4:0 in Mainz: DFB-Generalprobe gelingt, Sorge um Undav-Verletzung
Die DFB-Elf besiegt Finnland 4:0 zum WM-Test in Mainz. Deniz Undav trifft zweimal und verletzt sich, Lennart Karl glaenzt, Musiala feiert mit Tor sein Comeback.
Von Lukas Brandt 31. Mai 2026
Vier Tore in 29 Minuten, ein verletzter Stuermer, zwei kuehne Startelf-Wetten von Julian Nagelsmann: Die DFB-Elf hat ihren letzten WM-Test in Deutschland mit 4:0 (1:0) gegen Finnland gewonnen. Vor 33.300 Zuschauern in der MEWA Arena in Mainz besiegelte Jamal Musiala in der 63. Minute den Endstand, zuvor hatten Deniz Undav (zweimal) und Florian Wirtz getroffen. Das Ergebnis liest sich klarer, als die Partie war, und sie war klarer, als die letzten Trainingseindruecke aus Herzogenaurach hatten erwarten lassen. Vor allem zwei junge Spieler haben sich fuer den WM-Auftakt am 14. Juni in Houston empfohlen.
Der Spielverlauf: Vier Tore in 29 Minuten
Finnland verteidigte in der ersten Halbzeit, wie es Trainer Jacob Friis in der Generalprobe vor dem WM-Auftakt seines Gegners erwarten musste: mit allen zehn Feldspielern im oder am eigenen Strafraum, in einem engmaschigen 4-4-2-Block. Die DFB-Elf hatte Ballbesitz, fand aber lange keine Mittel. In der 7. Minute parierte Torhueter Lukas Hradecky spektakulaer einen Direktschuss von Undav, danach blieb es bis zur halben Stunde bei harmlosen Drehmomenten. Erst die 34. Minute brachte den Bann: Eine Ecke von Kimmich, ein angelegter Kopfball von Undav am ersten Pfosten - 1:0.
Die zweite Halbzeit begann, wie die erste hatte enden sollen. Drei Minuten nach Wiederanpfiff bestrafte Wirtz einen verunglueckten Abwurf von Hradecky und schob aus zwoelf Metern flach in die lange Ecke. Neun Minuten spaeter folgte das 3:0: Karl spielte rechts in den Strafraum, Undav drueckte ab, Hradecky lenkte zwar noch, aber nicht ueber die Linie. Bei genau dieser Aktion blieb Undav nach einer wilden Graetsche von Miettinen liegen, musste behandelt werden und konnte nicht weiterspielen. Eine Sportausstattung ist nun das Programm, das in den naechsten 48 Stunden Klarheit ueber den Status des VfB-Stuermers bringen soll. Den 4:0-Endstand stellte Musiala in der 63. Minute her, nachdem Wirtz auf der Zehnerposition den entscheidenden Vertikal-Pass gespielt hatte.
Undav-Doppelpack mit bitterem Nachgeschmack
Der Spielbericht haette eine Gala-Schlagzeile fuer Undav werden sollen. Zwei Tore, eine Vorlage, der Auftritt eines Stuermers, der sich im Sturm-Wettstreit gegen Nick Woltemade durchgesetzt und Nagelsmanns Schluesseldebatte der letzten Trainingswoche gewonnen hat. Stattdessen war auf der Pressekonferenz nach Schlusspfiff das Wort “Sorge” das meistgenannte. Miettinens Graetsche kam mit hohem Tempo und gestrecktem Bein, Undav lag mehrere Minuten am Boden, hielt sich das rechte Sprunggelenk. Die TV-Bilder zeigten den 28-Jaehrigen auf dem Weg in die Kabine humpelnd, mit gestuetztem Arm an einem Physio. Schiedsrichter Espen Eskas zeigte Miettinen Gelb.
Die DFB-Hierarchie steht. Wenn Undav fuer das US-Spiel am 6. Juni ausfallen sollte, ruecken Woltemade und Maximilian Beier in die Sturmrotation; Niclas Fuellkrug ist im 26er-Kader die Wuchtoption fuer Standards. Schwerer wiegt die Frage, ob der unbedingt fuer den WM-Auftakt gegen Curacao gesetzte Mittelstuermer ueberhaupt einsatzfaehig sein wird. Vierzehn Tage sind bei einer Baenderverletzung am Sprunggelenk eine kurze Frist; bei einer Kapselzerrung knapp. Die endgueltige Diagnose folgt am Montagvormittag in Frankfurt.
Karl und Brown: die ueberraschende Startelf
Wer am Samstagabend den Vorbericht zur Aufstellung gelesen hatte, rieb sich beim Anpfiff die Augen. Nathaniel Brown stand auf der linken Aussenbahn statt Maximilian Mittelstaedt, Lennart Karl rechts vor Joshua Kimmich statt Karim Adeyemi oder Florian Wirtz, Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic bildeten die Doppel-Sechs anstelle von Goretzka und Bischof. Drei Veraenderungen, die als Belastungssteuerung erklaert werden koennten - aber von Nagelsmann auf der Pressekonferenz als bewusste Wette begruendet wurden: “Ich wollte sehen, wer in der Hitze einer Generalprobe greifbar wird.”
Karl hat geliefert. Der 18-jaehrige Bayern-Profi spielte mit der Unbekuemmertheit eines Spielers, der nichts zu verlieren hat. Seine Hauptszene war die Vorlage zum 3:0, mit einem Tempodribbling vom Halbraum bis an die Grundlinie, dann der weite Zuspiel-Pass nach innen, den Undav nur noch verlaengern musste. Brown ueberzeugte mit konstanter Defensiv-Konzentration und einer kontrolliert nach vorn gespielten Linksverteidiger-Rolle. Beide haben einen Platz im erweiterten Startelf-Kreis fuer Houston bekommen. Mittelstaedt und Adeyemi werden in Atlanta ihre Argumente neu sortieren muessen.
Musiala trifft im ersten Startelf-Einsatz seit Maerz 2025
Der Plan war ein anderer. Auf der Donnerstags-Pressekonferenz hatte Nagelsmann eingerahmt, dass Musiala “rund 30 Minuten” spielen werde, “nicht als Stammspieler”. Am Sonntagabend lief er von Beginn an auf. Aus dem DFB-Stab hiess es nach Spielende, die Belastungsstaffel der vergangenen Trainingstage habe so gut funktioniert, dass der 23-Jaehrige eine Halbzeit auf dem Platz stehen sollte. Aus einer Halbzeit wurden 64 Minuten und ein Tor.
Musiala feierte mit dem 4:0 sein erstes DFB-Tor seit dem 18. Juni 2024 gegen Ungarn bei der Heim-EM. Es war auch sein erster Startelf-Einsatz seit dem 22. Maerz 2025 in Mailand. Was sich in den Tagen zuvor in der Comeback-Story zum Mainzer Test andeutete, hat sich nun bestaetigt: Der Bayern-Profi ist nicht nur dabei, er ist sofort wieder ein zentraler Bestandteil des Nagelsmann-Plans. Die Wirtz-Musiala-Verbindung funktionierte besser, als es ein einziges Wochenende Aufbautraining erlauben sollte. Beim 4:0 kombinierten beide ueber drei Stationen, Wirtz auf die Halbposition links, Musiala auf den Strafraumeingang, ein Querpass auf den Linksfuss - und das Tor.
Was der 4:0-Sieg fuer den WM-Auftakt gegen Curacao bedeutet
Drei Dinge sind nun klar geworden. Erstens: Die DFB-Innenverteidigung um Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck ist im Block stabil; Finnland kam in 90 Minuten zu keiner Halbchance aus dem Spiel, einzig zwei Standards waren ueberhaupt brenzlig. Zweitens: Wirtz auf der Zehn ohne Havertz funktioniert, das Vertikal-Spiel auf Undav und Musiala war praezise und schnell. Drittens: Nagelsmann hat in Karl und Brown zwei Joker fuer die Gruppenphase gefunden, die das Tempo veraendern koennen, falls ein Gruppengegner spaet das Spiel oeffnet.
Was das Spiel gegen Curacao am 14. Juni in Houston am Ende vom Mainzer Test abhebt, sind die Hitze, die Reisestrapazen und ein Gegner, der nach den Curacao-Vorbereitungs-Sorgen vermutlich nicht weniger tief steht als Finnland. Die Generalprobe ist gegluckt. Die Frage des Abends bleibt aber: Wie schwer ist Undav verletzt?
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.