WM 2026: SoFi-Stadium-Arbeiter stimmen mit 96 Prozent fuer Streik - sieben Tage vor USA gegen Paraguay
Sieben Tage vor USA-Paraguay haben 2.000 SoFi-Beschaeftigte mit 96 Prozent fuer Streik gestimmt. Was der Konflikt fuer die WM 2026 in Los Angeles bedeutet.
Von Marco Feldmann 06. Juni 2026
Eine Woche vor dem Anpfiff steht am wichtigsten US-Spielort der Fußball-WM 2026 ein Arbeitskonflikt mit konkretem Datum. Am Samstag haben 96 Prozent der rund 2.000 Beschaeftigten am SoFi Stadium bei Los Angeles fuer einen Streik gestimmt. Aus der Streikdrohung der Gewerkschaft Unite Here Local 11 vom Mai ist damit erstmals ein formaler Beschluss geworden. Die Tarifverhandlungen mit Stadionbetreiber Legends Global sind gescheitert, der bestehende Tarifvertrag ist ausgelaufen, und am 13. Juni soll an genau diesem Ort die US-Auswahl in die WM starten.
Was am 6. Juni passiert ist
Die Unite Here Local 11, in Suedkalifornien einer der grossen Dienstleistungs-Gewerkschaften, hat das Ergebnis ihrer Urabstimmung am Samstag bekanntgegeben. 96 Prozent der etwa 2.000 organisierten SoFi-Beschaeftigten - Catering, Sicherheit, Einlass, Reinigung - votierten fuer einen Ausstand. Ein konkretes Streikdatum nannte die Gewerkschaft zunaechst nicht; mit dem Beschluss in der Tasche darf der Vorstand jederzeit zum Mittel des Arbeitskampfs greifen.
Co-Praesident Kurt Petersen formulierte die Eskalation in unmissverstaendlicher Schaerfe. Legends Global, der Stadionbetreiber, nehme “die Bedenken und Forderungen nicht ernst genug”, so Petersen. Und die Gewerkschaft brachte den Konflikt auf eine Linie, die sie schon im Mai gefahren war: “Kein Beschaeftigter sollte zwischen seinem Arbeitsplatz und seiner Freiheit waehlen muessen.” Gemeint ist die Sorge, dass ein Einsatz bei den WM-Spielen Stadionarbeitende ohne dauerhaften US-Aufenthaltsstatus ins Visier der Einwanderungsbehoerde ICE bringen koennte.
Warum die Verhandlungen mit Legends Global scheiterten
In der Woche vor der Abstimmung hatten Gewerkschaft und Betreiber direkt verhandelt - ohne Ergebnis. Der bisherige Tarifvertrag fuer das SoFi Stadium ist abgelaufen, ein Anschlussvertrag steht aus. Knackpunkt ist nicht in erster Linie der Lohn, sondern eine Schutzklausel. Unite Here verlangt eine schriftliche Zusage, dass an WM-Spieltagen keine ICE-Agenten ins oder ums Stadion entsandt werden. Zusaetzlich soll die FIFA garantieren, dass die persoenlichen Daten der Beschaeftigten nicht an ICE, an Drittstaaten oder an Geheimdienste weitergereicht werden.
Diese Forderungen hatte die Gewerkschaft bereits im Mai oeffentlich formuliert. Damals reagierten Beschaeftigte mit einer Kundgebung und einer Beschwerde bei der US-Arbeitsbehoerde NLRB, von einem “Klima der Angst” war die Rede. Die Vorgeschichte der Streikdrohung am SoFi Stadium blieb damals ohne formelle Eskalation. Mit der Urabstimmung vom Samstag ist sie da.
Was das fuer USA gegen Paraguay und die acht SoFi-Spiele heisst
Am 13. Juni um 03 Uhr MESZ - lokaler Anpfiff am Vorabend in Los Angeles - soll die US-Mannschaft in der Gruppe D auf Paraguay treffen - das erste Heimspiel des Gastgebers, an einem der prestigetraechtigsten Spielorte des Turniers. Insgesamt richtet das SoFi Stadium in Los Angeles acht Partien der WM 2026 aus: fuenf in der Gruppenphase, zwei Sechzehntelfinals und ein Viertelfinale am 10. Juli. Damit liegt es nach Spielen gleichauf mit den ausgelasteten US-Arenen.
Ein Spielausfall ist Stand Samstagabend nicht angekuendigt, und auch die Gewerkschaft hat das nicht angedroht. Aber der Beschluss verschiebt das Druckverhaeltnis. Sollte Unite Here vor dem 13. Juni tatsaechlich streiken, wuerden Catering, Reinigung, Tickets, Einlass und Logenservice nicht regulaer laufen. Das WM-Spiel selbst - Schiedsrichter, Mannschaften, Zuschauer - waere davon nicht direkt betroffen, der Betrieb drumherum schon. Genau das ist das Druckmittel, das die Beschaeftigten in der Hand halten: ein voll besetztes WM-Stadion ohne sein eigenes Personal ist ein Imageproblem, bevor es ein logistisches wird.
ICE und das groessere Bild
Der SoFi-Konflikt steht nicht fuer sich. Er passt in die Linie der politischen Begleitmusik dieser WM, in der die Gastgeberrolle der USA seit Monaten Schlagzeilen ausserhalb des Sports erzeugt. Schon Mitte Mai berichteten wir, wie Trumps Einreisepolitik die WM 2026 ueberschattet und wie das ueber Visa-Fragen einzelner Teams hinausgeht - bis hin zur grundsaetzlichen Frage, ob Fans aus bestimmten Laendern ueberhaupt anreisen koennen.
Wichtig bleibt die Abgrenzung. Beim SoFi-Streit geht es nicht um Fan-Einreise, sondern um Beschaeftigten-Sicherheit im Gastgeberland. Beide Straenge speisen sich aus derselben verschaerften US-Migrationspolitik, betreffen aber unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Hebeln. Und am SoFi treffen sie an einem Spielort zusammen: Hier spielt nicht nur die US-Auswahl, hier treten in Gruppe G auch Iran zweimal an - am 16. Juni gegen Neuseeland und am 21. Juni gegen Belgien. Genau dort, wo Beschaeftigte den ICE-Einsatz fuerchten, spielt eine Mannschaft, deren Funktionaere zum Teil keine US-Visa bekommen haben.
Was deutsche Fans wissen muessen
Fuer die DFB-Elf hat der SoFi-Streit keine direkte Konsequenz - keines der drei deutschen Gruppenspiele findet in Los Angeles statt. Trotzdem ist die Lage am SoFi ein Indikator. Wenn der erste US-WM-Auftakt nicht im Stadion-Routinebetrieb laeuft, sondern unter Streikbedingungen oder mit improvisiertem Personal, gibt das den Ton fuer das Turnier vor.
Praktisch aendert sich fuer Reisende mit deutschem Pass dagegen nichts - die USA-Reise- und Einreise-Hinweise zur WM 2026 sind dieselben wie vor einer Woche: ESTA rechtzeitig beantragen, Ticket- und FIFA-ID-Daten konsistent halten, Pufferzeit einplanen. Aber das Bild vor dem 13. Juni wird genauer ausleuchten, ob aus dem Werbeversprechen einer einladenden WM Realitaet wird. Sieben Tage vor dem ersten US-Spiel hat die Antwort darauf 96 Prozent bekommen.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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