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WM 2026

FFF-Exekutivkomitee stellt sich gegen Infantino: Frankreich bestaetigt Diallos harte Linie

Das FFF-Exekutivkomitee bestaetigt Diallos Linie gegen die Infantino-Wiederwahl. Rund zehn Verbaende opponieren, Montagliani gilt als Gegenkandidat.

Von Marco Feldmann 11. September 2026

FFF-Praesident Philippe Diallo am 10. Juni 2026 in Boston beim Empfang der franzoesischen Nationalmannschaft durch Buergermeisterin Michelle Wu vor der WM 2026. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Der franzoesische Fussballverband FFF hat sich am Donnerstag formell gegen die Wiederwahl von FIFA-Praesident Gianni Infantino gestellt. Das Exekutivkomitee der FFF bestaetigte auf seiner Sitzung am 10. September 2026 die Linie von Verbandspraesident Philippe Diallo, wie der Sportschau-Bericht am spaeten Nachmittag meldete. Damit reiht sich die viertgroesste UEFA-Nation nach den fuenf Nordischen Verbaenden vom 24. August und dem KNVB-Reformbrief vom 31. August in die wachsende europaeische Front gegen eine dritte Amtszeit Infantinos ein.

Der Beschluss vom 10. September - was das Exekutivkomitee formalisiert

Der Schritt hebt die bisherige Position der FFF auf eine neue prozedurale Ebene. Diallo hatte bereits im Sommer 2026 oeffentlich Kritik an einzelnen FIFA-Entscheidungen geuebt und sich insbesondere gegen den Infantino-Vorstoss zu einem WM-Investorendeal gewehrt. Der Beschluss des Exekutivkomitees ueberfuehrt diese persoenliche Kritik in eine formell abgestimmte Verbandsposition. Praktisch bedeutet das: sollte die FFF im November 2026 einen Gegenkandidaten zu Infantino formal unterstuetzen, ist die verbandsinterne Legitimation dafuer bereits gelegt.

Der Zeitpunkt ist bewusst gewaehlt. Die FFF-Sitzung findet exakt eine Woche vor dem naechsten grossen Fixtermin des europaeischen Fussballs statt und etwa zehn Wochen vor dem entscheidenden 18. November 2026, an dem die Nominierungsfrist fuer die FIFA-Praesidentschaftswahl endet.

Die drei Kritikpunkte - WM-Investorendeal, Preisgeld-Asymmetrie, Alleingaenge

Der Sportschau-Bericht nennt drei konkrete Kritikpunkte, die das Exekutivkomitee der FFF in seiner Beratung angefuehrt hat.

Erstens der geplante WM-Investorendeal, den Infantino im Sommer 2026 vorbereitet und nach heftiger Kritik aus mehreren Kontinentalverbaenden zurueckgezogen hatte. Diallo hatte sich als einer der prominentesten UEFA-Vertreter gegen dieses Vorhaben gestellt, das eine Beteiligung Trump-naher Investoren an der kommerziellen Vermarktung der FIFA vorgesehen hatte.

Zweitens die Preisgeld-Asymmetrie zwischen den beiden neuen FIFA-Grossveranstaltungen. Waehrend die Klub-WM 2025 mit Ausschuettungen fuer einzelne Klubs im dreistelligen Millionenbereich gestartet ist, halten sich die Preisgelder fuer die Nationalmannschaften der WM 2026 aus Sicht der FFF nicht im Verhaeltnis zu den kommerziellen Rekord-Einnahmen des Turniers. Die Preisgeld-Frage trifft die Nationalverbaende direkt: der Anteil, der den Mitgliedsverbaenden zufliesst, finanziert deren Basis- und Jugendarbeit mit.

Drittens die Alleingaenge Infantinos in strategischen Entscheidungen. Die FFF verweist auf die Praxis der letzten Jahre, in der wesentliche Weichenstellungen ohne belastbare Konsultation der Kontinentalverbaende und Mitgliedsverbaende getroffen wurden. Diese Kritik deckt sich strukturell mit dem Kern der KNVB-Reformforderung vom 31. August, die eine bessere Gewaltenteilung an die Spitze ihres Drei-Punkte-Katalogs gestellt hatte.

Rund zehn Nationen gegen Infantino - Italien, England und die UEFA-Front

Der Sportschau-Bericht beziffert die Zahl der Nationen, die Infantino inzwischen oeffentlich die Unterstuetzung entzogen haben, auf rund zehn europaeische Verbaende. Namentlich genannt werden neben Frankreich Italien und England. Dazu treten die fuenf Nordischen Verbaende Schweden, Norwegen, Daenemark, Finnland und Island mit ihrer gemeinsamen Erklaerung vom 24. August 2026, der KNVB mit seinem Amsterdam-Angebot vom 31. August und der belgische RBFA mit dem Van-Damme-Council-Antrag vom 7. September, der den Balogun-Fall auf die FIFA-Council-Agenda vom 15. Oktober 2026 setzt.

Die Groessenordnung ist bemerkenswert. Zehn Nation-Level-Verbaende gegen einen amtierenden FIFA-Praesidenten sind ein historisch seltener Wert. UEFA-Praesident Aleksander Ceferin hatte im Podcast-Interview vom 24. August ausgeschlossen, selbst zu kandidieren, und arbeitet stattdessen an der Nominierung eines europaeisch getragenen Herausforderers.

Victor Montagliani als wahrscheinlichster Gegenkandidat

Als wahrscheinlichster Herausforderer wird nach dem Sportschau-Bericht der Kanadier Victor Montagliani gehandelt. Der 60-Jaehrige ist seit 2016 Praesident der CONCACAF, des Kontinentalverbandes fuer Nord- und Zentralamerika, und amtierender Vizepraesident der FIFA. Montagliani hatte am 27. Juli 2026 den CONCACAF-Beschluss gegen den FIFA-Investorenplan initiiert und im August mit einem Brief an Infantino zur U14-Punta-Cana-Frage weiter Distanz markiert.

Als Nordamerikaner sitzt Montagliani formal ausserhalb der UEFA-Struktur. Das macht ihn als Konsens-Kandidaten fuer die europaeische Anti-Infantino-Koalition attraktiv: eine Kandidatur waere nicht als reines UEFA-Manoever lesbar, koennte aber die volle europaeische Unterstuetzung buendeln. Eine formelle Kandidatur-Erklaerung liegt zum Stand des FFF-Beschlusses noch nicht vor.

Zeitplan bis Rabat - 18. November Nominierungsfrist, 18. Maerz 2027 Wahl

Der entscheidende Zwischentermin ist der 18. November 2026. An diesem Tag endet die Nominierungsfrist fuer die FIFA-Praesidentschaftswahl. Eine gueltige Kandidatur erfordert die formelle Unterstuetzung von mindestens fuenf Mitgliedsverbaenden. Zum Stand des FFF-Beschlusses hat einzig Amtsinhaber Infantino seine Wiederwahl-Kandidatur bekundet.

Die Anti-Infantino-Koalition hat damit noch rund zehn Wochen Zeit fuer drei Schritte: einen Gegenkandidaten formell benennen, die fuenf Unterstuetzer-Verbaende sichern und die Reform-Agenda inhaltlich an die Kandidatur binden. Der Amsterdam-Zukunftsgipfel-Vorschlag des KNVB waere das inhaltliche Fundament, der FFF-Exekutivkomitee-Beschluss ein weiterer Baustein der politischen Unterstuetzer-Basis. Die UEFA-Strafanzeige vom 27. August 2026 in Monaco und die FairSquare-Zweitbeschwerde bei der FIFA-Ethikkommission vom 8. September laufen parallel und erhoehen den Druck auf Infantino ausserhalb der Wahlkampf-Logik.

Was der FFF-Beschluss fuer die 5-Verbaende-Support-Regel bedeutet

Rein rechnerisch sind die Voraussetzungen fuer eine Gegenkandidatur damit erfuellbar geworden. Frankreich, die Niederlande, Belgien und die fuenf Nordischen Verbaende summieren sich bereits auf acht formell positionierte Nationen. Selbst wenn nur ein Teil davon die notwendige Unterstuetzer-Erklaerung fuer einen Gegenkandidaten unterschreibt, waere die Fuenf-Verbaende-Huerde ueberschritten. Der DFB, der ueber Watzkes DLF-Interview vom 2. September einen freiwilligen Rueckzug Infantinos gefordert hatte, hat noch keine formelle Verbandsposition gefasst, koennte aber bei einer konkreten Kandidatur Montaglianis den entscheidenden zusaetzlichen europaeischen Grossverband stellen. Fuer die naechsten Wochen ist damit die Frage nicht mehr, ob eine Gegenkandidatur zustande kommt, sondern wann sie formell erklaert wird und mit welchem Reform-Programm sie antritt.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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