De la Fuente: Senegal ist WM-Favorit, Deutschland fehlt im Kreis
Sieben Tage vor dem WM-Anpfiff nennt Spaniens Trainer Luis de la Fuente Senegal als Mitfavoriten der WM 2026 - Deutschland nicht. Die Aussagen vor dem Test gegen Irak.
Von Marco Feldmann 04. Juni 2026
Eine Woche vor dem WM-Anpfiff in Mexiko-Stadt hat Spaniens Trainer Luis de la Fuente seine Favoritenliste auf den Tisch gelegt - und damit für Aufsehen gesorgt. Vor der Generalprobe gegen Irak nannte der Europameister-Coach Senegal unter den Mitfavoriten auf den Titel der Fußball-WM 2026. Deutschland tauchte in seiner Reihe nicht auf.
Was de la Fuente wörtlich gesagt hat
In der Pressekonferenz im Estadio Riazor in La Coruña am 4. Juni 2026 sortierte der 64-Jährige die Kandidaten knapp und ohne Floskeln. Frankreich, Argentinien, Brasilien, England nannte er als die “naheliegenden” Anwärter. Senegal schob er als einzigen afrikanischen Vertreter dazu - mit dem Hinweis auf die individuelle Klasse im Kader und die Robustheit der Mannschaft.
Deutschland fehlt in dieser Aufzählung. De la Fuente formulierte es nicht als Gegen-These, ergänzte aber, der Kreis der Top-Anwärter sei in dieser WM-Form mit 48 Teams ohnehin breiter als 2022 - “wir nehmen niemanden aus, aber wir nennen die, die wir auf dem Zettel haben”.
Warum Senegal? Der Mane-Mendy-Block
Die Aufnahme Senegals in den engsten Kreis ist die markanteste Aussage. Senegal fährt mit einer ungewöhnlich erfahrenen Achse zur WM:
- Sadio Mane (Al-Nassr), 34 Jahre, immer noch die offensive Achse.
- Ismaila Sarr (Crystal Palace) und Nicolas Jackson (Chelsea) als pace-getriebene Flügel-/Sturm-Optionen.
- Pape Matar Sarr (Tottenham), das zentrale Mittelfeld-Versprechen.
- Edouard Mendy (Al-Ahli) im Tor, dazu Kalidou Koulibaly als Anker einer Innenverteidigung mit WM- und Champions-League-Erfahrung.
Senegal hat zuletzt am 31. Mai mit einem 2:3 gegen die USA in Charlotte ein offenes Test-Resultat geliefert, in dem aber jede Aktion nach vorn eine Drohung war. Im Senegal-Profil ist der Erwartungsrahmen umrissen: Achtelfinale ist Pflicht, Viertelfinale realistisch - de la Fuente packt obenauf, dass aus Senegal kein Erstrunden-Aus mehr droht, sondern eine echte K.o.-Hürde wird.
Warum nicht Deutschland? Die Lesart aus Madrid
In Spanien wird die DFB-Form anders gelesen als in Deutschland. Drei Punkte, die in der spanischen Berichterstattung dieser Woche immer wiederkehren:
- Vorbereitungs-Ergebnisse: Das 4:0 gegen Finnland in Mainz wird als routiniert, nicht als bedrohlich eingestuft - der Gegner zählte in keinem Vergleich.
- Schlüsselverletzungen: Florian Wirtz in der Saison stark, im Aufbau noch nicht voll belastbar; die Hoffnung auf Jamal Musialas Comeback hat in Madrid weniger Resonanz als in Deutschland.
- Erinnerung an die EM 2024: Aus spanischer Sicht war das DFB-Team da gut, aber nicht in einer Liga mit der Endspielreihe Spanien gegen England.
Das heißt nicht, dass Madrid Deutschland abschreibt - de la Fuente lobte explizit die DFB-Strukturarbeit unter Julian Nagelsmann. Es heißt aber, dass der externe Blick die Favoritenrolle Deutschlands deutlich vorsichtiger fasst als die deutsche Öffentlichkeit, die zuletzt im Deutschlandtrend immerhin einen wachsenden Titel-Glauben gezeigt hat.
Die Torwart-Geheimniskrämerei
Die zweite Schlagzeile des Tages: De la Fuente will seinen Stammtorwart vor der Generalprobe nicht öffentlich machen. “Wir wissen, welcher Torwart bei der WM spielen wird. Aber lasst mich es ihm erst einmal sagen”, sagte er auf die direkte Frage.
Im Kader stehen drei Optionen:
- Unai Simon (Athletic Bilbao) - EM-Sieger 2024 als Nummer 1, Quali-Stamm, Pot-1-Variante.
- David Raya (Arsenal) - statistisch eine der besten Premier-League-Saisons der Position, der hochmoderne Spielaufbau-Keeper.
- Joan Garcia (FC Barcelona) - der jüngste der drei, in der Liga 2025/26 als Nummer eins beim Aufsteiger durchgesetzt.
Wer im 13:00-Uhr-Lauf am Tag des Spiels den ersten Block bekommt, gilt in La Roja als guter Indikator. Unai Simon hat in dieser Reihenfolge bei den letzten Pflichtspielen den Vorrang behalten.
Spanien gegen Irak: Der Test vor dem Test
Das Pflichtspiel gegen Kap Verde am 15. Juni in Atlanta liegt elf Tage entfernt. Spanien nutzt den heutigen 21:00-Uhr-Test (MESZ) im Estadio Riazor gegen Irak als Generalprobe mit voller Belastung. Erwartet wird, dass de la Fuente mit dem aktuellen Stand seiner Flügelzange spielen lässt - Lamine Yamal und Nico Williams sind, wie hier am Morgen berichtet, rechtzeitig fit. Reicht es heute für Minuten in der Startelf? Die Trainerlogik spricht eher dafür, mit Yamal und Williams kurz zu beginnen und nach 45 bis 60 Minuten zu wechseln.
Ein zweiter Erkenntniswert: die Hierarchie hinter den Stars. Wer auf der Zehn aushelfen kann, wenn Pedri ausfällt? Wer übernimmt die zentrale Sturmrolle, wenn Morata gegen Kap Verde die offensive Hauptlast trägt? Antworten darauf gibt nicht die offizielle Aufstellung - sondern die zweite Halbzeit.
Was das für die WM-Erwartung heißt
Spanien ist nach den eigenen Maßstäben gut programmiert: Pot 1, EM-Titel 2024, ein Kader, der erstmals seit Jahren ganz ohne Real-Madrid-Profi auskommt - und mit einer Trainerlinie, die externen Druck systematisch entkräftet. In der Favoriten-Prognose der WM 2026 zählt La Roja zu den vier Mannschaften, denen statistische Modelle und Quoten den Titel ähnlich realistisch zutrauen.
Die de-la-Fuente-Aussage ändert daran wenig. Sie sagt aber etwas über die Stimmung im sportlich stärksten europäischen Land vor der WM: Senegal wird ernst genommen, Deutschland in dieser Lesart eine Stufe tiefer eingeordnet. Wer auf das DFB-Team setzt, hat damit nicht den breiten Konsens, sondern eine Wette gegen die externe Mehrheit. Das DFB-Team trifft erstmals am 14. Juni in Houston auf Curaçao - hier die Eckdaten im Deutschland-Profil.
Den nächsten Realitätstest für Spanien gibt es heute Abend in La Coruña. Den nächsten für Senegal in der Vorrunde - in Gruppe I trifft die Mannschaft auf Frankreich, Norwegen und auf jenen Irak, an dem Spanien heute seine Generalprobe ausrichtet. Eine bessere Vorlesung für die Senegalesen kann es kaum geben.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.