Klopp verzichtet auf Red-Bull-Werbebotschafter: Die umstrittene Doppelrolle ist vom Tisch
Klopp bleibt nicht Werbebotschafter bei Red Bull, wenn er Bundestrainer wird: Kicker meldet den Verzicht am Sonntagabend, die Doppelrolle-Debatte ist beendet.
Von Lukas Brandt 12. Juli 2026
Fuenf Tage nach dem Ausbruch der Werbebotschafter-Debatte am 10. Juli, drei Tage nach dem Vier-Stunden-Gespraech am New Yorker Flughafen JFK und rund 27 Stunden nach der offiziellen DFB-Mitteilung ueber die ‘wesentlichen Eckpunkte’ ist der umstrittenste Baustein der Klopp-Bundestrainer-Konstruktion vom Tisch. Der kicker meldete am Sonntagabend, 12. Juli 2026, um 19:29 Uhr MESZ unter der Ueberschrift “Viel Rauch um nichts: Klopp verbleibt nicht als Werbebotschafter”: In den entscheidenden Gespraechen dieser Woche zwischen Klopp, seinem Berater Marc Kosicke und der Red Bull GmbH werde das Werbebotschafter-Modell “erst gar nicht diskutiert”. Die von Fan-Verband, Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger und mehreren DFB-Landesverbaenden attackierte Doppelrolle ist damit gestrichen, bevor sie unterschrieben wurde.
Was der kicker meldet und was daraus folgt
Der kicker-Wortlaut ist knapp, aber unmissverstaendlich. Nach der “grundsaetzlichen Einigung” zwischen DFB und Klopp - die vom DFB am Samstag als “Verstaendigung ueber wesentliche Eckpunkte” formalisiert wurde - stehen die entscheidenden Red-Bull-Gespraeche der Woche vom 13. bis 20. Juli 2026 an. Neu: das Thema Werbebotschafter braucht dabei “erst gar nicht diskutiert zu werden”. Damit ist die zuvor als bevorzugte Kompromissloesung gehandelte Konstruktion - Klopp verlaesst die operative Rolle bei Red Bull, bleibt aber Vermarktungsgesicht des Konzerns - beerdigt. Sie war das Vehikel, ueber das der DFB die von Bild und Sportschau berichtete Aufloesungs-Millionen-Zahlung an Red Bull umgehen wollte.
Der Verzicht schliesst einen einwoechigen Debattenzyklus, der die Vertragsverhandlung dominiert hat. Am 10. Juli hatte Theo Zwanziger im FAZ-Interview das Modell als “voelliges No-Go” und “ausgeschlossen” bezeichnet und Klopp die Frage gestellt, ob dieser “zwei Loyalitaeten” tragen wolle. Am selben Tag warf der Fan-Verband Unsere Kurve dem DFB einen “Kniefall vor dem Kapital” vor. Am 11. Juli setzte sich die Kritik in der DFB-Basis fort: SHFV-Praesident Uwe Doering und mehrere andere Landesverbaends-Vertreter formulierten Bedenken oeffentlich, Bastian Schweinsteiger hatte in der ARD-Sportschau schon am 9. Juli die “Souveraenitaets”-Frage gestellt. Am 12. Juli tagte der DFB im Anschluss an das JFK-Treffen und drueckte in der offiziellen Mitteilung die Werbebotschafter-Formulierung nicht explizit hinein - die Formulierung “vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber” liess beide Wege offen. Der Sonntagabend-kicker-Bericht klaert nun: es geht der andere Weg, ohne Werbebotschafter.
Wie die Kritiker gewonnen haben
Der Werbebotschafter-Verzicht ist die erste sichtbare Kurskorrektur, die die DFB-Kritiker der vergangenen Woche als Erfolg verbuchen koennen. Die Front war breit: von der Fanszene ueber die Ex-Verbandsspitze (Zwanziger) bis zu Landesverbaenden aus Schleswig-Holstein, Wuerttemberg und Bayern. Und sie war argumentativ konsistent. Kernvorwurf: der DFB verkaufe seine Unabhaengigkeit fuer eine Kostenersparnis von wenigen Millionen Euro. Die Frage “Was, wenn Klopp fuenf Spieler von RB Leipzig zur Nationalmannschaft nominiert?” liess sich mit einem Werbebotschafter-Kopfschmuck nicht neutral beantworten.
Die Kehrtwende geht dabei nicht auf ein einzelnes offizielles Statement zurueck. Weder Klopp noch der DFB noch Red Bull haben zwischen 10. und 12. Juli eine offizielle Erklaerung abgegeben, dass die Werbebotschafter-Rolle vom Tisch sei. Der kicker beruft sich auf eigene Recherche und die “grundsaetzliche Einigung” nach dem JFK-Treffen. Das Signal ist trotzdem eindeutig: sobald ein sportjournalistisches Leitmedium formuliert, dass das Thema “erst gar nicht diskutiert” werde, waere ein spaeter Ruecktritt in die Werbebotschafter-Konstruktion eine oeffentliche Kapitulation. Die Wahrscheinlichkeit dafuer ist nahe Null.
Die neue Rechnung mit Red Bull - Abloese oder saubere Aufloesung
Mit dem Werbebotschafter-Vehikel weg wird die Frage der Vertragsaufloesung wieder zur Kernfrage. Klopps Red-Bull-Vertrag laeuft bis 31. Dezember 2029 und umfasst nach dem im DFB-Finanzartikel skizzierten Rahmen rund 8 bis 10 Millionen Euro Grundgehalt pro Jahr. Bei einem Ausstieg zum 1. September 2026 sind das rechnerisch 33 Restmonate, in denen Klopp Bezuege haette. Realistisch wird nur ein Teil davon als Aufloesungsbetrag zwischen den Parteien verhandelt - die Groessenordnung, die in den Vorwochen-Berichten kursierte, lag zwischen fuenf und zehn Millionen Euro.
Fuer den DFB ist das eine spuerbare, aber verkraftbare Summe. Der Bundesverband hatte im Fruehjahr 2026 den Nike-Ausruestervertrag mit 100 Millionen Euro Jahresvolumen ab 2027 unterzeichnet und damit ein finanzielles Fundament fuer den WM-2030-Zyklus geschaffen. Bild und Tagesspiegel hatten in den JFK-Nachberichten den Rahmen “ordentliches Millionengehalt oberhalb Nagelsmanns 7 Millionen” fuer Klopps Grundbezuege markiert. Eine einmalige Abloese-Zahlung an Red Bull waere zusaetzlich zu diesem Gehalts-Aufwand darstellbar - aber sie ist der Teil, der jetzt in dieser Woche zwischen Kosicke und Mintzlaff verhandelt wird.
Zweite Option: Klopp beteiligt sich am Aufloesungsbetrag. Der 59-Jaehrige hatte in seinen Interviews der Vorwoche mehrfach signalisiert, dass ihn “das Material” beim DFB reizt und er “Deutschland liebt” (Watzke-Zitat). Ein persoenlicher Ausgleichs-Beitrag Klopps ist damit nicht ausgeschlossen, wurde aber bislang in keinem Bericht konkret genannt. In diese Woche faellt die Entscheidung, welchen Weg die drei Verhandlungspartner gehen.
Klopps DFB-Vertrag - kommende Woche der naechste Schritt
Der DFB-Teil des Deals ist nach der Samstag-Mitteilung im Wesentlichen ausformuliert: Vertrag bis WM 2030, “ordentliches Millionengehalt” oberhalb Nagelsmanns Bezuege, DFB-Sportdirektor Rudi Voeller bleibt in seiner Rolle, der Trainerstab wird um Klopp-Vertraute und einen deutschen Assistenten geformt. Was fehlt, ist die Unterschrift unter einen ausformulierten Vertragstext, die Zustimmung des Aufsichtsrats der DFB GmbH und der Mitgliederversammlung, sowie die oeffentliche Vorstellung.
Der Zeitplan wird von zwei Fixpunkten gerahmt. Erster Fixpunkt: die Nations-League gegen die Niederlande am 24. September 2026 in Amsterdam, das erste Pflichtspiel nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay am 4. Juli. Zweiter Fixpunkt: das Trainingslager Anfang September, dessen Nominierung Klopp in seinen Details treffen muss. Realistisch braucht der DFB die endgueltige Bundestrainer-Personalie zwischen Ende Juli und Mitte August, um die Vorbereitung sauber zu strukturieren.
Ohne das Werbebotschafter-Konstrukt ist ein Baustein der Kritik weg. Was bleibt, ist die grundsaetzliche Frage nach der Erfolgs-Wahrscheinlichkeit einer Klopp-Loesung, die Watzke vor dem JFK-Treffen mit “groesser als 50 Prozent” beziffert hatte und die die Sportschau-Analyse zum DFB-Umbruch rund um Voellers Aufruf an die 2014er Weltmeister flankiert. Der Werbebotschafter-Verzicht macht den Wechsel sauberer, aber nicht sicherer. Der schwerste Teil der Verhandlung - der Preis fuer Klopps Ausstieg aus dem Red-Bull-Vertrag - steht ab Montag auf dem Tisch.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
Mehr aus DFB-Team
Klopp und die DFB-Basis: SHFV-Praesident Doering warnt vor Red-Bull-Doppelrolle - SID meldet Widerstand aus den Landesverbaenden
12.07.2026
DFB-TeamDFB bestaetigt: 'Wesentliche Eckpunkte' mit Klopp - Verhandlungen gehen kommende Woche weiter
12.07.2026
DFB-TeamKlopp bei der DFB-Spitze: Vier Stunden am JFK Airport, Kurs auf Vertrag bis WM 2030
11.07.2026