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Freiburg 4:1 gegen Motherwell: Einzug in die Conference-League-Ligaphase

SC Freiburg schlägt Motherwell 4:1 und zieht in die Conference-League-Ligaphase ein. Scherhant mit drei Scorerpunkten, Irié trifft, Auslosung am Freitag.

Von Lukas Brandt 28. August 2026

Julian Schuster und Derry Scherhant vor einem europäischen Spiel des SC Freiburg im März 2026. Im Conference-League-Playoff-Rückspiel gegen Motherwell am 27. August 2026 setzt Scherhant mit drei Scorerpunkten den Startton beim 4:1-Heimsieg, Schuster attestiert Cyriaque Irié 'deutliche Schritte'. Foto: ImageBROKER. Foto: ImageBROKER via SmartFrame

Der Rückspiel-Donnerstagabend im Europa-Park-Stadion bringt aus Freiburger Sicht das erwartete Ergebnis mit einem unerwarteten Hauptdarsteller: Der SC Freiburg qualifiziert sich mit einem 4:1-Heimsieg gegen den FC Motherwell für die Ligaphase der UEFA Conference League 2026/27. Aggregat 7:2 nach dem 3:1-Auswärtssieg im Hinspiel eine Woche zuvor. Doch anders als beim Hinspiel, in dem Matthias Ginters Karriere-erster Doppelpack die Erzähl-Achse bildete, kommen aus dem Rückspiel drei neue Namen zurück: Flügelspieler Derry Scherhant mit einem Tor und zwei Assists (drei Scorerpunkte), Neuzugang Cyriaque Irié mit einem Latten-und-Tor-Doppel und dem Schuster-Prädikat “brutale Waffe”, und Mittelstürmer Igor Matanović mit dem 2:1 nach Standard-Ecke. Der Weg in die dritte europäische Ligaphase in Folge ist damit über einen Personal-Fächer geebnet, den Freiburgs Trainer Julian Schuster mit dem Bundesliga-Auftakt gegen Werder Bremen am Samstag direkt in den Liga-Betrieb übertragen kann.

Der Spielverlauf - Scherhant-Frühstart, Backhaus-Eigentor, Girdwood-Reich-Rot

Der Freiburger Frühstart war das erwartete Antibiotikum gegen die Motherwell-Aggregat-Rechnung, mit der die Schotten hätten wach werden können. In der 6. Minute verwertete Scherhant im rechten Halbraum eine Kombination über Matanović und Nishine zum 1:0 - ein Ballkontakt, ein flacher Abschluss ins linke Eck, keine Motherwell-Reaktion. Für die Gäste bedeutete das: sie mussten aus einem 1:4-Aggregat kommen, gegen einen selbstsicheren Bundesliga-Klub, auf fremdem Rasen, vor 31.000 Zuschauern.

Das Motherwell-Antwort-Tor kam in der 22. Minute und in der bittersten möglichen Form für Freiburg. Der junge Motherwell-Verteidiger Emmanuel Longelo zog aus der zweiten Reihe volley ab, Freiburgs Torhüter Mio Backhaus griff daneben und lenkte den Ball hinter die eigene Linie - 1:1 als Eigentor durch den Freiburger Torhüter, formal aber als Longelo-Treffer für die schottische Statistik-Zeile. Ein Distanzschuss, der einzige echte Torschuss der Gäste über die 90 Minuten hinweg - Schuster wies das nach der Partie im Sportschau-Interview explizit aus.

Nach der Pause dann der zweite Schlüsselmoment: In der 57. Minute ging Motherwells zentraler Mittelfeldspieler Jake Girdwood-Reich in eine Notbremse gegen einen freispielenden Freiburger Konter, die Ampelkarte war unstrittig, ab diesem Moment spielte Freiburg gegen eine Zehner-Elf. Der Freiburger Konter-Betrieb wechselte in den Standard-Betrieb: In der 60. Minute setzte Matanović eine Scherhant-Ecke von links zum 2:1 in den kurzen Winkel, in der 63. Minute vollendete Neuzugang Irié eine praktisch identische Ecken-Kombination zum 3:1 - beide Male von Scherhants linkem Fuß gedreht, beide Male ohne echten Motherwell-Zweikampf im Fünfmeter-Raum. In der 85. Minute setzte Sommer-Neuzugang Keisuke Goto aus dem Halbraum den 4:1-Schlusspunkt.

Vier Tore, drei davon in einem 25-Minuten-Fenster nach der Roten Karte - die Freiburger Sieg-Effizienz war fast pflichtschuldig, aber die Personal-Auslese für den Bundesliga-Start ist es nicht.

Sahnetag Scherhant - drei Scorerpunkte und die Grifo-Standard-Frage

Für Derry Scherhant war der Rückspiel-Donnerstag der beste Wettkampfabend seiner jungen Freiburger Zeit. Der 22-jährige Berliner, im Sommer 2024 aus der Union-Berlin-Reserve nach Freiburg gewechselt, hatte bislang eine wechselvolle Spielzeit-Ausbeute gezeigt - vereinzelte Startelf-Einsätze, viele Joker-Minuten, wenige Scorerpunkte. In diesem einen Spiel gegen Motherwell sammelte er drei: das 1:0-Führungstor plus die beiden Assists zu den Ecken-Toren durch Matanović und Irié.

Sein eigenes Zitat im kicker-Video nach der Partie: “War einfach im Flow. Wenn man mal so einen Sahnetag hat, will man das mitnehmen, will das auch nächste Woche gegen Bremen so anpacken.” Die Konsequenz für die Freiburger Standard-Ausführung ist die vielleicht relevanteste Nebenlinie des Abends: Bislang war Vincenzo Grifo der unangefochtene Standardspezialist der Sport-Club-Elf, in vier Bundesliga-Spielzeiten mit teils dreistelligen Ecken- und Freistoß-Anzahl. Nach zwei direkten Assist-Ecken durch Scherhant an einem Abend, in dem Grifo erst in der 67. Minute eingewechselt wurde und selbst noch die Latte traf, ist die interne Standard-Hierarchie zumindest wieder Diskussions-Thema. Der kicker fasste die Frage im Video-Titel “Wackelt Grifos Status als Standardspezialist?” direkt zusammen.

Für Schuster bedeutet die Scherhant-Show einen willkommenen Startelf-Fächer für den Bundesliga-Auftakt: Der Berliner Flügelspieler war vor dem Wettkampf-Abend noch keine gesetzte Größe. Nach dem Wettkampf-Abend ist er es.

Cyriaque Irié - “eine brutale Waffe” nach Schuster-Prädikat

Der zweite Freiburger Rückspiel-Aufsteiger war Cyriaque Irié, der 23-jährige ivorische Neuzugang, den der Sport-Club im Sommer 2026 aus der französischen Ligue 1 verpflichtet hatte. In der 4. Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit setzte er einen Schuss aus 16 Metern an die Latte, in der 63. Minute traf er nach Scherhant-Ecke zum 3:1. Sein Bewegungs-Radius zwischen linker Halbposition und zentraler Zehnerrolle war der beweglichste im Freiburger Team - Motherwells Verteidigung fand keinen Zugriff.

Julian Schuster im kicker-Interview nach dem Spiel: “Cyriaque hat in den zwei Wochen deutliche Schritte gemacht. Er ist eine brutale Waffe im letzten Drittel, wir müssen ihm nur helfen, den finalen Rhythmus zu finden.” Das Prädikat “brutale Waffe” ist im Freiburger Trainer-Vokabular nicht das Standard-Instrument - Schuster ist üblicherweise deutlich zurückhaltender in seinen Personal-Bewertungen. Die Aussage ist damit ein Startelf-Signal für den Bundesliga-Auftakt am Samstag gegen Werder Bremen.

Iriés WM-2026-Vergangenheit war der Elfenbeinküste-Wahi-Achse-Kontext: Auch er hatte im Frühjahr 2026 im ivorischen A-Kader gestanden, war in der WM-Vorbereitung nominell ins USA-Kanada-Mexiko-Reise-Team eingeplant, hatte aber wegen einer Wadenverletzung nicht angetreten. Der Freiburger Sommer-Transfer war die direkte Post-WM-Neuorientierung des Angreifers - der Rückspiel-Auftritt gegen Motherwell ist die erste Wettkampf-Signalgebung im neuen Klub-Kontext.

Freiburgs dritte Ligaphase in Folge - Auslosung Freitag, Werder-Auftakt Samstag

Für den SC Freiburg als Klub ist die Conference-League-Ligaphase-Qualifikation die dritte europäische Ligaphase-Teilnahme in Folge. In der Saison 2024/25 war der Sport-Club in der Europa League bis ins Achtelfinale gekommen, in der Saison 2025/26 mit dem Halbfinaleinzug gegen Aston Villa sogar in die europäische Halbfinal-Debatte hineingerückt - eine der bemerkenswertesten Freiburger Vor-Sommer-Formkurven, die auch Matthias Ginters WM-2026-Vor-Auslese-Kader-Diskussion mitgeprägt hatte.

Zwei Termine strukturieren jetzt die Freiburger Wochen-Perspektive. Am Freitag, 28. August 2026, ab 13:00 Uhr wird in Monaco die Ligaphase-Auslosung der UEFA Conference League 2026/27 gezogen - Freiburg ist als einziger Bundesliga-Vertreter dabei. Die Lostöpfe sind noch nicht final publiziert, im Kreis der möglichen Erst-Gegner werden aus deutscher Sicht Brighton, Legia Warschau, KAA Gent und Slovan Bratislava genannt. Sechs Gegner in acht Spielterminen zwischen Oktober 2026 und Dezember 2026, alle in der neuen 36er-Ligaphase-Formatik ohne klassische Vierer-Gruppen.

Am Samstag, 29. August 2026, um 15:30 Uhr startet der Sport-Club im Europa-Park-Stadion mit dem Heimspiel gegen Werder Bremen in die Bundesliga-Saison 2026/27. Die Personal-Frage aus dem Motherwell-Rückspiel ist damit sofort operativ: Scherhant von Startelf-Kandidat zu Startelf-Anker? Irié von Rotations-Zugang zu Zehner-Alternative gegen Grifo? Matanović mit dem zweiten Standard-Tor als Fixpunkt der Sturm-Ordnung?

Für den Freiburger Post-WM-Kaderaufbau mit japanischem Neuzugang Wataru Suzuki und dem parallelen Rekord-Verkauf von Johan Manzambi zu Aston Villa hat der Rückspiel-Abend gegen Motherwell die passende Nebenlinie geliefert: Nicht die Sommer-Neuzugänge und nicht die Sommer-Abgänge dominieren die Startelf-Debatte, sondern die zwei jungen Angreifer, die schon vor dem Sommer im Kader standen und in einem Europa-Wettkampfabend die eigene Rolle nach vorne verschoben haben.

Matthias Ginter, der Hinspiel-Held mit dem Karriere-Doppelpack in Motherwell, spielte im Rückspiel über die vollen 90 Minuten in der Innenverteidigung ohne besondere Szene - solide, unspektakulär, ohne offensive Wiederholung. Sein Post-WM-Kader-Verhältnis zu Bundestrainer Jürgen Klopp wird dadurch nicht neu verhandelt. Aber die Freiburger Sport-Club-Elf, für die er den europäischen Auftakt geliefert hatte, hat mit dem Rückspiel-Sieg die Wettkampf-Bühne freigemacht für die Namen, die die neue Saison prägen sollen. Am Samstag gegen Werder Bremen wird sich zeigen, welche davon Schuster tatsächlich in die Bundesliga-Startelf schreibt.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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