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WM 2026

Elfenbeinküste trennt sich von Trainer Faé - Vertrag nach WM-Aus nicht verlängert

Der ivorische Verband FIF hat am 31. Juli 2026 die Trennung von Nationaltrainer Emerse Faé bestätigt - ein Monat nach dem WM-Aus 1:2 gegen Norwegen im Sechzehntelfinale.

Von Marco Feldmann 01. August 2026

Emerse Faé als Cheftrainer der Elfenbeinküste beim WM-2026-Gruppenspiel gegen Deutschland am 20. Juni 2026 im Toronto Stadium - sechs Wochen spaeter verlaengert der ivorische Verband seinen Vertrag nicht (Foto: Eleanor Hoad / Every Second Media). Foto: Every Second Media via SmartFrame

ELFENBEINKÜSTE / POST-WM 2026 · 01.08.2026 · 02:45 UHR - Der ivorische Fussballverband FIF hat am Freitag, 31. Juli 2026, die Trennung von Nationaltrainer Emerse Faé bestaetigt. Der auslaufende Vertrag des 42-Jaehrigen wird nicht verlaengert. Die Bekanntgabe erfolgte ohne Pressekonferenz, ohne oeffentliche Wuerdigung, ohne Nachfolger-Nennung - das, was der kicker die “stille” Trennung nannte und was den Bogen von einem historischen Afrika-Cup-Triumph im eigenen Land 2024 zum Sechzehntelfinal-Aus 1:2 gegen Norwegen am 30. Juni 2026 in Dallas schliesst. Faé ist damit der sechste Nationaltrainer, dessen Amtszeit binnen dreier Wochen nach dem WM-Finale endet - nach Didier Deschamps, Julian Nagelsmann, Roberto Martinez, Domenico Tedesco (Belgien) und der Vorstellungsphase bei Roberto Mancini in Italien.

Die Mitteilung: FIF ohne Pressekonferenz, ohne Nachfolge-Fahrplan

Die Bekanntgabe hatte keine Buehne. Der ivorische Verband hat auf seiner Website am Freitag, 31. Juli, eine kurze Erklaerung veroeffentlicht, in der er dem Trainer fuer seine Dienste dankt und mitteilt, dass sein Vertrag auslaeuft und nicht verlaengert wird. Kein Zeitplan fuer einen Nachfolger, kein Verfahren, keine Pressemitteilung ueber die Verhandlungen mit Kandidaten. Berichte aus Abidjan sowie die Sky-Sport-Austria- und laola1-Meldungen aus Oesterreich am selben Abend legen nahe, dass der Schritt letztlich von Faé selbst ausging: Er habe eine Verlaengerung nicht mehr angestrebt.

Der Kontrast zur oeffentlichen Choreographie anderer Verbaende in denselben Julitagen ist bemerkenswert. Der DFB hat am 24. Juli in Frankfurt eine ausfuehrliche Klopp-Vorstellung inszeniert. Die FFF hat am 28. Juli in Paris eine formelle Zidane-Praesentation mit Wortlaut-Rede abgehalten. Die FIGC hat am 28./29. Juli in Rom Roberto Mancini mit einer eigenen Vorstellungs-Zeremonie eingefuehrt. Die FIF hat die groessere sportliche Nachricht des Kontinents in eine Textzeile gepackt.

Faés Amtszeit: der Mid-Tournament-Wunder-Trainer

Zwischen dem Amtsantritt und der jetzigen Trennung liegen 18 Monate und ein Turnier-Erlebnis, das in der jueng afrikanischen Trainergeschichte einmalig geblieben ist. Faé hatte am 24. Januar 2024 die Elfenbeinkueste mitten im Afrika-Cup im eigenen Land uebernommen, nachdem Jean-Louis Gasset nach dem 1:4 in der Vorrunde gegen Aequatorialguinea entlassen worden war. Faé war zuvor Co-Trainer und wurde ohne Testphase in die Verantwortung geworfen.

Was folgte, wurde als “Miracle d’Abidjan” international zum Trainer-Karriere-Startschuss:

  • Achtelfinale 30.01.2024: 1:1 nach Verlaengerung gegen Senegal, 5:4 im Elfmeterschiessen.
  • Viertelfinale 03.02.2024: 2:1 nach Verlaengerung gegen Mali.
  • Halbfinale 07.02.2024: 1:0 gegen die DR Kongo.
  • Finale 11.02.2024: 2:1 gegen Nigeria im Stadion Alassane Ouattara in Abidjan durch Franck Kessié und Sébastien Haller.

Faé wurde damit der erste Trainer der Fussballgeschichte, der einen Kontinental-Titel nach mid-tournament-Uebernahme gewann. Danach wurde er als Interims-Trainer zum permanenten Nationaltrainer befoerdert, im Oktober 2025 qualifizierte er die Elfanten mit einem 3:0 gegen die Seychellen fuer die WM 2026 - ihre Rueckkehr auf die Weltbuehne nach zwoelf Jahren Abwesenheit (letzte WM: 2014 in Brasilien).

Als Auszeichnungen erhielt Faé den AFCON-Best-Coach-Award 2023 und wurde vom CAF zum Trainer des Jahres 2024 gewaehlt. Die Kombination aus dem historischen Mid-Turnier-Titel, der WM-Qualifikation und den 20 Monaten Konstanz danach hatte 2025 in Abidjan als abgeschlossene Ikone-Aera gegolten - bis die WM-Turnier-Bilanz die Verlaengerungs-Frage neu stellte.

WM 2026: der defensive Bollwerk-Ansatz und das R32-Aus in Dallas

Bei der WM 2026 hat Faé auf das Kern-Prinzip seines Afrika-Cup-Erfolgs gesetzt: null Gegentore in der afrikanischen Qualifikation (25:0 in zehn Spielen) und eine Innenverteidigung-Achse aus Evan Ndicka, Odilon Kossounou, Ousmane Diomandé und Emmanuel Agbadou als das stabilste Quartett des Kontinents. In der Gruppe E mit Deutschland, Ecuador und Curacao (siehe auch Kader-Analyse) funktionierte der Ansatz weitgehend:

  • 20. Juni 2026 Toronto - Deutschland 0:0: Die Bollwerk-Aufstellung Faés zwingt die DFB-Offensive um Musiala und Havertz in einen zaehen Ballbesitz-Aufbau ohne Torabschluss.
  • 24. Juni 2026 Kansas City - Ecuador 1:0: Amad Diallo trifft, das Kollektiv verteidigt (siehe Spielbericht).
  • 28. Juni 2026 Houston - Curacao 2:1: Der Sieg qualifiziert die Elfanten als Gruppen-Zweiter fuer das Sechzehntelfinale.

Im Sechzehntelfinale gegen Norwegen am 30. Juni 2026 in Dallas endete das Turnier dann mit dem 1:2: Antonio Nusas Solo-Lauf zum 0:1 in der 39. Minute, Amad Diallo gleicht in der 74. aus, in der 78. bleibt die von Faé beanstandete Elfmeter-Szene zwischen Andreas Schjelderup und Nicolas Pépé ohne Pfiff, Haaland setzt in der 86. den Siegtreffer. Faés Post-Match-Zitat vor dem WDR-Mikrofon: “Haben viel gelernt.” Die Elfenbeinkueste ging - wie die drei anderen afrikanischen Teilnehmer (Kap Verde, Kongo, Marokko - siehe Afrika-Bilanz R32) - im ersten K.o.-Spiel raus.

Die offene Nachfolge: warum die FIF sich Zeit nimmt

Der Termindruck fuer die FIF ist ueberschaubar. Die naechste WM findet erst 2030 statt, die entsprechende Qualifikation beginnt in Afrika erst im Herbst 2027. Der naechste Africa Cup ist fuer 2027 in Marokko terminiert - mit Qualifikations-Fenstern im Herbst 2026 und Fruehjahr 2027. Der Verband kann sich damit rund drei Monate Zeit fuer die Nachfolge-Findung nehmen, ohne einen Ausbildungs-Zyklus zu verpassen.

Namen, die in Abidjan in den Tagen vor der Trennungs-Bestaetigung kursiert waren:

  • Herve Renard (Franzose, 57): frueherer Sambia- und Marokko-Trainer, Frankreich-Frauen-Cheftrainer bis EM 2025. Vertraute Afrika-Kader-Kenntnis und Nations-Cup-Erfahrung.
  • Patrice Beaumelle (Franzose, 47): Faés unmittelbarer Vorgaenger im Nationaltrainer-Amt bis 2022, aktuell ohne Verein.
  • Bruno Genesio (Franzose, 59): aktuell OGC Nizza, Ligue-1-Erfahrung mit ivorischen Spielern.
  • Adel Amrouche (Belgier, 57): aktuell Tansania-Nationaltrainer, tunesisch-libanesische Wurzeln, in mehreren afrikanischen Nationen taetig.

Die FIF hat bisher keinen dieser Namen bestaetigt. Der Suchprozess soll laut Bericht der ivorischen Fussball-Fachzeitschrift Football-Ivoire bis Ende September 2026 abgeschlossen sein.

Die Post-WM-Trainer-Cartography: Kartografie-Punkt Nummer sechs

Faé ist der sechste Nationaltrainer, dessen Amtszeit binnen der ersten drei Wochen nach dem WM-Finale endet:

  1. Didier Deschamps (Frankreich) - Ruecktritt am 17. Juli 2026 in Miami, Nachfolger Zinedine Zidane am 28. Juli.
  2. Julian Nagelsmann (Deutschland) - Aufloesung am 22. Juli, Nachfolger Juergen Klopp am 24. Juli.
  3. Roberto Martinez (Portugal) - Vertragsauslaufen im September, bereits am 20. Juli bekannt gegeben.
  4. Domenico Tedesco (Belgien) - Aufloesung im Fruehsommer 2026, Nachfolger Mark van Bommel im Juni.
  5. Roberto Mancini wird am 28./29. Juli als Nachfolger von Claudio Ranieri (Italien) vorgestellt.
  6. Emerse Faé (Elfenbeinkueste) - Trennungs-Bestaetigung 31. Juli 2026.

Die geographische Verteilung ist bemerkenswert: fuenf europaeische, ein afrikanischer Trainer. Die Karibik- und Nord-/Mittelamerika-Konfoederationen (CONCACAF, CONMEBOL, AFC, OFC) haben bisher keine oeffentlichen Trennungen kommuniziert - was daran liegen kann, dass ihre Zyklen sich staerker am Kontinental-Wettbewerb (Copa America 2027, Asian Cup) als am WM-Turnier ausrichten. Der WM-Nachtritt der Elfenbeinkueste - stille Trennung ohne Nachfolger-Nennung - unterscheidet sich damit vom lauten, geordneten Uebergabe-Muster der europaeischen Verbaende.

Der emotionale Nachhall in Abidjan ist gedaempft. Faé hat der Elfenbeinkueste innerhalb von 18 Monaten den Afrika-Cup-Titel und die erste WM-Teilnahme seit zwoelf Jahren beschert, dazu die Rueckkehr in die afrikanische Weltspitze mit einer defensiven Rekord-Bilanz in der Qualifikation. Der Turnier-Titel gegen Nigeria im eigenen Land war der emotionale Zenit einer ganzen Fussball-Generation. Die stille Trennung liest sich in dieser Perspektive weniger als sportliches Ende und mehr als muede Uebergabe: das Kapitel Faé geht nicht wegen einer Enttaeuschung zu Ende, sondern weil eine Verlaengerung fuer beide Seiten den Aufwand nicht mehr wert war.

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Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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