Havertz fehlt zum DFB-Trainingsstart in Herzogenaurach: Champions-League-Finale hält den Stürmer in London
25 von 26 sind da: Beim Trainingsstart in Herzogenaurach am 27. Mai 2026 fehlt nur Kai Havertz. Der Arsenal-Stürmer kommt erst nach dem CL-Finale dazu.
Von Lukas Brandt 27. Mai 2026
Wenn Julian Nagelsmann an diesem Mittwoch in Herzogenaurach zum ersten Mal seinen kompletten WM-Kader durch die Kabine ruft, wird ein Name an der Garderobe noch fehlen. Kai Havertz ist als einziger der 26 Nominierten nicht angereist - der Stuermer vom FC Arsenal trainiert in London, bereitet sich auf das Champions-League-Finale am 30. Mai in Budapest vor und stoesst erst zum Abflug nach Chicago am 2. Juni zum DFB-Team. Aus dem komplettesten Trainingsstart, den Nagelsmann sich gewuenscht haette, wird ein 25-aus-26-Auftakt.
Der Trainingsstart in Herzogenaurach: 25 von 26 sind da
Der adidas-Campus in Herzogenaurach hat um die Mittagszeit die WM-Belegschaft eingecheckt. Sieben Spieler vom FC Bayern und vier vom VfB Stuttgart sind dabei, die nach dem DFB-Pokalfinale am 23. Mai zwei Tage mehr Pause bekommen haben - die Verlegung des Trainingsstarts vom urspruenglich geplanten 25. auf den 27. Mai war Nagelsmanns Zugestaendnis an die Spieler aus dem Pokalendspiel. Dazu kommen die fuenf Profis, die in der vergangenen Bundesliga-Saison schon vorzeitig in den Urlaub gehen mussten, und der Block aus den uebrigen europaeischen Ligen. Mit Trainings-Torhueter Jonas Urbig, der nicht im 26er-Kader steht, aber als zusaetzliche Hilfe mitfaehrt, sind 26 Profis auf dem Trainingsplatz.
Einer fehlt: Kai Havertz. Nagelsmann hatte den Stuermer schon bei der Kaderbekanntgabe am 21. Mai freigestellt - eine Freistellung, die sich automatisch aus dem Spielkalender ergibt. “Die sind alle heiss und haben Bock”, zitierte sport1.de den Bundestrainer ueber die Stimmung im verkuerzten Trainingslager. Dass der eine, der noch nicht heiss in Herzogenaurach steht, mit Arsenal kurz vor dem groessten Klubspiel des Jahres steht, gehoert dazu.
Warum Havertz fehlt: das Champions-League-Finale am 30. Mai
Arsenal hat sich im Halbfinale gegen Atletico Madrid (1:0, 1:1) durchgesetzt und trifft am Samstag, 30. Mai 2026, im Puskas-Arena in Budapest auf Paris Saint-Germain. Es ist Havertz’ erstes Champions-League-Finale im Arsenal-Trikot, nachdem er 2021 mit dem FC Chelsea bereits einmal den Henkelpott gewonnen hatte. Den Treffer damals in Porto gegen Manchester City - Havertz’ wichtigstes Klubtor - werden viele DFB-Fans noch im Kopf haben, wenn er nun im Budapester Finale aufs Feld geht.
Trainer Mikel Arteta kann auf den deutschen Nationalspieler im Sturmzentrum nicht verzichten. Die Konsequenz: Nagelsmann verzichtet auf ihn. Der Bundestrainer hat schon mehrfach betont, dass die Belastung der Spitzenspieler ein gemeinsames Problem von Klub und Nationalmannschaft ist. Erst am Wochenende hatte die Spielergewerkschaft FIFPRO vor einer steigenden Spielerbelastung gewarnt - mit konkreten Zahlen zu deutschen Profis, die schon vor dem WM-Anpfiff mehr Spiele in den Beinen haben als jeder Vorgaenger.
Was Nagelsmann mit der Sturmluecke in den ersten Tagen plant
Fuer den Bundestrainer ist die Havertz-Luecke planbar. Im 26er-Kader stehen mit Nick Woltemade (Bayern), Niclas Fuellkrug (Borussia Dortmund) und Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt) drei weitere echte Mittelstuermer. Die Trainingsschwerpunkte in Herzogenaurach - Standardgruppen, Doppel-Sechs-Abstimmung, die Rolle von Florian Wirtz und Jamal Musiala im Zehnerraum - sind nicht auf einen einzigen Strafraum-Anker angewiesen. Wer in Mainz gegen Finnland von Anfang an stuermt, dass entscheidet sich nach den ersten drei Trainingstagen.
Spannender ist die taktische Frage dahinter. Havertz war in den letzten Laenderspielen die Mischform: Mittelstuermer, der sich auch fallen lassen und die Halbraeume bedienen kann. Diese Variante koennen Woltemade und Burkardt nur eingeschraenkt nachstellen - Fuellkrug ueberhaupt nicht, er ist der pure Strafraum-Stuermer. Nagelsmanns Plan-A-Variante mit Havertz als variabler Spitze ist deshalb in den ersten Trainingseinheiten nur theoretisch trainierbar.
Der Finnland-Test am 31. Mai - mit Plan B
Das erste WM-Testspiel am Sonntag, 31. Mai 2026, um 20:45 MESZ in der MEWA Arena Mainz ist die erste konkrete Bewaehrungsprobe ohne Havertz. Gegen Finnland - physisch robust, taktisch diszipliniert, in Mitteleuropa gut zu organisieren - wird sich zeigen, wie das DFB-Team mit dem Plan-B-Sturm aussieht. Woltemade hat in der Bundesliga-Saison eine starke Endphase gehabt und gilt als Favorit fuer die Startelf. Fuellkrug bringt Erfahrung und WM-2022-Goretzka-Erinnerungen mit, Burkardt war im Maerz gegen Italien der ueberraschend agile Joker.
Nagelsmann hat in der Vergangenheit angedeutet, dass die Finnland-Aufstellung ziemlich nah an der Curacao-Startelf liegen soll - mit Rotationen, um die Champions-League-Finalisten zu schonen. Mit Havertz in London bedeutet das: Der Test in Mainz wird die Variante zeigen, die Nagelsmann in Houston greift, falls Havertz im US-Trainingslager nicht rechtzeitig fit wird. Eine Risikoabsicherung also.
Wann Havertz dazustoesst: der Abflug nach Chicago am 2. Juni
Der Tross hebt am Dienstag, 2. Juni 2026, von Frankfurt nach Chicago ab. Havertz reist von London direkt mit - 48 Stunden nach dem Champions-League-Finale. Im US-Trainingslager hat er dann sechs Tage bis zum Test gegen den Co-Gastgeber USA am 6. Juni in Chicago und 12 Tage bis zum WM-Auftakt gegen Curacao am 14. Juni in Houston, um die Akklimatisation und die taktische Einbindung nachzuholen.
Vor zwei Jahren bei der EM 2024 war es Havertz, der gegen Schottland im Eroeffnungsspiel das 1:0 erzielte und Deutschland mit seiner ersten Aktion ins Turnier holte. Ob er auch im MRC Houston gegen Curacao die WM-Eroeffnung uebernehmen darf, entscheidet sich in den naechsten 18 Tagen - die ersten fuenf davon ohne ihn auf dem Trainingsplatz. Der DFB-Fahrplan bis zum Anpfiff bleibt: nur einer fehlt, der Rest steht.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.