Xhaka-Kritik sorgt im Schweizer WM-Lager fuer Unruhe: Mitspieler fuehlen sich unwohl, Bosnien wartet
Granit Xhakas oeffentliche Kritik nach dem 1:1 gegen Katar sorgt im Schweizer WM-Lager fuer Unruhe. Blick meldet: Mitspieler fuehlen sich unwohl. Am Donnerstag wartet Bosnien.
Von Marco Feldmann 17. Juni 2026
In der Nacht auf den 17. Juni 2026 hat ein Bericht des Schweizer Boulevardblattes ‘Blick’ das Lager der Schweizer Nationalmannschaft im kalifornischen San Diego in Aufruhr versetzt. Mehrere Mitspieler von Kapitaen Granit Xhaka sollen sich nach dessen scharfer Kritik am Auftritt der Nati beim 1:1-Auftakt gegen Katar unwohl fuehlen. Knapp 40 Stunden vor dem Pflichtsieg-Spiel gegen Bosnien und Herzegowina am Donnerstag, 18. Juni, im SoFi Stadium in Los Angeles ist die Stimmungslage damit das beherrschende Thema rund um Trainer Murat Yakin und sein Team.
Was Xhaka nach Katar gesagt hat
Direkt nach dem enttaeuschenden 1:1 gegen Katar am vergangenen Samstag im Levi’s Stadium in Santa Clara hatte Xhaka die Performance seiner Mitspieler oeffentlich seziert. Der 33-jaehrige Bayer-Leverkusen-Profi sprach von einem Weckruf, davon, dass die Mannschaft im zweiten Durchgang den Rhythmus verloren habe und Spieler nicht in ihren Positionen geblieben seien. “Jeder rannte irgendwohin”, lautete eine seiner Beobachtungen.
Die zentralen Quotes des Kapitaens nach dem spaeten Ausgleich von Boualem Khoukhi:
- “Mit dieser Leistung wird es definitiv schwer. Wir duerfen uns nicht zu sicher fuehlen.”
- “Das war sicher ein Weckruf, wir muessen aufwachen.”
- “Wir muessen die Zuegel anziehen, sonst fahren wir nach drei Spielen heim.”
Zusaetzlich verwies Xhaka kryptisch auf “Sachen, die in der vergangenen Woche nicht gut gewesen seien” - eine Bemerkung, die ohne Konkretisierung im Raum stehen blieb und die Schweizer Boulevardpresse zu Spekulationen ueber interne Themen jenseits des Platzes ermunterte.
Es war bereits die zweite oeffentliche Ansage des Kapitaens innerhalb von neun Tagen. Schon nach dem 1:1 im Testspiel gegen Australien am 6. Juni in San Diego hatte er angekuendigt: “Wenn wir an der WM so auftreten, fahren wir nach drei Spielen nach Hause.”
Blick-Bericht: Mitspieler fuehlen sich unwohl
Der entscheidende Punkt des nun publik gewordenen Berichts: Nicht die Substanz der Kritik wird in der Mannschaft hinterfragt, sondern die oeffentliche Form. Der ‘Blick’ zitiert “Quellen aus dem Umfeld der Nati” mit der Aussage, mehrere Spieler haetten sich durch die wiederholten Wachruf-Statements ihres Kapitaens vor dem versammelten Schweizer Fernsehen und der internationalen Presse blossgestellt gefuehlt.
Konkrete Namen werden in dem Bericht nicht genannt. Auch oeffentlich hat sich bisher kein Spieler kritisch zu Xhaka geaeussert. Das Schweizer Online-Portal ‘watson.ch’ griff den Bericht in der Nacht auf den 17. Juni um 02:18 Uhr MESZ auf, kicker.de zog kurz davor um 02:01 Uhr MESZ nach. Beide aggregierten die Blick-Recherche, ohne eigene Quellen aus dem Lager San Diego zu nennen.
Auffaellig ist der Kontext: Die Schweiz hatte gegen Katar 17 Minuten gebraucht, um per Foulelfmeter von Breel Embolo in Fuehrung zu gehen, die folgenden 78 Minuten allerdings nicht das zweite Tor zugelegt. In der 95. Minute koepfte Khoukhi den Ausgleich. Aus Sicht der favorisierten Schweiz war das ein verlorenes Spiel mit einer Bilanz aus drei WM-Auftakten der DACH-Region, die Deutschland mit einem 7:1-Schaulaufen gegen Curacao klar fuer sich entschied.
Vargas haelt oeffentlich dagegen
Der erste Mitspieler, der sich vor seinen Kapitaen stellt, ist Stuermer Ruben Vargas. Der Frankfurt-Profi sagte oeffentlich: “Ich finde es gut, wenn man Dinge anspricht.” Damit positionierte sich Vargas klar auf der Seite Xhakas - eine Aussage, die der Blick-Bericht in seinem Stimmungsbild auf der Soll-Seite einordnet, weil sie das Bild der “gespaltenen Kabine” nicht stuetzt, sondern relativiert.
Andere Stuetzen der Nati - Manuel Akanji, Yann Sommer (mittlerweile Backup-Keeper hinter Gregor Kobel), Remo Freuler, Silvan Widmer - haben sich im Lager bisher zur Sache nicht geaeussert. Die naechste Schweizer Mannschafts-Pressekonferenz ist fuer Mittwochnachmittag MESZ in Long Beach angesetzt und duerfte das Thema in den Mittelpunkt ruecken.
Die Yakin-Xhaka-Frage: zu viel Macht beim Kapitaen?
Der heikelste Aspekt der Blick-Recherche betrifft Trainer Murat Yakin selbst. Aus dem Umfeld der Mannschaft wird die Sorge geaeussert, der Kapitaen sei mittlerweile “zu maechtig” geworden, ohne dass es ein internes Gegengewicht gebe. Yakin beziehe Xhaka, so der Vorwurf, in Entscheidungen ein, “die ueber die Kompetenzen eines Spielers hinausgehen wuerden”.
Die Folgen sind politischer Natur: Wenn Xhaka als verlaengerter Arm des Trainerstabs wahrgenommen wird, koennen seine oeffentlichen Wachruf-Statements von Mitspielern nicht mehr als kollegiale Kritik einsortiert werden, sondern als Schiedsspruch eines Quasi-Vorgesetzten. Genau hier setzt das berichtete Unwohlsein an. Yakin selbst hat sich zu der Konstruktion bislang nicht oeffentlich geaeussert.
Bemerkenswert ist, dass die Schweiz in der WM-Qualifikation 2025 gegen Schweden gerade deshalb noch einmal die Kurve bekommen hatte, weil sich die Achse Yakin-Xhaka als belastbar erwiesen hatte. Die Frage des Sommers 2026 lautet, ob diese Achse unter dem Erwartungsdruck einer 48er-WM ohne Pufferzeit weiter trage.
Deja-vu 2023: Als Xhakas Kritik die Wende brachte
Bemerkenswert ist, dass Xhakas Methode der oeffentlichen Mannschafts-Ansage in der jueneren Vergangenheit funktioniert hat. SRF Sport ordnete die aktuelle Lage in einer Analyse explizit als “Deja-vu” der Episode aus dem Herbst 2023 ein. Damals hatte Xhaka mitten in der EM-Qualifikation oeffentlich Defizite in Spielweise und Trainings-Organisation angesprochen - mit dem Ergebnis, dass sich die Nati anschliessend fuer die EURO 2024 in Deutschland qualifizierte und dort eine starke Vorrunde spielte, ehe sie im Viertelfinale am spaeteren Finalisten England scheiterte.
Der entscheidende Unterschied 2026: Zeitdruck. Damals lag zwischen Xhakas Ansage und dem ersten Turnierspiel fast ein Dreivierteljahr. Heute sind es vier Tage. Yakin und der Kapitaen haben kein Polster, um eine zerruettete Kabinenstimmung wieder zusammenzusetzen, bevor die Punktevergabe beginnt.
Was das fuer Schweiz gegen Bosnien am Mittwoch bedeutet
Auf dem Platz steht am Donnerstag, 18. Juni 2026, um 21:00 Uhr MESZ im SoFi Stadium in Los Angeles ein zweiter Spieltag in Gruppe B, den die Schweiz - rein sportlich - gewinnen muss, um den Achtelfinaleinzug nicht schon nach drei Spielen abschreiben zu muessen. Drei Antworten muss Yakin bis Mittwochabend MESZ finden:
- Aufstellungs-Korrektur: Bleibt es bei der 4-3-3-Grundordnung mit Akanji-Elvedi-Rodriguez-Widmer hinten und Xhaka-Freuler-Aebischer im Mittelfeld, oder kommt die in den Tests erprobte Dreierkette zurueck? Senkrechtstarter Johan Manzambi (Eintracht Frankfurt) liefert nach seinem Einwechsel gegen Katar die Argumente fuer einen Startelf-Aufstieg.
- Stimmungs-Management: Yakin muss bis Mittwochnachmittag MESZ entscheiden, ob er die Xhaka-Frage in der PK offensiv aufgreift oder dem Kapitaen die Buehne ueberlaesst. Schweigen wuerde die Geschichte bis zum Anpfiff am Donnerstagabend ungebremst weitertragen.
- Druck-Verteilung: Die Vorbereitungs- und Quoten-Sicht auf das Bosnien-Spiel sieht die Schweiz als Favoritin. Der bosnische Aussenseiter-Status passt allerdings exakt zur Situation, in der Aussenseiter nach dem 1:1 die Schweiz erstmals seit langem ohne offen-systemische Selbstverstaendlichkeit antreten sehen werden.
Was am Donnerstag in Los Angeles passiert, wird daher nicht nur ein Spiel sein, sondern ein Stimmungstest fuer eine Konstruktion, die parallel zu den juengsten Gruppen-I-Aufschlaegen rund um den Frankreich-Sieg gegen Senegal und das norwegische 4:1 gegen den Irak bislang als belastbar galt. Der Druck auf die Achse Yakin-Xhaka ist da. Die Antwort steht noch aus.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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