Roberto Mancini offiziell zurueck als Italiens Nationaltrainer - Ranieri wird Technischer Direktor
FIGC-Chef Malago hat Roberto Mancini am 28.07.2026 als Italiens neuen Nationaltrainer bestellt - Vorstellung am 29.07. in Rom, Ranieri wird Technischer Direktor.
Von Marco Feldmann 29. Juli 2026
▍ ITALIEN / POST-WM 2026 · 29.07.2026 · 20:15 UHR - FIGC-Praesident Giovanni Malago hat Roberto Mancini am Dienstag, 28. Juli 2026, im Sitz des italienischen Fussballverbands in Rom als neuen Cheftrainer der Squadra Azzurra bestellt. Die offizielle Vorstellung vor der Presse folgte am Mittwoch, 29. Juli 2026. Mancini ist damit zum zweiten Mal italienischer Nationaltrainer - seine erste Amtszeit lief von Mai 2018 bis August 2023 und endete mit dem EM-Titel 2021 im Wembley-Stadion sowie einem ueberraschenden Wechsel nach Saudi-Arabien. Neben Mancini uebernimmt Claudio Ranieri die Rolle des Technischen Direktors. Der Auftrag lautet: WM-Qualifikation 2030 nach drei verpassten Weltmeisterschaften in Folge.
Die Bestellung: Unterschrift Di 28.07., Vorstellung Mi 29.07. in Rom
Die Personalie wurde am Dienstagabend um kurz nach 19 Uhr MESZ von der FIGC bestaetigt, nachdem Mancini in Rom seinen Vertrag unterschrieben hatte. Malago selbst gab die Verpflichtung am Mittwochmittag im Sitz des Verbands in Rom bekannt, gemeinsam mit der Personalie Claudio Ranieri als neuem Technischen Direktor.
Der Zeitplan war eng. Nach der Absage von Andrea Pirlo per Instagram-Video am Sonntag, 27. Juli 2026 hatte die FIGC nur 24 Stunden Zeit, um mit Mancini eine tragfaehige Loesung zu finden, bevor die Frage in der italienischen Sport-Oeffentlichkeit ins Chaotische zu kippen drohte. Dass es innerhalb dieser 24 Stunden zur Unterschrift kam, ist auch ein Hinweis darauf, dass die FIGC parallel zur Pirlo-Vertragspruefung bereits Vorgespraeche mit Mancini gefuehrt hatte - offiziell war er in den italienischen Medien als “Plan C” bezeichnet worden, tatsaechlich war die Zurueckhaltung wohl weniger gross als kommuniziert.
Formal ist die zweite Mancini-Amtszeit ab dem 28. Juli 2026 wirksam. Erste sportliche Aufgabe sind die UEFA-Nations-League-Partien im September 2026, dann die EM-Qualifikation ab Herbst 2026 fuer die EM 2028 in Grossbritannien und Irland. Die eigentliche Zielmarke ist aber die Qualifikation fuer die WM 2030 auf der iberischen Halbinsel und in Marokko, mit einem der drei Eroeffnungsspiele im Sued-Amerika-Trio Argentinien, Uruguay und Paraguay.
Die Entschuldigung im Wortlaut: “Wie die Frau des Lebens”
Der emotionale Kern der Vorstellungs-Pressekonferenz am Mittwochmittag in Rom war Mancinis Entschuldigung fuer die Umstaende seines ersten Abgangs. Der 61-Jaehrige hatte im August 2023 die Squadra Azzurra ueberraschend und wenige Tage vor zwei entscheidenden EM-Qualifikations-Spielen verlassen, um Cheftrainer der saudi-arabischen Nationalmannschaft zu werden. Der damalige Kontrakt sollte ihm ueber vier Jahre bis 2027 rund 90 Millionen Euro garantieren.
Sein zentrales Zitat vom 29. Juli 2026: “Es tut mir sehr leid. Das Trikot der Nationalmannschaft ist ein bisschen wie die Frau des Lebens: Wenn man es verliert, hat man etwas falsch gemacht.”
Als konkreten Grund fuer die damalige Trennung nannte er die “mangelnde Kommunikation” mit dem damaligen FIGC-Praesidenten Gabriele Gravina, dessen Amtszeit inzwischen abgelaufen ist. Gravina war zwischen 2018 und 2024 FIGC-Chef und hatte selbst zu Beginn seiner Amtszeit Mancini als Trainer bestellt. Der aktuelle FIGC-Chef Giovanni Malago, seit Januar 2024 im Amt und zuvor viele Jahre CONI-Praesident, hat in der Woche der Vertragsverhandlungen bewusst persoenlich mit Mancini kommuniziert - im offensichtlichen Kontrast zur damals kritisierten Gravina-Distanz.
Mancini schloss die Entschuldigung mit einem sportlichen Bekenntnis: Er wolle die Mannschaft so gut spielen lassen, dass die italienischen Fans ihm den 2023er-Wechsel verzeihen wuerden. Das ist eine bewusste Umkehrung des klassischen Trainer-Amtsantritt-Satzes: nicht “Ich bringe euch Erfolg”, sondern “Ich muss Erfolg bringen, um Vergebung zu verdienen”.
Wie es zu Mancini kam: Gattuso, Guardiola, Pirlo
Die Trainer-Frage der italienischen Nationalmannschaft ist die groesste institutionelle Baustelle der FIGC seit dem Vialli-Todesfall 2023. Die Chronologie im Kurzueberblick:
- April 2026 - Nach dem 1:4 im Elfmeterschiessen gegen Bosnien-Herzegowina in den WM-Play-offs (dritte verpasste WM in Folge) tritt Gennaro Gattuso nach weniger als einem Jahr als Cheftrainer der Squadra Azzurra zurueck. Details in
italien-verpasst-wm-2026.md. - Mai bis Juni 2026 - Die FIGC nutzt die WM-Wochen bewusst fuer eine ruhige Kandidatensuche, ohne oeffentlich einen Wunschkandidaten zu benennen. Intern kristallisiert sich Pep Guardiola als Prioritaet heraus. Paolo Maldini uebernimmt die Verhandlungsfuehrung.
- Woche vor dem WM-Finale (13.-18.07.2026) - Persoenliches Gespraech Maldini-Guardiola in Barcelona am Rande der Champions-League-Auslosung.
- Freitag, 24. Juli 2026 - Guardiola sagt oeffentlich ab mit den Worten “Danke, ich fuehle mich geehrt. Aber ich fuehle mich im Moment nicht dazu in der Lage”.
- Wochenende 25.-26. Juli 2026 - Andrea Pirlo rueckt als Alternative ins Zentrum. Malago beauftragt die Verbandsjuristen mit einer Pruefung von Pirlos Fonbet-Vertrag mit einem russischen Wettanbieter.
- Sonntag, 27. Juli 2026 - Pirlo zieht per Instagram-Video zurueck: “nicht mehr als Kandidat” (“non piu candidato”).
- Montag, 27.-28. Juli 2026 - FIGC nimmt bilaterale Gespraeche mit Mancini und dessen Berater-Team auf. Parallel Vorgespraeche mit Ranieri fuer die TD-Rolle.
- Dienstag, 28. Juli 2026, kurz nach 19 Uhr - Vertragsunterschrift von Mancini in Rom, gefolgt von Malagos oeffentlicher Bestaetigung ueber die FIGC-Kanaele.
- Mittwoch, 29. Juli 2026, Mittag - Offizielle Vorstellung Mancini + Ranieri in Rom.
Die parallele Post-WM-Coach-Cartography Europas ist damit weiter komplettiert: Zidane in Frankreich offiziell am 28. Juli, Klopp in Deutschland offiziell am 24. Juli, Van Bommel in Belgien bereits im Fruehsommer. Innerhalb einer Woche sind drei grosse europaeische Nationalmannschaften mit neuen Chef-Trainern besetzt worden. England behaelt Thomas Tuchel nach dem Bronze-Medaillen-Halbfinale, Spanien behaelt Luis de la Fuente nach dem WM-Titel, Portugal setzt weiterhin auf Roberto Martinez.
Claudio Ranieri als Technischer Direktor: der Aufbau des Fuehrungsstabs
Die zweite Personalie des Mittwochs ist strategisch fast ebenso wichtig wie Mancinis Bestellung. Claudio Ranieri, 74, uebernimmt die Rolle des Technischen Direktors der italienischen Fussballnationalmannschaft. Ranieris CV: Cheftrainer AS Rom in vier Amtszeiten (2009-2011, 2019, 2024-2025), Cheftrainer Chelsea (2000-2004), Cheftrainer Leicester City (2015-2017, Premier-League-Meister 2016 mit einer Quote von 1:5000 vor Saisonstart), Cheftrainer Juventus, Inter, Valencia, Monaco, Atletico Madrid. Er ist einer der erfahrensten italienischen Vereinstrainer der letzten 30 Jahre.
Die TD-Rolle war seit dem Tod von Gianluca Vialli im Januar 2023 (Bauchspeicheldruesen-Karzinom) formal vakant. Vialli war seit 2019 zusammen mit Mancini das strategische Duo, das Italien zum EM-Titel 2021 gefuehrt hatte - eine Freundschaft, die bis zur gemeinsamen Sampdoria-Meister-Elf 1991 zurueckreichte. Der Vialli-Verlust war einer der emotionalen Wendepunkte, an dem die interne Struktur der Squadra Azzurra ins Wackeln geriet.
Ranieris Aufgabe als TD wird die strategische Kader-Planung ueber vier Jahre hinweg umfassen - inklusive Scouting-Struktur, U-Nationalmannschaften-Anbindung, Verbindung zur Serie A und den ausserhalb Italiens spielenden italienischen Profis (Kean bei Fiorentina, Retegui bei Atalanta, Frattesi bei Inter). Der TD ist der institutionelle Anker, waehrend der Cheftrainer die operative Elf verantwortet.
Der Auftrag: WM-Qualifikation 2030 nach drei verpassten WMs in Folge
Der institutionelle Zustand der italienischen Nationalmannschaft ist der schlechteste seit den 1950er-Jahren. Italien hat in Folge die Weltmeisterschaften 2018 in Russland, 2022 in Katar und 2026 in USA/Kanada/Mexiko verpasst. Der letzte WM-Auftritt der Squadra Azzurra war 2014 in Brasilien - mit einem Vorrunden-Aus in einer Gruppe mit England, Uruguay und Costa Rica. Der letzte WM-Titel liegt 20 Jahre zurueck: 2006 in Berlin mit dem 5:3-Elfmeterschiessen-Sieg gegen Frankreich, nach dem Zidane-Materazzi-Kopfstoss.
Zwischen den WM-Ausfaellen hat Italien mit dem EM-Titel 2021 in Wembley (1:1 nach Verlaengerung gegen England, 3:2 im Elfmeterschiessen) einen Kontinental-Titel geholt, ist aber ansonsten in einer Phase der institutionellen Instabilitaet. Ueber die drei WM-Zyklen 2018/2022/2026 waren Gian Piero Ventura, Roberto Mancini, Luciano Spalletti und Gennaro Gattuso Cheftrainer - vier Wechsel in acht Jahren, mehr als in den vorangegangenen 20 Jahren zusammen.
Der Auftrag an Mancini ist damit nicht nur sportlich, sondern institutionell. Er soll eine Trainer-Konstanz ueber mindestens vier Jahre bis zur WM 2030 gewaehrleisten. Der Vertrag umfasst laut italienischen Medien die volle Legislaturperiode bis Sommer 2030 - genau die Laufzeit, die sein damals ausgestellter Saudi-Arabien-Vertrag 2023 gehabt haette. Die Symmetrie ist gewollt: Mancini rueckt die 2023er-Entscheidung durch die neue Amtszeit rueckwirkend gerade.
Zwischenetappen sind:
- September 2026 - UEFA-Nations-League-Auftakt.
- Herbst 2026 bis Herbst 2027 - EM-Qualifikation fuer die EM 2028 in Grossbritannien und Irland.
- Sommer 2028 - EM 2028.
- Herbst 2028 bis Herbst 2029 - WM-Qualifikation 2030.
- Sommer 2030 - WM 2030 auf der iberischen Halbinsel und in Marokko, mit einem der Eroeffnungsspiele im Sued-Amerika-Trio.
Was Mancinis erste Trainer-Aera geleistet hat
Roberto Mancinis erste Amtszeit als Italiens Cheftrainer lief von Mai 2018 bis August 2023 - fuenf Jahre und drei Monate. Der Einstieg fiel unmittelbar auf das schwere WM-2018-Aus-Trauma nach dem Play-off-Verlust gegen Schweden. Mancini uebernahm eine Mannschaft in einer historischen Krise und formte sie ueber drei Jahre zum EM-Titel-Traeger.
Die Bilanz der ersten Aera:
- EM-Titel 2021 in Wembley, 1:1 nach Verlaengerung gegen England, 3:2 im Elfmeterschiessen. Das Turnier war zusammen mit dem CONI-Praesidenten Giovanni Malago (heute FIGC-Chef) und Gianluca Vialli (TD) organisiert und einer der emotionalen Hochpunkte des italienischen Sports der 2020er-Jahre.
- Serie von 37 Ungeschlagenen zwischen Oktober 2018 und Oktober 2021 - Weltrekord.
- Nations-League-Halbfinale 2020/21 und 2022/23.
- Verpasste WM 2022 in Katar nach Play-off-Aus gegen Nordmazedonien in Palermo (0:1) am 24. Maerz 2022 - Turin bricht in der Nacht in Traenen aus, Mancini bleibt trotz breiter Ruecktrittsforderungen im Amt.
- Ueberraschender Ruecktritt und Wechsel zu Saudi-Arabien im August 2023.
Die Aera hatte damit einen historischen Hoehepunkt (EM 2021) und einen historischen Tiefpunkt (Nicht-WM 2022) sowie einen umstrittenen Abgang. Die zweite Aera beginnt nach dem Reversion-Bogen ueber Saudi-Arabien (Vertragsaufloesung Ende 2024 nach fuenfter Niederlage in Folge und Ausscheiden aus der Asien-Meisterschafts-Qualifikation) und eine kurze Katar-Beratungsphase mit anderen Vorzeichen.
Was Mancini von 2018 mitbringt: das taktische System (variable 4-3-3 mit hoher Pressing-Linie, Ball-Verteilung ueber die Innenverteidiger, aktive Aussenverteidiger-Rotation), das Kader-Verstaendnis fuer die italienische Serie A und die Faehigkeit, junge Spieler in Verantwortung zu bringen. Nicolo Barella, Federico Chiesa, Gianluca Scamacca und Nicolo Zaniolo sind erst unter Mancini zu regelmaessigen Nationalspielern geworden.
Was fehlt: eine echte Generations-Erneuerung. Der italienische Kader ist im Sommer 2026 in einer Zwischenphase - Verratti und Insigne sind formell verabschiedet, aber junge Talente wie Francesco Camarda (Milan), Cesare Casadei (Chelsea), Simone Pafundi (Losc Lille) oder Tommaso Baldanzi (Roma) haben den Sprung ins A-Team noch nicht endgueltig geschafft. Genau hier setzt Ranieris TD-Rolle an.
Mancinis zweite Amtszeit als Italiens Nationaltrainer beginnt damit unter der klarsten institutionellen Erwartung, die ein italienischer Nationaltrainer in den letzten zehn Jahren gehabt hat: WM 2030 oder Ruecktritt.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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