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WM 2026

WM-Tickets vor Gericht: New York und New Jersey ermitteln gegen die FIFA

Die Generalstaatsanwaltschaften von New York und New Jersey leiten eine Untersuchung gegen die FIFA wegen des WM-2026-Ticketverkaufs ein. Im Fokus stehen Dynamic Pricing und irreführende Sitzplatzkategorien.

Von Marco Feldmann 27. Mai 2026

Im MetLife Stadium in New Jersey steigt am 19. Juli 2026 das WM-Finale. Die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaats hat jetzt eine Untersuchung gegen die FIFA wegen des Ticketverkaufs eröffnet. Foto: New York Jets / Phebe Grosser via SmartFrame

Vier Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 holt die FIFA der Streit um ihren Ticketverkauf ein - und zwar nicht mehr nur in den Schlagzeilen, sondern auf juristischer Ebene. Die Generalstaatsanwaltschaften von New York und New Jersey haben am Mittwoch eine Untersuchung gegen den Weltverband angekündigt. Im Fokus: die undurchsichtigen Preise, die nachträgliche Vergabe von Sitzplätzen und die Frage, ob die FIFA US-Verbraucherschutzrecht verletzt hat. Aus Kalifornien ist bereits ein zweiter Vorstoß unterwegs.

Was die Behörden der FIFA vorwerfen

Den Ton hat Jennifer Davenport gesetzt, Generalstaatsanwältin von New Jersey. Ihre Wortwahl ist deutlich: Der WM-Ticketverkauf sei ein “Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und horrenden Preisen”, das auf Kosten der Fans gehe. Fans hätten unter anderem zunächst Tickets in einer bestimmten Sitzplatzkategorie gekauft - und seien dann, noch bevor ein konkreter Platz zugewiesen wurde, in eine schlechtere Kategorie heruntergestuft worden. Die Anfrage der Behörden zielt sowohl auf interne Unterlagen des Weltverbands als auch auf die Kommunikation mit dem offiziellen Ticketmarktplatz “FIFA Resale”.

Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta hat bereits einige Tage zuvor ein eigenes Schreiben an die FIFA geschickt. Auch er prüft Verstöße gegen Verbraucherschutzrecht - der US-Bundesstaat ist mit Los Angeles und der San Francisco Bay Area zweimal WM-Spielort. Die FIFA ist damit gleichzeitig in drei Bundesstaaten unter Druck, die zusammen 17 der 78 US-Partien austragen.

Dynamic Pricing - was hinter den Preisschwankungen steckt

Der inhaltliche Hauptvorwurf dreht sich um das sogenannte Dynamic Pricing. Die FIFA verkauft die Tickets über ein Portal, das den Preis je nach Nachfrage in Echtzeit anpasst: Greifen viele Fans gleichzeitig auf eine Partie zu, steigen die Kosten innerhalb von Minuten - ein Mechanismus, den Verbraucher von Hotelbuchungen oder Fluglinien kennen. Übertragen auf den Fußball heißt das: Zwei Fans im selben Block können für identische Plätze deutlich unterschiedliche Summen bezahlt haben, je nach dem Zeitpunkt ihres Kaufs.

Für die WM 2026 ist das ein Novum. Bei den WMs 2018 in Russland und 2022 in Katar galten feste Preiskategorien. Erst die FIFA-Führung um Gianni Infantino hat das System nach US-amerikanischem Vorbild übertragen - und genau das ist es, was die Generalstaatsanwaltschaften auf den Plan ruft. Aus deren Sicht wäre die Kombination aus Dynamic Pricing und der nachträglichen Umkategorisierung schon verkaufter Tickets ein klassischer Tatbestand der irreführenden Geschäftspraxis.

Was Fans für deutsche WM-Spiele bisher zahlen mussten

Die nackten Zahlen geben den Behörden Argumente. Der Einstiegspreis für das erste deutsche WM-Spiel gegen Curaçao am 14. Juni 2026 in Houston lag laut Sportschau-Recherche bei 155 Euro - in der billigsten Kategorie und nur kurz nach Verkaufsstart verfügbar. Wer das deutsche Gruppenspiel gegen Ecuador im MetLife Stadium am 25. Juni hinzunehmen wollte, zahlte allein für die zwei Tickets schnell vierstellige Summen.

Die Spitze markiert das Finale. Im MetLife Stadium in New Jersey verlangt die FIFA für das WM-Endspiel am 19. Juli 2026 ab 3.580 Euro pro Ticket - in der Eckkategorie wohlgemerkt, nicht auf der Mittelachse. Wer die kompletten DFB-Spiele von der Vorrunde bis zu einem hypothetischen Finale plant, kommt nach derselben Rechnung auf über 14.000 Euro - allein für Eintrittskarten. Hinzu kommen Anreise, Stadion-Parkplatz und ÖPNV-Aufschläge, die in New Jersey eigene Konfliktherde produziert haben.

FIFAs Reaktion: Schweigen und ein Infantino-Zitat

Auf die Anfrage der Generalstaatsanwaltschaften hat die FIFA bislang nicht geantwortet, eine inhaltliche Stellungnahme lehnt der Verband ab. Bemerkenswert wirkt das vor allem deshalb, weil Infantino die Preise in den vergangenen Wochen mehrfach öffentlich verteidigt hatte. “Wir müssen den Markt betrachten”, sagte er auf dem FIFA-Kongress - die USA seien ein hochentwickelter Unterhaltungsmarkt, dort gelte ein anderes Preisniveau als bei früheren Turnieren.

Was nach klassischer Konzern-Rhetorik klingt, ist im aktuellen Verfahren strategisch heikel: Sobald eine Behörde formell eine Untersuchung ankündigt, wird jede öffentliche Aussage zum Beweismittel. Hinzu kommt, dass Infantino unter US-Recht persönlich haftbar gemacht werden könnte, sollte die Staatsanwaltschaft von New York Verstöße gegen den General Business Law-Paragraf zu täuschenden Geschäftspraktiken belegen.

Was das für deutsche WM-Reisende bedeutet

Konkret: Wer noch keine Tickets gebucht hat, sollte mit weiterhin schwankenden Preisen rechnen - eine kurzfristige Korrektur durch die FIFA wäre nicht im Sinne ihres Geschäftsmodells. Käufer mit bereits gebuchten Tickets, die eine Herunterstufung ihrer Kategorie erlebt haben, können das Verfahren in den USA verfolgen: Sollte eine der Staatsanwaltschaften zu einem Vergleich kommen, sind in der amerikanischen Praxis Rückerstattungen oder Sammelklagen möglich, an denen sich auch ausländische Käufer beteiligen können.

Praktischer Tipp für die deutsche Anhängerschaft: Der DFB selbst hat für seine drei Vorrundenspiele über das offizielle Verbands-Kontingent günstigere Festpreis-Tickets bekommen - allerdings nur in begrenzter Stückzahl und mit Mitglieds-Vorsprung. Wer ohne dieses Kontingent nach Nordamerika fliegen will, findet auf unserer Übersicht zu Tickets, Fan-ID und FIFA-Resale das aktuelle Bestellprocedere. Was am Ende kostet das auch sein wird - die Justiz in New York und New Jersey wird darauf in den nächsten Monaten ihre eigene Antwort geben.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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