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WM 2026

Brasilien ohne Neymar gegen Marokko: Hakimis 'afrikanische Brasilianer' beim WM-Auftakt

Auftakt der Gruppe C im MetLife Stadium: Brasilien startet ohne Neymar in die WM 2026, Marokkos Kapitaen Achraf Hakimi kontert die Favoritenrolle mit einem Selbstbewusstseins-Statement.

Von Marco Feldmann 13. Juni 2026

Achraf Hakimi - Marokkos Kapitaen und Klassemotor im PSG-Trikot. Vor dem WM-Auftakt am 14. Juni in East Rutherford kontert er die Favoritenrolle der Brasilianer mit einem Selbstbewusstseinsstatement. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Wenn die Gruppe C der Fussball-WM 2026 am 14. Juni 2026 um 0:00 Uhr MESZ im MetLife Stadium in East Rutherford ihren ersten Anpfiff bekommt, treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich seit dem Tag der Auslosung gegenseitig den Anspruch streitig machen: Brasilien als Rekordweltmeister mit fuenf Sternen, Marokko als Halbfinalist von 2022 und derzeit beste Mannschaft Afrikas. Die Schlagzeile, die diesen Auftakt rahmt, kommt aus dem brasilianischen Lager - und steht nicht auf dem Spielberichtsbogen: Neymar fehlt.

Wann, wo, was auf dem Spiel steht

Der erste Spieltag der Gruppe C beginnt mit dem Spitzenspiel im groessten Stadion des Turniers. Das MetLife Stadium fasst 82.500 Zuschauer, ist die Heimspielstaette der New York Giants und Jets und richtet am 19. Juli auch das WM-Finale aus. Der zweite Gruppenspieltag wird wenige Stunden spaeter mit Schottland gegen Haiti komplettiert - dann um 3:00 Uhr MESZ in Boston.

Aus Gruppensicht ist die Partie das Statement-Spiel. Brasilien ist der Buchmacher-Favorit fuer den Gruppensieg; Marokko ist der Mannschaft auf Augenhoehe nominell am naechsten. Der Schiri kommt aus Slowenien: Slavko Vincic, der den FC Bayern in den vergangenen Champions-League-Saisons mehrfach gepfiffen hat. Im direkten Vergleich liegt Brasilien mit 2-1 Siegen aus drei Begegnungen vorn, das juengste Aufeinandertreffen war ein 2:1 fuer Marokko im Testspiel im Maerz 2023.

Neymar fehlt: bestaetigte Absenz, MRT-Update, Ancelottis Statement

Die Frage, ob Neymar gegen Marokko spielt, ist seit der MRT vom 28. Mai virulent. Damals hatte der CBF-Mannschaftsarzt Rodrigo Lasmar eine Wadenverletzung zweiten Grades diagnostiziert und eine Pause von zwei bis drei Wochen veranschlagt; der 14. Juni lag am oberen Ende dieses Fensters. Die erste Diagnose-Meldung sprach noch von “droht zu verpassen”.

Die Kontrolluntersuchung in dieser Woche hat die Entscheidung gebracht. Der Verband meldete “erwartete positive Fortschritte” im Heilungsverlauf, ein Belastungstest blieb dennoch unter den Anforderungen der Selecao-Sportwissenschaft. Neymar bleibt im 26er-Kader, soll den Rehaplan fortsetzen und intern auf die Partie gegen Schottland (24. Juni) zurueckkehren. Im Trainerstab kursiert die Hoffnung, schon gegen Haiti (19. Juni) eine Joker-Option zu haben - sicher ist sie nicht.

Carlo Ancelotti hat die Linie in den vergangenen Tagen ruhig gehalten. “Bei Neymar muessen wir nur seine koerperliche Verfassung beurteilen, denn sein Talent steht ausser Frage”, sagte der Italiener nach der Generalprobe gegen Aegypten. Das ist eine bemerkenswerte Aussage in einem Sommer, in dem Neymar 15 von 35 Pflichtspielen absolviert hat und sein letztes Laenderspiel auf den Oktober 2023 datiert - vor anderthalb Jahren. Der ehemalige Bayern-Stuermer Giovane Elber hat in einem Kommentar deutlich gegengehalten: “Neymar war mal ein Weltklasse-Fussballer, heute ist er nur noch eine Marketing-Maschine.” Die brasilianische Oeffentlichkeit, einschliesslich Praesident Lula, hatte die Nominierung im Mai eingefordert.

Vinicius, Raphinha, Estevao-Luecke: wie Brasilien den Sturm umbaut

Operativ ist der Ausfall fuer Ancelotti weniger Drama als Anlass. Vinicius Junior spielt links - es ist Neymars ehemalige Position, die der Madrider seit Jahren ohnehin besetzt. Auf rechts steht Raphinha (Barcelona) als gesetzt; im Zentrum wird Joao Pedro (Chelsea) die Spitze geben, mit Rodrygo (Real Madrid) als variabler Zehn-Option und dem 19-jaehrigen Estevao (Chelsea) als Joker im zweiten Halbzeitdrittel.

Das Mittelfeld baut Ancelotti um Bruno Guimaraes (Newcastle) und Casemiro (Manchester United); der 3:0-Sieg gegen Aegypten in Cleveland war ein Test fuer eben diese Struktur. In der Defensive ist der erst spaet nachnominierte Wesley (West Ham) - die Folge der Vanderson-Verletzung - eine Wackel-Position. Im Sturmzentrum fehlt zudem Igor Jesus verletzungsbedingt; der spiel-pragmatische Aspekt der Neymar-Frage tritt damit hinter die Vinicius-Diskussion zurueck, ob Brasilien ueberhaupt mit dem Madrider als alleinigem Solo-Solisten aufwartet.

Hakimis Selbstbewusstsein: “Man bezeichnet uns auch als die afrikanischen Brasilianer”

Aus marokkanischer Sicht ist die brasilianische Sturmsorge willkommen, aber nicht die Hauptsache. Kapitaen Achraf Hakimi (PSG) hat in der Marokko-Pressekonferenz am Vortag die Favoritenrolle der Selecao gekontert: “Man bezeichnet uns auch als die afrikanischen Brasilianer.” Es ist ein Satz, der weniger Provokation als Standortbestimmung ist. Marokko hat in den vergangenen drei Jahren das gesamte afrikanische Quali-Programm gewonnen - 19 Spiele in Serie ohne Niederlage - und sich den Afrika-Cup-Titel 2025 nachtraeglich zusprechen lassen, nachdem Senegal wegen Schiedsrichterentscheidungen disqualifiziert worden war.

Im Hintergrund hat sich auch die Trainerlage gedreht. Walid Regragui, der Architekt des Halbfinals von Katar 2022, ist im Maerz 2026 demontiert worden; Mohamed Ouahbi (47) - im Herbst 2025 mit Marokkos U20 Junioren-Weltmeister - hat das A-Team uebernommen. Die WM 2026 ist sein erstes A-Turnier. Ouahbi hat den 2022er-Block bewusst gehalten - Bono im Tor, Hakimi rechts, Mazraoui links, Aguerd in der Innenverteidigung, Amrabat im Mittelfeld - und ihn mit den Bundesliga-Profis Bilal El Khannouss und Ayoube Amaimouni-Echghouyab sowie dem Real-Madrid-Offensivspieler Brahim Diaz angereichert.

Ouahbis Marokko-Plan: defensiv stabil, blitzschnelle Konter

Tactisch hat sich Marokko in der Generalprobe gegen Norwegen bestaetigt, was alle Beobachter aus der WM 2022 erinnerten: Eine kompakte Restverteidigung gegen eine Spitzenmannschaft, einzelne schnelle Vertikaloeffnungen ueber Hakimi nach vorn, und ein Sturm-Setup um Soufiane Rahimi (8 Tore in 6 Olympia-Spielen 2024) und Brahim Diaz, das Tempodribblings und Eckenstandards kombiniert. Das 1:1 in Oslo gegen Erling Haaland und Martin Oedegaard war fuer marokkanische Verhaeltnisse eine konservative Mittelwert-Generalprobe; bei der WM-Premiere am Samstag ist Tor-Bereitschaft schon die Antwort.

Die Geheimfavoriten-Liste 2026 hat Marokko nicht ohne Grund ganz oben. Im FIFA-Ranking belegt der Atlas-Loewen-Verband Rang 13 (Stand 1. April 2026); kein anderer afrikanischer Verband liegt unter 20.

Was das fuer Gruppe C bedeutet

Wenn Brasilien gewinnt, verschiebt sich die Gruppe C klar auf die Selecao - der Auftakt der Generalprobe gegen Aegypten (3:0) und die 6:2-Maracana-Party gegen Panama haben den Anspruch markiert. Wenn Marokko punktet, wird die Gruppe zur offenen Frage, in der Schottland und Haiti vom internen Duell der Atlas-Loewen gegen die Selecao profitieren. Aus brasilianischer Sicht ist die Antwort auf die Neymar-Lage nicht der Erfolg in der Vorrunde - das wird in der K.-o.-Runde fortgesetzt -, sondern die Frage, wie die Vinicius-Achse ohne den Sehnsuchtsspieler funktioniert.

Die Antwort kommt am Samstagabend Ortszeit. In deutscher Zeit: im ersten Schlaf-Drittel der Nacht zum Sonntag. Es ist der dritte WM-Auftakt am Eroeffnungswochenende - nach Mexiko gegen Suedafrika und Kanada gegen Bosnien - und mit Brasilien gegen Marokko zugleich der erste, der zwei Top-15-Mannschaften gegenueberstellt. Der komplette Spielplan zeigt: Es wird ein wegweisendes Wochenende.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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