Guardiola als Italien-Trainer? Verbandschef Malagò bestätigt Gespräche
Italiens Verband bestätigt am 22.07.2026: Malagò spricht mit Pep Guardiola über die Gattuso-Nachfolge. Sky berichtet von einem Barcelona-Treffen. Der Post-WM-Stand.
Von Marco Feldmann 23. Juli 2026
Giovanni Malagò, Präsident des italienischen Fußballverbands FIGC, hat am Mittwoch, 22. Juli 2026, erstmals öffentlich bestätigt, dass der Verband mit Pep Guardiola über den Posten des italienischen Nationaltrainers verhandelt. In Rom sagte Malagò, es sei “recht und wichtig gewesen, den Gesprächskanal zu öffnen und aufrechtzuerhalten”; für einen “dominierenden Namen” wie Guardiola sei der Verband bereit, beim Gehalt “Ausnahmen” zu machen. Sky Italia hatte in der Vorwoche berichtet, dass eine italienische Delegation den 55-Jährigen bereits in Barcelona persönlich getroffen habe. Drei Tage nach dem WM-Finale in East Rutherford steht damit der prominenteste Trainername Europas als möglicher Nachfolger von Gennaro Gattuso im Raum - genau der Post-WM-Schnitt, den die dreimal in Folge gescheiterte Squadra Azzurra sucht.
Malagò-Statement: “Für einen dominierenden Namen macht man Ausnahmen”
Anlass für die Verbandsbestätigung war eine Fragerunde am Rande eines FIGC-Termins in Rom, in der Malagò auf den Sky-Bericht vom Montag angesprochen wurde. Der Verbandschef bestätigte den Gesprächsfaden ohne Umschweife, nannte aber weder Zeitplan noch Vertragsdauer. Zentral waren zwei Sätze: dass es “richtig und wichtig” gewesen sei, den Dialog mit Guardiola überhaupt aufzunehmen - und dass man “Ausnahmen” machen werde, wenn es darum gehe, “einen dominierenden Namen” zu binden. Damit signalisierte Malagò implizit, dass die FIGC bereit ist, weit über die übliche Gehaltsspanne für den italienischen Nationaltrainer hinauszugehen. Zum Vergleich: Gattuso stand nach eigenen Angaben und Gehaltslisten italienischer Medien in der Größenordnung von netto 2,5 Millionen Euro pro Jahr im Vertrag.
Dass ausgerechnet Guardiola überhaupt in Reichweite scheint, hat mit einem klassischen Zufall der Kalender zu tun. Als der Norwegen-Playoff-Krimi gegen Bosnien-Herzegowina im Frühjahr 2026 verloren ging und Italien zum dritten Mal in Folge die WM-Endrunde verpasste, war Guardiola noch Manchester-City-Trainer. Ein halbes Jahr später, während die Squadra Azzurra beim WM-Endspiel im MetLife Stadium zuschauen musste, ist er zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten wieder frei auf dem Markt.
Das Barcelona-Treffen der Vorwoche
Die konkrete Anbahnung geht auf die Woche vor dem WM-Finale zurück. Nach Sky-Italia-Recherchen reiste eine italienische Delegation - laut italienischen Medien angeführt vom neu installierten Technischen Direktor Paolo Maldini - in der Woche vom 13. Juli 2026 nach Barcelona, um Guardiola in seiner katalanischen Heimat zu treffen. Details der Unterredung sind bislang nicht öffentlich. Berichtet wird, dass Guardiola die italienischen Interessenten angehört, aber zugleich auf seine seit Wochen kommunizierte Trainerpause verwiesen habe. Malagò hat dieses Muster am Mittwoch bestätigt: Das Gespräch habe stattgefunden, der Dialog laufe.
Die zeitliche Enge ist dabei bemerkenswert. Guardiola hatte seinen Manchester-City-Abschied bereits am Ende der Saison 2025/26 formalisiert; am 25. Mai 2026 posierte er in einem offiziellen “Legacy Photoshoot” der Manchester City FC in den Space Studios mit den zwanzig Trophäen, die er in zehn Jahren mit dem Klub gewonnen hatte. Manchester City hat ihn danach als “Global Ambassador” behalten. Für die operative Trainerkarriere aber ist er seit Juni 2026 frei - und damit exakt in dem Zeitfenster verfügbar, in dem der italienische Verband sortiert werden muss.
Warum Italien nach einem Superstar-Namen sucht
Die Wucht des Signals versteht nur, wer den Punkt versteht, an dem der italienische Fußball nach der dritten verpassten WM in Folge steht. Nach 2018 in Russland, 2022 in Katar und nun 2026 in Nordamerika ist die Squadra Azzurra dreimal hintereinander bei einer Endrunde nicht dabei gewesen - eine Serie, wie sie in Italien kein anderer Ex-Weltmeister erlebt hat. Der EM-Titel 2021 wirkt aus heutiger Sicht wie ein Zwischenhoch in einer Strukturkrise: zu wenige italienische Stammspieler in der Serie A, ausbaufähige Nachwuchsförderung, kein durchgängiger Fahrplan im Verband, dazu die Debatte um zu viele ausländische Investoren im Klubfußball.
Der personelle Kahlschlag ist entsprechend hart ausgefallen. Gennaro Gattuso, seit Juni 2025 im Amt, tritt nach der verpassten Qualifikation ab. Gianluigi Buffon verlässt seinen Posten als Teammanager. Verbandspräsident Gabriele Gravina wird nach zwei Amtszeiten (seit 2018) nicht mehr weitermachen. Neu ins Amt gerückt ist Paolo Maldini als Technischer Direktor - der ehemalige Milan-Kapitän, WM-Finalist 1994 und Champions-League-Sieger 2003 und 2007 soll dem nächsten Zyklus Struktur und Statur geben. Ein Star-Trainername ist in dieser Konstellation Teil einer Botschaft an den eigenen Markt: Es gibt einen Neuanfang, und er heißt nicht “die nächste Übergangslösung”.
Guardiola nach zehn Jahren Manchester City - was er mitbringt
Was Malagò mit “dominierendem Namen” meint, ist bei Guardiola in Zahlen fassbar. Der am 18. Januar 1971 in Santpedor geborene Katalane hat als Trainer 34 große Titel gewonnen - über seine Stationen Barcelona (2008-2012), Bayern München (2013-2016) und Manchester City (2016-2026) hinweg. Allein in Manchester waren es sechs Premier-League-Titel (2018, 2019, 2021, 2022, 2023, 2024), ein Champions-League-Sieg 2023 und das legendäre Triple derselben Saison. Insgesamt dreimal hat er die Champions League als Trainer gewonnen: 2009 und 2011 mit Barcelona, 2023 mit City. Dazu kommen zwei Jahre in München mit drei Bundesliga-Titeln von 2014 bis 2016.
Ein Wechsel in die Nationalmannschaft wäre für Guardiola dennoch das erste Mal überhaupt. Das ist der eigentliche Punkt, an dem die Verhandlungen kippen können: Nationaltrainer heißt zehn bis zwölf Kaderfenster im Jahr, keine tägliche Trainingssteuerung, kein Transfermarkt, kein Champions-League-Konzert. Für einen Trainer, der seit 2007 in einem klassischen Klub-Tagesrhythmus lebt, ist das ein Bruch. Malagòs Bereitschaft, beim Gehalt großzügig zu werden, ist gleichzeitig ein Eingeständnis, dass diese Rollenänderung auch monetär kompensiert werden muss.
Was auf dem Spiel steht: EM 2028 und WM 2030
Sollte Guardiola zusagen, wären die ersten großen Bewährungsproben planbar. Die EM 2028 in Großbritannien und Irland ist der nächstgrößere Turniertermin - mit Spielen unter anderem in Manchester, das für Guardiola das operative Zuhause der vergangenen Dekade war. Dahinter steht die WM 2030 in Marokko, Spanien und Portugal - mit Jubiläumsspielen in Uruguay, Argentinien und Paraguay zum hundertjährigen WM-Jubiläum. Die katalanische Heimat und die Weltbühne fallen in diesem Zyklus zusammen, ein Rahmen, den Malagò offensichtlich als Argument einsetzt.
Der Vergleich zu einem anderen aktuellen Trainerwechsel ist naheliegend: Auch Mexiko hat direkt nach dem Achtelfinal-Aus gegen England den Übergang formalisiert - dort rückt Rafael Marquez vom Co- zum Cheftrainer auf, dort war die Nachfolge lange geplant, dort ist die Ansage: Kontinuität, ruhige Hand, mittelfristiger Aufbau. Italien geht den entgegengesetzten Weg: großer Name, Marktzeichen, Neuanfang mit Signalwirkung. Beide Modelle sind legitim - sie zeigen aber, wie unterschiedlich Verbände nach einer verlorenen Endrunde ihr eigenes Erzählmuster wählen. Ob Italien am Ende mit Guardiola dasteht oder mit einem der aktuell diskutierten Alternativkandidaten wie Antonio Conte, Massimiliano Allegri oder Roberto Mancini, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Das Zwischenfazit vom 23. Juli 2026: Zum ersten Mal steht offiziell bestätigt, dass Italiens Nationaltrainer-Suche am Spitzenmarkt sondiert wird. Der Ball liegt bei Guardiola. Wenn der Katalane annimmt, wäre er der erste amtierende dreifache Champions-League-Sieger auf einem Nationaltrainerposten seit Vicente del Bosque - und die dritte verpasste WM 2026 wäre für den italienischen Verband das teuerste, aber vielleicht auch das folgenreichste Signal seit Jahren.
Häufige Fragen
Wird Pep Guardiola neuer Nationaltrainer Italiens? Entschieden ist noch nichts. Verbandschef Giovanni Malagò hat am 22. Juli 2026 erstmals öffentlich bestätigt, dass der italienische Verband FIGC in konkreten Gesprächen mit Guardiola steht. Sky Italia hatte zuvor von einem Treffen in Barcelona in der Vorwoche berichtet.
Warum ist der italienische Trainerposten überhaupt frei? Italien hat sich zum dritten Mal in Folge nicht für eine WM qualifiziert. Nach dem Playoff-Aus gegen Bosnien-Herzegowina zog der Verband personelle Konsequenzen: Cheftrainer Gennaro Gattuso, Teammanager Gianluigi Buffon und Verbandspräsident Gabriele Gravina traten zurück oder wurden nicht verlängert. Paolo Maldini ist neuer Technischer Direktor.
Was hat Guardiola nach zehn Jahren Manchester City vor? Der 55-Jährige beendete seine Manchester-City-Amtszeit am Ende der Saison 2025/26 mit sechs Premier-League-Titeln (2018-2024), dem Champions-League-Sieg 2023 und dem Triple 2023. Nach dem Abschied hat er eine Trainerpause angekündigt.
Welche Turniere stehen für Italien als Nächstes an? EM-Qualifikation für die EM 2028 in Großbritannien und Irland, danach die Qualifikation für die WM 2030 in Marokko, Spanien und Portugal.
Wer sind die Alternativen, falls Guardiola absagt? Antonio Conte, Massimiliano Allegri und Roberto Mancini werden in italienischen Medien als weitere Optionen genannt. Mancini hatte den Verband nach dem EM-Titel 2021 im August 2023 verlassen.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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