Franco Baresi tot: Der italienische Libero und WM-1994-Finalist stirbt mit 66
Franco Baresi ist am 30. Juli 2026 mit 66 Jahren gestorben. Der Libero war Kapitaen des AC Milan, Weltmeister 1982 und Vize-Weltmeister 1994 in Pasadena.
Von Marco Feldmann 31. Juli 2026
Franco Baresi ist tot. Der italienische Libero und langjaehrige Kapitaen des AC Milan starb am Donnerstag, 30. Juli 2026, im Alter von 66 Jahren in einem Krankenhaus am Rande Mailands. Der AC Milan bestaetigte den Tod am Freitagmorgen mit einem knappen Statement: “Es ist unglaublich schwer, den Verlust eines Menschen zu verkuenden, der das Herz und die Seele des AC Mailand verkoerperte.” Baresi war Weltmeister 1982, Dritter der Heim-WM 1990, Vize-Weltmeister 1994 - und in 23 Jahren als Profi kein einziges Mal fuer einen anderen Klub aktiv.
Die Bestaetigung aus Mailand am Freitagmorgen
Der Text der Rossoneri-Mitteilung lag um kurz nach acht Uhr italienischer Zeit vor. Milan nannte weder Todesursache noch Beerdigungs-Termin, formulierte aber ungewoehnlich persoenlich: Baresi bleibe “ebenso wie sein Trikot mit der Nummer 6 fuer immer ein untrennbarer und wesentlicher Bestandteil der DNA und der Geschichte des Vereins”. Nach Angaben der Gazzetta dello Sport lag er in den vergangenen Tagen in einem Krankenhaus in einem Vorort Mailands; im Herbst 2025 war er wegen eines Lungenknotens operiert worden. Anfang der Woche hatte die Familie noch Falschmeldungen ueber einen Tod dementieren muessen - die Bestaetigung folgte 48 Stunden spaeter.
Innerhalb des italienischen Fussballs kommt der Nachruf in einer institutionellen Umbruchphase: seit dem verpassten WM-2026-Ticket und dem offiziell vorgestellten neuen Nationaltrainer Roberto Mancini sucht die Squadra Azzurra einen Neuanfang - und verliert an diesem Freitag eine der praegenden Kapitaens-Figuren der letzten vierzig Jahre.
Der Libero, der 23 Jahre lang nur fuer einen Klub spielte
Baresi kam am 8. Mai 1960 in Travagliato in der Lombardei zur Welt, kaum 40 Kilometer von San Siro entfernt. Er trat 1974 in die Jugendabteilung des AC Milan ein, gab am 23. April 1978 mit 17 Jahren gegen Hellas Verona sein Serie-A-Debuet und beendete seine Karriere 19 Jahre spaeter am 1. Juni 1997 gegen den FC Torino. Dazwischen liegen 719 Pflichtspiele, 33 Serie-A-Tore und ununterbrochen die Kapitaensbinde von 1982 bis 1997 - fuenfzehn Spielzeiten ohne Wechsel des Ansprechpartners, ohne Wechsel des Vereins, ohne Wechsel der Rueckennummer.
Die sechs Meistertitel (1979, 1988, 1992, 1993, 1994 und 1996) verteilen sich auf zwei Aeras: die spaete Nils-Liedholm-Phase und die drei grossen Milan-Trainer Arrigo Sacchi, Fabio Capello und - kurz - Oscar Tabarez. Baresi war der Vorspieler in Sacchis Vier-Ketten-Konstruktion, die Ende der 1980er den italienischen Libero-Fussball ersetzte und die drei Champions-League-/Landesmeister-Titel 1989, 1990 und 1994 einbrachte. Als Milan im Mai 1994 in Athen den FC Barcelona 4:0 zerlegte, waren Baresi und Alessandro Costacurta beide gesperrt - der 34-jaehrige Kapitaen sass in der Uefa-Loge. Es blieb einer der wenigen grossen Milan-Abende ohne ihn.
Drei Weltmeisterschaften: 1982 Weltmeister ohne Einsatz, 1990 Halbfinal-Elfmeter, 1994 Pasadena
Baresis Nationalmannschafts-Karriere lief parallel zur Klubkarriere ueber drei Weltmeisterschaften. Bei der WM 1982 in Spanien war er 22 Jahre alt, dritte Wahl hinter Gaetano Scirea und Fulvio Collovati, kam in keinem einzigen Turnier-Spiel zum Einsatz und stand am Ende trotzdem mit dem Pokal im Bernabeu - Enzo Bearzot hatte ihn nominiert, weil er wusste, wer die naechste Libero-Generation stellen wuerde. Baresi hat seinen Anteil an diesem Weltmeister-Titel spaeter mehrfach heruntergespielt.
Bei der WM 1990 im eigenen Land war er dann die zentrale Figur. Azeglio Vicini baute die Abwehr um ihn herum, Italien kassierte in fuenf Vorrunden- und KO-Partien nur zwei Gegentore, ehe im Halbfinale in Neapel gegen Argentinien ein Diego Maradona-Elfmeter (nach 1:1) zum bittersten Karriere-Abend Baresis wurde: das Elfmeterschiessen ging 3:4 verloren. Baresi selbst hatte seinen Elfmeter verwandelt, Italien scheiterte an zwei Fehlschuessen im weiteren Verlauf. Italien wurde Dritter, Baresi blieb der Boese-Verlierer-Blick des Turniers.
Vier Jahre spaeter, bei der WM 1994 in den USA, fuehrte er das Team als Kapitaen ins Finale von Pasadena. Nur 25 Tage vor dem Endspiel hatte er sich am Meniskus operieren lassen; er kam zurueck in die Startelf und spielte 120 Minuten die komplette Innenverteidigung ohne offensichtliche Einschraenkung. Beim Elfmeterschiessen gegen Brasilien im Rose Bowl schoss er dann als erster italienischer Schuetze ueber das Tor - eine der beruehmtesten Bilder der Turniergeschichte, das ihn direkt nach dem Schuss am Mittelkreis kniend zeigt. Roberto Baggio verschoss den letzten italienischen Elfmeter, Brasilien wurde nach 24 Jahren zum viermal-Weltmeister, Italien Vize-Weltmeister.
Vize-Praesident und Fackeltraeger - der letzte Auftritt in Mailand
Nach dem Karriere-Ende im Sommer 1997 blieb Baresi dem AC Milan verbunden. Zwischen 2002 und 2006 leitete er die Jugendabteilung, seit 2020 war er Ehren-Vize-Praesident mit repraesentativen Aufgaben rund um Sponsoren- und Legenden-Termine. Sein Trikot mit der Rueckennummer 6 wird der Klub laut Statement dauerhaft nicht mehr vergeben - eine Ehre, die zuvor nur Paolo Maldini fuer die Nummer 3 zuteil geworden war.
Sein letzter grosser oeffentlicher Auftritt lag knapp sechs Monate zurueck: Am 6. Februar 2026 trug Baresi bei der Eroeffnungsfeier der Winterspiele von Mailand-Cortina einen Teil der Olympia-Fackel durch das San Siro - dieselbe Arena, in der er 719 Pflichtspiele bestritten hatte. Die Bilder von diesem Abend, ein sichtlich gealterter Baresi mit Fackel unter dem Stadiondach, sind an diesem Freitag wieder ueberall.
Baresi hinterlaesst seinen aelteren Bruder Giuseppe, der ebenfalls Serie-A-Profi (Inter Mailand) und spaeter Trainer war, und einen Fussballkontinent, der einen seiner letzten grossen Liberos verloren hat. Weitere Todesfaelle des italienischen 1982-Weltmeister-Kollektivs treten damit weiter auseinander: von Enzo Bearzots Elf leben derzeit noch 18 der 22 nominierten Spieler. Fuer den WM-Geschichte-Kontext markiert der Baresi-Nachruf einen der wenigen echten Kult-Verluste der 1990er-Generation - der Kapitaen, der 120 Minuten Pasadena mit einem Meniskus-Schaden bestritt und dann als erster ueber das Tor schoss, wird dem Weltfussball fehlen.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
Mehr aus WM-Geschichte
Kevin Keegan mit 75 gestorben: HSV-Legende, Ballon-d'Or-Sieger, England-Kapitän
20.07.2026
WM-GeschichteDas Spiel um Platz 3: was die WM-Historie ueber den 'Trostpreis' verraet
18.07.2026
WM-GeschichteAntonio Rattin tot: Der Argentinien-Kapitaen, der 1966 in Wembley die Rote Karte erzwang
11.07.2026