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DFB-Team

Ginter-Doppelpack in Motherwell: Freiburg gewinnt Conference-League-Hinspiel 3:1

Matthias Ginter trifft in Motherwell erstmals doppelt in seiner Profi-Karriere - per Kopf und per Elfmeter. Freiburg gewinnt das CL-Playoff-Hinspiel 3:1.

Von Lukas Brandt 21. August 2026

Matthias Ginter im Freiburger Trikot - hier im Bundesliga-Kontext der Vor-Saison. Beim Conference-League-Playoff-Hinspiel in Motherwell am 20. August 2026 erzielt der 32-jaehrige Innenverteidiger sein erstes Doppelpack als Profi. Foto: ImageBROKER. Foto: ImageBROKER via SmartFrame

Der Freitagmorgen-Rundgang ueber die europaeischen Playoff-Ergebnisse bringt aus Freiburger Sicht die Bestaetigung eines seit Wochen erwarteten Trends: Der SC Freiburg gewinnt das Conference-League-Playoff-Hinspiel beim schottischen FC Motherwell mit 3:1 und legt den Grundstein fuer die dritte europaeische Ligaphase in Folge. Der doppelte Torschuetze ist ausgerechnet der Kapitaen-Stellvertreter und ehemalige DFB-Innenverteidiger Matthias Ginter, der in seinem 425. Profi-Pflichtspiel erstmals in seiner Karriere zwei Treffer in einer Partie erzielt - per Kopf (28. Minute) und per Foulelfmeter (65. Minute). Neuzugang Keisuke Goto setzt in der Nachspielzeit mit dem 3:1 den Schlusspunkt einer Partie, die von einer fuenfminuetigen VAR-Check-Farce zum ersten Ginter-Treffer und einer Roten Karte gegen Motherwells Martin Moorman kurz vor dem Elfmeter zum 2:1 gepraegt war.

Der Spielverlauf - Charles-Cook-Schock, Ginter-Doppelpack, Goto-Nachspielzeit

Der Fir Park in Motherwell (ca. 45 Kilometer suedlich von Glasgow) war fuer den Donnerstagabend die Buehne des schottischen Fussball-Wochenauftakts. Der Traditionsklub aus der ostschottischen Kleinstadt hatte sich ueber die 3. Runde der Qualifikation gegen den albanischen Klub KF Egnatia in die Playoff-Runde gespielt und empfing mit dem SC Freiburg einen der ranghoechsten Bundesliga-Vertreter der Conference-League-Playoff-Runde.

Der Start war ein Schock. Regan Charles-Cook, aus Newcastle-Youth-Kader stammender Motherwell-Fluegelspieler, brachte die Gastgeber bereits in der 2. Minute mit 1:0 in Fuehrung - nach einem Fehler in der Freiburger Anspiel-Formation direkt aus dem Anstoss-Aufbau. Fuer Freiburgs Trainer Julian Schuster und seine Mannschaft der schlechteste vorstellbare Auftakt in die europaeische Saison.

Doch die Reaktion kam. In der 28. Minute koepfte Ginter nach einer Ecke von der linken Seite unbedraengt zum 1:1 ein - und dann folgte die erste der beiden VAR-Farcen dieses Abends: Der Video-Assistent unterbrach die Partie fuer eine knapp fuenfminuetige Pruefung wegen eines vermeintlich regelwidrigen Einsatzes des Freiburgers vor dem Kopfball. Das Tor blieb am Ende gueltig, die Zwischenzeit im Fir Park war laut Match-Report unangenehm langgestreckt.

Nach der Pause dominierte Freiburg klar. In der 65. Minute ging Motherwells Innenverteidiger Martin Moorman in einen unglueckstehenden Zweikampf, sah zunaechst Gelb - der VAR schickte den Schiedsrichter an den Monitor, das Gelb wurde zu Rot hochgestuft, den faelligen Foulelfmeter verwandelte Ginter souveraen ins linke untere Torwart-Eck zum 2:1. Ab diesem Moment kontrollierten die Freiburger die Partie ohne echten Motherwell-Konter.

Der Schlusspunkt in der 90.+5 Minute gehoerte Freiburgs japanischem Sommer-Neuzugang Keisuke Goto, der nach einer Ballmitnahme aus dem Halbraum aus 14 Metern ins linke Eck abschloss. 3:1 in Motherwell - eine Ausgangslage, in der die Freiburger vor dem Rueckspiel am 26. August im Europa-Park-Stadion praktisch schon einen Fuss in der Conference-League-Ligaphase haben.

Karriere-erster Doppelpack - Ginters Zitat zum “ewigen” VAR-Check

Fuer den 32-jaehrigen Ginter war es das statistisch merkwuerdigste Spiel seiner ueber zwoelfjaehrigen Profi-Karriere. In seinen 425 Pflichtspielen fuer den SC Freiburg (2012-2014 und seit 2022), Borussia Dortmund (2014-2017), Borussia Moenchengladbach (2017-2022) und die DFB-Auswahl (51 Laenderspiele) hatte der Innenverteidiger nie mehr als ein Tor in einer einzelnen Partie erzielt. Nach dem Spiel liess er die kicker-Kamera durchblicken, was er von der fuenfminuetigen VAR-Pruefung zu seinem Kopfball-Treffer hielt: “Gibt ja anscheinend eine schnelle Technik” - ein direkter Seitenhieb auf die aktuelle deutsche VAR-Debatte, die in der DFB-Pokal-1.-Runde ohne VAR-Einsatz an diesem Wochenende Fan-Proteste bekommt und im Umfeld der DFB-Regelschulung zum Tah-Tor gegen Paraguay bei der WM 2026 auch international neu aufgestellt wurde.

Fuer Ginters DFB-Formprofil sind das die relevantesten Wettkampf-Datenpunkte seit der Vor-WM-Formhoehe im Mai 2026, als er im Europa-League-Halbfinaleinzug gegen Aston Villa Freiburgs Defensive angefuehrt hatte. Die drei Kadermonate Juni bis August liegen nun hinter ihm - der Doppelpack in Schottland stellt die Formfrage wieder neu.

Die Streichung, die eine Karriere-Note bleibt - Ginters DFB-Rolle unter Klopp

Der Kontext, der diese Meldung fuer die DFB-Beobachter interessant macht, ist die Nagelsmann-26er-Kader-Nominierung Anfang Juni 2026 fuer die WM 2026 in Nordamerika. Ginter war damals eine der drei prominenten Streichungen (neben BVB-Fluegelspieler Karim Adeyemi und dem inzwischen beim FC Koeln verlaengerten Said El Mala) - Nagelsmann hatte sich beim Personal-Fenster der Innenverteidigung fuer die Kombination Tah/Ruediger/Schlotterbeck/Bisseck/Anton entschieden, Ginter als sechste Option bewusst zuhause gelassen. Der WM-Titel 2014 (Ginter war damals als 20-Jaehriger der juengste Spieler des Kaders) und die 51 Laenderspiele reichten nicht fuer den Zwoelfer-Kader-Cut.

Zwei Monate nach dem Kader-Cut, zwei Monate nach dem Elfmeter-Aus gegen Paraguay im WM-Achtelfinale, ist die DFB-Innenverteidigung eine deutlich andere Groesse. Antonio Ruediger hatte nach dem Turnier keinen aktiven Ruecktritt erklaert, wird aber im Vorlauf zur EM 2028 als eher unwahrscheinlicher Weiter-Kandidat gehandelt. Jonathan Tah ist mit dem beim DFB angezeigten Regel-Grundsatzverfahren wegen des Paraguay-Tors durch. Nico Schlotterbeck hat nach seiner Vor-WM-Verletzungspause nur eine begrenzte Turnier-Belastungs-Bilanz.

Fuer Bundestrainer Juergen Klopp, der nach dem Nagelsmann-Ruecktritt am 3. Juli in einer sechstaegigen Verhandlungs-Sequenz zum DFB gekommen war, ist die Positionsbesetzung im Zentrum der Abwehr die vielleicht offenste Baustelle des Neuaufbaus in Richtung Nations-League-Auftakt am 24. September in Amsterdam. Ginter, in 51 Laenderspielen unter drei Bundestrainern (Loew, Flick, Nagelsmann) bewaehrt, mit WM-2014-Erfahrung, mit 32 Jahren nicht mehr Perspektiv-Alter aber Sofort-Verwendbarkeits-Alter - er waere die simpelste Kandidatur fuer einen Uebergangs-Kader, wenn Klopp sich fuer einen Mix aus Neu-Sicht und Erfahrungs-Anker entscheidet.

Der Motherwell-Doppelpack macht die Debatte nicht automatisch relevant. Er macht sie aber schwerer zu ignorieren.

Rueckspiel-Rechnung - 26. August im Europa-Park-Stadion

Das Rueckspiel findet am Dienstag, 26. August 2026, um 18:45 Uhr MESZ im Europa-Park-Stadion in Freiburg statt. Nach dem 3:1-Auswaertsgewinn ist die Rechnung fuer Freiburg deutlich zu Gunsten der Sport-Club-Elf: Schon ein Unentschieden reicht, eine Niederlage mit einem Tor Unterschied ebenfalls, sogar ein 0:1 wuerde durch die Auswaerts-Tor-Regel-Nachfolge (die UEFA hat seit 2021 die Auswaerts-Tor-Regel abgeschafft, entscheidend ist das reine Tor-Verhaeltnis) genuegen. Motherwell braeuchte mindestens einen 2:0-Sieg fuer die Verlaengerung oder einen 3:0-Sieg fuer den direkten Aufstieg.

Fuer Freiburg waere das die dritte europaeische Ligaphase-Teilnahme in Folge nach Europa League 2024/25 und Europa League 2025/26 (mit dem Halbfinaleinzug im Mai 2026). Auch die einzelnen personellen Post-WM-Chapter der Sport-Club-Elf laufen weiter: Der japanische Neuzugang Wataru Suzuki, den Freiburg nach Japans WM-Aus verpflichtet hatte, sowie der neue Sommer-Innenverteidiger-Verkauf Johan Manzambi zu Aston Villa rahmen die aktuelle Freiburger Sommer-Bewegung.

Der uebergeordnete Post-WM-Bogen bleibt bestehen: Die DFB-Ex-Kader-Streichungen liefern die interessantesten Wettkampf-Highlights der Vor-Bundesliga-Auftakts-Woche. El Mala mit Vertragsverlaengerung und Rueckennummer 10 in Koeln, Adeyemi in der BVB-Vorbereitung, Ginter mit dem Doppelpack in Schottland. Der neue Bundestrainer Juergen Klopp sitzt im DFB-Hauptquartier in Frankfurt und wird waehrend der parallelen deutschen Trainer-Kolonie in der Premier League irgendwann in den kommenden vier Wochen den ersten Post-WM-Personal-Fahrplan setzen. Wie viele Namen aus der Streichungs-Reihe darin auftauchen, ist offen. Ginters Doppelpack im Fir Park macht die Debatte um mindestens einen Namen laut.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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