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DFB-Team

Bambase Conte: Wer der 23-jaehrige Hoffenheim-Debuetant ist und was er Klopps DFB-Team geben kann

Bambase Conte ist die Ueberraschung im Klopp-Kader. Portraet des 23-jaehrigen Hoffenheim-Linksfusses - Karriere, Elversberg-Leihe, Klopp-Anruf.

Von Lukas Brandt 22. September 2026

Bambase Conte im Karlsruher-SC-Trikot waehrend seines Leihjahres 2024/25 im BBBank Wildpark. Nach einer weiteren Leihe zum Aufsteiger SV Elversberg 2025/26 mit 4 Toren und 6 Assists und Vertragsverlaengerung mit der TSG Hoffenheim im Juli 2026 zaehlt der 23-jaehrige variable Linksfuss zu Juergen Klopps Ueberraschungs-Debuetanten fuer den Nations-League-Zyklus. Foto: ImageBROKER. Foto: ImageBROKER via SmartFrame

Er ist einer der 44 Namen der Kaderansage vom 17. September, und er gehoert zu jener Gruppe von 13 Neulingen, die den Klopp-Sichtungs-Perimeter definieren: Bambase Conte, 23 Jahre alt, offensiver Mittelfeldspieler der TSG 1899 Hoffenheim. Fuenf Tage nach der Ansage tritt der variable Linksfuss zum ersten Mal im DFB-Trikot vor die Kameras der Herzogenauracher Medienrunde und beantwortet die Frage, die Bundestrainer Juergen Klopp auf der Kaderansage-Pressekonferenz mit einer anekdotischen Erst-Ansprache umrissen hatte: “Da habe ich nur Juergen Klopp gesagt, und er hat zwei Minuten gelacht.”

Contes eigene Reaktion vor den DFB-Mikrofonen bleibt bescheiden. Zur schwierigen Klubsituation in Hoffenheim mit 3 Punkten aus 4 Bundesliga-Spielen und 0:2 in der Europa League gegen OFI Kreta sagt der 23-Jaehrige knapp: “Es ist nicht einfach gerade.” Doch fuer den saarlaendischen Neuling markiert der Klopp-Anruf am 15. September einen Karriere-Datenpunkt, den vor drei Jahren, mitten im ersten Regionalliga-Suedwest-Jahr fuer die zweite Hoffenheimer Mannschaft, niemand realistisch fuer moeglich hielt.

Der Klopp-Anruf und die zwei Minuten Lachen

Die Ansage-Ebene setzt Klopp am 17. September auf der offiziellen Kaderansage im DFB-Campus in Frankfurt. Der Bundestrainer waehlt eine Formulierung, die zugleich Erwartungsdruck von Conte nimmt und den Charakter der Auswahl verdeutlicht: Der Bundestrainer selbst hat den Erst-Kontakt hergestellt, nicht der Co-Trainerstab. Fuer einen 23-jaehrigen Bundesliga-Rueckkehrer, der in den vergangenen zwei Saisons zweitklassig gespielt hat, ist die persoenliche Klopp-Ansprache ein starkes Signal.

Die zwei Minuten Lachen, die Conte laut Klopp nach der Nennung des Namens brauchte, sind kein Zufallsdetail. Sie sind der Kontext, in dem der Bundesliga-Rueckkehrer die Nominierung einordnet: als etwas, das im September 2026, zwei Bundesliga-Aufstiege und drei Vereinswechsel nach dem Wechsel in die Hoffenheimer Jugend 2018, nicht zum eingeplanten Karriereschritt gehoerte. Es ist die parallelte Reaktion zur Verarscht-Anekdote von Felix Keidel, die Klopps Handwerk in der Erst-Ansprache an Debuetanten praegt: kurze Anrufe, unmittelbare Personalisierung, keine formale Distanz.

Fuer Contes Familien-Kontext ist der Anruf zudem eine Rueckkehr in die Schlagzeilen. Sein Vater Amara Conte war 1989 nach Deutschland gekommen und hatte in der Jugendabteilung von 1. FC Saarbruecken selbst gespielt; Bambase Conte durchlief bis zum Wechsel nach Kaiserslautern die Nachwuchsstufen desselben Vereins. Die Herkunft aus dem saarlaendischen Amateurfussball und die deutsch-guineische Doppelstaatsbuergerschaft, die Conte in seinen U16-/U20-DFB-Einsaetzen 2018-2022 fuer den DFB festlegte, bleiben biografisch die Konstanten in einer Karriere, die sich in fuenf Jahren an vier Vereinen entfaltet hat.

Von Saarbruecken ueber Kaiserslautern in die Hoffenheimer Akademie

Contes fussballerische Sozialisierung startet in Saarbruecken. Bis 2016 spielt er im Nachwuchs des 1. FC Saarbruecken, wechselt dann in die Jugendabteilung des 1. FC Kaiserslautern und schliesslich 2018 in die U-Mannschaften der TSG 1899 Hoffenheim. Es ist ein klassischer Sprung vom Regional-Nachwuchs in ein Bundesliga-Leistungszentrum, wie ihn im Saarland vor Conte etwa Sami Khedira ueber Stuttgart oder Marco Reus ueber Rot-Weiss Ahlen und Mainz vollzogen hatten.

Im Sommer 2022 rueckt Conte in die zweite Hoffenheimer Mannschaft auf, spielt dort in der Regionalliga Suedwest, sammelt Einsatzminuten. Am 4. November 2023 dann das Bundesliga-Debut - beim Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen kommt der 20-Jaehrige zu einem Kurz-Einsatz. Es ist der Fuss in die Tuer, aber es bleibt in jenem Herbst bei Rand-Einsaetzen der Profimannschaft; Cheftrainer Pellegrino Matarazzo setzt Conte in der Rueckrunde 2023/24 nur sporadisch ein.

Im Sommer 2024 folgt die erste Leihe: Karlsruher SC in der Zweiten Bundesliga. Conte spielt 26 Spiele fuer den KSC, erzielt ein Tor. Es ist eine Saison zum Sammeln von Wettkampfminuten, nicht zum Aufschieben - der KSC beendet die Saison im Tabellenmittelfeld, Conte kehrt im Sommer 2025 nach Hoffenheim zurueck. Doch der neue TSG-Kader unter Cheftrainer Christian Ilzer, im Vorjahr aus Graz nach Sinsheim geholt, hat im offensiven Mittelfeld keinen unmittelbaren Platz fuer den 22-Jaehrigen. Es folgt die zweite Leihe.

Das Elversberg-Leihjahr 2025/26 als Klopp-Sichtungs-Katalysator

Der SV Elversberg der Saison 2025/26 ist die entscheidende Zwischenstation. Der Zweitligist aus dem Saarland, drei Jahre zuvor noch Regionalligist, spielt unter Cheftrainer Vincent Wagner (bis Sommer 2026) eine Aufstiegssaison, die im Sommer 2026 mit dem historischen ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte endet. Conte kommt in 25 Spielen zu 4 Toren und 6 Assists - eine Ausbeute, die ihn im Elversberger Offensiv-Kollektiv zu einem der auffaelligsten Akteure macht.

Und Conte spielt dort nicht allein aus dem saarlaendischen Bundesliga-Aufsteiger-Kollektiv. Zwei der 44 Klopp-Namen vom 17. September haben die Elversberg-Zweitliga-Saison 2025/26 gemeinsam absolviert: Conte, der Hoffenheimer Leihspieler, und Felix Keidel, der fest gebundene Elversberger Sechser mit Vertrag bis Sommer 2028. Keidel ist heute weiter beim SV Elversberg unter Vertrag, Conte inzwischen wieder bei Hoffenheim - aber die gemeinsame Aufstiegssaison verbindet beide biografisch.

Fuer Klopps Sichtungs-Perimeter hat das Elversberg-Jahr operativ zweifach Bedeutung. Erstens: Die Zweitliga-Datensaetze und die Aufstiegskurve boten dem DFB-Trainerstab konkrete Wettkampf-Muster zu Contes Belastbarkeit unter Zeitdruck, unter Ergebnisdruck, in Auswaerts-Partien mit vergleichsweise schmalem Kader. Zweitens: Die Doppel-Berufung Conte/Keidel signalisiert, dass Klopps Sichtungs-Fenster nicht nur die Erstliga-Kader beruecksichtigt, sondern die Zweitliga-Datenbasis ebenfalls in die Kader-Konstellations-Grundlage aufnimmt.

Contes Rueckkehr nach Hoffenheim im Sommer 2026 - dokumentiert mit langfristiger Vertragsverlaengerung im Juli 2026 - schliesst die Leih-Phase ab. Der Klub setzt auf ihn als Perspektivspieler im offensiven Mittelfeld und auf dem linken Fluegel.

Der variable Linksfuss - was Conte technisch mitbringt

Die sportschau-SWR-Analyse vom 22. September beschreibt Contes Profil in drei Kategorien. Erstens: variabler Linksfuss - Conte kann als Aussenbahn-Spieler links, als klassischer Achter im Mittelfeld-Zentrum und als haengende Spitze eingesetzt werden. Zweitens: technisch hohes Niveau mit ausgepraegter Vororientierung und kreativer Spielmacher-Anlage. Drittens: Faehigkeit, unter Gegnerdruck Loesungen zu finden - die Bundesliga-Zahlen der ersten vier Saison-Spiele 2026/27 unterstuetzen dieses Bild empirisch. Conte gehoert mit sieben gezogenen Fouls in 252 Minuten zu den meist gefoulten Bundesliga-Spielern der jungen Saison; das ist die statistische Kehrseite eines Spielertyps, der die Gegner-Verteidiger in Zweikaempfe zieht und die Loesung nicht per Ballabgabe, sondern per Ballhalten sucht.

Die Entwicklungsflaeche laut der SWR-Einschaetzung: Entscheidungsfindung im letzten Drittel. Conte verbessert diese Kategorie seit dem KSC-Leihjahr messbar, aber die Konsistenz in der letzten Aktion - Torabschluss, Steilpass, Ablage - liegt noch unter dem Niveau der etablierten offensiven Mittelfeldspieler in Klopps Kader wie Jamal Musiala, Florian Wirtz oder Nadiem Amiri. Fuer den Klopp-Sichtungs-Perimeter ist das ein wichtiger Datenpunkt: Die Berufung ist keine Etablierten-Ergaenzung, sondern eine Perspektiv-Datennahme, die Contes Trainings- und Kurzeinsatz-Verhalten im A-Team-Kontext ueberpruefen soll.

Der 2,50er-kicker-Notenschnitt in vier Bundesliga-Spielen 2026/27 liegt im Bereich einer soliden Rueckkehr in die erste Liga, ohne herausragend zu sein. Es ist die typische Kennzahl eines Spielers, der die Erstliga-Anforderungen erfuellt, aber noch nicht die Herausforderungsseite in Richtung Etablierten-Status geschoben hat. Klopps Berufung deutet darauf hin, dass der Bundestrainer aus dem Kurzintervall die Weiterentwicklungs-Kurve interessanter findet als den absoluten Momentwert.

Kader 2 in Herzogenaurach: die Nations-League-Einsatzperspektive

Die konkrete Einsatzperspektive fuer Conte liegt nicht in der September-Woche. Der Hoffenheimer steht im Kader 2 der 44er-Aufteilung, das heisst: er ist nicht dabei am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande und nicht dabei am 27. September in Augsburg gegen Griechenland. Seine potenziellen Einsaetze liegen am 1. Oktober in Muenchen gegen Serbien und am 4. Oktober in Thessaloniki gegen Griechenland (Rueckspiel).

Fuer den Erst-Nominierten hat die Kader-2-Zuweisung dieselben Vorteile, die auch Felix Keidel und weitere Debuetanten der Oktober-Ansetzung bekommen: reduzierter Erwartungsdruck ohne Amsterdam-Debut-Prestige, ruhigeres Trainingslager-Umfeld, zusaetzliche Bundesliga-Spieltage bis zum Anreise-Termin fuer eventuelle Selbstempfehlung. Die Kader-Tausch-Entscheidung Adeyemi/Karl vom 21. September, die den Bayern-Neuling Karl aus dem Amsterdam-Kader in den Muenchener/Thessaloniki-Kader schob, ist ein Beispiel derselben Debuetanten-Ruecksicht, die auch Contes Ansetzung praegt.

Die Wahrscheinlichkeit eines Kurzeinsatzes im Muenchener oder Thessaloniki-Spiel gegen Serbien und Griechenland liegt aus heutiger Sicht im mittleren Bereich; Klopp hat mit dem Riesenkader-Rotationsmodell und der offen erklaerten Sichtungs-Absicht signalisiert, dass Debuetanten in den Oktober-Partien Einsatzchancen bekommen sollen. Ein volles 90-Minuten-Debut ist unwahrscheinlich; ein Wechseleinsatz ueber 20-30 Minuten liegt im Bereich des Umsetzbaren.

”Es ist nicht einfach gerade” - Hoffenheim-Klubsituation als Debuetanten-Umgebung

Contes eigene Wort-Beitraege in der Herzogenauracher Medienrunde am 22. September blieben knapp. Der Satz “Es ist nicht einfach gerade” bezieht sich auf die Hoffenheimer Klubsituation nach vier Bundesliga-Spielen. Die TSG steht bei drei Punkten, unmittelbar nach dem 3:2-Auswaertssieg des 1. FC Koeln gegen Hoffenheim am 5. Bundesliga-Spieltag wurde die Klub-Situation angespannter. In derselben Partie war es uebrigens Conte, der in der 59. Minute vom Kolner Innenverteidiger Jamai Simpson-Pusey im Strafraum zu Fall gebracht wurde; den Elfmeter parierte Kolner Torhueter Marvin Schwaebe gegen Max Moerstedt.

Cheftrainer Christian Ilzer stand zwischenzeitlich unter Ergebnisdruck; der 0:2-Ruecksetzer in der Europa League gegen OFI Kreta erhoehte den Druck zusaetzlich. Fuer Conte als jungen Rueckkehrer in die Bundesliga ist die schwierige Klubsituation eine belastende Debuetanten-Umgebung; sie erklaert zum Teil auch, warum die Klopp-Berufung fuer den Hoffenheimer eine Entlastung bedeutet, die sich sowohl mental als auch atmosphaerisch von der Klubaufgabe abhebt.

Zugleich ist die Klub-Situation kein Argument gegen die Berufung. Klopp hat wiederholt betont, dass Spielerauswahl auf Substanz und Potenzial basiert, nicht auf Tabellenstaenden der einzelnen Vereine. Contes Elversberg-Aufstiegskurve und der solide Bundesliga-Fruehstart 2026/27 bleiben die Datengrundlage - die 3-Punkte-Notlage der TSG ist ein Klub-Kontext, kein Spieler-Kontext.

Zwei Elversberg-Alumni in Klopps Kader: Conte und Keidel im September 2026

Die Doppel-Berufung Conte/Keidel aus dem Elversberger Zweitliga-Aufstiegs-Kader 2025/26 ist der bemerkenswerteste Karriere-Kontext-Datenpunkt des September-Kaders. Fuer die vergleichsweise kleine Saarlaender Fussball-Landschaft mit den Traditionsvereinen 1. FC Saarbruecken, SV Elversberg, Borussia Neunkirchen und FC Homburg ist die Konstellation historisch: erstmals steht ein saarlaendisch gepraegter Doppel-Ansatz - Conte aus Saarbruecken/Kaiserslautern-Sozialisation, Keidel aus dem SV Elversberg als Aktiv-Klub - in einer DFB-A-Kaderansage.

Fuer Klopps Sichtungs-Perimeter ist die Konstellation kein Zufall. Der Bundestrainer hat in der Kaderansage vom 17. September explizit gemacht, dass er Aufsteiger-Personal in die Datenbasis aufnimmt; die Elversberg-2025/26-Saison lieferte dazu zwei konkrete Namen. In der Klopp-Sichtungs-Serie der vergangenen Wochen tauchten weitere Ansatzpunkte auf - der Havertz-Ausfall vor Trainingsstart, das Fluegel-Signal mit Verzicht auf Sane und Nominierung Grudas, die Kader-Tausch-Entscheidung um Adeyemi und Karl - und die Elversberg-Alumni-Konstellation ist ein weiterer Baustein dieses breit angelegten Sichtungs-Perimeters.

Wer am 4. Oktober 2026 in Thessaloniki im Panthessalischen Stadion die Rueckrunden-Partie der Griechenland-Serie live verfolgt, koennte moeglicherweise den ersten A-Team-Kurzeinsatz beider Elversberg-Alumni gleichzeitig sehen: Conte auf dem linken Fluegel oder als haengende Spitze, Keidel als Sechser im Mittelfeld. Es waere ein Bild, das zwei Jahre zurueck, im Herbst 2024, weder in Karlsruhe noch in Elversberg realistisch vorstellbar war. Im September 2026 unter Klopp ist es die pragmatische Konsequenz einer Sichtungs-Politik, die Karriere-Kurven ueber Kader-Konventionen stellt.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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