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WM 2026

Trump-Regierung nennt Grund für Artan-Abweisung: angebliche Verbindungen zu Terror-Organisationen

Zwei Tage nach der Einreiseverweigerung in Miami nennt die Trump-Regierung erstmals einen Grund: Omar Artan habe 'Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen'. Der Schiedsrichter wehrt sich, die FIFA distanziert sich.

Von Marco Feldmann 10. Juni 2026

Symbolbild: Eine CBP-Beamtin nutzt Gesichtserkennung an einem US-Flughafen. Am Miami International Airport wurde WM-Schiedsrichter Omar Artan elf Stunden lang von CBP-Beamten verhört, bevor er in den Rückflug nach Istanbul gesetzt wurde. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Zwei Tage nachdem dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan am Miami International Airport die Einreise in die USA verweigert wurde, gibt es zum ersten Mal eine offizielle US-Begründung. Ein nicht namentlich genannter Vertreter der Trump-Regierung sagte dem Sender CNN, der Background-Check habe “belastende Informationen” ergeben - “darunter eine Verbindung zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen”. Konkrete Belege werden nicht öffentlich gemacht. Damit eskaliert ein Fall, der die WM-Vorbereitung im US-Quartier seit dem Wochenende beschäftigt, eine Stufe weiter: aus einer reinen Visa-Story wird ein Terror-Vorwurf, den der betroffene Schiedsrichter scharf zurückweist.

Zur Vorgeschichte gehört, dass die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP nach Artans Abweisung am 8. Juni 2026 zunächst nur von “vetting concerns” gesprochen hatte - ohne irgendeine inhaltliche Spezifizierung. Die Trump-Regierung wählt jetzt, am Vorabend der WM-Eröffnung in Mexiko-Stadt, den Weg über CNN, um nachzulegen. Auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler hatte den Fall am 9. Juni im DFB-Quartier Winston-Salem öffentlich kommentiert - mit der Vermutung, dass es nicht der letzte solche Vorgang vor dem Turnier bleiben würde.

Was die US-Regierung am 10. Juni zur CNN sagt

Der CNN-Wortlaut, übersetzt: Die Überprüfung Artans habe “derogatory information” zutage gefördert, “einschließlich einer Verbindung zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen”. Es gibt keine namentliche Quelle, keine Belege, keinen Bezug zu einem konkreten Vorfall. Die Antwort fügt der ursprünglichen CBP-Mitteilung (“vetting concerns”) eine inhaltliche Aufladung hinzu, ohne sie zu beweisen.

Eingerahmt wird das US-Statement durch die Kommentierung von Andrew Giuliani, dem stellvertretenden Innen-Sicherheitsberater des Weißen Hauses, der die Entscheidung der CBP gegenüber CNN ausdrücklich als “richtig” bezeichnete. Anders gesagt: das Weiße Haus stellt sich hinter die Grenzbeamten in Miami. Die mexikanischen, kanadischen oder europäischen Verbände haben sich bis Mittwochmittag MESZ nicht öffentlich zu dem Vorwurf geäußert.

Die elf Stunden am Miami International Airport

Artan war am Sonntag, dem 8. Juni 2026, aus Istanbul kommend in Miami gelandet. Nach Angaben der CBP wurde er zu einer “additional inspection” geleitet - der zweiten Befragungsstufe, in der Border-Beamte über Einreise oder Rückweisung entscheiden. Die Befragung selbst zog sich nach Artans Schilderung gegenüber der New York Times über etwa elf Stunden hin. Themen seien gewesen: der Reiseanlass (FIFA-Schiedsrichter-Training für die WM), die politische Lage in Somalia und mehrfach die islamistische Miliz Al-Shabaab, die in Teilen Somalias aktiv ist und gegen die somalische Regierung kämpft.

Artan dokumentierte sein FIFA-Mandat: die Schiedsrichter-Liste, das Vorabantrags-Schreiben des Weltverbandes, die diplomatische Note, die Somalia nach der ersten Visa-Frage für ihn nachgereicht hatte. Eine Begründung für die Rückweisung erhielt er nach eigenen Angaben am Schalter nicht. Am Ende wurde er in einer Wartezelle festgehalten und anschließend in den nächstmöglichen Rückflug nach Istanbul gesetzt. Die Information, dass er Somalias erster WM-Schiedsrichter geworden wäre - er wurde 2025 zu Afrikas bestem Referee gewählt und leitete im selben Jahr das CAF-Champions-League-Finale - spielte am Miami-Schalter keine Rolle.

”Ich hatte die richtigen Papiere” - Artans Aussage gegenüber der New York Times

Artan selbst meldete sich nach seiner Rückkehr nach Istanbul gegenüber der New York Times zu Wort: “Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Ich hatte die richtigen Papiere und ein richtiges Visum.” Es ist der bislang einzige Originalton des Betroffenen. Er widerspricht damit implizit der CNN-Botschaft der Trump-Regierung, ohne deren Terror-Vorwurf direkt zu beantworten - eine inhaltliche Replik dürfte juristisch schwierig sein, weil der Vorwurf weder belegt noch konkretisiert wurde.

Die wichtigste Folge für Artan: Der 34-Jährige hat seinen WM-Einsatz in den USA praktisch verloren. Eine erneute Einreise wäre nach US-Recht nur möglich, wenn die zuständige US-Behörde die “vetting concerns” aufhebt - was in einem Fall, in dem ein US-Regierungsvertreter öffentlich Terror-Verbindungen behauptet, in den drei Tagen bis zum WM-Anpfiff praktisch ausgeschlossen ist.

FIFA distanziert sich: “Wir sind nicht in Einreiseverfahren involviert”

Auf Verbandsseite wählt FIFA-Präsident Gianni Infantinos Pressestelle die Distanz-Variante. Das offizielle Statement, das mehrere deutschsprachige Medien zitieren: “Die FIFA ist nicht in die Einreiseverfahren der Gastgeberländer, einschließlich der Visa-Entscheidungen, involviert.” Wie bei früheren Turnieren liege die letzte Entscheidung über eine Einreise bei den Behörden des Gastgeberlandes.

Die Botschaft ist klar: Der Weltverband sieht sich nicht in der Position, Artan vor Ort zu unterstützen. Die formal naheliegende Alternative - Artan ausschließlich Spiele in Kanada oder Mexiko zuzuweisen, in denen das US-Einreiseverbot nicht greift - hat die FIFA bis Mittwochmittag MESZ nicht angekündigt. In der Logik des operativen Spielbetriebs ist die Konstruktion ohnehin sperrig, weil Schiedsrichter-Teams normalerweise zwischen allen drei Gastgeberländern rotieren - genau diese Rotation ist für Artan blockiert.

Bewertung: Was die Begründung politisch bedeutet

Der Fall verändert mit dem CNN-Statement seine Substanz. Zum 8. Juni war es eine Visa-Sache: ein FIFA-nominierter Akteur fällt durch eine Travel-Ban-Lücke. Zum 10. Juni ist es ein offen ausgesprochener Terror-Vorwurf der US-Regierung an einen aktiven, von der CAF ausgezeichneten Schiedsrichter, der in der Liga seines Heimatlandes und in den UEFA-Champions-League-Spielen Afrikas pfeift.

Die Spannung zwischen FIFA und US-Regierung tritt damit offen zutage. Die FIFA stellt sich, wie das Tagesspiegel-Kommentar es nennt, hinter ihre eigene Botschaft “Football unites the world”, lässt aber im konkreten Fall den eigenen Akteur allein. Die Trump-Regierung wiederum nutzt einen prominenten Einzelfall, um die Reichweite der Travel-Ban-Liste zu unterstreichen - parallel zur seit Wochen laufenden Iran-Linie, in der bereits die iranische Fanszene komplett ausgesperrt wird und das iranische Team sich in Tijuana stationiert, um die US-Grenze nur an Spieltagen zu queren.

Für den DFB hatte Rudi Völler am 9. Juni in Winston-Salem orakelt, der Artan-Fall werde “nicht die letzte Geschichte” dieser Art bleiben. Zwischen seinem Statement und dem CNN-Wortlaut der US-Regierung liegen jetzt nicht einmal 24 Stunden. Das WM-Turnier startet am Donnerstag, dem 11. Juni 2026. Die nächste Frage ist, ob es ein juristisches Nachspiel gibt - und ob die FIFA in den kommenden Tagen Artan wenigstens nominell in den Kader für ein Spiel in Mexiko oder Kanada zieht.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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