England - Argentinien 1:2 im WM-Halbfinale 2026: Messi zwei Assists, Lautaros Kopfball-Coup in Atlanta
Argentinien dreht das WM-Halbfinale 2026 in Atlanta gegen England und gewinnt 2:1 (0:0): Gordon 55., Enzo Fernandez 85., Lautaro Martinez 90+1. Zwei Messi-Assists.
Von Marco Feldmann 15. Juli 2026
Argentinien hat das zweite Halbfinale der WM 2026 am Mittwochabend im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta mit 2:1 (0:0) gegen England gewonnen und trifft damit am Sonntag im Endspiel auf Spanien. Anthony Gordon brachte die Three Lions in der 55. Minute mit 1:0 in Fuehrung, Enzo Fernandez glich in der 85. Minute nach einer Vorlage von Lionel Messi aus, in der 91. Minute koepfte der in der 79. Minute eingewechselte Lautaro Martinez die zweite Messi-Flanke zum 2:1-Siegtreffer ein. Fuer die Albiceleste ist es der dritte WM-Endspiel-Einzug in Folge nach Maracana 2014 und Lusail 2022 - und die Chance, als erste Nation seit Brasilien 1962 die WM-Krone zu verteidigen.
Es ist der Spielverlauf, der bei diesem Turnier bereits mehrfach zu sehen war, und in seiner Endphase doch immer noch schockiert. Argentinien fuehrte nach 55 Minuten mit 0:1 aus eigener Sicht, drueckte anschliessend 30 Minuten lang ohne Ertrag, ehe Enzo und Lautaro innerhalb von sechs Minuten die Partie in ihre Richtung drehten. Fuer Bundestrainer Thomas Tuchel ist es die zweite Halbfinal-Pleite als Trainer nach der Bayern-Champions-League-Ausschaltung durch Real Madrid im April 2024 - und die englische Presse laesst ihn nach Abpfiff nicht ungeschoren davonkommen: die Umstellung auf eine Fuenferkette nach dem 1:0 wird in London zur zentralen Bruchstelle des Abends erklaert.
Der Spielverlauf: Gordon fuehrt, dann kippt die Partie im Endspurt
Die erste Halbzeit war zerfahren. Beide Teams versuchten es mit hohem Pressing, aber jedes Spiel-Aufbau-Muster verpuffte im Mittelfeld-Gewusel. Elliot Anderson und Lisandro Martinez sahen frueh Gelb, es gab zwei Rudelbildungen - und keinen ernsthaften Torschuss aus dem Spiel heraus. Zur Pause stand es 0:0, was Argentinien-Bundestrainer Lionel Scaloni nicht ungelegen kam: die im Vorbericht angesprochene Boxen-Rhetorik rund um Falkland-Bogen und Maradona-Erbe hatte ihre Wirkung nicht verfehlt, die argentinische Elf ging aggressiv in die Zweikaempfe, aber ohne Ordnung.
In der 55. Minute kippte die Partie. Harry Kane loeste sich im Mittelfeld, spielte einen langen Diagonal-Ball an die argentinische Kette vorbei, und Anthony Gordon, der 25-jaehrige Newcastle-Fluegel, verwertete im Strafraum souveraen zum 1:0. Es war Gordons erster Turnier-Treffer bei dieser WM 2026 - fuer die Sportschau-Reporter am Rand des Mercedes-Benz Stadium der Moment, in dem England vom Mittelfeld-Ringkampf in die Fuehrungs-Kontrolle abgebogen war.
Stattdessen folgte die taktische Entscheidung, die das Spiel entschied. Tuchel wechselte auf eine 5-4-1-Ordnung, brachte einen zusaetzlichen Aussenverteidiger, zog Kane als einzige Spitze nach vorne, verschob Bellingham auf die Zehn, aber im Rueckwaertsgang - und Argentinien uebernahm. Jordan Pickford hielt einen Fernschuss, ein Ball von Enzo Fernandez knallte an den Pfosten, Messi laesste eine zwingende Chance liegen, aber die argentinische Elf blieb im Sekundentakt in Englands Haelfte.
In der 85. Minute fiel dann der Ausgleich. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld kam der Ball zu Messi, der aus dem rechten Halbraum eine perfekte Vorlage in den Strafraum spielte, wo Enzo Fernandez trocken zum 1:1 vollstreckte - der 25-jaehrige Chelsea-Mittelfeldspieler, der beim Aegypten-Sechzehntelfinale in Miami bereits als Comeback-Architekt aufgetreten war, sicherte damit die Nachspielzeit-Chance seines Teams.
Sechs Minuten spaeter war die Partie entschieden. In der 91. Minute flankte Messi eine weitere Aktion in den Strafraum, wo Lautaro Martinez - in der 79. Minute fuer Julian Alvarez eingewechselt - per Kopf zum 2:1 einkoepfte. Der 28-jaehrige Inter-Stuermer, der Scaloni am Nachmittag mit der Alvarez-Startelf-Entscheidung vorher noch ueberrascht hatte, verwertete seine erste WM-Halbfinal-Chance ueberhaupt zum Finale-Einzug. Referee Ismail Elfath aus den USA pfiff kurz darauf ab, die argentinischen Spieler brachen auf dem Rasen zusammen.
Messis WM-Assist-Rekord: 12 Vorlagen, Maradona-Marke gebrochen
Der Feiertag gehoerte statistisch Lionel Messi. Mit den beiden Vorlagen auf Enzo Fernandez und Lautaro Martinez zieht der 39-jaehrige Kapitaen auf zwoelf WM-Assists insgesamt und ist damit alleiniger Rekordhalter in der Statistik der Fussball-Weltmeisterschaften. Er ueberbietet damit die Bestmarke seines argentinischen Landsmanns Diego Maradona, der bei acht Assists steht. Auf Rang drei folgen der Deutsche Pierre Littbarski (Weltmeister 1990, sieben Assists) und der Pole Grzegorz Lato (WM 1974 in Deutschland, ebenfalls sieben) mit jeweils sieben Vorlagen. Zehn der zwoelf Messi-Assists fielen in K.-o.-Runden-Spielen - eine Zahl, die die spanische Sportpresse bereits am Mittwochabend als “die Statistik der Statistiken” bezeichnet hat.
Es ist Messis sechste WM-Endrunden-Teilnahme (2006 in Deutschland als 18-jaehriger Joker, 2010, 2014, 2018, 2022, 2026) und der dritte Endspiel-Einzug (Maracana 2014 gegen Deutschland, Lusail 2022 gegen Frankreich, MetLife 2026). Nach Abpfiff verzichtete Messi im Kabinen-Gang auf grosse Worte und ueberliess das Feld Scaloni, der in der Mixed Zone erklaerte: “Diese Gruppe ueberrascht mich immer wieder aufs Neue.” Die argentinische Zeitung Ole schrieb spaeter am Abend: “Helden: historisches Comeback, ciao England und ab ins Endspiel.”
Tuchels Rueckzug in die Fuenferkette: die Bruchstelle
Waehrend Messi und Scaloni feierten, hatte Thomas Tuchel die undankbarste Rolle. Der 52-jaehrige Bundestrainer, den der englische Verband nach der Southgate-Aera als Erfolgs-Garanten geholt hatte, erlebte in der Mixed Zone in Atlanta seine schwerste Bilanz-Runde seit dem Bellingham-Konflikt nach dem Norwegen-Viertelfinale. Die zentrale Frage lautete stets: warum die Umstellung auf eine Fuenferkette nach dem 1:0? Tuchel verteidigte die Entscheidung mit dem Verweis auf die argentinische Auswechsel-Bank, die “eine zweite Welle” bringen koenne. Die englische Presse liess das nicht durchgehen.
The Sun schrieb in ihrer Online-Ausgabe unter der Zeile “World of pain”: “The Three Lions are shattered. Fans slam: ‘That’s on Tuchel’ - der Trainer kritisiert fuer ‘feige’ Wechsel.” The Guardian titelte “Argentina breaks England’s hearts. The mentality monsters did it again!” Die BBC-Experten unterstellten Tuchel im Halbfinal-Studio “insufficient faith in the team’s attacking capabilities” - zu wenig Vertrauen ins eigene Angriffs-Konzept. Auch die spanische Marca schoss aus der Ferne quer: “Wir haben das Finale! Wunderbar! Was fuer ein Chaos, Tuchel!” Der Trainer selbst wirkte in der Mixed Zone laut Sportschau-Reporter “mal wuetend, mal fassungslos”.
Fuer Kapitaen Harry Kane ist es die dritte grosse Turnier-Niederlage in Folge (Katar 2022 im Viertelfinale gegen Frankreich, EM 2024 im Finale gegen Spanien, jetzt Atlanta) - und die vermutlich bittere: ein Halbfinale, das er selbst mit der Kane-Kane-Vorlage auf Gordon eroeffnet hatte. Sein Vertrag beim FC Bayern laeuft bis 2027; ob seine Nationalmannschafts-Karriere ueber die kommende EM hinausgeht, wird der englische Verband nach dem Turnier entscheiden.
Englands dritte Halbfinal-Pleite in Folge: 1990, 2018, 2026
Fuer die englische Fussball-Erinnerung reiht sich die Nacht von Atlanta in eine schmerzhafte Serie: es ist Englands dritte WM-Halbfinal-Niederlage in Folge. In Turin 1990 schied das Team von Bundestrainer Bobby Robson gegen Deutschland im Elfmeterschiessen aus (1:1 nach Verlaengerung, 3:4 nach Elfmetern - Chris Waddle und Stuart Pearce verschossen). In Moskau 2018 verlor England unter Gareth Southgate 1:2 nach Verlaengerung gegen Kroatien (Kieran Trippier hatte die Fuehrung geschossen, Perisic und Mandzukic drehten die Partie). Und in Atlanta 2026 nun das 1:2 gegen Argentinien - jedes Mal so nah dran an dem, was seit Wembley 1966 ausbleibt: das zweite WM-Endspiel der englischen Nationalmannschaft.
Die Symmetrie zur K.-o.-Runde 2018 gegen Kroatien liegt nahe, aber sie hinkt: damals uebernahm England Kroatien mit einer 1:0-Fuehrung durch Trippier und liess sich nach 68 Minuten Ballbesitz-Fussball ausschalten; heute war die Fuehrung durch Gordon in der 55. Minute die einzige Grosschance ueberhaupt. Was die Statistiker der englischen Fussball-Historie am Donnerstagmorgen ausgraben werden: die dritte Halbfinal-Pleite in Folge steht in einer Reihe mit den beiden vorangegangenen und macht England zur einzigen Nation, die in den letzten drei WM-Turnieren jeweils im Halbfinale ausgeschieden ist.
Ausblick: Sonntag im MetLife Stadium, gegen den letzten Weltmeister vor Argentinien
Argentinien trifft im Endspiel der WM 2026 am Sonntag, 19. Juli 2026, um 21:00 Uhr MESZ (15:00 Uhr Ortszeit) im MetLife Stadium in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey auf Spanien, das sich am Dienstag im Dallas-Halbfinale mit 2:0 gegen Frankreich durchgesetzt hatte. Es ist die Neuauflage der WM-Historie mit einem eigenen Vorzeichen: Titelverteidiger gegen den letzten Weltmeister-Anwaerter, der 2010 in Johannesburg triumphiert hatte - und ein Endspiel zwischen zwei Nationen, die sich in der Turnier-Geschichte noch nie in einem K.-o.-Duell bei einer WM getroffen haben.
Die deutsche TV-Uebertragung des Endspiels uebernimmt das ZDF; MagentaTV zeigt zusaetzlich alle 104 Partien inklusive internationaler Kameraperspektiven. Am Samstag folgt im Spiel um Platz drei in Miami England gegen Frankreich - eine Neuauflage der EM-Halbfinal-Erinnerung von 1996, aber ohne den Reiz, den ein WM-Halbfinale hat. Die Modelle-Aktualisierung mit den Spanien-Argentinien-Wahrscheinlichkeiten fuer das Endspiel wird die Redaktion am Donnerstagvormittag im WM-Rechner veroeffentlichen. Fuer Messi steht der Weg zum zweiten WM-Titel in Folge offen - fuer die Albiceleste die Chance, als erste Nation seit Brasilien (Sieger 1958 in Schweden, Titelverteidiger 1962 in Chile) den WM-Pokal aus dem Vorturnier zu verteidigen. Anpfiff: Sonntagabend, 21:00 Uhr MESZ, live im ZDF.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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