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WM 2026

Yuito Suzukis WM-Fazit in Schruns: elf Minuten in Monterrey und die stille Wut auf der Tribüne

Yuito Suzuki blickt im SC-Freiburg-Trainingslager in Schruns zurück: elf Minuten gegen Tunesien, sonst Tribüne. Der Japaner sagt, in dem Moment sei er sauer gewesen.

Von Marco Feldmann 26. Juli 2026

Yuito Suzuki feiert seinen Führungstreffer für den SC Freiburg im Europa-League-Gruppenspiel gegen den FC Utrecht in der Saison 2025/26 (Foto: ImageBROKER). Foto: ImageBROKER via SmartFrame

Ein Trainingsplatz im Vorarlberger Schruns, viereinhalb Wochen nach dem WM-Aus, und ein 24-jähriger Japaner, der sich das Turnier von einem Platz anschauen musste, den er selbst nicht mögen wollte. Yuito Suzuki, Angreifer des SC Freiburg und Teil des 26er-Aufgebots von Japan bei der WM 2026, zieht im Freiburger Sommer-Trainingslager im Montafon eine bittersüße Bilanz. Elf Minuten hatte er beim 4:0 gegen Tunesien in Monterrey. Sonst: kein Einsatz. Drei Spiele Tribüne oder Bank, ein Turnier, das an ihm vorbeigezogen ist. Sein kicker-Zitat vom Sonntagmorgen fasst das kurz zusammen: “In dem Moment war ich sauer.”

Elf Minuten in Monterrey: Suzukis WM-Debüt aus dem Off

Der einzige WM-Einsatz kam am 21. Juni 2026 im Estadio BBVA in Guadalupe bei Monterrey. Japan führte gegen ein von Hervé Renards Kurz-Übernahme angezähltes Tunesien souverän mit 4:0, die Kaderplätze für die Achtelfinal-Reise waren praktisch verteilt, und Bundestrainer Hajime Moriyasu wechselte in der Schlussphase durch. Für Suzuki war es die kurze Fenster-Öffnung, die er sich seit seinem Schlüsselbein-Bruch im April erhofft hatte - elf Minuten, kein Torschuss, zwei Ballkontakte in der offensiven Halbräume, kein Kick zurück ins Off. Es war sein Länderspiel-Nummer sieben (er hatte am 6. Juni 2024 gegen Myanmar in der WM-Qualifikation debütiert), sein erster WM-Auftritt und - Stand heute - der einzige.

Dass er den Kader überhaupt geschafft hat, war der eigentliche Sieg. Nach dem Schlüsselbein-Bruch im April 2026 fiel er den kompletten Freiburger Saisonendspurt aus, verpasste auch den DFB-Pokal-Halbfinal-Kracher am Ölberg-Platz - und stand trotzdem am 15. Mai auf Moriyasus Nominierungs-Liste, als der Bundestrainer die 26 Namen für Nordamerika bekanntgab.

Der Turnierverlauf aus Suzukis Sicht: Niederlande, Schweden, Brasilien

Beim WM-Auftakt gegen die Niederlande am 14. Juni 2026 im AT&T Stadium in Arlington saß Suzuki auf der Bank, kam nicht ins Spiel. Japan holte durch Daichi Kamadas Kopfball in der 95. Minute ein 2:2. Beim 4:0 gegen Tunesien folgten dann seine elf Minuten. Und beim Gruppen-Abschluss gegen Schweden am 26. Juni in Dallas rotierte Moriyasu zwar, aber am Ende schaffte es Suzuki wieder nicht ins Spiel.

Der bitterste Nachmittag folgte am 29. Juni: Im Sechzehntelfinale gegen Brasilien im NRG Stadium in Houston führte Japan durch Kaishu Sano von 1899 Mainz mit 1:0, ehe Casemiro in der 56. und Gabriel Martinelli in der 90. + 5 Minute das Ergebnis drehten. Suzuki verfolgte das Aus vom Ersatzbank-Bereich unter dem geschlossenen Hallendach - das späte Gegentor, sagte er später, tue “besonders weh, weil Japan zum Greifen nahe am Achtelfinale war”.

Was Suzuki jetzt sagt: Frust, Distanz, Antrieb für Freiburg 2026/27

Vier Wochen später, im Schruns-Trainingscamp, ist das Sauer-Sein noch nicht ganz weg - aber es ist umgedeutet. Suzuki beschreibt sein Turnier als “außergewöhnliche Erfahrung”, die trotz der geringen Spielzeit einen Rest an Kraft übrig lässt für das Bundesliga-Jahr 2026/27. Was ihm besonders im Kopf blieb: das Kabinen-Klima in der Samurai-Blue-Delegation, die dichte Gruppe der sieben Bundesliga-Japaner im Kader, die Gespräche mit Ritsu Doan (Eintracht Frankfurt), Hiroki Ito (FC Bayern) und Kaishu Sano (Mainz) über den Alltag im deutschen Fußball.

Dass Kapitän Wataru Endo drei Tage vor dem WM-Auftakt die Nationalmannschafts-Karriere komplett beendete und Gladbach-Neuzugang Shuto Machino nachrückte, hat den Generations-Umbruch im Team beschleunigt. Suzuki sieht sich in dieser neuen Nach-Endo-Struktur mittelfristig mehr in der Verantwortung - vorausgesetzt, er liefert in der Freiburger Bundesliga-Saison die Ergebnisse, die er sich vorgenommen hat.

Schlüsselbein-Bruch und der lange Weg in den Kader

Die Fraktur des Schlüsselbeins Ende April 2026 war für Freiburgs Trainer Julian Schuster ein zweifacher Verlust: der Angreifer fehlte in der Auslauf-Phase der Bundesliga-Saison, in der die Breisgauer die europäische Qualifikation für die Saison 2026/27 klarmachen wollten - und der Japaner drohte die WM-Nominierung zu verpassen. Suzuki drückte die Reha durch, verzichtete auf jede Belastung außerhalb des Reha-Programms und erreichte gerade rechtzeitig vor Moriyasus Nominierungs-Frist am 15. Mai die freigegebene Trainingsbelastung. Bei den beiden Vorbereitungs-Länderspielen des japanischen Teams in Japan Anfang Juni kam er zwar nicht zum Einsatz, aber fit war er.

Diese Reha-Odyssee ist der zweite Grund, warum das Suzuki-Zitat “In dem Moment war ich sauer” doppelt sitzt: Nach Monaten in der Verletztenkabine hatte er sich mehr erhofft als elf Minuten in einer schon entschiedenen Partie gegen Tunesien.

Was der SC Freiburg vom Zweitjahr erwartet

Für Freiburg-Coach Julian Schuster ist Suzuki im Bundesliga-Jahr 2026/27 einer der Schlüsselspieler in der Offensiv-Rotation. In seinem ersten Bundesliga-Jahr kam der Japaner auf 25 Pflichtspiel-Einsätze und vier Tore, dazu Assists in der Europa League - der Freistoß-Getreue vom Ölberg-Platz war einer der Freiburger Impuls-Geber, wenn die Standard-Situationen halfen. Sein 1:0-Führungstor gegen den FC Utrecht in der Europa-League-Gruppenphase (Freiburger Sieg im 3. Spieltag) zählte zu den Feierlichsten Momenten seines Debütjahres - der Jubel-Moment auf dem SmartFrame-Foto oben stammt aus dieser Nacht.

Vom Zweitjahr erwartet der Verein: verlässlichere Torbilanz in der Bundesliga, mehr Präsenz zwischen den Linien, mehr Aggressivität im Pressing-Trigger. Die WM-Erfahrung - selbst mit nur elf Spielminuten - gilt intern als Karriere-Beschleuniger. Suzuki war Japans einziger Freiburger im WM-Kader und trägt jetzt einen Turnier-Stempel, den die meisten Bundesliga-Konkurrenten in seiner Position nicht haben.

Der Weg vom J-League-Profi zum WM-Kader-Mitglied

Suzukis Karriere-Bogen ist typisch für die Generation der jungen Japan-Exporte nach 2020: Shimizu S-Pulse in der J1 League als Ausbildungsverein (86 Einsätze, sechs Tore zwischen 2020 und 2023), eine sechsmonatige Leihe zu RC Strasbourg in die Ligue 1 (drei Einsätze, ein Tor), der endgültige Sprung nach Europa zu Brøndby IF in Kopenhagen (58 Einsätze, 21 Tore zwischen 2023 und 2025), die Wahl in die dänische Superliga-Fan-Elf der Saison 2023/24 nach einem Hattrick beim 4:1 gegen Silkeborg am 17. März 2024 - und schließlich der Wechsel zum SC Freiburg am 1. Juli 2025 als einer der neuen Bundesliga-Japaner der Post-Endo-Ära.

Bei der Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko war er einer von sieben Bundesliga-Profis im japanischen 26er-Aufgebot. Die anderen: Hiroki Ito (FC Bayern), Ritsu Doan (Eintracht Frankfurt), Kaishu Sano (1899 Mainz 05, Torschütze gegen Brasilien), Yukinari Sugawara (Werder Bremen), Kento Shiogai (VfL Wolfsburg) und der Nachnominierte Shuto Machino (Borussia Mönchengladbach). Von diesen sieben stand Suzuki gemessen an der Einsatzzeit an letzter Stelle - eine Bilanz, die er in einer möglichen WM 2030 in Marokko, Portugal und Spanien gerne umdrehen würde. Bis dahin: erst einmal Bundesliga.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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