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WM 2026

Paraguayer Juan Benitez pfeift das DFB-Spiel gegen die Elfenbeinkueste in Toronto

Paraguays FIFA-Schiri Juan Gabriel Benitez (43) leitet das zweite DFB-Gruppenspiel am 20. Juni 2026 in Toronto - Felix Nmecha hat schon mal gegen ihn getroffen.

Von Lukas Brandt 17. Juni 2026

Symbolbild: Der brasilianische FIFA-Schiedsrichter Wilton Sampaio leitet am 11. Juni 2026 in Mexico City das WM-Eroeffnungsspiel Mexiko gegen Suedafrika. Sechs Tage spaeter setzt die FIFA fuer das zweite DFB-Gruppenspiel am 20. Juni in Toronto den 43-jaehrigen Paraguayer Juan Gabriel Benitez an (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Drei Tage vor dem Anpfiff hat die FIFA am Mittwoch den Schiedsrichter fuer das zweite WM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft benannt. Der paraguayische Referee Juan Gabriel Benitez leitet die Partie Deutschland gegen die Elfenbeinkueste am Samstag, 20. Juni 2026, um 22:00 Uhr MESZ im BMO Field in Toronto. Es ist die WM-Premiere des 43-Jaehrigen. Begleitet wird Benitez von einer fast komplett paraguayischen Crew, der vierte Offizielle kommt aus Saudi-Arabien. Felix Nmecha hat den Mann aus Asuncion schon einmal als Schiri erlebt - im BVB-Trikot bei der Klub-WM 2025.

Wer ist Juan Gabriel Benitez?

Benitez ist 43 Jahre alt, in der paraguayischen Hauptstadt Asuncion geboren und steht seit 2019 auf der FIFA-Liste. Im paraguayischen Schiedsrichter-Aufbau gehoert er zur Generation hinter Mario Diaz de Vivar und Eber Aquino, die jahrelang die CONMEBOL-Spitze stellten. International machte ihn vor allem die Copa America 2024 in den USA bekannt, fuer die ihn die CONMEBOL aus dem nationalen Pool nach oben gezogen hatte. In der heimischen Primera Division pfeift Benitez seit ueber einem Jahrzehnt, zuletzt in der Saison 2025/26 unter anderem das Clasico-Derby Cerro Porteno gegen Olimpia.

Sein internationaler Karriereschritt war die FIFA Klub-WM 2025 in den USA: Dort leitete Benitez das Gruppenspiel zwischen Borussia Dortmund und den Mamelodi Sundowns aus Suedafrika, das die Schwarz-Gelben mit 4:3 gewannen. Nationalspieler Felix Nmecha hat daran gute Erinnerungen - er traf damals fuer den BVB. Bisher hat Benitez keine Herren-WM-Partie gepfiffen, Champions-League- oder Europa-League-Einsaetze fehlen ihm aus geographischen Gruenden ebenfalls. Fuer die DFB-Elf, ihre Spieler und Bundestrainer Julian Nagelsmann ist Toronto deshalb ein klassisches WM-Phaenomen: Man trifft auf einen Unparteiischen, den die meisten Profis erstmals am Platz erleben.

Die paraguayische Schiedsrichter-Schule gilt im Weltverband als robust. Karten werden eher zurueckhaltend gezogen, das Spielniveau wird tendenziell hoch gehalten, dafuer fallen Pfiffe bei taktischen Foulspielen klarer aus. Benitez selbst beschreibt der CONMEBOL-Bewertungsbericht nach der Copa America 2024 als ruhigen Crew-Fuehrer mit klarer Linie - eine Eigenschaft, die seine Ansetzung fuer das zweite DFB-Gruppenspiel mit erklaeren duerfte.

Drei Paraguayer, ein Saudi: Die Crew fuer Toronto

Hinter Benitez steht eine fast komplett paraguayische Besetzung. Eduardo Cardozo und Milciades Saldivar stehen als Assistenten an den Linien - eingespielte CONMEBOL-Crew, die Benitez bereits bei der Klub-WM 2025 begleitete. Vierter Offizieller ist Khalid Alturais aus Saudi-Arabien, was die FIFA-Konvention erfuellt, dass nicht alle vier Unparteiischen aus demselben Land oder derselben Konfoederation kommen.

Der Video-Schiedsrichter (VAR) wurde von der FIFA bisher nicht oeffentlich benannt. Vor jedem Spiel der WM 2026 entscheidet das FIFA-Refereeing-Komitee in Doha tagesaktuell, welcher VAR aus dem 24-koepfigen Pool die jeweilige Partie betreut - die Benennung erfolgt traditionell erst 24 bis 36 Stunden vor dem Anpfiff. Realistisch wird ein VAR aus dem europaeischen oder afrikanischen Kontingent uebernehmen, um die Konfoederations-Balance zu wahren. Beim DFB-Auftaktspiel gegen Curacao hatten die Paraguayer keine Vertretung; jetzt sind sie an der Linie.

Wo der DFB-Elf Benitez schon einmal begegnet ist

Der entscheidende Unterschied zwischen dem Auftakt-Schiri Jalal Jayed aus Marokko und Benitez ist die Vorerfahrungs-Frage. Jayed war fuer praktisch alle DFB-Profis ein voelliger Neuling. Benitez dagegen pfiff bei der Klub-WM 2025 das Spiel Borussia Dortmund gegen Mamelodi Sundowns (4:3). Felix Nmecha traf in jener Begegnung fuer den BVB - er hat den Paraguayer bereits aus 90 Minuten persoenlich erlebt. Der kicker spricht zudem von einem ganzen BVB-Trio mit Klub-WM-Vorerfahrung gegen Benitez - eine im DFB-Lager nicht unwichtige Detailerinnerung, weil die Spieler die Linien des Unparteiischen bereits einschaetzen koennen.

Das mag wie eine Nebenbemerkung klingen, ist es aber nicht: Auf einer WM-Endrunde mit 117 Schiedsrichter-Trios trifft eine Mannschaft regelmaessig auf Unparteiische, die sie nie zuvor erlebt hat. Jede Vorerfahrung gibt einer Mannschaft im laufenden Spiel ein paar Sekunden mehr Sicherheit beim Lesen von Pfiffen - bei einem Gruppen-Endspiel-Charakter wie diesem ein nicht zu unterschaetzender Mikro-Faktor.

Was die Schiri-Ansetzung fuer den 2. Spieltag bedeutet

Sportlich steht das DFB-Team gegen die Elfenbeinkueste unter klar veraenderten Vorzeichen als gegen Curacao. Nach dem 7:1 in Houston hat die DFB-Elf bereits drei Punkte auf dem Konto; mit einem Sieg gegen die Ivorer waere das Sechzehntelfinale rechnerisch nach zwei Spieltagen fix. Die Elfenbeinkueste hat ihrerseits nach dem 1:0-Sieg gegen Ecuador ebenfalls drei Punkte und ist mit dem 19-jaehrigen RB-Leipzig-Talent Yan Diomande deutlich gefaehrlicher unterwegs als die Curacao-Auswahl es war.

Stilistisch passt Benitez zu dieser Partie. Sein CONMEBOL-Hintergrund toleriert in der Regel eine etwas koerperlichere Gangart, was den Ivorern um Diomande theoretisch zugutekommen koennte. Die DFB-Elf muss damit rechnen, dass Pfiffe bei Zweikaempfen im Mittelfeld nicht so frueh fallen wie unter europaeischen Schiedsrichtern - eine Lektion, die die Kimmich-Generation in den letzten WM- und Copa-Cycle-Spielen gegen suedamerikanische Crews bereits gelernt hat. Kapitaen Joshua Kimmich hatte auf der Tag-nach-Curacao-PK in Winston-Salem bereits gewarnt, sich vom 7:1 nicht blenden zu lassen; mit Blick auf den Schiri ist diese Mahnung jetzt nicht weniger berechtigt.

Mit Anpfiff um 22:00 Uhr MESZ ist das BMO Field zudem die noerdlichste Spielstaette dieser WM. Die Temperaturen liegen Mitte Juni in Toronto auch nachts kaum ueber 20 Grad, wodurch die in anderen DFB-Vorberichten intensiv diskutierte Hitze-Akklimatisierung diesmal kein Faktor ist. Der entscheidende Mikro-Faktor heisst eher: Eine ganze Crew aus Paraguay, ein Vierter Offizieller aus Saudi-Arabien - und ein BVB-Mittelfeldspieler namens Felix Nmecha, der schon einmal vor diesem Schiri getroffen hat.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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