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WM 2026

UEFA und CONCACAF fordern von der FIFA 2,1 Milliarden Dollar Sonderausschuettung - und bereiten Strafanzeige gegen Infantino vor

UEFA und CONCACAF fordern von der FIFA 2,1 Milliarden Dollar Sonderausschuettung - 10 Mio. je Verband - und bereiten in der Schweiz eine Anzeige gegen Infantino vor.

Von Marco Feldmann 19. September 2026

Gianni Infantino am 05.09.2026 in der Arena Katowice bei der FIFA U20-Frauen-WM in Polen - keine zwei Wochen vor dem UEFA/CONCACAF-Brief steht der FIFA-Praesident weiter im Zentrum eines wachsenden Machtkampfs (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist der bisher konkreteste Schritt in einem seit Wochen laufenden Machtkampf. UEFA und CONCACAF haben in einem gemeinsamen Brief an die FIFA verlangt, dass jeder der 211 Mitgliedsverbaende zehn Millionen US-Dollar aus den Reserven des Weltverbandes erhaelt. Zusammen macht das rund 2,1 Milliarden Dollar - ausgezahlt in vier Jahresraten zwischen 2027 und 2030. Unterschrieben ist das Schreiben von UEFA-Praesident Aleksander Ceferin und CONCACAF-Chef Victor Montagliani, das mit Abstand grosste europaeisch-nordamerikanische Signal gegen Gianni Infantino seit dessen umstrittenem Investoren-Vorstoss im Sommer.

Die Forderung: zehn Millionen fuer jeden Verband

Die Rechnung im Brief ist bewusst schlicht gehalten. Zehn Millionen Dollar pro Mitgliedsverband, ueber vier Jahre gestreckt, macht bei 211 Verbaenden 2,1 Milliarden Dollar. Gedeckt sei das aus den Ruecklagen, die die FIFA nach der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko auf rund sechs Milliarden Dollar aufgestockt habe - dem finanziell erfolgreichsten Turnier der Verbandsgeschichte. Ceferin und Montagliani schreiben laut sportschau.de, die FIFA verfuege “ueber betraechtlich hoehere Reserven als notwendig” und habe “die Faehigkeit, ihren Mitgliedsverbaenden deutlich mehr Mittel aus der eigenen Bilanz zur Verfuegung zu stellen - ohne Anteile an Wettbewerben zu verkaufen und ohne Gegenleistungen von den Mitgliedern zu verlangen”.

Die zweite Zeile des Briefs adressiert die Kontrolle. Die Konfoederationen fordern eine “unabhaengige Pruefung der FIFA-Finanzen” und “vollstaendigen Zugang zu Zahlen und Berechnungsmodellen” bei der Verteilung der Mittel. Das ist ein Governance-Instrument, das ueber die reine Geldfrage hinausgeht: Wer die Berechnungsmodelle kennt, kann die Ausschuettungslogik der kommenden WM-Zyklen mitbestimmen.

Anlass: der zurueckgezogene Investoren-Deal

Der Auftakt der Eskalation liegt im Sommer. Anfang August 2026 hatte Infantino einen Verkauf von WM-Vermarktungsrechten an US-Investoren betrieben, den er den Verbaenden mit einer Sofortpraemie von 20 Millionen Dollar zu versuessen versuchte. Nachdem der Widerstand aus Europa massiv wurde, zog er das Projekt zurueck. Genau diese Konstruktion - die Belohnung der Zustimmung mit einer Sofortzahlung aus der Verbandskasse - liefert nun die inhaltliche Vorlage fuer den UEFA/CONCACAF-Antrag: Was Infantino als Belohnung fuer politische Unterstuetzung anbot, verlangen Ceferin und Montagliani jetzt bedingungslos aus den Bestandsreserven.

Die Strafanzeige-Vorbereitung in der Schweiz

Parallel zum Antrag arbeitet die UEFA an einer Strafanzeige. Der Vorwurf: ungetreue Geschaeftsbesorgung im Zusammenhang mit dem Investorendeal. Der Fall waere in der Schweiz zu fuehren, wo die FIFA ihren Sitz hat und wo im Verurteilungsfall auch Freiheitsstrafen im Raum stehen. Das ist die schaerfste Ebene, die die europaeische Konfoederation bisher gezogen hat - und sie ist bewusst getrennt vom Ausschuettungs-Antrag formuliert. Der Brief ist die politische Forderung, die Anzeige ist der Rechtsweg. Beides zusammen bildet einen doppelten Druckpfeiler auf Infantino, der auf keine der beiden Kritiken isoliert antworten kann.

Rechnung im Kongress: 90 von 211 Stimmen

Die politische Arithmetik hinter dem Antrag ist an sich schon eine Botschaft. UEFA (55 Verbaende) und CONCACAF (35 Verbaende) bringen zusammen 90 der 211 Kongressstimmen mit - noch keine Mehrheit, aber die grosste organisierte Achse gegen den amtierenden Praesidenten. Fuer die Wiederwahl am 18. Maerz 2027 im FIFA-Kongress in Rabat, Marokko, ist eine klare Mehrheit fuer oder gegen Infantino derzeit nicht in Sicht. Die UEFA denkt laut ueber Montagliani als Gegenkandidaten nach - eine Kandidatur, die aus dem Signatur-Block des aktuellen Briefs erwachsen wuerde.

Anschluss an die deutschen Chapter

Der UEFA/CONCACAF-Brief liegt zeitlich exakt hinter zwei deutschen Meilensteinen des Governance-Arcs. Am 15. September hatte DFB-Praesident Bernd Neuendorf am Rande des UEFA-Kongresses in Thessaloniki im RTL/ntv-Interview das System Infantino oeffentlich als “zerruettet” bezeichnet und die persoenliche Zusammenarbeit fuer beendet erklaert. Zwei Tage spaeter, am 17. September, sass DFL-Chef Hans-Joachim Watzke auf der Buehne des Big-Bang-KI-Festivals in Berlin und forderte den kompletten Rueckzug Infantinos.

Beide Stimmen waren individuelle Positionen - ein Verbandspraesident, ein Liga-Chef. Der jetzige Brief hebt den Konflikt auf die naechste Ebene: nicht mehr Einzelfunktionaer gegen Einzelfunktionaer, sondern zwei Konfoederationen als Absender, mit einer konkreten Geldforderung, einem Zeitfenster und einem parallelen Rechtsweg. Neuendorf und Ceferin arbeiten dabei laut ad-hoc-news.de in enger Abstimmung, was den DFB fest in der europaeischen Front verankert. Die franzoesische FFF hatte bereits Anfang September mit Yasser Diallo im Exekutivkomitee die Unterstuetzung fuer Infantinos Wiederwahl aufgekuendigt - die Achse steht.

Was auf dem Weg nach Rabat noch kommt

Bis zur Wiederwahl im Maerz 2027 laufen drei Prozesse parallel. Erstens muss der FIFA-Rat auf den UEFA/CONCACAF-Antrag reagieren - eine Ablehnung waere politisch, eine Bewilligung waere teuer, ein Aussitzen wuerde die zweite Ebene, die schweizerische Strafanzeige, in den Vordergrund schieben. Zweitens muss die UEFA die Strafanzeige einreichen und die Beweisfuehrung sichern; wie schnell das geht, haengt an den internen Rechtsdienstlern des Verbandes und an der schweizerischen Bundesanwaltschaft. Drittens muss die Konfoederations-Achse die Frage nach dem Gegenkandidaten klaeren - Montagliani ist eine Option, aber nicht die einzige.

Fuer die deutsche Debatte bleibt der Bogen offen. Neuendorf hat am 15.09. persoenlich gebrochen, Watzke am 17.09. politisch. Der UEFA/CONCACAF-Brief liefert nun das institutionelle Instrument. Sechs Milliarden Dollar auf dem FIFA-Konto, zwei Konfoederationen als Absender, 90 Stimmen als Startkapital, sechs Monate bis Rabat. Der naechste Bewegungspunkt liegt beim FIFA-Rat, dessen Antwort ueber das Tempo der Eskalation entscheidet - und darueber, ob die FIFA-Konstruktion in Marokko, die auch die WM 2030 organisatorisch traegt, ihren Sitz-Praesidenten unbeschadet ins Kongress-Datum tragen kann.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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