Zum Inhalt springen
WM-Geschichte

WM 2022 in Katar: Messis Krönung und das vielleicht beste Finale aller Zeiten

WM 2022 in Katar: Lionel Messi krönt sich zum Weltmeister, Kylian Mbappé erzielt einen Hattrick im Finale, Argentinien gewinnt im Elfmeterschießen 4:2 - die wahrscheinlich beste WM-Partie überhaupt.

Von Marco Feldmann 01. Mai 2026

Wer am 18. Dezember 2022 das Endspiel der WM in Lusail gesehen hat, hat ein Stück Fußballgeschichte miterlebt. 120 Minuten, in denen ein 0:2 zu einem 2:2 wurde, dann zu einem 3:2, dann zu einem 3:3, und am Ende ein Elfmeterschießen, in dem Argentinien knapper gewann, als das Spiel selbst verlangt hätte. Lionel Messi krönte sich, Kylian Mbappé erzielte einen Hattrick und gewann trotzdem nicht. Es gibt Stimmen, die von der besten WM-Partie überhaupt sprechen - und sie haben einen Punkt.

Der Kontext: erste Winter-WM, erste arabische WM

Die WM 2022 in Katar war von Anfang an außergewöhnlich. Erstmals fand das Turnier im Winter statt - vom 20. November bis 18. Dezember 2022 - weil die katarischen Temperaturen im Sommer Spielen im Freien entgegenstanden. Erstmals war ein arabisches Land Gastgeber. Sportlich begann die WM mit einem Schock: Argentinien verlor das erste Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien mit 1:2 und stand früh unter Druck. Frankreich wiederum reiste als Titelverteidiger an - mit dem Trauma der Ausfälle von Karim Benzema, N’Golo Kanté und Paul Pogba im Gepäck.

Argentiniens Weg ins Finale

Nach dem Saudi-Arabien-Aus ging es für Lionel Scalonis Mannschaft nur noch über das Müssen. Ein 2:0 gegen Mexiko, ein 2:0 gegen Polen sicherten den Gruppensieg. Im Achtelfinale 2:1 gegen Australien, im Viertelfinale 4:3 nach Elfmeterschießen gegen die Niederlande (2:2 nach 120 Minuten, ein irres Duell, das mit einem späten van-Dijk-Ausgleich in die Verlängerung ging), im Halbfinale 3:0 gegen Kroatien - mit zwei Toren von Julián Álvarez und einem von Lionel Messi.

Frankreichs Weg ins Finale

Frankreich machte es eleganter. 4:1 gegen Australien, 2:1 gegen Dänemark, 1:0 gegen Tunesien (Niederlage mit B-Elf, irrelevant für die Tabelle). Im Achtelfinale 3:1 gegen Polen, mit zwei Toren von Mbappé, im Viertelfinale 2:1 gegen England (Harry Kane verschoss einen Foulelfmeter), im Halbfinale 2:0 gegen Marokko - die afrikanische Überraschungsmannschaft des Turniers, die als erste afrikanische Nation überhaupt in ein WM-Halbfinale eingezogen war. Der Weg ins Finale war anstrengender als für Argentinien, aber souveräner.

Das Finale Minute für Minute

Am 18. Dezember 2022 im Lusail Stadium, dem 88.000-Plätze-Bau nördlich von Doha. Argentinien spielte in der ersten Stunde, was es das ganze Turnier gespielt hatte: Pressing, Tempo, Messi an den richtigen Stellen. 23. Minute: Ángel Di María wird im Strafraum gefoult, Lionel Messi verwandelt den Elfmeter zum 1:0. 36. Minute: Schöner Angriff über links, der den Ball zu Di María bringt - 2:0. Frankreich war in den ersten 80 Minuten praktisch nicht im Spiel; Didier Deschamps wechselte früh um, brachte unter anderem Kingsley Coman und Eduardo Camavinga.

In der 80. Minute dann der Bruch: Mbappé verwandelt einen Foulelfmeter zum 2:1, der Stadionton im Lusail kippt. 81. Minute: Mbappé schießt aus der Drehung volley zum 2:2 ein - 97 Sekunden, in denen ein Spiel sich verändert. In der Verlängerung wechselt Argentinien wieder die Führung: 108. Minute, Messi drückt einen abgewehrten Schuss über die Linie - 3:2. Frankreich findet nicht mehr ins Spiel, bis in der 118. Minute ein Handspiel von Gonzalo Montiel im Strafraum vom Schiedsrichter erkannt wird: Mbappé verwandelt seinen dritten Elfmeter, 3:3, sein Hattrick - erster Hattrick in einem WM-Finale seit Geoff Hurst 1966.

Das Elfmeterschießen entschied Argentinien dann mit 4:2: Mbappé traf, Coman scheiterte an Emiliano Martínez, Aurélien Tchouaméni schoss am Tor vorbei. Gonzalo Montiel verwandelte den entscheidenden Versuch. Lionel Messi hatte seinen WM-Titel - mit 35 Jahren, in seinem fünften und voraussichtlich letzten WM-Turnier.

Was das Finale historisch macht

Sechs Tore in einem WM-Finale (3:3 nach 120 Minuten) gab es schon einmal: 1966 in Wembley (Englands 4:2 gegen Deutschland, der Hurst-Hattrick mit Wembley-Tor) und 1958 in Stockholm (Brasiliens 5:2 gegen Schweden). Aber kein Finale zuvor hat diese drei Eskalationsstufen kombiniert: einen 0:2-Rückstand mit Aufholjagd, einen Hattrick auf der Verlierer-Seite und ein Elfmeterschießen. Dazu kam die symbolische Aufladung - Messi gegen Mbappé, alt gegen jung, Argentinien gegen den Titelverteidiger. Mbappé wurde mit acht Toren Torschützenkönig, eine Bilanz, die er bei der WM 2026 als 27-Jähriger fortsetzen will. Mehr zu seinem WM-Stand: Ewige WM-Torjägerliste.

Eine genauere Einordnung der dramatischsten Endspiele der WM-Geschichte - inklusive 1966, 1994 und 2014 - findet sich in der Liste der dramatischsten WM-Finals aller Zeiten; 2014 als Gegenstück mit Götze-Tor ist unter WM 2014 und im Beitrag zu Deutschlands vier WM-Titeln verlinkt.

Was 2022 für 2026 bedeutet

Argentinien reist als amtierender Weltmeister zur WM 2026. Die Generation um Messi (39 in Sommer 2026), Ángel Di María (38), Nicolás Otamendi (38) wird nicht mehr in der gleichen Form da sein - eine Mischung aus altem Kern und einer neuen Mittelfeldachse um Enzo Fernández, Julián Álvarez und Alexis Mac Allister wird das Turnier aushalten müssen. Frankreich kommt mit einer Mannschaft, deren statistische Konstante seit Jahren Mbappé heißt. Wie sich die beiden Mannschaften ein knappes Jahr vor Anpfiff präsentieren, ordnen wir laufend in den Datenanalysen ein: WM 2026 Favoriten. Für die endgültigen Spielbilder Ende Juli muss man das Finale der WM 2026 abwarten.

Häufige Fragen zur WM 2022

Wie endete das WM-Finale 2022? Argentinien gewann das Finale am 18. Dezember 2022 in Lusail mit 3:3 nach Verlängerung und 4:2 im Elfmeterschießen gegen Frankreich. Lionel Messi traf zweimal, Kylian Mbappé erzielte für Frankreich einen Hattrick - es war der erste Hattrick in einem WM-Finale seit Geoff Hurst 1966.

Warum gilt das WM-Finale 2022 als das beste aller Zeiten? Wegen der Dramaturgie: Argentinien führte 2:0, Frankreich glich innerhalb von 97 Sekunden zum 2:2 aus, Messi schoss in der Verlängerung das 3:2, Mbappé verwandelte einen späten Elfmeter zum 3:3 - und im Elfmeterschießen behielt Argentinien die Nerven. Drei Tore von Mbappé, zwei von Messi, ein Elfmeterschießen - kein anderes Finale hat alle Eskalationsstufen zusammen geliefert.

Wer wurde 2022 WM-Torschützenkönig? Kylian Mbappé mit acht Toren - drei davon im Finale. Es war seine zweite WM-Endrunde nach 2018, bei der er als 19-Jähriger schon Weltmeister wurde. Lionel Messi kam auf sieben Treffer.

Wann fand die WM 2022 statt und warum im Winter? Vom 20. November bis 18. Dezember 2022. Die FIFA hatte das Turnier wegen der zu hohen Sommertemperaturen in Katar in den Winter verlegt - es war die erste WM in der arabischen Welt und die erste, die nicht im Sommer ausgetragen wurde.

Wer war 2022 Argentiniens Trainer? Lionel Scaloni - seit August 2018 im Amt. Er hatte mit Argentinien 2021 die Copa América und 2022 die WM gewonnen und gilt seither als einer der einflussreichsten Trainer der südamerikanischen Fußballgeneration.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM-Geschichte