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WM 2026

WM 2026: FIFA setzt neue Verhaltensregeln durch - das sagt Collina

Die FIFA bringt zwei IFAB-Verhaltensregeln schon zur WM 2026 ins Spiel: Wer das Feld aus Protest verlaesst oder im Streit den Mund verdeckt, wird bestraft. Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina erklaert die Linie.

Von Die Redaktion 01. Juni 2026

Pierluigi Collina, Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission, beim FIFA-Kongress 2024 in Bangkok. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Zehn Tage vor dem Eroeffnungsspiel der Fussball-WM 2026 zieht die FIFA noch einmal an: Zwei vom International Football Association Board (IFAB) im Februar beschlossene Verhaltensregeln werden frueher angewendet als urspruenglich geplant. Bereits ab dem Anpfiff am 11. Juni in Mexiko-Stadt sollen Schiedsrichter sanktionieren, wenn Spieler aus Protest das Feld verlassen oder im Streit den Mund mit der Hand verdecken. Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina hat die Linie in einem Briefing den WM-Unparteiischen vermittelt.

Was die FIFA jetzt zusaetzlich beschlossen hat

Auf der Generalversammlung des IFAB am 28. Februar 2026 in Hensol Castle in Wales waren die Verhaltensregeln Teil eines groesseren Pakets. Die VAR-Erweiterung auf Eckball-Korrekturen und Gelb-Rote, die Fuenf-Sekunden-Vorgabe bei Einwurf und Abstoss, die Zehn-Sekunden-Frist fuer Auswechslungen und die neue Behandlungspause hatten wir in unserem Ueberblick zu den WM-Regelaenderungen 2026 detailliert aufgeschluesselt. Was dort noch nicht im Mittelpunkt stand, sind die zwei zusaetzlichen Verhaltensbeschluesse, die laut IFAB-Beschluss formal erst zum 1. Juli 2026 verbindlich werden.

Genau diesen Stichtag hat die FIFA fuer ihr eigenes Flaggschiff-Turnier vorgezogen. Der FIFA-Rat hat die fruehere Anwendung der beiden Punkte fuer die WM-2026-Endrunde freigegeben - moeglich war das, weil das IFAB die vorgezogene Einfuehrung fuer einzelne Wettbewerbe ausdruecklich erlaubt. Heisst: Ab dem Eroeffnungsspiel am 11. Juni gilt fuer die 104 Partien in den USA, Kanada und Mexiko die scharfe Linie.

Collina sagte zur Marschroute: “Wir haben uns entschlossen, weiter dafuer zu arbeiten, das Spiel sauberer zu gestalten, das Matchtempo hochzuhalten und jegliche Beeintraechtigungen des Spiels zu vermeiden.”

Wer das Spielfeld aus Protest verlaesst, kassiert

Der erste Punkt zielt auf eine Szene, die zuletzt mehrfach Schlagzeilen machte: Ein Spieler sieht sich ungerecht behandelt, gibt seiner Mannschaft per Geste zu verstehen, dass er nicht mehr mitmacht, und marschiert vom Platz. Das ist ab der WM 2026 eindeutig sanktionierbar. Schiedsrichter sollen den Vorgang als unsportliches Verhalten werten - je nach Kontext mit Verwarnung, Platzverweis oder einer Meldung an die FIFA-Disziplinarkommission fuer nachtraegliche Sperren.

Wichtig: Auch Teamoffizielle, die einen solchen Abgang anstossen oder zumindest gewaehren lassen, koennen disziplinarisch belangt werden. Das hat eine praktische Wirkung auf die Trainerbaenke der 48 Teams - in Stresssituationen muss klar sein, dass ein “Komm vom Platz” nicht als Coaching durchgeht.

Ausgenommen sind selbstverstaendlich Verletzungen, regulaere Auswechslungen, vom Schiedsrichter angeordnete Behandlungspausen ausserhalb des Feldes und der Gang in die Kabine nach Schlusspfiff oder regulaerer Roter Karte.

Verdeckter Mund - der Diskriminierungs-Hintergrund

Der zweite Punkt klingt klein, hat aber eine konkrete Vorgeschichte: Spieler, die in Konfrontationen mit Gegnern oder Schiedsrichtern die Hand vor den Mund halten, machen Lippenlese-Experten und TV-Beobachtern eine spaetere Pruefung schwer. In mehreren Diskriminierungsverfahren der letzten Jahre - quer durch Europa und Suedamerika - scheiterte die Belegfuehrung an exakt dieser Geste. Das IFAB stuft das Verdecken des Mundes deshalb selbst als erschwerendes Verhalten ein und macht es sanktionierbar, unabhaengig davon, was tatsaechlich gesagt wurde.

Die Linie ist streng, aber bewusst niedrigschwellig: Schiri und Vierter Offizieller sollen die Geste markieren und bei wiederholtem Auftreten Verwarnungen aussprechen koennen. Erkennt der VAR-Raum eine Hand-vor-Mund-Aktion in Verbindung mit einer auffaelligen Konfrontation, kann er den Hauptschiedsrichter informieren.

Das soll nicht jede emotionale Geste auf dem Platz kriminalisieren - geht es um normale taktische Anweisungen Richtung Mitspieler ist die Geste irrelevant. Entscheidend ist der Konflikt-Kontext.

Wie hart die Schiris durchgreifen sollen

Collina hat den 117 Spieloffiziellen aus 41 Verbaenden, die fuer die WM nominiert sind, klare Vorgaben mitgegeben. Aus Deutschland steht in diesem Aufgebot Felix Zwayer als einziger Hauptschiedsrichter, dazu Robert Kempter und Christian Dietz als Assistenten sowie Bastian Dankert als VAR (siehe unsere Uebersicht zu den deutschen Schiedsrichtern bei der WM 2026). Sechs Frauen pfeifen erstmals bei einer Maenner-WM.

Die Briefing-Linie laut FIFA: konsequent, aber mit Augenmass. Schiedsrichter sollen die neuen Verhaltensregeln als Werkzeuge gegen Eskalation einsetzen, nicht als Anlass fuer zusaetzliche Karten in Routinesituationen. Wiederholungstaeter sollen aber schnell merken, dass die FIFA es ernst meint - bei flagranten Faellen drohen ueber die spielrichterliche Reaktion hinaus Disziplinarverfahren nach der Partie.

Collina hat in den vergangenen Monaten betont, dass die WM 2026 die akribischste Schiedsrichter-Vorbereitung der FIFA-Geschichte erlebt: Seminare in Doha und in den USA, Fitness- und Ernaehrungs-Monitoring, taktische Auswertungen aus der Klub-WM 2025 als Grundlage. Die neuen Verhaltensregeln sind Teil dieses Pakets.

Was das fuer die 104 WM-Partien bedeutet

Drei Effekte sind in der Praxis zu erwarten:

  • Ruhigere Stresssituationen: Wer mit Protest-Abgang oder verdecktem Mund operiert, riskiert sofort Karten. Das verlagert Diskussionen auf den Schiedsrichter selbst statt auf die Showbuehne.
  • Bessere Nachverfolgbarkeit: Bei Diskriminierungsvorwuerfen hat die FIFA-Disziplinarkommission mehr Material, weil Spieler die Geste seltener nutzen.
  • Eine zusaetzliche Schiedsrichter-Belastung: Die Unparteiischen muessen neben dem Spiel auch Verhaltensmuster im Blick behalten - was Collina mit der genauen Vor-Briefing-Planung adressieren will.

Wie schnell die Regeln in der Praxis sichtbar werden, duerfte sich schon in den ersten Gruppenspielen zeigen - inklusive der DFB-Partien gegen Curaçao (14. Juni), Elfenbeinkueste (20. Juni) und Ecuador (25. Juni). Der vollstaendige Spielplan listet alle 104 Begegnungen mit MESZ-Anstoesssen.

Haeufige Fragen zu den FIFA-Verhaltensregeln bei der WM 2026

Welche Verhaltensregeln gelten zusaetzlich bei der WM 2026? Zwei vom IFAB im Februar 2026 beschlossene Punkte werden bei der WM scharf gestellt: Spieler duerfen das Spielfeld nicht aus Protest gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung verlassen, und sie duerfen waehrend Auseinandersetzungen mit dem Gegner nicht den Mund mit der Hand verdecken.

Ab wann gelten die neuen FIFA-Verhaltensregeln? Offiziell tritt die IFAB-Aenderung erst zum 1. Juli 2026 in Kraft. Die Regelhueter haben aber die fruehere Anwendung fuer einzelne Wettbewerbe ausdruecklich erlaubt. Der FIFA-Rat hat das fuer die WM 2026 genehmigt: Ab dem Eroeffnungsspiel am 11. Juni wird die Linie schon durchgesetzt.

Warum verbietet die FIFA das Verdecken des Mundes mit der Hand? Der Hintergrund sind nicht zurueckverfolgbare Beleidigungen, vor allem im Diskriminierungs-Kontext. Wer den Mund waehrend einer Konfrontation mit der Hand abschirmt, macht es Lippenlese-Experten und TV-Beobachtern unmoeglich, ein moegliches Foul oder eine rassistische Aeusserung zu belegen.

Was passiert, wenn ein Spieler aus Protest das Spielfeld verlaesst? Das ist ab der WM 2026 sanktionierbar. Schiedsrichter werten den einseitigen Abgang als unsportliches Verhalten. Auch Teamoffizielle, die einen solchen Abgang gutheissen oder anstossen, koennen disziplinarisch belangt werden.

Wer ueberwacht die neuen Verhaltensregeln bei der WM 2026? Auf dem Platz die Schiedsrichter mit Unterstuetzung der Assistenten und des VAR-Teams. Insgesamt sind 117 Spieloffizielle aus 41 Verbaenden im FIFA-Aufgebot, darunter erstmals sechs Frauen bei einer Maenner-WM. Aus Deutschland ist Felix Zwayer dabei.

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Die Redaktion

fussballweltmeisterschaft.online

Das Redaktionsteam von fussballweltmeisterschaft.online berichtet rund um die Fußball-Weltmeisterschaft - von der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko über die DFB-Auswahl bis zur WM-Geschichte und den Nationalmannschaften der Welt.

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