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DFB-Team

DFB schlägt USA 2:1 in Chicago: Havertz und Sané bestehen die Generalprobe

Deutschland gewinnt die WM-Generalprobe in Chicago 2:1 gegen die USA. Havertz trifft nach 101 Sekunden, Sané besorgt den Sieg, die Defensive bleibt offen.

Von Lukas Brandt 06. Juni 2026

Leroy Sané im DFB-Trikot bei einem Länderspiel der Nationalmannschaft - in Chicago erzielte der Flügelspieler den Siegtreffer zum 2:1 gegen die USA (Foto: WENN). Foto: WENN via SmartFrame

Die DFB-Auswahl hat die WM-Generalprobe gewonnen. Am Samstagabend setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann im Soldier Field in Chicago mit 2:1 gegen die USA durch. Kai Havertz traf nach 101 Sekunden per Kopf, Antonee Robinson glich vor der Pause aus, Leroy Sané besorgte in der 57. Minute den Siegtreffer. Acht Tage vor dem WM-Auftakt gegen Curaçao nimmt das DFB-Team einen Sieg, drei Tore und mehr Fragen mit als das nüchterne Ergebnis erwarten lässt.

Das Spiel in Zahlen

DatumEndstandToreStadionÜbertragung
Samstag, 6. Juni 2026Deutschland 2:1 USA1:0 Havertz (2.), 1:1 Robinson (37.), 2:1 Sané (57.)Soldier Field, ChicagoRTL / RTL+

Im Tor begann Oliver Baumann. Manuel Neuer wurde wegen seiner anhaltenden Wadenprobleme erneut geschont, soll für den WM-Auftakt am 14. Juni aber bereit sein. Vor Baumann lief eine Variante der Wunsch-Elf auf: Joshua Kimmich als Kapitän im Mittelfeld, Jonathan Tah als Innenverteidiger, Kai Havertz zentral in der Spitze. Auf dem rechten Flügel begann nach dem Ausfall von Lennart Karl Leroy Sané. Für Karl, der wegen eines Muskelbündelrisses die komplette WM verpasst, wurde am Freitag Assan Ouedraogo nachnominiert - in Chicago zunächst noch ohne Einsatzminuten.

101 Sekunden, Kimmich-Standard, Havertz-Kopfball

Es war das Drehbuch, das Nagelsmann sich für die Generalprobe gewünscht hat. Kimmich legte sich nach einem frühen Foulspiel den Ball an der Strafraumgrenze zurecht, die Hereingabe segelte mit Tempo in den Sechzehner, Havertz stieg im Rücken der US-Innenverteidigung am höchsten und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 2. Minute, 1:0 für Deutschland - das früheste Tor, das die DFB-Elf in der gesamten WM-Vorbereitung erzielt hat.

Die Szene war kein Zufall. Standardsituationen sind seit dem Trainingslager Mitte Mai ein zentraler Baustein im Nagelsmann-Programm; Kimmich übernimmt die ruhenden Bälle, Tah und Havertz attackieren die Mitte des Strafraums. “Man muss auch mal ekelig gewinnen”, sagte Havertz nach dem Spiel mit Blick auf den Standard-Treffer und die Tatsache, dass die DFB-Elf den Sieg über weite Strecken nicht spielerisch dominierte, sondern verteidigte. Für den Champions-League-Finalisten aus Arsenal war es das Argument, das er seit der späten Ankunft am Dienstag eigentlich nicht mehr liefern musste: Er ist die Nummer eins im Zentrum.

Robinson aus 22 Metern - der Riss in der Defensive

So komfortabel der Start, so unsauber die Folge. Die USA brauchten gut eine halbe Stunde, dann lieferte Antonee Robinson das Bild des Abends. Der Linksverteidiger von Fulham nahm an der Strafraumgrenze einen Querpass von Christian Pulisic an, zog mit dem linken Fuß ab und fand den langen oberen Winkel. Baumann war ohne Chance, das 1:1 aus 22 Metern (37. Minute) brachte Pochettinos Auswahl zurück in eine Partie, in der die USA in den Minuten zuvor mehrfach gefährlich auftauchten.

Dass die Lage nicht früher kippte, lag an Jonathan Tah. Der Innenverteidiger klärte gegen Folarin Balogun, blockte einen Pulisic-Schuss im Strafraum und kam einen Schritt vor Sergiño Dest in den Lauf. “Wir sind happy mit der Leistung”, sagte Tah nach dem Schlusspfiff - aber auch er räumte ein, dass die DFB-Auswahl im Umschaltspiel mehr zugelassen habe, als ihr lieb sein kann. Die kontrollierten US-Phasen kamen über die Pulisic-Dest-Balogun-Achse, die Pochettino schon beim 3:2 gegen Senegal Anfang Juni eingespielt hatte. Für den Sonntag in einer Woche, wenn Mexiko und Südafrika die WM eröffnen, ist das eine Beobachtung, die Nagelsmann für die Analyse mitnimmt.

Sané in der 57. Minute - Karl-Erbe in einem Schuss

Den Knoten löste Leroy Sané. In der 57. Minute setzte sich der Bayern-Flügelspieler über rechts gegen Dest durch, ging in den Strafraum und schloss platziert ins lange Eck ab - 2:1. Die Szene war der vorläufige Schlusspunkt einer Woche, in der Sané von einer Frage zu einer Antwort geworden ist. Vor Karls Verletzung war kein Startelfplatz für die WM gesetzt; mit dem Karl-Ausfall am Freitagabend wurde Sané automatisch zum naheliegenden Kandidaten für die rechte Außenbahn. Mit dem Siegtreffer in Chicago hat er den Anspruch jetzt mit einem Tor unterstrichen, an dem nichts zu deuten ist.

Nagelsmann ließ den Bayern-Flügelspieler bis zur 85. Minute auf dem Feld - mehr Minuten als die meisten anderen Stammkandidaten. Florian Wirtz, der zweite Karl-Erbe in der Diskussion, kam erst in der Schlussphase und konnte in der wenigen Zeit kein Argument hinterlegen. Für die Aufstellung gegen Curaçao gilt damit als gesetzt, was vor dem Karl-Ausfall noch offen war: Sané rechts, Havertz in der Spitze, Wirtz von der Bank als Joker. “Plötzlich wieder mittendrin”, titelte der kicker am späten Samstagabend - die Linie, die Nagelsmann seinem Flügelspieler vorgibt, ist klar: Sich von der Leine lassen.

Die Schlussminuten, die Rudelbildung und Nagelsmanns Notiz

Die Schlussphase brachte zwei weitere DFB-Themen. Erstens: Baumann. Der Bayern-Keeper, der am 21. Mai als Nummer drei der DFB-Hierarchie bestätigt worden war und auf der Bank Platz nehmen wird, sobald Neuer fit ist, parierte in den letzten 20 Minuten zwei Großchancen - der Bundestrainer dürfte mitgenommen haben, dass im Ernstfall auch die dritte Option das Niveau hält. Zweitens: die Rudelbildung in der Nachspielzeit. Eine Szene zwischen Sergiño Dest und Joshua Kimmich entgleiste kurz, Jonathan Tah ging dazwischen, der Schiedsrichter beruhigte mit Worten. “Da geht es nur ums Teamgefühl, das war keine böse Geschichte”, erklärte Tah nach dem Spiel.

Nagelsmanns Bewertung fiel positiv aus, ohne in den Triumphmodus zu wechseln. “Guten Eindruck gemacht”, war seine Linie nach dem Spiel - eine Formulierung, die die Offensive lobt und die Defensive offenlässt. Kimmich, der die Mannschaft als Kapitän anführte, ergänzte: “War ein anderes Spiel als letzte Woche”, mit Verweis auf den vorigen Test gegen Finnland, bei dem die DFB-Elf den Gegner über die volle Distanz beherrschte. Die USA-Generalprobe war anstrengender, körperlicher, in der Defensive aufwendiger - näher am Turnier-Niveau, dem die DFB-Auswahl ab dem 14. Juni begegnet.

Was jetzt folgt: Winston-Salem, Houston, Curaçao

Der Fahrplan der nächsten Tage ist eng getaktet. Am Sonntag bricht die DFB-Auswahl das Camp in Chicago ab und fliegt nach Winston-Salem in North Carolina, wo das eigentliche WM-Basislager bezogen wird. Zwischen 8. und 13. Juni stehen vier Trainingseinheiten und eine Pressekonferenz im Programm, am 13. Juni geht es weiter nach Houston. Der WM-Auftakt gegen Curaçao steigt am Sonntag, 14. Juni 2026, um 19:00 Uhr MESZ im NRG Stadium. Die weiteren Gruppengegner sind die Elfenbeinküste am 19. Juni in Boston und Marokko am 24. Juni in Vancouver - die Gruppe E im Überblick.

Aus Chicago nimmt Nagelsmann drei Erkenntnisse mit. Erstens: Die Wunsch-Elf funktioniert mit Havertz vorn und Sané rechts. Zweitens: Standards sind die Lebensversicherung, weil die DFB-Auswahl nicht jedes Spiel über 90 Minuten spielerisch dominieren wird. Drittens: Im Umschaltspiel ist die Defensive verwundbar, vor allem auf den Außenbahnen. Acht Tage bleiben, um das letzte Drittel an die ersten beiden anzupassen.

Fazit

Eine bestandene Generalprobe, kein perfekter Generalproben-Auftritt - so liest sich das 2:1 in Chicago am ehrlichsten. Havertz hat das Sturmzentrum bestätigt, Sané hat den Karl-Ausfall in einen Sieg verwandelt, Baumann hat den Wert des dritten Torwarts gezeigt. Die Defensive hat Robinson zu lange laufen lassen und Balogun nicht früh genug gestellt - das ist die Hausaufgabe für Winston-Salem. Acht Tage bis Curaçao, eine Wunsch-Elf, die fast steht, und ein Bundestrainer, der den nächsten Schritt nicht überdrehen wird: Mehr kann man von einem letzten Test vor der WM nicht verlangen. Den taktischen Kontext und die Aufstellungs-Frage liefert das Profil zum USA-Team unter Pochettino - die DFB-Übersicht versammelt Kader, Spielplan und alle bisherigen Berichte.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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