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WM 2026

Iran-Kader fuer die WM 2026: Ghalenoei nominiert vorlaeufig 35, Azmoun fehlt, Eckert Ayensa rueckt nach

Iran-Kader fuer die WM 2026: Trainer Amir Ghalenoei nominiert ein vorlaeufiges 35er-Aufgebot. Sardar Azmoun fehlt, Dennis Eckert Ayensa erstmals dabei. Tests in der Tuerkei.

Von Marco Feldmann 01. Juni 2026

Sardar Azmoun bei der AS Roma (Archiv, Dezember 2023): Fuer die WM 2026 hat Iran-Trainer Amir Ghalenoei den Ex-Leverkusener aus dem Aufgebot gestrichen. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Iran-Trainer Amir Ghalenoei hat am Montagabend, dem 1. Juni 2026, sein vorlaeufiges Aufgebot fuer die Fussball-WM 2026 bekannt gegeben - 35 Spieler, die mit der Team Melli in die Tuerkei reisen und dort die letzten beiden Tests vor der FIFA-Nominierungsfrist absolvieren. Aus deutscher Sicht ist der Kader gleich aus zwei Gruenden eine Geschichte: Stammstuermer Sardar Azmoun, der Bayer 04 Leverkusen-Vergangenheit mitbringt, fehlt aus politischen Gruenden. Und mit Dennis Eckert Ayensa rueckt erstmals ein Deutsch-Iraner mit Ingolstadt-Vergangenheit ins Aufgebot der Team Melli nach.

Vorlaeufiges 35er-Aufgebot - Ghalenoei sortiert vor Tuerkei-Reise

35 Spieler, davon vier Torhueter, neun Verteidiger, dreizehn Mittelfeldspieler und neun Angreifer. Die Liste, die der iranische Verband am 1. Juni veroeffentlichte, ist die letzte Stufe vor der finalen WM-2026-Kader-Frist am 4. Juni. Sie ist breit angelegt, weil Ghalenoei in den beiden Tests in Antalya - gegen Nigeria und Costa Rica - noch Personalentscheidungen treffen will, die er in der vergangenen Quali-Phase wegen der Sicherheitslage nicht ausreichend pruefen konnte. Erst nach diesen beiden Spielen reduziert er auf 26.

Die Achse ist klar: Im Tor fuehrt Alireza Beiranvand (Khalij Fars Mahshahr) den Konkurrenzkampf an, der 33-jaehrige Routinier reist zu seiner dritten WM. In der Abwehr stehen die etablierten Bundesliga-Bekannten Milad Mohammadi und Shoja Khalilzadeh im Kader. Im Mittelfeld bleibt Saeid Ezatolahi der defensive Anker, vorne fuehrt Kapitaen Mehdi Taremi die Linie an - sein zweiter Stuermer ist ohne Azmoun aber zu klaeren.

Auch der ehemalige Brentford- und FC-Kopenhagen-Profi Saman Ghoddos ist nominiert. Der in Schweden geborene Achter ist Bestandteil der iranischen Identitaet im Westen - aehnlich wie zuletzt Allahyar Sayyadmanesh und der frisch nominierte Eckert Ayensa. Ghalenoeis Linie ist also klar: Erfahrung erhalten, aber den Kader gezielt um neue Optionen erweitern, weil die WM 2022 in Katar mit zwei Niederlagen und drei Punkten ohne Achtelfinal-Sprung endete.

Der politisch motivierte Ausschluss von Sardar Azmoun

Die groesste Personalie ist ein Fehlen. Sardar Azmoun, 31 Jahre alt, sieben Quali-Tore, ehemals Bayer 04 Leverkusen, zuletzt bei der AS Roma und seit Sommer 2024 in der UAE Pro League bei Al-Ahli Dubai, ist nicht im Kader. Die iranische Nachrichtenagentur Fars formuliert den Vorwurf scharf: ein “Akt der Illoyalitaet gegenueber der Regierung”. Offiziell hat der iranische Fussball-Verband die Streichung bislang nicht begruendet; in iranischen Medien wird der Schritt aber auf einen klaren Anlass zurueckgefuehrt.

Anlass war ein Foto, das im Mai 2026 ueber Azmouns Instagram-Account kursierte: Der Stuermer war darauf zusammen mit Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, dem Herrscher von Dubai und Premier der Vereinigten Arabischen Emirate, zu sehen. Iran hatte die VAE im Zuge des regionalen Konflikts militaerisch angegriffen; jede Form von Naehe iranischer Funktionaere oder Spieler zur emiratischen Fuehrung wird in Teheran politisch ausgelegt. Azmoun loeschte das Foto noch am selben Tag - die politische Logik war damit nicht zu stoppen.

Sportlich ist der Ausschluss bitter. Azmoun hat in 91 Laenderspielen 57 Tore erzielt; nur Ali Daei (108), Mehdi Taremi (50 vor Beginn der WM) und Karim Bagheri haben in der Geschichte der Team Melli mehr getroffen. Sein Stand-by im Sturm haette Ghalenoei flexibel gemacht - jetzt steht Taremi vorne praktisch ohne den zweiten erfahrenen Mittelstuermer in der Vorbereitung. Der Zusammenhang mit den Hymnen-Verweigerungen 2022 und den langen Auseinandersetzungen iranischer Spieler mit dem Regime macht den Schritt nochmal politischer; den Hintergrund ordnet der Bericht zur Verabschiedung in Teheran tiefer ein.

Dennis Eckert Ayensa - der deutsche Hook im Iran-Kader

Aus deutscher Sicht ist die spannendste Personalie der Aufrueck-Spieler im Sturm. Dennis Eckert Ayensa, 29 Jahre alt, wurde 1997 in Ingolstadt geboren und in der Schanzer-Jugend ausgebildet. Sein Profi-Debuet gab er fuer den FC Ingolstadt im Profifussball; ueber Stationen in Deutschland und Spanien hat er sich inzwischen in die iranische Persian Gulf Pro League verabschiedet, wo er als Mittelstuermer auf seine WM-Chance gespielt hat. Mutter Spanisch, Vater Deutsch mit persischen Wurzeln - Eckert Ayensa ist FIFA-Eligibility fuer Iran ueber die Grossvater-Linie gegeben.

In der iranischen Sport-Oeffentlichkeit wird Eckert Ayensa als fuenfter Spieler mit deutscher Geburt und persischen Wurzeln gefuehrt, der je fuer die Team Melli aufgeboten wurde. Die Reihe vor ihm: Ashkan Dejagah (ex-Wolfsburg, ex-FC Fulham), Daniel Davari (Eintracht Braunschweig), Omid Nazari und Saman Ghoddos (zaehlt aufgrund schwedischer Geburt gelegentlich nicht in die Liste). Aus Bundesliga-Sicht ist die Tradition damit kontinuierlich - das Iran-Trikot war fuer in Deutschland aufgewachsene Spieler mit iranischen Wurzeln seit Jahren eine Option.

Welche Rolle Eckert Ayensa konkret spielen wird, ist offen. Wahrscheinlich kommt er als Joker-Loesung und als sportlicher Ersatz fuer Azmoun ins endgueltige 26er-Aufgebot. Ghalenoei selbst hat die Personalie noch nicht im Detail begruendet; die Begruendung folgt voraussichtlich nach dem ersten Test in Antalya.

Mehdi Taremi bleibt Kapitaen - die sportliche Achse

Der Kapitaen heisst Mehdi Taremi. Der 33-Jaehrige hat in der vergangenen Saison fuer Inter Mailand gespielt und in der Asien-Quali zehn Tore in zehn Spielen erzielt - er ist die unstrittige sportliche Fuehrungsfigur der Team Melli. Mit 50 Toren in 95 Laenderspielen vor WM-Start bleibt er klar die Nummer eins im Angriff; an Ali Daeis Rekordwert (108 Tore) wird er beim WM-Turnier nicht herankommen, aber die Top-3-Marke der Allzeit-Torschuetzen ist auch ein Karriere-Erfolg.

Gleichberechtigt im Captain-Rotationsmodell zaehlen weiter Ehsan Hajsafi, der schon 2022 in Katar Spielfuehrer war und mit nun ueber 130 Laenderspielen Iran-Rekordler ist, sowie Alireza Jahanbakhsh, frueher Brighton & Hove Albion. Im Mittelfeld traegt Saeid Ezatolahi die defensive Last; Ali Gholizadeh und Mohammad Mohebi sind die Aussenbahn-Optionen. In der Abwehr setzt Ghalenoei auf das Trio Hossein Kanaanizadegan, Ramin Rezaeian und Shoja Khalilzadeh, dazu kommt der junge Aref Ghaderi als Lehrling fuer das naechste WM-Zyklus.

Die kompletten 26 Namen folgen am 4. Juni. Wer auf welche Position rutscht, regelt Ghalenoei nach den Tests gegen Nigeria und Costa Rica - das ist nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein medienpolitischer Termin: Der Verband moechte die Kader-Verkleinerung als Vertrauensbeweis in eine “stabile, geeinte Mannschaft” inszenieren.

Vorbereitungsspiele in der Tuerkei: Nigeria und Costa Rica

Die Reise in die Tuerkei ist Ghalenoeis erster Test mit dem aktuellen Kader auf internationaler Buehne. Gegner sind Nigeria (FIFA-Rang in den Top 50) und Costa Rica (WM-2026-Quali-Teilnehmer aus der CONCACAF, nicht qualifiziert). Beide Spiele finden hinter geschlossenen Tueren oder mit limitiertem Publikum in Antalya statt - die iranischen Sicherheitsbedenken fuer Auslandsspiele bleiben, das Match-Format ist enger und kontrollierter als ein klassisches Vorbereitungs-Doppel.

Sportlich liefert vor allem das Nigeria-Spiel verwertbare Daten. Die Super Eagles spielen mit einer Mischung aus Premier-League-Routine (Victor Boniface, Ademola Lookman) und sind ein realistischer Vergleichswert fuer das, was Ghalenoei in der Gruppe G mit Belgien erwartet. Costa Rica ist physisch zaeh, taktisch eingespielt, sportlich aber unter dem Niveau eines WM-Gegners.

Den breiteren Kontext liefert die ueberregionale Frage, warum Iran in der Vorbereitung so spaet auf den Pfad der internationalen Tests gekommen ist: Die Sicherheitslage in der Region (Israel-Konflikt, US-Spannungen, Quartier-Verlegung nach Tijuana) hat die Planung mehrfach durcheinandergeworfen.

Gruppe G und der Quartier-Hintergrund in Tijuana

Iran spielt in Gruppe G gegen Belgien, Aegypten und Neuseeland. Die Reihenfolge:

SpieltagGegnerAnstoss (MESZ)Spielort
1NeuseelandDi 16.06.2026, 03:00Los Angeles
2BelgienSo 21.06.2026, 21:00Los Angeles
3AegyptenSa 27.06.2026, 05:00Seattle

Aus iranischer Sicht ist Neuseeland die Pflichtaufgabe, Belgien das Schwergewicht, Aegypten der direkte Konkurrent um Platz zwei. Quartier hat Iran nach FIFA-Genehmigung von Tucson, Arizona, nach Tijuana in Mexiko verlegt - die Naehe zu Los Angeles und die einfachere Visa-Situation waren die ausschlaggebenden Argumente. Das macht Iran zum einzigen Team in Gruppe G, das ausserhalb der USA wohnt und zu jedem Spiel international anreist. Wer den vollstaendigen Spielplan in deutscher Zeit ueberblicken will, findet die Tabelle dort sortiert; das eigene Team-Profil Iran fasst die WM-Historie und die Kader-Struktur in der Tiefe zusammen.

Was bis zum 4. Juni offen bleibt

Bis zur FIFA-Frist sind drei Fragen ungeklaert. Erstens: Steht der Sturm wirklich nur auf Taremi und Eckert Ayensa? Ghalenoei hat Allahyar Sayyadmanesh und Mehdi Ghayedi als zweite Reihe mit; einer der beiden wird wohl die letzte Stuermerposition belegen. Zweitens: Wer ersetzt die langjaehrige Aussenbahn-Routine, falls Alireza Jahanbakhsh ausfaellt? Drittens: Bleibt es bei dem starken Routinier-Block, oder erhaelt einer der jungen Iran-Liga-Spieler kurzfristig einen Platz?

Zur Einordnung der laufenden Kader-Welle bei der WM 2026 ordnen die Berichte zu Uruguays 26er-Kader von Bielsa und Argentiniens Kader um Messi die internationale Linie ein. Beide Verbaende haben ihre Listen kurz vor Iran abgegeben; bis zum 4. Juni werden die letzten 48 Mannschaften ihre 26er einreichen. Wenn Eckert Ayensas Stuermer-Platz haelt, wird der ehemalige Schanzer-Spieler einer der wenigen Spieler in der Geschichte des deutschen Profifussballs sein, der bei einer Weltmeisterschaft fuer ein anderes Land aufgeboten wurde - und gleichzeitig der erste Bundesliga-Bezug im Iran-Aufgebot seit Ashkan Dejagah 2018.

Was am 1. Juni in Teheran bekannt wurde, ist also mehr als eine Kader-Liste. Es ist ein politisches Statement (Azmoun raus), ein sportlicher Hoffnungstraeger (Eckert Ayensa rein) und eine Vorabwarnung an die Spieler vor Ort: Wer sich in der Vorbereitung nicht in das vom Regime vorgegebene Bild einreiht, kommt nicht nach Los Angeles.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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