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WM 2026

Watzke bricht DFB-Neutralitaet: 'Hoffe, dass Infantino das selbst realisiert' - UEFA-Gegenkandidat fuer 18. Maerz angekuendigt

DFB-Vize Watzke hofft im DLF-Sportgespraech auf freiwilligen Ruecktritt Infantinos und kuendigt einen UEFA-Gegenkandidaten fuer die Wahl am 18. Maerz 2027 an.

Von Marco Feldmann 03. September 2026

Sinsheim, PreZero Arena: Hans-Joachim Watzke im TV-Interview. Am 2. September 2026 spricht der DFB-Aufsichtsratsvorsitzende und UEFA-Exekutiv-Mitglied im Deutschlandfunk-Sportgespraech erstmals persoenlich zur Personal-Frage FIFA-Praesident Gianni Infantino (Foto: ImageBROKER). Foto: ImageBROKER via SmartFrame

DFB-Aufsichtsratsvorsitzender und UEFA-Exekutiv-Mitglied Hans-Joachim Watzke bricht am 2. September 2026 im Deutschlandfunk-Sportgespraech zum ersten Mal die bisherige DFB-Neutralitaet in der Personal-Frage FIFA-Praesident Gianni Infantino. Nach der sportschau.de-Meldung mit Stand 02.09.2026 16:35 Uhr sagt Watzke im DLF-Interview den zentralen Satz: “Ich hoffe, dass er das irgendwann selbst realisiert.” Ein freiwilliger Rueckzug Infantinos aus dem FIFA-Amt sei “zumindest fuer denkbar”, “um den Fussball nicht so einer Zerreissprobe auszusetzen”. Fuer den Fall, dass Infantino trotz aller Kritik seine Wiederwahl am 18. Maerz 2027 in Rabat aufrechterhaelt, kuendigt Watzke einen UEFA-Gegenkandidaten an - der Boykott-Faden bleibt gleichzeitig auf die konkrete Investoren-Konfrontation vom Juli und August 2026 begrenzt.

DLF-Zitat 1: Freiwilliger Rueckzug als Hoffnungs-Formel

Die Watzke-Aussage ist bewusst hoffnungs-formuliert und nicht als offene Ruecktritts-Forderung angelegt. Der Satz “Ich hoffe, dass er das irgendwann selbst realisiert” verlagert die Verantwortung fuer den Rueckzug auf Infantino selbst und begruendet die Erwartung mit dem Motiv, “den Fussball nicht so einer Zerreissprobe auszusetzen”. Watzke gibt dem freiwilligen Rueckzug den Status des “zumindest Denkbaren” - eine Formulierung, die Distanz zu einer offenen Ruecktritts-Forderung wahrt und gleichzeitig den DFB-Aufsichtsratsvorsitzenden zum ersten Mal persoenlich auf der Personal-Ebene positioniert. Die formale DFB-Institutions-Position der Zehn-Milliarden-Formel vom 29. Juli 2026 gegen den FIFA-Investoren-Plan bleibt unangetastet, die persoenliche Ebene wird aber sichtbar auf die Ruecktritts-Erwartung verlagert.

DLF-Zitat 2: Investoren-Plan-Kritik in scharfer Wortwahl

Zum Kern-Konfliktpunkt, dem Forward-Enterprise-Investoren-Plan mit Thrive Capital, findet Watzke im DLF-Sportgespraech seine schaerfste Wortwahl. “Du kannst doch nicht als FIFA-Praesident so ein Ding ganz allein machen”, zitiert die Sportschau. “Deine Mitarbeiter wissen nichts, das FIFA-Council, die stellvertretenden FIFA-Praesidenten wissen von gar nichts.” Und weiter: “Wozu braucht man da einen Investor? Voelliger Quatsch.” Diese Formulierung ist neu in ihrer Direktheit. Waehrend die DFB-Zehn-Milliarden-Institutionsposition den Investoren-Plan sachlich als “nicht ueberzeugend” abgelehnt hatte, spricht Watzke jetzt persoenlich von “voelligem Quatsch” - und ruegt zugleich die Umgehung des FIFA-Councils und der Vize-Praesidenten. Damit ordnet er sich in eine Argumentations-Linie ein, die auch der UEFA-Strafanzeige nach Schweizer Art. 158 zugrunde liegt: die Kern-Kritik ist die Umgehung von Kontroll-Instanzen, nicht die Idee eines Investors an sich.

DLF-Zitat 3: Persoenlicher Schock nach belastbarem Arbeitsverhaeltnis

Watzke rahmt seine Aussage biographisch. “Ich hatte mit Infantino immer ein belastbares Arbeitsverhaeltnis, aber in dieser Krassheit, was da passiert ist, war fuer mich persoenlich auch ein extremer Schock.” Diese Formulierung setzt den Watzke-Vorstoss ab von Personen, die Infantino seit Jahren offen gegenueberstehen - etwa dem spanischen La-Liga-Chef Javier Tebas mit seiner Gazzetta-Ruecktritts-Forderung oder dem Fanbuendnis-Petitionen-Kollektiv. Watzke stellt sich als jemand dar, der bislang mit Infantino zusammenarbeiten konnte und erst durch den Investoren-Plan zum kritischen Beobachter wird. Diese Rahmung erhoeht das Gewicht der Aussage - der Bruch kommt nicht aus grundsaetzlicher Opposition, sondern aus konkretem Vorgang.

UEFA-Gegenkandidat fuer die Wahl am 18. Maerz 2027

Watzke skizziert im DLF-Sportgespraech den Plan B der UEFA-Exekutive fuer den Fall, dass Infantino trotz aller Kritik seine Wiederwahl-Kandidatur aufrechterhaelt. Erstens werde die UEFA formell Strafanzeige gegen Infantino wegen des Investoren-Plans stellen und volle Transparenz einfordern. Zweitens werde die UEFA einen eigenen Gegenkandidaten aufstellen und dessen Nominierung durch mindestens fuenf Mitglieds-Verbaende organisieren.

Weitere Boykott-Drohungen gegen die WM 2030 in Marokko-Portugal-Spanien mit drei Sued-Amerika-Spielen zum Hundert-Jahre-Jubilaeum oder gegen die WM 2034 in Saudi-Arabien schliesst Watzke ausdruecklich aus, sollte Infantino legitim wiedergewaehlt werden. Damit begrenzt Watzke den UEFA-Boykott-Faden vom 30. Juli in Nyon auf die konkrete Investoren-Konfrontation vom Juli und August 2026. Der Boykott wird nicht zur dauerhaften Waffe, sondern bleibt ein Krisen-Instrument der Auseinandersetzung um den Investoren-Plan. Nach der Wahl-Legitimation durch den FIFA-Kongress hat die UEFA nach Watzke-Lesart die Wahl zu akzeptieren, auch wenn ihr Kandidat verliert.

Watzke bedauert Ceferin-Absage

Getrennt vom DLF-Sportgespraech zitiert eine dpa-Meldung Watzke mit einem Bedauern ueber die Absage von UEFA-Praesident Aleksander Ceferin. Ceferin hatte am 24. August im Podcast The Rest Is Politics Leading eine eigene Kandidatur ausgeschlossen und die Verantwortung fuer die Kandidaten-Findung an die UEFA-Verbaende delegiert. Aus DFB-Sicht waere Ceferin der personell und institutionell stimmigste Gegenkandidat gewesen, mit europaeischem Rueckhalt aus 55 UEFA-Verbaenden und einer klaren Reform-Agenda gegen den Investoren-Kurs.

Die Ceferin-Absage zwingt die Anti-Infantino-Koalition, den Kandidaten aus einem engeren Kreis Reform-orientierter Personen zu ziehen. Moegliche Namen aus der laufenden Debatte sind hohe Verbands-Funktionaere ausserhalb der aktuellen Spitzen-Positionen, um Interessens-Konflikte zu vermeiden. Der KNVB-Amsterdam-Zukunftsgipfel soll die inhaltliche Reform-Plattform fuer die Kandidatur liefern, waehrend die Kandidaten-Findung selbst weiterhin offen ist.

DFB-Positions-Bruch von Investor-Front zu Personal-Front

Der DFB hatte seit dem Krisen-Sommer 2026 seine Positionierung streng auf zwei Achsen beschraenkt. Erste Achse war die Investoren-Front: Praesident Bernd Neuendorf und Watzke hatten am 29. Juli 2026 mit der Zehn-Milliarden-Formel institutionell gegen den FIFA-Investoren-Plan Position bezogen. Zweite Achse war die UEFA-Boykott-Resolution, die der DFB in Nyon am 30. Juli einstimmig mitgetragen hatte. Zur Personal-Frage Infantino selbst blieb der Verband bislang schweigsam - eine Neutralitaet, die auch im Ceferin-Verzichts-Artikel vom 24. August ausdruecklich als DFB-Linie beschrieben wurde.

Watzke bricht diese Neutralitaet jetzt persoenlich - er spricht als Person und nicht im Namen des DFB-Praesidiums. Aber Watzke ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender und UEFA-Exekutiv-Mitglied, jede oeffentliche Aeusserung entfaltet institutionelle Wirkung. Die Formulierung “ich hoffe” laesst die formale DFB-Institutions-Position unangetastet, verlagert die persoenliche Ebene aber sichtbar auf die Ruecktritts-Erwartung. Ob und wann DFB-Praesident Neuendorf nachzieht oder ob die persoenliche Watzke-Ebene die einzige bleibt, ist die naechste offene Frage der Post-WM-Governance-Kaskade.

Wo der Watzke-Vorstoss in der europaeischen Anti-Infantino-Front steht

Der Watzke-Vorstoss vom 2. September 2026 bildet den vierten Baustein der europaeischen Anti-Infantino-Front nach dem Krisen-Sommer. Erste Saeule war die UEFA-Justiz-Spur: die UEFA-Exekutive hat am 27. August in Monaco eine Strafanzeige gegen Infantino nach Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuchs autorisiert - ungetreue Geschaeftsbesorgung, bis zu fuenf Jahre Freiheitsstrafe. Zweite Saeule war die Nordische Achse: die Fussball-Verbaende Schweden, Norwegen, Daenemark, Finnland und Island hatten am 24. August einen unabhaengigen Governance-Review gefordert. Dritte Saeule war der niederlaendische Verband KNVB mit seinem Reformbrief vom 31. August und dem Amsterdam-Zukunftsgipfel-Angebot.

Vierte Saeule ist jetzt das erste persoenliche DFB-Signal auf der Personal-Frage. Auf der Pro-Infantino-Seite stehen weiterhin Argentinien, Mexiko, Marokko und Katar mit koordiniertem Support, ergaenzt um die wortgleichen Instagram-Posts von Alejandro Dominguez, Fatma Samoura und Patrice Motsepe aus Sued-Amerika und Afrika. Die Kongress-Stimmen-Mathematik am 18. Maerz 2027 in Rabat haengt an den CONCACAF- und AFC-Verbaenden, in deren Richtung sowohl Watzke als auch die Amsterdam-Reform-Plattform des KNVB Signale senden - ohne dass bislang eine offene Konfoederations-Positionierung erfolgt waere.

Der FIFA-Kongress in Rabat findet am 18. Maerz 2027 statt, der Bewerbungs-Schluss fuer Kandidaten faellt auf den 18. November 2026. Bis dahin bleiben knapp elf Wochen, in denen die Anti-Infantino-Koalition den Kandidaten benennen, die fuenf Unterstuetzer-Verbaende registrieren und die Reform-Agenda formal an die Kandidatur binden muss. Die Watzke-Aussage markiert dabei den Uebergang von der reinen Sach-Kritik zur ersten oeffentlichen Personal-Erwartung aus DFB-Kreisen.

Terminplan bis zur Wahl in Rabat

DatumTermin
24.08.2026Nordische Achse fordert Governance-Review
24.08.2026Ceferin verzichtet auf FIFA-Kandidatur (Podcast)
27.08.2026UEFA-Exekutive Monaco: Boykott-Aufhebung plus Strafanzeige-Autorisierung
31.08.2026KNVB-Reformbrief mit drei Vorschlaegen und Amsterdam-Angebot
02.09.2026Watzke im DLF-Sportgespraech: “Hoffe, dass Infantino das selbst realisiert”
18.11.2026Bewerbungs-Schluss FIFA-Wahl 2027 - Kandidaten-Registrierung
Dezember 2026 / Januar 2027Moegliches Fenster fuer Amsterdam-Zukunftsgipfel
18.03.2027FIFA-Kongress Rabat: Praesidentschafts-Wahl

Die WM-2026-Uebersicht buendelt die praktische Turnier- und Nachlese-Perspektive, waehrend die Governance-Kaskade Sache der News-Chapter bleibt. Der naechste Trigger-Punkt ist die Frage, ob DFB-Praesident Neuendorf die persoenliche Watzke-Linie institutionell nachzieht oder ob die DFB-Institutions-Position vorerst auf die Investoren-Front begrenzt bleibt.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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