Zidane-Debut mit Sieg, Mbappe verletzt: Frankreich schlaegt die Tuerkei 1:0
Zinedine Zidanes erstes Pflichtspiel als Frankreichs Nationaltrainer endet 1:0 in Kocaeli. Mbappe trifft in der 54. Minute und zieht sich beim Schuss eine Knieverletzung zu.
Von Marco Feldmann 25. September 2026
Zinedine Zidane hat sein erstes Pflichtspiel als Nationaltrainer Frankreichs gewonnen - und geht doch mit Sorgenfalten aus dem Kocaeli-Stadion. Die Equipe Tricolore setzte sich am Freitagabend im Auftakt zur neuen UEFA Nations League A, Gruppe 1, mit 1:0 gegen die Tuerkei durch. Kylian Mbappe traf in der 54. Minute zum Sieg und zog sich im selben Moment eine Knieverletzung zu, die ihn vorzeitig aus dem Trainingslager verabschiedet.
Wie das Tor fiel und wie Mbappe sich verletzte
Frankreich hatte gegen die kompakte tuerkische Fuenferkette lange kein Mittel gefunden. Michael Olises Direktabnahme aus der 43. Minute parierte Torhueter Ugurcan Cakir spektakulaer in den Winkel, kurz danach klaerte Merih Demiral vor Rayan Cherki. Nach dem Seitenwechsel hatte die Tuerkei Pech: Ismail Yueksek koepfte in der 50. Minute frei zum Ausgleich, Mike Maignan parierte.
Vier Minuten spaeter fiel dann doch das 1:0 fuer Frankreich, und der Weg zum Tor war ein Sinnbild fuer Zidanes gewuenschten Spielstil - hohe Balleroberung, schneller Vertikal-Pass, individuelle Klasse im Strafraum. Olise gewann in der tuerkischen Haelfte einen Ball, bediente Mbappe im linken Strafraum, und der Kapitaen zog aus halblinker Position ab. Der Ball schlug ein, doch Mbappe blieb liegen und griff sich ans Knie. Er versuchte kurz, weiterzumachen, dann kam er kurz darauf vom Feld. Fuer ihn brachte Zidane Desire Doue.
Zidane nach dem Spiel: “Es sieht leider nicht gut aus”
Auf der Pressekonferenz nach dem Schlusspfiff war Zidanes Sorge deutlich zu hoeren. “Es sieht leider nicht gut aus. Ich denke, er wird zurueckreisen muessen”, antwortete der 54-Jaehrige auf die erste Frage zu Mbappes Zustand. Kurz darauf ergaenzte er die Prognose: “Ja, weil wir kein Risiko eingehen wollen. Er hat sich beim Schiessen das Knie ueberdehnt. Das sieht nicht sehr vielversprechend aus.”
Eine offizielle Diagnose steht noch aus, der Verband kuendigte eine MRT-Untersuchung nach Rueckkehr an. Fuer die drei restlichen Nations-League-Termine im Herbst-Fenster - Belgien-Auswaerts am Montag, Italien-Heim am kommenden Freitag und Belgien-Heim am 5. Oktober - wird Zidane damit ohne seinen wichtigsten Sturm-Anker planen muessen. Real Madrid, wo Mbappe bereits die Saison 2025/26 als Toptorschuetze der Champions League abgeschlossen hatte, duerfte den Bericht mit besonderer Aufmerksamkeit erwarten.
90 Minuten mit wenig Glanz
Das Match als solches lieferte Zidane wenige der spielerischen Argumente, mit denen er den Bruch zur Deschamps-Aera vor der Amtsuebernahme skizziert hatte. Die Sportschau schrieb, Zidanes Frankreich verspruehe “noch keinen Glanz” und habe stattdessen viel vom pragmatischen Deschamps-Fussball uebernommen. Die Tuerkei stand mit zwei tiefen Vierer-Reihen im 5-4-1 diszipliniert; Vincenzo Montellas Elf lebte defensiv von der Ordnung und liess bis auf die Olise-Aktion vor der Pause und den Mbappe-Treffer im zweiten Durchgang kaum echte Grosschancen zu.
Erst als Cakir in der 86. Minute wegen einer Notbremse mit dem Arm ausserhalb des Strafraums die Rote Karte sah - eine umstrittene, aber vom Video-Assistenten bestaetigte Entscheidung - erhielt Frankreich Raum fuer den Nachschlag, der aber nicht mehr fiel. Der Sieg blieb knapp, und die Pressekonferenz nach dem Spiel drehte sich in nahezu jeder Frage weniger um das Ergebnis als um Mbappes Knie.
Was die Aufstellung ueber Zidanes Handschrift verraet
Trotz der duennen Torbilanz war Zidanes Aufstellung ein Signal. Er hatte im ersten Frankreich-Kader fuenf Debutanten benannt, in der Startformation von Kocaeli setzte er aber vorerst auf routinierte Optionen: Mike Maignan im Tor, Adrien Truffert links hinten, davor die freie Rolle fuer den 21-jaehrigen Cherki hinter der Sturm-Reihe Mbappe, Michael Olise und Ousmane Dembele. Cherki im klassischen Zehner-Ansatz war der auffaelligste Unterschied zur Deschamps-Elf, die zuletzt bei der WM 2026 auf Zwei-Sechser mit ausbrechenden Achtern gesetzt hatte.
Der Trend bleibt gleichwohl derselbe wie am Turnier-Ende in Nordamerika: Frankreich lebt vom Sturm - und wenn ein Baustein wie Mbappe wegbricht, wackelt das gesamte Angriffs-Konzept. Zidane hatte im Umfeld seiner offiziellen Ernennung als Deschamps-Nachfolger gesagt, er wolle die Individual-Qualitaet der Angreifer staerker in Szene setzen. Ohne Mbappe muss er die Rechnung ab Montag neu aufmachen.
Was jetzt fuer Frankreich ansteht
Der Preview zu diesem Match hatte den vollen Herbst-Fahrplan skizziert: vier Nations-League-Spiele in elf Tagen, drei davon gegen Top-Zwoelf-Nationen der FIFA-Rangliste. Belgien-Auswaerts steigt am Montag, 28. September 2026, um 20:45 Uhr MESZ. Es folgt am Freitag, 2. Oktober, das Heim-Debut Zidanes gegen Italien im Stade de France in Saint-Denis - Roberto Mancinis Nations-League-Debut mit den Azzurri. Zum Herbst-Abschluss geht es am 5. Oktober gegen Belgien im eigenen Stadion.
Ohne Mbappe wird Zidane die Sturmzentrale neu ordnen muessen; Olise und Dembele bleiben auf den Fluegeln zentral, und Cherki bekommt Zeit, sich in der Zehner-Rolle einzuspielen. Auch mit Blick auf die WM-2030-Qualifikation, die im Fruehjahr 2027 beginnt, ist die kommende Woche ein wichtiger Test-Marker - der Frankreich-Nations-Profil-Eintrag fuehrt die Equipe Tricolore als amtierenden WM-Halbfinalisten und Nummer drei der FIFA-Weltrangliste; das Selbstverstaendnis fordert schnelle Wiedergutmachung.
Ein Trainer-Debut-Fenster mit vielen Gesichtern
Zidane ist der dritte Nationaltrainer eines europaeischen Top-Verbandes, der in dieser Woche sein A-Laenderspiel-Debut gab. Am Donnerstag begann Juergen Klopp mit dem 1:1-Unentschieden gegen die Niederlande in Amsterdam seine Bundestrainer-Amtszeit; am Samstag folgt Thomas Tuchel mit England gegen Spanien im Wembley. Zidanes Sieg ist bislang das einzige “Drei-Punkte-Ergebnis” dieses Debut-Fensters - erkauft allerdings mit der Sorge um einen der teuersten Sturm-Anker des Weltfussballs.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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