Infantino und Trump: Wie eng sich der FIFA-Chef an den US-Präsidenten bindet
Vom Inauguration-Besuch über den FIFA-Pass bis zum FIFA Peace Prize: Wie eng FIFA-Chef Gianni Infantino sich vor der WM 2026 an Donald Trump gebunden hat.
Von Marco Feldmann 03. Juni 2026
Acht Tage vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2026 am 11. Juni in Mexiko-Stadt ist die politische Konstellation des Turniers eindeutig wie bei keiner Weltmeisterschaft zuvor: FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump treten als eingespieltes Doppel auf. Sie haben sich seit Trumps Amtsantritt mindestens sieben Mal sichtbar getroffen, gemeinsam einen WM-Visa-Pass ins Leben gerufen, einen FIFA Peace Prize für den US-Präsidenten geschaffen und FIFA-Operationen näher an die Trump-Welt verlegt. Die Nähe ist Programm, nicht Zufall, und sie überlagert den sportlichen Rahmen, in den die WM 2026 hineinläuft.
Vom FIFA-Gegner zum engsten Verbündeten
Die Beziehung lässt sich datieren. Das erste dokumentierte Treffen fand 2018 im Oval Office statt, ein Jahr vor dem Foto vom gemeinsamen Spaziergang im Garten des Weißen Hauses. Damals war die Beziehung zwischen FIFA und USA noch geprägt vom Nachhall der 2015er US-Justizermittlungen, die FIFA-Funktionäre weltweit in Verlegenheit gebracht hatten. Innerhalb weniger Jahre hat Infantino die Tonlage gedreht: aus der Aufsichts-Großmacht USA wurde der wichtigste Partner und Co-Gastgeber der WM 2026. Den entscheidenden Schub brachte Trumps zweite Amtszeit.
Die Treffen-Chronologie 2025
Im Jahr 2025 ergibt die offen kommunizierte Kontaktdichte ein ungewöhnliches Bild für einen FIFA-Präsidenten:
- 17. Januar 2025: Infantino besucht Trump in Mar-a-Lago.
- 20. Januar 2025: Auftritt bei Trumps Amtseinführung in Washington.
- März 2025: Trump und Infantino präsentieren im Oval Office die Klub-WM-Trophäe.
- Mai 2025: Infantino begleitet Trump auf einer Nahost-Reise nach Katar und Saudi-Arabien.
- Juli 2025: Gemeinsamer Auftritt beim Klub-WM-Finale.
- August 2025: WM-Pokal-Übergabe bei der Auslosungspräsentation.
- Oktober 2025: Treffen beim Nahost-Friedensgipfel in Ägypten.
Im Februar 2025 hatte Infantino den Rahmen der Beziehung selbst öffentlich formuliert: “Für den Erfolg einer Weltmeisterschaft ist es absolut entscheidend, eine enge Beziehung zum Präsidenten zu haben.” Diese Aussage prägt seitdem die Lesart aller folgenden Auftritte.
FIFA-Pass und FIFA Peace Prize - die sichtbaren gemeinsamen Projekte
Zwei Projekte stehen für die operative Tiefe der Allianz. Am 17. November 2025 kündigten Trump und Infantino im Weißen Haus den FIFA-Pass an, ein Prioritätsverfahren für US-Visumstermine: WM-Ticketinhaber sollen bei Konsulaten schneller einen Termin bekommen, in besonders nachgefragten Ländern wie Argentinien und Brasilien innerhalb von 60 Tagen. Der Pass ersetzt kein Visum und hebt die Trump-Einreiseverbote nicht auf - aber er ist die erste sichtbare Schnittstelle zwischen FIFA-Logistik und US-Innenpolitik. Wie der Pass im praktischen Reise- und Ticketprozess greift und wo seine Grenzen liegen, ordnet die WM-2026-Tickets-Übersicht und der Schwester-Artikel zu Trumps Einreisepolitik und der Iran-Boykott-Debatte ein.
Drei Wochen später folgte die Symbolik. Bei der Final-Auslosung der WM 2026 am 5. Dezember 2025 in Washington überreichte Infantino dem US-Präsidenten den erstmals verliehenen FIFA Peace Prize. Die Auszeichnung wurde unmittelbar zuvor neu geschaffen; der erste Preisträger war Trump. In der Sportöffentlichkeit wurde die Verleihung als Geste FIFAs gegenüber dem Gastgeber-Präsidenten gelesen, deren politische Botschaft schwerer wog als die sportliche.
Mar-a-Lago, Trump Tower, FIFA-Coin
Die räumliche Nähe folgt der politischen. FIFA hat im Trump Tower in Manhattan eigene Büroräume eingerichtet; Infantino arbeitete dort unter anderem während der UN-Generalversammlung 2025. Für die WM 2026 selbst soll der FIFA-Chef temporär in die Nähe von Mar-a-Lago in Florida wechseln, wo Trump residiert. FIFA folgt damit dem Muster früherer Turniere, näher an die Regierungssitze der Gastgeber zu rücken - die Wahl gerade des Trump-Anwesens als Gravitationszentrum macht die politische Signalwirkung jedoch eindeutig.
Bemerkenswert war ein Auftritt im Februar 2026: Bei einem “World Liberty Forum” in Mar-a-Lago kündigte Infantino die Prüfung eines FIFA-Coins an, also einer eigenen Kryptowährung. Trumps Familie ist im Krypto-Geschäft unmittelbar engagiert, das Forum gilt als Plattform für Trump-affine Kryptoprojekte. Eine Operationalisierung des FIFA-Coins steht aus - die Ankündigung in genau diesem Rahmen war für sich genommen bereits ein politisches Statement.
Die IOC-Frage: politische Neutralität auf dem Prüfstand
Infantino ist nicht nur FIFA-Präsident, sondern auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Für IOC-Mitglieder gilt eine besonders strenge Regel: politische Neutralität. Wiederholte öffentliche Auftritte an der Seite eines amtierenden Politikers stehen mit dieser Regel in Spannung. Die wachsende Dichte der Trump-Auftritte hat im IOC und in der Sportöffentlichkeit die Diskussion ausgelöst, ob Infantino mit seinem Verhalten die Neutralitätsverpflichtung verletzt. Eine formale Sanktion ist bislang nicht erfolgt. Eingeordnet wird das Verhältnis zudem mit Blick auf 2028: Die Olympischen Spiele in Los Angeles fallen unter dieselbe US-Sicherheits- und Einreise-Architektur wie die WM 2026, das IOC sitzt also in der gleichen strukturellen Lage wie die FIFA jetzt.
Was die Infantino-Trump-Achse für die WM 2026 bedeutet
Praktisch hat die Nähe eine Logik. Eine Mega-Veranstaltung in den USA braucht US-Behörden für Visa, Sicherheit, Verkehr, Stadionorganisation, Steuerfragen. Der Fall des am 19. April 2026 in Washington geführten Treffens zwischen Infantino und Heimatschutzminister Markwayne Mullin steht für diese operative Schiene. Wer 211 Mitgliedsverbände und ihre Delegationen, dazu hunderttausende Fans in einem Trump-USA der verschärften Grenzkontrollen organisiert, ist auf einen Draht in die Administration angewiesen.
Politisch ist die Allianz heikel. Sie versorgt Trump mit FIFAs globaler Bühne (vom Klub-WM-Finale über die Auslosung bis zum FIFA Peace Prize) und liefert FIFA im Gegenzug administrative Geschmeidigkeit. Verbände, die das US-Einreiseverbot trifft - darunter der Iran und Haiti -, finden in dieser Achse keinen unparteiischen Schiedsrichter. Auch innerhalb des DFB-Tross hat die Politiklage der WM 2026 Spuren hinterlassen, wie Joshua Kimmichs Pressekonferenz in Herzogenaurach zeigte.
Mit dem Eröffnungsspiel am 11. Juni verschiebt sich der Fokus auf den Rasen. Die politische Ausgangslage aber, mit der das Turnier startet, ist die einer FIFA, die sich enger an einen Gastgeber-Präsidenten gebunden hat als bei jeder Weltmeisterschaft zuvor. Wie weit diese Bindung trägt und wie sie sich nach dem Endspiel am 19. Juli auflösen oder verfestigen wird, ist die offene zweite Frage des Sommers.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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