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WM 2026

Belgien zieht den Trumpf: RBFA-Praesidentin Van Damme setzt Balogun-Fall auf FIFA-Council-Agenda 15. Oktober

Belgiens Verband RBFA verweigert Infantino die Wiederwahl-Unterstuetzung und setzt via Council-Sitz Van Damme den Balogun-Fall auf die FIFA-Council-Agenda am 15. Oktober 2026.

Von Marco Feldmann 07. September 2026

5. Juli 2026: USA-Stuermer Folarin Balogun spielberechtigt fuer das Achtelfinale gegen Belgien, nachdem die FIFA seine Rot-Sperre nach Artikel 27 zur Bewaehrung ausgesetzt hat. Zwei Monate spaeter bringt der belgische Verband RBFA genau diesen Fall auf die Tagesordnung der FIFA-Council-Sitzung am 15. Oktober 2026 in Zuerich (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Am Montag 07.09.2026 um 12:57 UTC hat der Koeniglich Belgische Fussballverband RBFA gleich zwei Fronten gegen FIFA-Praesident Gianni Infantino eroeffnet. Erstens: RBFA-Praesidentin Pascale Van Damme verweigert im Namen ihres Verbandes die Unterstuetzung fuer Infantinos Wiederwahl-Kandidatur am FIFA-Kongress am 18. Maerz 2027 in Rabat. Zweitens - und prozedural wesentlich - hat Van Damme als eines von 37 stimmberechtigten Mitgliedern des FIFA-Councils formell beantragt, den Fall Balogun auf die Tagesordnung der naechsten Council-Sitzung am 15. Oktober 2026 in Zuerich zu setzen. Damit tritt die europaeische Anti-Infantino-Front zum ersten Mal aus der Modus ‘offener Brief und Presse-Erklaerung’ heraus und in ein FIFA-eigenes Beschluss-Organ hinein, das Infantino selbst leitet.

Van-Damme-Antrag im Wortlaut - “Zwei Monate nach den Vorfaellen”

Die zentrale Formulierung des RBFA-Statements liest sich so, als sei sie fuer die Nachrichten-Agenturen konzipiert - kurz, praezise, ohne emotionale Zuspitzung. Van Damme sagt: “Zwei Monate nach den Vorfaellen stellen wir fest, dass unsere Fragen bis heute unbeantwortet geblieben sind.” Und weiter: “Infolgedessen habe ich die FIFA gebeten, den Fall Balogun auf die Agenda der naechsten Sitzung setzen zu lassen.” Die “Vorfaelle”, auf die sich der Text bezieht, sind die Aussetzung der Balogun-Rot-Sperre am 4. Juli 2026 nach Artikel 27 des FIFA-Disziplinarkatalogs und das am selben Tag dokumentierte Telefonat zwischen US-Praesident Donald Trump und Infantino. Die “Fragen” umfassen laut RBFA-Formulierung sowohl die Rechtsgrundlage der Aussetzung als auch die Rolle des Trump-Telefonats.

Der Text des RBFA-Antrags wurde am Montag-Mittag ueber die franzoesische Nachrichten-Agentur AFP sowie die deutsche Sports Information Deutschland sid veroeffentlicht. Der schriftliche Antrag selbst geht direkt an FIFA-Generalsekretaer Mattias Grafstroem und an das FIFA-Council-Sekretariat in Zuerich. Praezise Ankuendigung: Van Damme wuerde am 15. Oktober selbst nach Zuerich reisen und den Antrag persoenlich vorbringen, sollte die FIFA-Zentrale den Punkt nicht ohnehin auf die Tagesordnung setzen.

Der Trumpf im FIFA-Council - Van Dammes Sitz seit 2024

Die Wirkung des Antrags haengt an einem prozeduralen Detail, das erklaert, warum kicker.de am Montag von einem “Trumpf” schreibt. Van Damme ist seit 2024 stimmberechtigtes Mitglied des FIFA-Councils, jenes 37-koepfigen Beschluss-Organs, das zwischen zwei FIFA-Kongressen alle wesentlichen Entscheidungen im Weltverband trifft. Der Council tagt regulaer viermal im Jahr - die naechste Sitzung ist am 15. Oktober 2026 in Zuerich. Council-Mitglieder koennen formell Tagesordnungspunkte einreichen; das FIFA-Council-Statut sieht keine explizite Ablehnungs-Klausel fuer Mitglieder-Antraege vor.

Damit unterscheidet sich der Van-Damme-Antrag qualitativ von den offenen Briefen der letzten Wochen. Der KNVB-Reformbrief vom 31. August mit drei konkreten Vorschlaegen und dem Amsterdam-Zukunftsgipfel-Angebot hatte oeffentliche Wirkung, aber keine prozedurale Verbindlichkeit. Die UEFA-Strafanzeige gegen Infantino nach Schweizer Art. 158 StGB in Monaco vom 27. August laeuft in einem eigenen strafrechtlichen Kanal ausserhalb der FIFA-Governance. Und Hans-Joachim Watzkes DLF-Sportgespraech vom 2. September mit dem Satz “Ich hoffe, dass er das irgendwann selbst realisiert” war eine persoenliche Positionierung des DFB-Vize.

Van Dammes Council-Antrag hingegen zwingt Infantino als Vorsitzenden der Sitzung am 15. Oktober, den Tagesordnungspunkt Balogun-Fall selbst zu eroeffnen und die Diskussion zuzulassen. Das ist die erste institutionelle Konfrontation, die Infantino nicht durch Schweigen ausweichen kann.

Vom Vertrauensentzug zum Wiederwahl-Nein - RBFA schliesst sich UEFA-Front an

Parallel zum Council-Antrag hat der RBFA in derselben Erklaerung mitgeteilt, dass Belgien Infantino bei der Wahl am FIFA-Kongress am 18. Maerz 2027 in Rabat nicht unterstuetzen wird. Diese Wiederwahl-Positionierung entkoppelt der RBFA rhetorisch vom Balogun-Fall - Van Dammes Formulierung stellt beide Sachverhalte nebeneinander, nicht in Kausal-Bezug. Faktisch aber ist die Verknuepfung nicht zu uebersehen: der Balogun-Fall ist die Krise, an der der belgische Vertrauensentzug reift.

Belgien reiht sich damit in eine europaeische Front ein, die seit Ende Juli 2026 rund um die UEFA-Boykott-Resolution in Nyon gewachsen ist. Zu den Verbaenden, die vor Belgien bereits formell Distanzierung erklaert oder Boykott-Positionen bezogen haben, zaehlen laut sportschau- und Guardian-Recherchen die Fussballverbaende von Wales, Norwegen, Daenemark und teilweise auch England - wobei der DFB die Watzke-DLF-Position zumindest halboffiziell mittraegt und der KNVB mit dem Amsterdam-Reformbrief den prozess-orientierten Kurs vorgeben will. Der belgische Beitrag hebt sich davon durch den Council-Sitz und die daraus abgeleitete prozedurale Hebelwirkung ab.

Der FIFA-Sprecher hatte am Sonntag 06.09. auf die europaeische Kritik-Front mit einer knappen Formel geantwortet: “The President announced in April he would run again in 2027. Of course nothing has changed. Mr. Infantino will run for re-election.” Die belgische Antwort auf diese Formel ist der Council-Antrag - er ordnet die Frage nach der Kandidatur nicht der FIFA-Kommunikations-Strategie, sondern dem FIFA-eigenen Beschluss-Verfahren unter.

Der Balogun-Fall im Rueckblick - Sperren-Aussetzung 4. Juli und Trump-Telefonat

Der Kern des Antrags ist ein Praezedenz-Fall, der in der belgischen Erinnerung zwei Monate nach den WM-Ereignissen noch praesent ist. Am 1. Juli 2026 sah USA-Stuermer Folarin Balogun im WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina im Levi’s Stadium in Santa Clara vom brasilianischen Schiedsrichter Raphael Claus die Rote Karte nach einer Grobheit gegen den Bosnier Sead Kolasinac. Die automatische Konsequenz waere eine einspielige Sperre fuer das Achtelfinale gegen Belgien am 7. Juli 2026 um 02:00 Uhr MESZ im Lumen Field in Seattle gewesen.

Am Sonntag 4. Juli 2026 - knapp 20 Stunden vor Anpfiff - setzte die FIFA-Disziplinar-Kammer die Sperre nach Artikel 27 des FIFA-Disziplinarkatalogs fuer ein Jahr zur Bewaehrung aus. Details dazu haben wir im Bericht zur Sperren-Aussetzung und in der Analyse der belgischen rechtlichen Optionen mit dem Aprilscherz-Zitat von Rudi Garcia dokumentiert.

Zwei Elemente dieses Falls sind fuer den jetzigen RBFA-Antrag zentral. Erstens: Das am selben Tag dokumentierte Telefonat zwischen Trump und Infantino, das der weissen Haus-Sprecher-Kanal bestaetigt hat. Zweitens: Die Ungleich-Behandlung im Vergleich zum Sane-Fall vom Fruehjahr 2026, in dem die FIFA-Disziplinar-Kammer denselben Artikel 27 anwendete, aber auf jede Bewaehrungs-Milderung verzichtete und die DFB-Berufung abwies. Der RBFA verlangt fuer beide Elemente formell Aufklaerung durch die FIFA-Ethikkommission.

Zeitplan bis Rabat - FIFA-Council 15.10., Nominierungs-Frist 18.11., Wahl 18.03.2027

Der belgische Antrag setzt einen Zeitplan in Gang, der in drei Fixpunkten strukturiert ist. Am 15. Oktober 2026 tagt der FIFA-Council in Zuerich - hier muss der Balogun-Fall behandelt werden, entweder mit einer FIFA-Ethik-Kommissions-Aufklaerung oder mit einer prozessualen Reform-Ankuendigung. Am 18. November 2026 endet die Nominierungs-Frist fuer Gegenkandidaten. Ein Herausforderer benoetigt die Nominierung von mindestens fuenf FIFA-Mitgliedsverbaenden. Am 18. Maerz 2027 waehlt der FIFA-Kongress in Rabat mit 211 stimmberechtigten Verbaenden.

Zwischen der Council-Sitzung am 15. Oktober und der Nominierungs-Frist am 18. November liegen vier Wochen, in denen sich die europaeisch-nord- und mittelamerikanische Anti-Infantino-Front auf eine Person einigen muss. CONCACAF-Praesident Victor Montagliani ist der derzeit meistgenannte Name, nachdem UEFA-Praesident Aleksander Ceferin am 24. August 2026 im Podcast “The Rest Is Politics Leading” die eigene Kandidatur ausgeschlossen hatte.

Zwischen Nominierungs-Frist und Wahltermin liegen vier Monate Wahlkampf. Die Council-Sitzung am 15. Oktober ist damit die letzte grosse Gelegenheit, den Balogun-Fall in ein prozessuales Ergebnis zu ueberfuehren, bevor die Wahlkampf-Dynamik beginnt. Van Dammes Antrag zielt genau auf dieses Zeitfenster.

Was der Antrag konkret bewirken kann

Realistisch stehen drei Ergebnisse zur Debatte. Erstens: Der FIFA-Council beschliesst am 15. Oktober eine formelle Ethik-Kommissions-Untersuchung des Trump-Telefonats und der Sperren-Aussetzungs-Entscheidung. Das waere die weitgehendste Konsequenz und wuerde Infantino wenige Monate vor dem Kongress in eine defensive Position bringen.

Zweitens: Der Council beschliesst eine Prozess-Reform des Artikel-27-Verfahrens fuer kuenftige Turniere - ein technisch-neutrales Ergebnis, das die Belgien-Forderung nach “klaren, konsistenten und effizienten” Prozessen adressiert, ohne den Fall Balogun selbst zu bewerten. Das waere die politisch akzeptable Kompromiss-Loesung fuer die FIFA-Zentrale.

Drittens: Der Council vertagt den Punkt oder beschliesst eine unspezifische Kenntnisnahme. Das waere die Minimal-Reaktion und wuerde Van Damme die Grundlage fuer eine weitere Eskalation liefern - etwa ueber die belgische Vertretung im UEFA-Exekutivkomitee oder ueber einen eigenen Antrag beim FIFA-Kongress in Rabat. In allen drei Szenarien aber gilt: Die Belgien-Initiative hat die Balogun-Frage aus dem Bereich der Presse-Erklaerungen in ein FIFA-eigenes Verfahren ueberfuehrt. Diese Verschiebung ist der eigentliche Trumpf.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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