.

25 Minuten verschieben dieses Gleichgewicht spürbar. Was passiert, hat Néstor Lorenzo, Trainer der kolumbianischen Nationalmannschaft, schon vor Monaten unmissverständlich gemacht: “Das kann die Spieler treffen. Sie kühlen ab, das Verletzungsrisiko steigt.” Sportmediziner stützen diese Sorge - längere Pausen erhöhen statistisch das Risiko von Muskelverletzungen unmittelbar nach Wiederanpfiff. Trainer müssten ihre Halbzeitchoreografie umstellen: zweites Warm-up, kürzere Ansprache, eventuell andere Substitutionsdynamik.

Hinzu kommt ein zweiter, leiserer Aspekt: das Fernsehprogramm. Für die deutschen Zuschauer, die das Spiel ab 21:00 Uhr MESZ im ZDF und in der ZDFmediathek verfolgen, bedeuten zusätzliche zehn Minuten Halbzeit eine Verschiebung des Abpfiffs in Richtung 23:30 Uhr - bei Verlängerung mit Elfmeterschießen weit nach Mitternacht. Die Anstoßzeiten in MESZ waren bei dieser WM ohnehin schon ein Streitthema.

Wer produziert die Show - und warum das nicht überrascht

Dass Chris Martin die Show macht, ist konsequent. Coldplay sind die kommerziell erfolgreichste Live-Band der laufenden Dekade; ihre “Music of the Spheres”-Tour spielte bis Anfang 2026 über 12 Millionen Tickets ein. Martin selbst hat in interviews mehrfach betont, er sehe Großveranstaltungen als “Plattform mit Verantwortung”. Die FIFA wiederum sucht den popkulturellen Anschluss an den US-Markt - die WM 2026 ist die erste mit den USA, Kanada und Mexiko als Gastgebern, und 78 der 104 Spiele werden in den USA gespielt.

Global Citizen, die NGO hinter der Produktion, ist seit Jahren Partner der FIFA für die “FIFA + UEFA + UN”-Achse beim Thema Klima und Bildung. Aus deren Sicht ist die Halbzeitshow eine globale Plattform: ein TV-Publikum, das beim Klub-WM-Finale 2025 in den USA allein 6,3 Millionen Live-Zuschauer hatte und beim WM-Finale 2026 nach FIFA-Schätzung 1,5 bis 2 Milliarden Augenpaare weltweit erreichen wird.

Das Super-Bowl-Vorbild - und der Bruch mit FIFA-Tradition

Das Format wurde nicht erfunden, sondern importiert. Die Super-Bowl-Halftime-Show der NFL ist seit Jahrzehnten ein eigener Programmpunkt: ungefähr 13 Minuten Show, sorgfältig produziert, mit Spitzenacts von Michael Jackson über Beyoncé bis zu Kendrick Lamar (2025). Die NFL hat dafür ihre Halbzeit traditionell bei 12 bis 15 Minuten gehalten - die Show passt also halbwegs ins Korsett.

Die FIFA dagegen entscheidet sich, das Korsett zu sprengen. 25 Minuten sind kein Super-Bowl-Format mehr, sondern ein neues. Wer sich Klub-WM-Finale-2025-Aufnahmen anschaut, erkennt das Problem: Spieler standen am Spielfeldrand, einige machten Aufwärmübungen in Trikots, andere zogen Trainingsjacken über. So sieht eine WM-Halbzeit nicht aus - sie sieht so aus, wie es bislang vor Beginn des Spiels aussah.

Pikant: Innerhalb der FIFA ist die Sache nicht unumstritten. Die IFAB, in der die FIFA und die vier britischen Verbände jeweils Sitze haben, hat in den letzten Jahren eher kürzere Pausen diskutiert, etwa für die Cool-down-Phasen bei extremer Hitze. Dass das Endspiel jetzt in die andere Richtung schwenkt, hat in den vergangenen Monaten zu klar formulierter Kritik aus Trainerkreisen geführt.

Was das fürs Endspiel bedeutet

Sportlich ist die Halbzeitshow erstmal ein Nebenschauplatz - aber sie kann zur Pointe des Turniers werden, falls in der zweiten Halbzeit eine frische Verletzung kommt, die sich plausibel auf die lange Pause zurückführen lässt. In dem Fall hat die FIFA eine Erklärungs-Lawine zu rollen. Bis dahin gilt: Madonna, Shakira und BTS werden den Soundtrack zum WM-Finale 2026 liefern, das Stadion füllt sich, das ZDF bekommt die größte Sportübertragung des Jahres - und ein bisschen NFL-DNA bleibt nun auch im wichtigsten Spiel des Weltfußballs hängen.

Eine letzte Zahl als Einordnung: Beim WM-Finale 2014 in Rio (Deutschland gegen Argentinien) gab es eine vierminütige Trommelchoreografie und ein kurzes Konzert - vor Anpfiff. Beim WM-Finale 2018 in Moskau spielten Will Smith, Era Istrefi und Nicky Jam ebenfalls vor Anpfiff. Beim WM-Finale 2022 in Katar gab es eine kurze Choreografie zur Eröffnung, in der Pause aber wieder nichts. 2026 wird die erste WM sein, bei der zwischen 22:01 und etwa 22:26 Uhr Ortszeit nicht über Fußball geredet wird, sondern über Setlists. Eine Premiere, die der FIFA gefällt - und die der Mannschaft, deren Linksverteidiger sich in Minute 47 die Wade zerrt, gar nicht gefallen wird.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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