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WM-Geschichte

Bo Johansson tot: Dänemarks WM-1998-Trainer stirbt mit 83

Dänemarks früherer Nationaltrainer Bo Johansson ist am 15. Oktober 2026 mit 83 Jahren gestorben. Der Schwede führte Dänemark 1998 ins Viertelfinale.

Von Marco Feldmann 15. Oktober 2026

Der skandinavische Fußball verliert einen seiner leisen Baumeister: Bo Johansson, genannt Bosse, ist am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, im Alter von 83 Jahren gestorben. Der dänische Fernsehsender TV2 meldete den Tod am Mittag unter Berufung auf die Familie, der dänische Fußballverband DBU bestätigte die Nachricht wenig später. Johansson war Schwede, aber er wurde zur Trainer-Figur eines fremden Verbandes: Zwischen 1996 und 2000 führte er die dänische Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich bis ins Viertelfinale, wo Brasilien die Dänen in einem 2:3 nach frühem Führungstor stoppte. Das Ergebnis ist bis heute Dänemarks bestes Abschneiden bei einer Fußball-WM.

Die WM 1998 in Frankreich: Dänemarks bis heute bester Weltmeisterschafts-Lauf

Johansson übernahm die dänische Nationalmannschaft im Sommer 1996, nachdem Richard Møller Nielsen nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 1996 in England das Amt niedergelegt hatte. Durch die anschließende WM-Qualifikation führte er die Dänen in die Endrunde 1998 in Frankreich. Dort wurde die Mannschaft, die ohne großen Favoritenstatus anreiste, in Gruppe C neben Frankreich, Südafrika und Saudi-Arabien gelost.

Der Turnierstart gelang. Am 12. Juni 1998 besiegte Dänemark Saudi-Arabien in Lens mit 1:0, Marc Rieper traf nach einer Ecke zum Siegtor. Es folgte am 18. Juni ein 1:1 gegen Südafrika in Toulouse, in dem Michael Laudrup per Elfmeter ausglich. Erst im Gruppenfinale gegen Gastgeber Frankreich am 24. Juni im Stade de Gerland in Lyon kassierten die Dänen eine 1:2-Niederlage, Youri Djorkaeff und Emmanuel Petit trafen für die späteren Weltmeister, Michael Laudrup noch einmal für Dänemark. Als Gruppenzweiter zog Johanssons Team ins Achtelfinale ein.

Dort wartete Nigeria. Das Spiel am 28. Juni 1998 im Stade de France in Saint-Denis geriet zum offensiven Festival. Peter Møller, Thomas Helveg, Ebbe Sand und Brian Laudrup trafen beim 4:1-Sieg, einziger Nigeria-Treffer blieb der Anschluss von Tijani Babangida. Es war Dänemarks höchstes WM-Sieg und qualifizierte die Mannschaft für das Viertelfinale.

Im Viertelfinale am 3. Juli 1998 im Stade de la Beaujoire in Nantes traf Dänemark auf Brasilien. Der spätere Finalist ging nach 11 Minuten durch Bebeto in Führung, Rivaldo erhöhte in der 27. und 60. Minute auf 3:1. Dänemarks Torschützen waren Martin Jørgensen bereits in der 2. Minute, Brian Laudrup glich zur 1:1-Pause an und verkürzte in der 50. Minute auf 2:3. Das Spiel bleibt bis heute eines der am häufigsten erinnerten dänischen Länderspielduelle. Die 2:3-Niederlage bedeutete das Aus, der Lauf aber war Rekord.

Vom Öster-Meister zum Silkeborg-Titel: Johanssons skandinavischer Weg

Johansson war kein geborener Dänen-Trainer. Geboren am 28. November 1942 in Schweden, spielte er in den unteren schwedischen Ligen für Kalmar FF, bevor er 1973 bei genau diesem Verein in die Trainerlaufbahn wechselte. Nach einer Phase als Spielertrainer in Lindsdals IF und einer Rückkehr nach Kalmar FF übernahm er Öster IF, mit dem er 1980 und 1981 zwei schwedische Meistertitel in Folge holte. Es war die prägende Vereins-Ära seiner Laufbahn.

Es folgten Stationen beim norwegischen Zweitligisten FK Jerv, erneut Öster IF, Panionios Athen in Griechenland und schließlich 1992 der Wechsel zu Silkeborg IF nach Dänemark. In Jütland schrieb Johansson Vereinsgeschichte: 1994 holte er mit Silkeborg den einzigen dänischen Meistertitel der Vereinsgeschichte - gegen einen Favoritenkreis, der FC København und Brøndby umfasste. Der Titel qualifizierte ihn, zwei Jahre später die Nationalmannschaft zu übernehmen.

Zwischendurch war Johansson Trainer der isländischen Nationalmannschaft (1990 bis 1991), des finnischen Hauptstadtklubs HJK Helsinki (1994 bis 1995) und später des IFK Göteborg (2003 bis 2004) sowie des norwegischen Molde FK (2005). Seine letzte Trainer-Rolle übte er als Co-Trainer beim schwedischen Zweitligisten Åtvidabergs FF bis 2010 aus. Die Spur dieses Lebenslaufs lief durch alle fünf nordischen Fußball-Nationalverbände und streifte Griechenland.

Nach EURO 2000 der stille Rücktritt: Morten Olsen übernahm

Die EURO 2000 in den Niederlanden und Belgien wurde zum sportlichen Gegenstück zum WM-Lauf 1998. Dänemark landete in Gruppe D neben Frankreich, Niederlande und Tschechien, verlor alle drei Partien ohne eigenes Tor: 0:3 gegen Frankreich, 0:3 gegen die Niederlande, 0:2 gegen Tschechien. Es blieb bei null Punkten, null Toren, letzter Platz der Gruppe. Johansson trat unmittelbar nach dem Turnier zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Morten Olsen bestellt, der zehn Jahre lang Dänemarks Trainer bleiben sollte und das Team bis zur WM 2010 in Südafrika mitführte.

Rückblickend wurden die vier Jahre Johansson als die Übergangsphase einer dänischen Generation gelesen, in deren Zentrum die Brüder Michael und Brian Laudrup, Peter Schmeichel, Thomas Helveg und Martin Jørgensen standen. Johansson selbst sprach nach dem Rücktritt davon, dass die EURO-Niederlagen seine Entscheidung bestätigt hätten: Der Zyklus war an sein natürliches Ende gekommen.

DBU-Nachruf: Peter Møller über Humor und Menschlichkeit

Der dänische Fußballverband DBU reagierte am Donnerstagnachmittag mit einem offiziellen Nachruf. Fußballdirektor Peter Møller, selbst ehemaliger dänischer Nationalspieler und Torschütze beim 4:1 gegen Nigeria 1998, ordnete Johanssons Vermächtnis so ein: Wir werden Bosse für sein großes Engagement, sein ansteckendes Lächeln und nicht zuletzt für seine Bedeutung für die dänische Nationalmannschaft in Erinnerung behalten. Dass der Nachruf vom Mann kommt, der im Johansson-Mannschaftszentrum selbst zum entscheidenden Achtelfinal-Torschützen geworden war, ist eine stille Pointe.

Dänemark war bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko nicht dabei - die Mannschaft hatte sich im europäischen Qualifikationsweg nicht durchgesetzt. Für die dänischen Verbands-Lager fällt die Nachricht damit nicht in ein aktuelles Turnier-Fenster, sondern in die Reihe der Nachrufe, die den Fußball dieses Jahres bereits auszeichnet: Brito, der Brasilianer, dessen Nachfolger Johansson 1998 im Viertelfinale besiegten, war im Juni gestorben; Kevin Keegan im Juli; Franco Baresi am letzten Juli-Tag. Mit Johanssons Tod schließt sich ein Nachruf-Jahr, das weit über die WM 2026 hinausreicht.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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