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WM 2026

Vier deutsche Trainer in der Premier League 2026/27: Rose, Jaissle, Huerzeler, Farke - ein Novum zum Saisonstart

Erstmals starten vier deutsche Cheftrainer parallel in die Premier League: Rose in Bournemouth, Jaissle in Newcastle, Huerzeler in Brighton, Farke in Leeds.

Von Marco Feldmann 19. August 2026

Sevilla, 8. August 2026: Marco Rose beobachtet als neuer Bournemouth-Cheftrainer das Vorbereitungs-Duell gegen Real Betis im La-Cartuja-Stadion. Zwei Wochen spaeter startet Rose als einer von vier deutschen Trainern parallel in die Premier-League-Saison 2026/27 (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

PREMIER LEAGUE · POST-WM 2026 · 19.08.2026 · 18:57 UTC - Wenn am Freitagabend die Premier-League-Saison 2026/27 mit dem Curtain Raiser anpfeift, laufen an der Seitenlinie und in den Coaching-Boxes so viele deutsche Cheftrainer parallel wie nie zuvor in der Geschichte der englischen Eliteliga. Vier Bundeslandsleute - Marco Rose beim AFC Bournemouth, Matthias Jaissle bei Newcastle United, Fabian Huerzeler bei Brighton & Hove Albion und Daniel Farke bei Leeds United - stehen zeitgleich in verantwortlicher Position. Die Sportschau bestaetigt in ihrer SWR-Reportage vom heutigen 19. August das Novum ausdruecklich: “Jaissle ist der vierte deutsche Trainer der Premier-League-Saison, die am 21. August startet.”

Fuer den Kontext der WM 2026 und der frisch eroeffneten Klopp-Aera beim DFB ist das kein Zufallsbefund. Drei der vier Klubs beherbergen DFB-Kader-Fahrer der WM 2026 (Newcastle mit Thiaw und Woltemade, Brighton mit Pascal Groß) oder frische Schweizer WM-Achtelfinal-Gegner (Leeds mit Nico Elvedi). Die deutsche Trainer-Achse liegt in England damit erstmals quer ueber die halbe Tabelle: von Aufsteiger-Truppe (Farke, Leeds) ueber Mittelfeld-Konsolidierer (Huerzeler, Brighton) ueber Europa-Anwaerter (Rose, Bournemouth) bis Champions-League-Vertreter der Vorsaison (Jaissle, Newcastle).

Matthias Jaissle x Newcastle United: Aus der Wueste an die Nordsee

Der spektakulaerste der vier Auftaktszenen spielt sich in Newcastle upon Tyne ab. Vor exakt einer Woche - am Dienstag, 12. August 2026 - trat der langjaehrige Publikumsliebling Eddie Howe mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurueck. 22 Tage vor Saisonstart. In der zeitlichen Panik entschied sich Sportdirektor Paul Mitchell fuer einen Namen, den in der englischen Oeffentlichkeit kaum jemand auf dem Zettel hatte: Matthias Jaissle, 38 Jahre, gebuertiger Nuertinger, zuletzt drei Saisons bei Al-Ahli in Saudi-Arabien.

Die Wahl war weniger ueberraschend, als es auf den ersten Blick wirkt. Sowohl Newcastle United als auch Al-Ahli befinden sich mehrheitlich im Besitz des saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund. Die Bewegung zwischen den beiden Schwesterklubs war eine Frage der Ablose und der Vertragsformalitaeten, nicht der Verhandlung ueber Verbands-Grenzen hinweg. Laut Bild zahlte Newcastle rund elf Millionen Euro, um Jaissles noch bis 2027 laufenden Al-Ahli-Vertrag aufzuloesen.

Jaissles sportlicher Ausweis liest sich stringent. Bei RB Salzburg holte er 2022 und 2023 die oesterreichische Meisterschaft, kam mit den Salzburgern ins Achtelfinale der Champions League, wo Bayern Muenchen zum Endspiel-Gegner wurde (1:1 im Hinspiel, 1:7 im Rueckspiel). Mit Al-Ahli gewann er zweimal die AFC Champions League - ein Titel, den zuvor kein deutscher Cheftrainer geholt hatte. Der frueher als Verteidiger bei den Salzburgern spielende Jaissle steht in England fuer den, so der ehemalige norwegische Nationalstuermer Jan-Age Fjoertoft in der Sportschau, “klassischen Red-Bull-Trainer”: hohes Pressing, schnelle Umschaltmomente, konstant hohe Intensitaet.

Fuer die deutsche Perspektive interessant ist die Kader-Kontinuitaet. Newcastle hat zwar in diesem Sommer schmerzhafte Abgaenge zu verkraften - Alexander Isak ging nach Real Madrid, Sandro Tonali nach Italien zurueck, Anthony Gordon wechselt, und auch Kapitaen Bruno Guimarães (Brasilien-WM-Fahrer, mit den Selecao im Achtelfinale gescheitert) steht auf dem Verkaufszettel. Aber der DFB-Anschluss ist in St James’ Park geblieben: Malick Thiaw, im 26er-Aufgebot von Nagelsmann fuer die WM 2026, spielte im Sommer 2025 fuer bis zu 40 Millionen Euro von Milan ins Toon Army-Trikot. Und Nick Woltemade, im Turnier gegen Paraguay im Achtelfinale mit dem verschossenen Elfmeter und dem gemischten Startelf-Debuet, traegt seit dem 90-Millionen-Deal vom VfB Stuttgart im Sommer 2025 ebenfalls das schwarz-weisse Streifenhemd. Klopp bekommt in Newcastle also zwei DFB-Fahrer der WM 2026 unter deutscher Klub-Regie zugestellt.

Die schwere Aufgabe zuerst: Jaissle debuetiert an einem der ganz grossen Namen. Nach dem Auftakt am Samstag steht am 23. August in Anfield der FC Liverpool im Kalender. Newcastle finishte in der Vorsaison Zwoelfter trotz Champions-League-Teilnahme; die “Toon Army” gilt als leidenschaftlichste, aber auch fordernste Fangemeinschaft der Liga. Der Nachfolger von Publikumsliebling Howe hat wenig Kredit vom Anpfiff weg.

Marco Rose x AFC Bournemouth: Der Iraola-Nachfolger mit Vertrag bis 2029

Fuer Marco Rose ist die neue Adresse an der Suedkueste die Rueckkehr in den Cheftrainer-Alltag nach 16 Monaten Pause. Der 49-Jaehrige, den RB Leipzig Ende Maerz 2025 entlassen hatte, unterschrieb bereits im April 2026 einen Vertrag beim AFC Bournemouth mit einer Laufzeit bis 2029. Der Termin war strategisch gewaehlt: Iraolas Kontrakt lief zum Saisonende aus, der Spanier hatte klar signalisiert, in London (Chelsea) oder Manchester (United) andocken zu wollen, und die Bournemouth-Fuehrung um Sportchef Simon Francis suchte einen Nachfolger, der die Pressing-Identitaet der Iraola-Aera fortschreiben, aber die Kader-Struktur nach den grossen Verkaeufen 2025 und 2026 restabilisieren konnte.

Bournemouth hatte in der Premier-League-Saison 2025/26 den achten Rang belegt - punktgleich mit dem sechsten FC Chelsea, mit direkten Punkten hinter dem europaeischen Rennen. Iraola verlor im Sommer allerdings Dean Huijsen (an Real Madrid via 62,5-Millionen-Ausstiegsklausel im Sommer 2025) und in der Winterpause 2026 Antoine Semenyo (fuer 62,5 Millionen Pfund an Manchester City) - beides Saeulen des Team-Werts. Rose findet an der Kingston-Communications-Suedwestengland-Adresse also ein Team vor, das mit Justin Kluivert (Niederlande, im Turnier bis ins Achtelfinale, dort gegen Marokko ausgeschieden), David Brooks (Wales), Milos Kerkez und Marcus Tavernier zwar international besetzt bleibt, aber im wichtigsten Kader-Marktwert eine Loecher-Bilanz vor sich hat.

In seiner Trainer-Vita traegt Rose die typische Red-Bull-Achse (Salzburg 2019-2021 mit Erling Haaland und Mohamed Camara), dazu Borussia Moenchengladbach (2021-2022) und Borussia Dortmund (2022-2023), abgeschlossen mit RB Leipzig (2023-2025). Nie zuvor arbeitete er im Ausland auf Cheftrainer-Ebene ausserhalb der oesterreichischen Bundesliga. Die Premier League ist fuer den 49-Jaehrigen die erste echte Auslands-Etappe.

Fabian Huerzeler x Brighton & Hove Albion: Der juengste PL-Chef geht in Jahr 3

Fabian Huerzeler ist von den vier deutschen Trainern nicht neu - aber der Kontinuierlichste. Der heute 33-Jaehrige uebernahm im Sommer 2024 von Roberto De Zerbi das Amt an der Suedkueste in Brighton, damals mit 31 Jahren als juengster Cheftrainer der Premier-League-Historie. Vor Brighton hatte er den FC St. Pauli in die 2. Bundesliga gefuehrt und dort in seiner ersten Halbserie bis auf den Aufstiegs-Rand gebracht - eine Bilanz, die die Amerikaner-Besitzer der Seagulls damals ueberzeugte.

Zwei Saisons spaeter geht Huerzeler in Jahr 3 an der American-Express-Stadium-Seitenlinie. Die Vorsaison endete mit dem elften Rang - solide, unspektakulaer, mit den fuer Brighton typischen Kader-Aderlaessen (Joao Pedro nach Chelsea, Simon Adingra vor dem Absprung). Die DFB-Perspektive im Kader stellt einer der letzten Brighton-Restbestaende aus der De-Zerbi-Zeit: Pascal Groß, im WM-2026-Kader von Nagelsmann fest verankert, war einer der wenigen Namen, den Huerzeler in der zweiten Halbserie kaum missen konnte. Der 34-jaehrige Mannheimer traegt seit 2017 blau-weiss und ist damit im aktuellen Team der dienstaelteste Profi.

Daniel Farke x Leeds United: Aufstiegs-Trainer mit Schweiz-Anschluss

Daniel Farke kehrt mit Leeds United in die Premier League zurueck. Der 49-Jaehrige, seit Sommer 2023 im Amt, fuehrte die Peacocks in der Championship-Saison 2025/26 zurueck in die Beletage. Es ist bereits Farkes dritter Aufstieg als englischer Cheftrainer nach zweimal Norwich City (2019, 2021) - ein Rekord, den in der jueng-eren Championship-Geschichte kein anderer Trainer aufweisen kann. Die Frage in Leeds ist folgerichtig eine andere als bei Rose oder Jaissle: Nicht wie schnell klettert man, sondern wie schnell bleibt man oben.

Farkes Kader-Signal fuer die deutsche Perspektive kam Mitte August. Nico Elvedi, Schweizer WM-Viertelfinalist im 3:1-Aus gegen Argentinien am 12. Juli in Kansas City, wechselte am 13. August 2026 fuer einen Drei-Jahres-Vertrag bis 2029 von Borussia Moenchengladbach zu Leeds. Es ist eine Farke-Elvedi-Reunion: Farke war 2019 bei Norwich Trainer, als Elvedi noch bei Gladbach spielte, in der Fusspalast-Zeit war das Gladbacher Innenverteidigungs-Duo Elvedi/Ginter jedoch schon von der Farke-Trainerlehrgang-Runde in Erinnerung geblieben. Elvedi passt in Farkes Vierer-Kette als linker Zentraler und ist damit einer der ersten konkreten Post-WM-2026-Transfers der Schweizer Nati-Achse.

Warum die deutsche Trainer-Schule in England ankommt

Die parallele Prominenz deutscher Chefs auf englischen Baenken ist kein Zufall. Der DFL-Fussballlehrer und die DFB-Trainerakademie in Frankfurt/Hennef gelten in der internationalen Trainer-Ausbildung als Referenz-Modell - schon die Vorgaenger-Generation Juergen Klopp (Liverpool 2015-2024), Thomas Tuchel (Chelsea 2021-2022, seit Januar 2025 England-Bundestrainer), Ralph Hasenhuettl (Southampton 2018-2022) und Julian Nagelsmann (fuer die WM 2026 mit dem DFB im Halbfinal-Rennen) hatten den englischen Fussball nachhaltig gepraegt.

Rose, Jaissle, Huerzeler und Farke stehen in einer Nachfolge, in der die taktische Vokabel - Gegenpressing, Halbraum-Besetzung, Rest-Verteidigung - laengst im englischen Trainer-Jargon Einzug gehalten hat. Das erleichtert die Rekrutierungs-Argumentation aus englischer Sicht: Wer sich fuer einen deutschen Trainer entscheidet, weiss ziemlich genau, was er bekommt. Und der Trainer-Import ist billiger als das direkte Anwerben aus der Bundesliga-Top-Trainer-Riege, deren Vertragslaufzeiten mit hohen Ausstiegs-Ableben belegt sind (Nagelsmann hatte 2023 bei Bayern eine Ablose von rund 12 Millionen ausloesen muessen).

Was das fuer den Klopp-DFB-Kader bedeutet

Fuer Juergen Klopp, seit dem 14. August 2026 als Nachfolger von Julian Nagelsmann im Amt und am ersten Amtstag mit einer Ansage gegen den Koelner Mittelfeldspieler Said El Mala in die Rueckstart-Aera gerauscht, ist die deutsche Vier-Trainer-Praesenz in der Premier League eine praktische Kommunikations-Erleichterung. Klopp kann Trainerkollegen im eigenen Sprachraum direkt zu Belastung, Verletzungsstand und Formsignalen von DFB-Kandidaten in Newcastle (Thiaw, Woltemade) und Brighton (Groß) anrufen. Bei Leeds ist der Anschluss ueber Elvedi zwar nur mittelbar (Elvedi ist Schweizer), aber Farke koennte auch schnell mit Anton Stach (schon vor Farke Leeds-Legionaer) einen erweiterten DFB-Kader-Kandidaten unter deutscher Regie fuehren.

Fuer den Nations-League-Auftakt der Klopp-Aera am 24. September 2026 in Amsterdam gegen die Niederlande sind Thiaw, Woltemade und Groß gesetzte Namen. Klopp braucht bis dahin verlaessliche Rueckmeldungen aus dem Klub-Alltag - vor allem zu Woltemades Kopf nach dem verpatzten WM-Achtelfinal-Elfer und zu Thiaws Positions-Rolle unter Jaissle im Vergleich zur Howe-Aera.

Am kommenden Wochenende geht es zunaechst um schlichte Auftakt-Punkte. Bournemouth reist am Samstag zu Wolverhampton. Newcastle empfaengt am Sonntag Aston Villa im St James’ Park, bevor am 23. August das Liverpool-Duell folgt. Brighton startet am Sonntag in Fulham, Leeds am Samstag in Goodison Park gegen den FC Everton. Fuer die deutsche Trainer-Achse in England beginnt damit die erste komplett-parallele Saison der Historie - mit vier Baenken, vier Kader-Baustellen und vier ungleichen Ausgangs-Erwartungen.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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