Zum Inhalt springen
WM 2026

FIFA hebt Balogun-Sperre auf: USA-Angreifer darf gegen Belgien spielen, Trump bedankt sich beim Weltverband

FIFA hebt Baloguns Rot-Sperre nach Artikel 27 zur Bewaehrung auf. Der USA-Angreifer ist im WM-Achtelfinale gegen Belgien am 7. Juli 02:00 MESZ in Seattle spielberechtigt.

Von Marco Feldmann 05. Juli 2026

Seattle, 19. Juni 2026: Folarin Balogun jubelt fuer die USA im WM-Gruppenspiel gegen Australien im Lumen Field. Genau in diesem Stadion darf der Monaco-Angreifer nach der FIFA-Sperr-Aussetzung am 7. Juli im Achtelfinale gegen Belgien wieder auflaufen. Foto: John Carusi / Zuma Press. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die FIFA hat die einspielige Sperre gegen Folarin Balogun aufgehoben. Der Weltverband gab am Sonntag, dem 5. Juli 2026, in einer offiziellen Mitteilung bekannt, dass die Rot-Sperre des US-Angreifers aus dem Sechzehntelfinal-Sieg der USA gegen Bosnien-Herzegowina nach Artikel 27 des FIFA-Disziplinarkatalogs zur Bewaehrung ausgesetzt wird. Balogun ist damit im Achtelfinale gegen Belgien am 7. Juli 2026 um 02:00 Uhr MESZ im Lumen Field in Seattle spielberechtigt. US-Praesident Donald Trump bedankte sich unmittelbar nach der FIFA-Verkuendung auf seiner Plattform Truth Social beim Weltverband und sprach von einer “grossen Ungerechtigkeit”, die rueckgaengig gemacht worden sei. Fuer die USA unter Mauricio Pochettino ist die Rueckkehr des besten Turnier-Angreifers eine sportliche Erleichterung mit taktischer Dimension - fuer die Roten Teufel unter Rudi Garcia ein spaeter Umplanungs-Zwang binnen 20 Stunden vor Anpfiff.

Was die FIFA-Entscheidung im Detail bedeutet

Die FIFA-Disziplinar-Kammer in Zuerich hat am Sonntag-Vormittag Mitteleuropaeischer Zeit die Balogun-Sperre nach der einspieligen Rot-Sperr-Automatik neu bewertet und die Sanktion nach Artikel 27 des Disziplinarkatalogs zur Bewaehrung ausgesetzt. Der Artikel 27 regelt die Aussetzung von Sanktionen und Probezeiten - er erlaubt der Disziplinar-Kammer, eine ausgesprochene Sperre nicht sofort zu vollziehen, sondern fuer einen bestimmten Bewaehrungs-Zeitraum auszusetzen, unter der Auflage, dass der betroffene Spieler in dieser Zeit kein weiteres relevantes Fehlverhalten begeht. Bei erneuter Roter Karte oder Vergleichbarem tritt die ausgesetzte Sperre zusaetzlich zur neuen in Kraft.

Konkret heisst das fuer Balogun: Er ist im Achtelfinale gegen Belgien am 7. Juli 2026 in Seattle spielberechtigt, muss aber im restlichen Turnier-Verlauf jede weitere Gelb-Rot- oder Rot-Karte doppelt schwer nehmen - die einspielige Sperre aus dem Bosnien-Spiel wuerde dann zusaetzlich zur neuen greifen. Die FIFA begruendete die Aussetzung in ihrer Mitteilung nicht im Detail, verwies aber auf den Einzelfall-Charakter der Entscheidung. Bei der WM 2026 kommt Artikel 27 damit erstmals zum Einsatz. In den vergangenen zehn Fussball-Weltmeisterschaften seit 1990 in Italien ist keine einzige nach dem Turnier-Regelfall ausgesprochene einspielige Rot-Sperre nachtraeglich aufgehoben oder zur Bewaehrung ausgesetzt worden.

Die Kritik an dem Vorgehen ist in Belgien und in europaeischen Fussball-Medien nicht ausgeblieben. Waehrend die belgische Verbands-Fuehrung sich am Sonntag-Abend zurueckhaltend aeusserte und lediglich mitteilte, man werde die Aufstellung fuer das Achtelfinale unabhaengig von der Balogun-Rueckkehr planen, ordneten die flaemische VRT und die franzoesischsprachige RTBF die Aussetzung als “ungewoehnlich” und “politisch heikel” ein. Der Verdacht: Der Weltverband habe nach der oeffentlichen Intervention von Donald Trump einem politischen Wunsch nachgegeben - der Haupt-Gastgeber USA soll den bestmoeglichen Kader auf dem Platz haben.

Der Balogun-Platzverweis in der 64. Minute gegen Bosnien - was passierte

Der Ausgangspunkt der Diskussion liegt in der 64. Minute des Sechzehntelfinal-Sieges der USA gegen Bosnien-Herzegowina. Am 1. Juli 2026 im Levi’s Stadium in Santa Clara stand die Pochettino-Elf nach dem Balogun-Fuehrungs-Treffer in der 45. Minute mit 1:0 in Front, als der 24-jaehrige Monaco-Angreifer in einer 50-50-Duell-Situation an der Mittel-Linie mit gestrecktem Bein zuerst am Ball war, im Nach-Setz-Bewegungsablauf aber den 19-jaehrigen bosnischen Juventus-Innenverteidiger Tarik Muharemovic mit dem Knoechel am rechten Sprunggelenk traf.

Schiedsrichter Danny Makkelie aus den Niederlanden sah zunaechst nur Gelb, wurde vom VAR-Team unter Assistent Pol van Boekel zur Ueberpruefung an den Monitor gebeten und stufte die Aktion nach dem On-Field-Review als grobes Foul-Spiel ein: Rote Karte, Balogun raus. Muharemovic konnte nach kurzer Behandlung weiter spielen und beendete die Partie ohne Verletzungs-Folgen; die anschliessende UEFA-Klub-Wettkampf-Freigabe fuer den Juventus-Verteidiger blieb unberuehrt.

Trainer Mauricio Pochettino brachte in der 65. Minute Verteidiger Cameron Carter-Vickers fuer den offensiven Weston McKennie und stellte auf einen kompakten 4-4-1-Restschutz mit Haji Wright als Solo-Sturmspitze um. In Unterzahl schoss Bayer-Leverkusen-Achter Malik Tillman in der 82. Minute einen direkten Freistoss aus rund 22 Metern flach am bosnischen Mauer-Ende vorbei zum 2:0-Endstand. Die USA zogen als dritter Gastgeber neben Kanada und Mexiko ins Achtelfinale ein und trafen dort auf Belgien - allerdings ohne Balogun. So war der Stand bis zur FIFA-Verkuendung am Sonntag.

Pochettino: “Fuer mich niemals eine Rote Karte”

Mauricio Pochettino, seit September 2024 Cheftrainer der US-Nationalmannschaft, hatte den Balogun-Platzverweis von Anfang an als Fehl-Entscheidung des Schiedsrichter-Gespanns eingeordnet. Woertlich sagte der 54-jaehrige Argentinier im Anschluss an das Bosnien-Spiel:

“Fuer mich ist das niemals eine Rote Karte. Es war zu keinem Zeitpunkt seine Absicht, den Spieler zu treten. Es war eine im Fussball ganz normale Aktion.”

Auf die Frage nach der psychologischen Belastung fuer den 24-jaehrigen Angreifer, der sich im Anschluss an das Foul in der Kabine sichtlich niedergeschlagen gezeigt hatte, ergaenzte Pochettino:

“Er muss verstehen, dass solche Situationen einfach vorkommen. Ich hoffe sehr, dass er noch in der Lage sein wird, uns wieder zu helfen und wir die naechste Runde erreichen.”

Der frueheren PSG-, Tottenham- und Chelsea-Trainer, der die USA seit dem Amtsantritt in zwoelf Laenderspielen betreut und die Stars and Stripes durch die Gruppen-Phase der WM 2026 mit vier Punkten als Gruppen-Zweiter hinter Kolumbien gefuehrt hat, hatte damit die argumentative Basis fuer die anschliessende Trump-Intervention und die FIFA-Neubewertung gelegt. Nach der Sperr-Aufhebung durch die Disziplinar-Kammer aeusserte sich Pochettino zurueckhaltend und verwies auf die Vorbereitungs-Prioritaet auf das Achtelfinale.

Trumps Truth-Social-Reaktion: “Grosse Ungerechtigkeit rueckgaengig gemacht”

Donald Trump, seit Januar 2025 zum zweiten Mal US-Praesident, reagierte am Sonntag-Nachmittag Ortszeit Washington auf seiner eigenen Plattform Truth Social auf die FIFA-Entscheidung. In seinem Post schrieb er woertlich:

“Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan hat und eine grosse Ungerechtigkeit rueckgaengig gemacht hat.”

Trump hatte sich bereits nach dem Bosnien-Sieg der USA am 1. Juli oeffentlich zum Balogun-Platzverweis geaeussert und die Rote Karte in einer Truth-Social-Serie als “skandaloes” und “unfair gegenueber dem Gastgeber” bezeichnet. Der 47. US-Praesident ist waehrend der WM 2026 im engen Kontakt mit FIFA-Praesident Gianni Infantino und hat mehrfach oeffentlich die USA-Delegation als Turnier-Gastgeber und die Marketing-Bedeutung des Weltverbands-Grossereignisses fuer die Vereinigten Staaten hervorgehoben. Bereits am 4. Juli, dem US-Nationalfeiertag, hatte die FIFA in Houston und Philadelphia Trump-Praesenz-Momente inszeniert - mit Prominenz-Auftritten des Praesidenten in den VIP-Logen der beiden Achtelfinal-Wave-1-Partien Marokko-Kanada und Frankreich-Paraguay.

Die Kombination aus praesidialer Intervention und beispielloser FIFA-Sperr-Milde weckt in europaeischen Fussball-Kreisen die Sorge, dass sportliche Entscheidungen im Turnier-Verlauf politisch beeinflussbar werden. Der bereits nach dem Paraguay-Auftakt der USA thematisierte “Trump-fern-Delegations-Vertretungs-Ansatz” durch Aussenminister Marco Rubio erscheint damit gebrochen: Trump ist nicht nur physisch bei den WM-Spielen prominent zurueck, sondern auch als politisch-oeffentlicher Interventions-Akteur bei sportlichen Disziplinar-Entscheidungen.

Was das fuer USA-Belgien im Lumen Field Seattle bedeutet

Fuer das Achtelfinale gegen Belgien am 7. Juli 2026 um 02:00 Uhr MESZ (Montag, 6. Juli, 17:00 Uhr Ortszeit PDT) im Lumen Field in Seattle plant Mauricio Pochettino nun das im 4:1-Auftakt-Sieg gegen Paraguay im Los Angeles Stadium erprobte 4-3-3 mit Folarin Balogun als zentralem Neuner, Christian Pulisic (AC Mailand) rechts und Timothy Weah (Juventus Turin) links. Die Absetzung des im Vor-Bericht als Balogun-Ersatz avisierten Haji Wright (Coventry City) auf die Bank ist die logische Folge.

Wright wird als Joker-Option in der zweiten Halbzeit erwartet, Balogun als Start-Neuner mit dem hoeheren Bewegungs-Radius, dem gefaehrlicheren Abschluss-Fuss und der Turnier-Bilanz von drei Toren in vier Einsaetzen: Doppelpack gegen Paraguay am 12. Juni im SoFi Stadium Los Angeles, Ausgleich zum 2:2 gegen Uruguay am 21. Juni in Seattle und Fuehrungs-Treffer gegen Bosnien-Herzegowina am 1. Juli in Santa Clara. Damit ist Balogun der treffsicherste US-Angreifer der Turnier-Historie seit dem 2:1 gegen Portugal im WM-2010-Gruppen-Spiel durch Landon Donovan und Clint Dempsey.

Fuer die Roten Teufel unter Rudi Garcia ist die Balogun-Rueckkehr eine schlechte Nachricht. Die Vor-Bereitung der Innenverteidiger Wout Faes (Leicester City) und Zeno Debast (Sporting Lissabon), in den letzten Trainings-Einheiten am belgischen Team-Hotel in Renton, WA offenbar auf die eher physische Praesenz von Haji Wright ausgerichtet, muss binnen 20 Stunden vor Anpfiff auf den technisch feineren, laufstaerkeren Balogun-Profil-Typ umgestellt werden. Im WM-Modell verschiebt sich die USA-Sieg-Wahrscheinlichkeit im Achtelfinale um schaetzungsweise zwei bis drei Prozentpunkte nach oben. Der Wert-Tipp USA Doppelchance X2 aus dem Vor-Bericht zum Achtelfinale gewinnt entsprechend an Rueckendeckung.

Balogun-Turnier-Bilanz: drei Tore, ein Platzverweis, jetzt Rueckkehr

Folarin Jerry Balogun, geboren am 3. Juli 2001 in New York City, aufgewachsen in London-Islington, seit August 2023 bei der AS Monaco unter Vertrag (Ablöse rund 40 Millionen Euro vom FC Arsenal, aktueller Marktwert laut Transfermarkt.de rund 32 Millionen Euro), ist bei der WM 2026 der Turnier-Beste-Torschuetze der USA und Star-Neuner der Pochettino-Elf. Seine Turnier-Bilanz:

  • 12. Juni 2026, USA-Paraguay 4:1 im SoFi Stadium Los Angeles: Doppelpack in der 14. und 43. Minute
  • 17. Juni 2026, USA-Australien 2:0 im Lumen Field Seattle: kein Tor, aber Assist zum Freeman-Treffer
  • 21. Juni 2026, USA-Uruguay 2:2 im Levi’s Stadium Santa Clara: Ausgleichs-Treffer in der 68. Minute
  • 26. Juni 2026, USA-Kolumbien 1:2 im Estadio Azteca Mexico City: kein Tor, keine Assist
  • 1. Juli 2026, USA-Bosnien 2:0 im Levi’s Stadium Santa Clara: Fuehrungs-Treffer in der 45. Minute, Rote Karte in der 64. Minute
  • 7. Juli 2026, USA-Belgien im Lumen Field Seattle: nach FIFA-Sperr-Aussetzung spielberechtigt

Baloguns Entscheidung fuer die US-Nationalmannschaft im Mai 2023 war einer der oeffentlichkeitswirksamsten Verbands-Wechsel der jungen Nationalmannschafts-Geschichte: Der in New York geborene und in London aufgewachsene Angreifer, der zuvor sechs U-Auswahl-Einsaetze fuer England absolviert hatte, entschied sich nach einem intensiven Werbe-Prozess von US-Verbandsseite unter dem damaligen Sportdirektor Matt Crocker fuer die Stars and Stripes. Im September 2023 debuetierte er unter dem damaligen US-Trainer Gregg Berhalter im Testspiel gegen Uzbekistan (3:0 in St. Louis) und traf beim Debuet.

Der Weg zur Rueckkehr in die Startelf fuer das Achtelfinale gegen Belgien ist damit frei. Die FIFA-Aussetzung nach Artikel 27 bleibt der praezedenzlose Vorgang der Turnier-Historie - ob sie zum Turnier-Muster wird oder ein Einzelfall bleibt, wird sich in den kommenden K.o.-Runden zeigen. Fuer die USA und ihren Star-Neuner gilt: Der Weg ins Viertelfinale ist wieder offen, und in Seattle wartet am Montag-Abend Ortszeit das dritte Achtelfinal-Duell zwischen USA und Belgien nach dem 2:1 nach Verlaengerung fuer die Roten Teufel bei der WM 2014 in Salvador da Bahia.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026