Zidane offiziell Frankreichs neuer Nationaltrainer - Vertrag bis nach der WM 2030
Der franzoesische Verband FFF hat Zinedine Zidane am 28. Juli 2026 offiziell als Deschamps-Nachfolger vorgestellt - der Vertrag laeuft bis nach der WM 2030 auf der iberischen Halbinsel.
Von Marco Feldmann 29. Juli 2026
▍ FRANKREICH / POST-WM 2026 · 29.07.2026 · 18:30 UHR - Der franzoesische Fussballverband FFF hat Zinedine Zidane am Dienstag, 28. Juli 2026, offiziell als neuen Cheftrainer der Equipe Tricolore vorgestellt. Der 54-jaehrige Weltmeister von 1998 und dreimalige Champions-League-Sieger als Trainer von Real Madrid uebernimmt die Mannschaft von Didier Deschamps, der am 17. Juli 2026 in Miami vor dem Spiel um Platz 3 gegen England nach 14 Jahren und sechs Turnieren als Nationaltrainer aufgehoert hat. Zidanes Vertrag laeuft bis nach der Weltmeisterschaft 2030 - derselbe Horizont, den auch der neue Bundestrainer Juergen Klopp seit dem 24. Juli 2026 beim DFB hat.
Die Bestellung: FFF-Vorstellung 28. Juli 2026 im Wortlaut
Der Personalie ging eine lange Bedenkzeit voraus. FFF-Praesident Philippe Diallo hatte Zidane bereits im Fruehjahr 2025 als Wunschkandidaten fuer die Deschamps-Nachfolge benannt, konkrete Vertragsverhandlungen aber auf die Post-WM-Phase gelegt. Nach dem WM-Aus in Dallas gegen Spanien am 5. Juli 2026 und der Deschamps-Karriere-Retrospektive vom 17. Juli in Miami hat die FFF die letzten Vertragsdetails bis Dienstagmittag geklaert und Zidane am Nachmittag im Verbandssitz in Paris vor der Presse vorgestellt.
Der Kern-Satz seiner ersten Ansprache: “Ich habe es oft gesagt: Es gibt nichts Groesseres als die franzoesische Nationalmannschaft. Daher ist es eine Freude und natuerlich eine grosse Ehre, Trainer dieser franzoesischen Nationalmannschaft zu werden.”
Der Satz ist mehr als Rhetorik. Zidane hatte in den vergangenen fuenf Jahren mehrere Trainer-Angebote abgelehnt - zuletzt von Paris Saint-Germain im Sommer 2024, davor von Manchester United und der brasilianischen Nationalmannschaft. Die Absagen hatten sich aus einer einzigen Konstante gespeist: Er wolle warten, bis der Trainerposten der Bleus frei wird. Dieser Moment ist mit dem Deschamps-Abschied nun eingetreten.
Der Vertrag: bis nach WM 2030 - parallel zu Klopp
Die Vertragslaufzeit ist der zweite bedeutsame Baustein der Bestellung. Zidane unterschreibt bis nach der Weltmeisterschaft 2030, die als 100-Jahres-Jubilaeums-Ausgabe der Weltmeisterschaft in Portugal, Spanien und Marokko ausgetragen wird - mit je einem Eroeffnungsspiel in Argentinien, Uruguay und Paraguay in Erinnerung an die erste WM 1930 in Montevideo. Zwischenetappen sind die UEFA-Nations-League ab September 2026, die EM-Qualifikation ab Herbst 2026 fuer die EM 2028 in Grossbritannien und Irland, dann die EM 2028 selbst und schliesslich die WM 2030.
Der Vertragshorizont ist damit identisch mit dem Klopp-Vertrag beim DFB, den Bernd Neuendorf am 24. Juli 2026 bei der Klopp-Vorstellung in Frankfurt bekannt gegeben hatte. Deutschland und Frankreich haben damit erstmals seit den Weltmeisterschaften 1998, 2002, 2006 und 2010 wieder eine synchrone Vertragslaufzeit ihrer Nationaltrainer - und in beiden Faellen ist der neue Trainer ein Zeitzeuge der Weltmeisterschaft 1998, in der Frankreich gegen Brasilien 3:0 durch zwei Zidane-Kopfball-Tore und einen Petit-Konter Weltmeister wurde und Deutschland im Viertelfinale gegen Kroatien 0:3 unterging.
Die parallele Post-WM-Coach-Cartography Europas ist damit fuer die naechsten vier Jahre nahezu vollstaendig neu besetzt. Belgien hat Mark van Bommel im Fruehsommer 2026 als Garcia-Nachfolger vorgestellt, Italien hat sich gegen Andrea Pirlo als Kandidat entschieden und laut sportschau.de am 28. Juli Roberto Mancini geholt, Spanien behaelt Luis de la Fuente nach dem Titel, Portugal setzt weiterhin auf Roberto Martinez, England behaelt Thomas Tuchel nach dem Bronze-Medaillen-Halbfinale. Die grossen europaeischen Verbandsteil-Aera ist mit Zidane in Frankreich und Klopp in Deutschland aus deutscher Sicht abgeschlossen umbesetzt.
Die Uebergabe: was Zidane von Deschamps erbt
Zidane uebernimmt eine Mannschaft in einem sehr spezifischen sportlichen Zustand. Unter Deschamps hat Frankreich ueber sechs aufeinanderfolgende Grossturniere stets mindestens das Halbfinale erreicht:
- EM 2016 zuhause - Finale, 0:1 nach Verlaengerung gegen Portugal in Saint-Denis.
- WM 2018 in Russland - Titel, 4:2 gegen Kroatien im Luschniki-Stadion Moskau.
- EM 2021 in mehreren europaeischen Staedten - Achtelfinal-Aus, 3:3 nach Verlaengerung, 4:5 im Elfmeterschiessen gegen die Schweiz in Bukarest.
- WM 2022 in Katar - Finale, 3:3 nach Verlaengerung, 2:4 im Elfmeterschiessen gegen Argentinien in Lusail.
- EM 2024 in Deutschland - Halbfinal-Aus, 1:2 gegen Spanien in Muenchen.
- WM 2026 in USA/Kanada/Mexiko - Halbfinal-Aus, 0:2 gegen Spanien in Dallas, dann 6:4 gegen England im Spiel um Platz 3 in Miami.
Diese Bilanz ist historisch einmalig: Kein anderer Nationaltrainer der Welt hat ueber sechs aufeinanderfolgende Turniere hinweg jeweils mindestens das Halbfinale erreicht - Vicente Del Bosque, Joachim Loew und Luiz Felipe Scolari kommen an fuenf hintereinander heran, keiner an sechs. Zidane erbt damit eine Mannschaft, die auf hoechstem Niveau kontinuierlich funktioniert hat und die auf 2030 hin lediglich einer Generationen-Ergaenzung bedarf, keiner Neuerfindung.
Der 27-Mann-WM-Kader 2026 ist im Pillar zur Deschamps-Aera-Aufstellung dokumentiert. Der harte Kern - Mbappe, Dembele, Olise, Tchouameni, Rabiot, Saliba, Camavinga, Kolo Muani - wird auch bei der WM 2030 die Achse bilden, mit Mbappe als 31-Jaehrigem in seinem vermutlich vierten WM-Turnier.
Die WM-2030-Perspektive: Mbappe-Zyklus 27-31 und der Kader-Umbau
Der sportliche Zyklus, den Zidane vor sich hat, ist damit klar strukturiert. 2026 bis 2028 ist die EM-Qualifikation und die EM 2028 auf der britischen Insel - eine Bewaehrungsphase, in der Zidane seinen Stil einfuehren und eine Erneuerungs-Achse etablieren muss. 2028 bis 2030 ist der WM-2030-Qualifikations- und Vorbereitungs-Zyklus, mit der Weltmeisterschaft auf der iberischen Halbinsel als Turnier-Hoehepunkt.
Die Kader-Erneuerung wird sich an vier Positionen konzentrieren. Auf der Sechser-Position stehen mit Warren Zaire-Emery und Manu Kone zwei Nachfolger fuer den 39-jaehrigen N’Golo Kante bereit. Auf der Zehner-Position sind Rayan Cherki (Manchester City) und Warren Zaire-Emery (Paris SG) Kandidaten. Im Aussensturm stehen Bradley Barcola, Desire Doue und Assan Ouedraogo (Schalke 04 / potenziell mit Doppel-Nationalitaet) an. Im Tor wird sich die Frage der Mike-Maignan-Nachfolge bis 2030 stellen, mit Lucas Chevalier und Brice Samba als naheliegenden Optionen.
Antoine Griezmann (2030: 39 Jahre), N’Golo Kante (2030: 39) und Adrien Rabiot (2030: 35) werden bis 2030 die Nationalmannschaft entweder freiwillig verlassen oder rotieren. Olivier Giroud, Rekordtorschuetze der Bleus, hat seine Nationalelf-Karriere bereits nach der EM 2024 beendet.
Der stilistische Wechsel wird sichtbar sein. Deschamps hat seit 2016 nahezu ausschliesslich mit einem 4-2-3-1 oder 4-3-3 mit tiefer Defensivachse (Kante, Tchouameni, Rabiot) und schneller Vertikale nach vorn gespielt. Zidane hat bei Real Madrid ein hoeher stehendes 4-3-3 mit einem geordneten Ballbesitz-Rueckgrat (Kroos, Modric, Casemiro) und einer sehr aktiven Aussenverteidiger-Linie (Marcelo, Carvajal) etabliert. Wie sich dieser Stil auf einen Kader mit Mbappe als linkem Flanke uebersetzen laesst, ist die zentrale taktische Frage der ersten sechs Monate.
Zidane als Cheftrainer: die Real-Madrid-Bilanz
Zidanes Trainer-Curriculum ist kompakt, aber ohnehin einer der geschlossensten der neueren europaeischen Trainer-Historie. Erste Amtszeit Januar 2016 bis Mai 2018: drei Champions-League-Titel in Folge (2016 gegen Atletico Madrid im Elfmeterschiessen in Mailand, 2017 gegen Juventus Turin 4:1 in Cardiff, 2018 gegen Liverpool 3:1 in Kiew) sowie die spanische Meisterschaft 2017 und zwei Klub-WM-Titel. Zidane hatte in diesen zweieinhalb Jahren eine Bilanz von 149 Spielen, 104 Siegen und 29 Niederlagen - eine Siegquote von 69,8 Prozent.
Zweite Amtszeit Maerz 2019 bis Mai 2021: die spanische Meisterschaft 2020 mit dem seit Rekord-Saison von zwei Punkten Vorsprung vor dem FC Barcelona sowie einer sportlich schwaecheren Champions-League-Bilanz (Achtelfinal-Aus gegen Manchester City 2020, Halbfinal-Aus gegen Chelsea 2021). Zidane hatte in dieser zweiten Amtszeit 128 Spiele, 76 Siege, 26 Niederlagen - Siegquote 59,4 Prozent.
Insgesamt: 277 Spiele, 180 Siege, 55 Niederlagen - eine Siegquote von 65 Prozent, die im europaeischen Vergleich der letzten zwei Jahrzehnte in der Spitzengruppe (Pep Guardiola, Jose Mourinho, Diego Simeone) liegt. Von diesen 277 Spielen war keines im Nationalmannschafts-Format.
Der Uebersetzungs-Sprung von Real Madrid auf die Nationalmannschaft ist der zentrale Frage-Baustein des Zidane-Projekts. Andere Real-Trainer wie Vicente del Bosque (Weltmeister 2010 mit Spanien) und Fabio Capello (kein WM-Titel als Nationaltrainer, aber Erfolg als Vereinstrainer) zeigen, dass die Uebersetzung gelingt - andere wie Julen Lopetegui (nach Real-Amtszeit noch nie wieder Nationaltrainer) illustrieren die Schwierigkeit. Deschamps war 14 Jahre lang der Kontinuitaets-Verkoerperer; Zidanes Herausforderung besteht darin, dieselbe Kontinuitaet mit einem 4-Jahres-Horizont statt einem 14-Jahres-Horizont zu erzeugen.
Der Zidane-Klopp-Bogen: zwei 1998er-Erben und dieselbe Frist
Der Symbolik-Bogen der Doppel-Bestellung Zidane-in-Frankreich und Klopp-in-Deutschland verdient einen eigenen Absatz.
Beide waren 1998 aktive Fussball-Zeitzeugen. Zidane spielte damals als 26-jaehriger Juventus-Zehner die WM in Frankreich und wurde mit zwei Kopfball-Toren im Finale gegen Brasilien Weltmeister. Klopp, damals 31 Jahre, spielte in der 2. Bundesliga fuer Mainz 05 im defensiven Mittelfeld und arbeitete nebenher bereits an seiner Trainerlizenz. Beide haben ihre Trainer-Karrieren in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts begonnen (Klopp 2001 in Mainz, Zidane 2014 bei Real Madrid Castilla), beide waren auf Klub-Ebene Champions-League-Sieger (Klopp einmal mit Liverpool 2019, Zidane dreimal mit Real 2016-2018) und beide uebernehmen jetzt die Nationalmannschaft ihres Heimatlands zum ersten Mal.
Fuer die WM 2030 auf der iberischen Halbinsel sind Deutschland und Frankreich damit die zwei einzigen grossen westeuropaeischen Nationen, die einen weltweit bekannten Ex-Star als Nationaltrainer stellen. Der Vergleichsmassstab liegt dementsprechend hoch: Beide muessen 2030 mindestens ein Halbfinale erreichen, um die Vertragsverlaengerung ueber die WM hinaus zu rechtfertigen. Bei Frankreich waere alles unter dem Halbfinale eine sportliche Delle. Bei Deutschland waere ein Halbfinale nach der WM 2026 die erste WM-Halbfinal-Teilnahme seit 2014.
Die Uhr fuer beide beginnt jetzt zu laufen. Die naechsten Bewaehrungs-Termine sind fuer beide dieselben: die Nations-League im September 2026, die EM-Qualifikation ab Herbst 2026, die EM 2028 in Grossbritannien und Irland. Das WM-Ziel 2030 liegt vier Jahre und drei Turniere entfernt.
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Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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