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WM 2026

Kap Verde bei der WM 2026: Drei Remis, kein verlorenes Spiel - jetzt wartet Argentinien

Kap Verde zieht ungeschlagen in die K.-o.-Runde der WM 2026 ein und trifft am 4. Juli in Miami auf Argentinien. Wie die Inselrepublik zum Turniermärchen wurde.

Von Marco Feldmann 30. Juni 2026

Houston, 26. Juni 2026: Die kapverdische Auswahl feiert nach dem 0:0 gegen Saudi-Arabien den Einzug in die K.-o.-Runde - als WM-Debütant, als Gruppenzweiter, als bevölkerungsmässig zweitkleinster WM-Teilnehmer aller Zeiten (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist die Geschichte, die der WM-Modus mit 48 Mannschaften ermöglichen wollte - und am Ende der Gruppenphase 2026 tatsächlich auch geliefert hat. Kap Verde, mit rund einer halben Million Einwohnerinnen und Einwohnern bevölkerungsmässig zweitkleinster WM-Teilnehmer der Geschichte und WM-Debütant, hat in der Gruppe H drei Unentschieden geholt, kein einziges Spiel verloren - und steht als Gruppenzweiter im Sechzehntelfinale. Gegner in der Nacht zum 4. Juli 2026 um 00:00 Uhr MESZ im Hard Rock Stadium in Miami Gardens: Argentinien, der Weltmeister von 2022, mit Kapitän Lionel Messi auf der wohl letzten WM-Bühne seiner Karriere. Die kapverdische Inselrepublik trifft auf die wahrscheinlich grösste Aussenseiter-Konstellation, die die WM 2026 bisher produziert hat. Mittelfeldspieler Deroy Duarte hat es nach dem 0:0 in Houston so zusammengefasst: “Wir sind ein kleines Land und eine kleine Bevölkerung. Aber wir haben ein grosses Herz.” Wir ordnen das Turniermärchen ein - die ungeschlagene Gruppen-H-Bilanz, den Trainer Bubista, den Torwart Vozinha und die Frage, was vor dem Schlager gegen Argentinien realistisch möglich ist.

Drei Remis, drei Punkte: die ungeschlagene Gruppen-H-Bilanz

Kap Verde startete am 15. Juni 2026 in Atlanta mit dem 0:0 gegen Spanien - ein Spiel, in dem die Selección 18 Schüsse, 11 davon aufs Tor und 66 Prozent Ballbesitz aufwies und trotzdem an Vozinhas sieben Paraden scheiterte. Beim zweiten Spieltag am 21. Juni in Miami folgte das 2:2 gegen Uruguay - die Inselrepublik führte zwischenzeitlich, kam aber mit dem Schlusspfiff zu einem für die K.-o.-Mathe wertvollen Punkt. Am dritten Spieltag, am 26. Juni in Houston, hielt die kapverdische Defensive in einem 0:0 gegen Saudi-Arabien dicht und sicherte mit drei Punkten den zweiten Gruppenplatz. Spanien war mit sieben Punkten (1-2-0) Gruppensieger; Kap Verde, Uruguay und Saudi-Arabien lagen punktgleich oder enger beisammen, und die direkte Bilanz half der Inselrepublik in eine K.-o.-Runde, in der sie keine Pflicht und kein Erwartungsdruck zu tragen hat.

Bemerkenswert für die Tournament-Statistik: Kap Verde ist nach Ende der Gruppenphase die einzige der 32 verbliebenen Mannschaften ohne Niederlage. Drei Remis aus drei Spielen wäre in einer typischen Sechs-Teams-EM ein unterdurchschnittlicher Wert; im 48er-WM-Format mit 12 Gruppen à vier reichten sie für den Sprung in die K.-o.-Phase und für die historische Note, dass die Inselrepublik im ersten Endrundenauftritt ihrer Verbandsgeschichte noch keinen WM-Punkt abgegeben hat. Die Debütanten-Übersicht zur WM 2026 hatte Kap Verde gemeinsam mit Curaçao, Jordanien und Usbekistan vor Turnierbeginn als spannendes Quartett geführt - heute ist Kap Verde der einzige Debütant unter den letzten 32.

Der R32-Schlager: Argentinien gegen Kap Verde am 4. Juli in Miami

Die Auslosung hat im Sechzehntelfinale die kapverdische Inselrepublik dem Welttournee-Schwergewicht Argentinien zugeteilt. Anpfiff: 00:00 Uhr MESZ in der Nacht von Freitag (3. Juli) auf Samstag (4. Juli) 2026, deutsche Zeit. Spielort: das Hard Rock Stadium in Miami Gardens, Florida - mit rund 65.000 Plätzen Heimspielstätte der NFL-Franchise Miami Dolphins, 1987 eröffnet und in dieser WM unter anderem schon Schauplatz von Uruguay-Kap-Verde am 2. Spieltag. Es ist die 87. von 104 Partien der WM 2026 und das vorletzte Sechzehntelfinale. Im Achtelfinale am 7. Juli (Partie 96, Anstoss 22:00 Uhr MESZ) trifft der Sieger auf den Gewinner aus Spanien gegen Österreich - eine potenzielle Wiederbegegnung mit dem Spanien-Gegner vom Atlanta-Auftakt für Kap Verde, sollte die spanische Selección sich am 2. Juli in Boston durchsetzen.

Argentinien zog als Gruppensieger der Gruppe D in die K.-o.-Runde ein. Den Auftakt hatte die Albiceleste mit dem 3:0 gegen Algerien gewonnen, in dem Lionel Messi mit seinem Treffer historisch zu Miroslav Klose aufschloss; die beiden weiteren Gruppensiege gegen Österreich und Jordanien folgten in Routine. Kapitän Messi steht im wahrscheinlich letzten WM-Sechzehntelfinale seiner Karriere - der 38-jährige Inter-Miami-Stürmer hat im Vorfeld der WM mehrfach betont, dass es seine letzte WM-Endrunde sein dürfte. Die Argentinien-Teamseite führt den Kader inklusive Trainer Lionel Scaloni und ordnet die Titelchancen 2026 ein. Die direkte Bilanz Argentinien gegen Kap Verde gibt es bisher nicht - die beiden Teams haben in Pflichtspielen nie aufeinander getroffen, das einzige Test-Aufeinandertreffen war ein 5:0 für die Albiceleste 2018.

Vom Zwerg zum Riesen: was die Sensation in Kontext rückt

Kap Verde, amtlich Cabo Verde, ist eine Inselrepublik vor der Westküste Afrikas mit zehn bewohnten Inseln und einer Gesamtbevölkerung von rund 500.000. Damit ist die Republik bevölkerungsmässig der zweitkleinste WM-Teilnehmer der Geschichte - hinter Island bei der WM 2018 (rund 340.000 Einwohner) und noch vor Trinidad und Tobago bei der WM 2006 (1,3 Millionen). Der Inselstaat ist seit 1986 FIFA-Mitglied und qualifizierte sich erst 2013 das erste Mal für eine Endrunde überhaupt - den Africa Cup of Nations. Insgesamt nahmen die Tubarões Azuis (Blauen Haie) bislang an vier Africa Cups teil; 2023 erreichten sie das Viertelfinale. Die WM-Qualifikation 2025/26 sicherte sich Kap Verde unter Bubista in der CAF-Quali-Gruppe D vor Kamerun, Libyen, Angola, Mauritius und Eswatini.

Der Bevölkerungs- und FIFA-Rangunterschied zu Argentinien ist exemplarisch: Argentinien rangiert auf Platz 1 der FIFA-Weltrangliste (Stand 1. April 2026), Kap Verde auf Platz 70. Argentinien hat 45 Millionen Einwohner - das ist rund das 90-fache von Kap Verde. Die Albiceleste ist amtierender Weltmeister, dreifacher Copa-América-Sieger seit 2021, hat mit Lionel Messi den achtfachen Ballon-d’Or-Sieger im Kader. Kap Verde hat in seiner gesamten Verbandsgeschichte keine WM- oder Africa-Cup-Trophäe gewonnen.

Was die Inselrepublik in den ersten zehn WM-Tagen 2026 gezeigt hat, hat trotzdem genau die Sensation produziert, die die FIFA mit der Aufstockung von 32 auf 48 Teams erhofft hatte. Die sportschau bezeichnete Kap Verde nach dem Einzug in die K.-o.-Phase als “Weltmeister der Herzen”. Im internationalen Reporting läuft die Inselrepublik als das Turniermärchen 2026 - so wie es Senegal 2002, Südkorea 2002, Ghana 2010 oder Costa Rica 2014 vor ihr waren.

Bubistas Konzept und die Schlüsselspieler

Bubista, Cheftrainer seit 2020, hat aus dem kapverdischen Aufgebot eine defensiv kompakte 4-4-2-Mannschaft geformt, die in der Gruppenphase weder hohen Ballbesitz beansprucht noch auf den ersten Pressing-Druck setzt. Der Plan: Räume eng halten, Konter über die Aussen, Standardsituationen klug nutzen. In drei Gruppenspielen hat Kap Verde nur drei Gegentore kassiert (alle gegen Uruguay) und mit zwei Toren beim 2:2 selbst getroffen - sonst spielte die Defensive jeweils zu null.

Der zentrale Mann zwischen den Pfosten heisst Vozinha - Josimar José Évora Dias, 40, von G.D. Chaves aus der portugiesischen zweiten Liga. Sein Sieben-Paraden-Auftritt gegen Spanien hat ihn binnen 24 Stunden zur globalen Story gemacht; sein Instagram-Profil wuchs vom kleinen Vereins-Account zum Millionen-Konto. Vor ihm verteidigen unter anderem Roberto Lopes (geboren in Dublin, irisch-kapverdische Doppelstaatsbürgerschaft, Shamrock Rovers, defensiver Anker) und Kevin Pina (Mittelfeldsechser, in Frankreich ausgebildet). Im offensiven Mittelfeld hält Deroy Duarte (FC Cincinnati, MLS) die Linien zusammen - er ist der zitierte Sprecher nach dem Houston-Spiel. Vorn versucht Routinier Ryan Mendes (37, ehemals Lille und Nottingham Forest, heute Servette FC) mit Bebe (zweimal an Manchester United verkauft, jetzt Rayo Vallecano-Vergangenheit) und Garry Rodrigues Räume zu finden.

Die taktische Frage gegen Argentinien lautet: kann Bubistas Konzept den Spiel-Rhythmus der Albiceleste so lange unterbrechen, dass eine K.-o.-Runde mit einer Stange Glück und einer Vozinha-Form auf Atlanta-Niveau in die zweite Halbzeit der Verlängerung gerettet werden kann. Ein Elfmeterschiessen wäre dann statistisch ein Lottospiel - so wie die Niederlande gegen Marokko am 30. Juni in Houston gezeigt hat, in dem die Niederlande als Top-10-Team gegen den afrikanischen WM-Halbfinalisten von 2022 mit 2:3 nach Verlängerung ausschied.

Was am Wochenende auf dem Spiel steht

Für Kap Verde geht es im Sechzehntelfinale gegen Argentinien um die historische Chance, sich im ersten WM-Auftritt der Verbandsgeschichte als eines der letzten 16 Teams zu etablieren - ein Schritt, den vorher noch keine der vier WM-Debütanten-Mannschaften 2026 gegangen ist. Die Mannschaft hat in zehn WM-Tagen mehr internationale Aufmerksamkeit gewonnen als die Inselrepublik in ihrer gesamten Verbandsgeschichte zuvor. Für die Spieler bedeutet die K.-o.-Runde nicht nur eine zusätzliche WM-Bühne, sondern auch eine Marktplatz-Bühne: Vozinhas Vertrag bei Chaves ist am 1. Juni 2026 ausgelaufen, mehrere weitere Spieler im Kader haben auslaufende oder kurz vor dem Vertragsende stehende Kontrakte. Die WM 2026 ist für sie eine Karriere-Veränderung in Echtzeit.

Für Argentinien ist das Sechzehntelfinale die erste echte K.-o.-Prüfung des Turniers - und nominal das Spiel mit dem geringsten Modell-Risiko unter den verbleibenden 16 Partien. Sollte die Albiceleste ins Achtelfinale einziehen, wartet voraussichtlich Spanien oder Österreich am 7. Juli - ein Spielfeld, auf dem die K.-o.-Welt sich ändert. Aber bis dahin gilt: 90 Minuten gegen das einzige unbesiegte Team der WM. Spielort wird das gleiche Stadion sein, in dem Kap Verde am 2. Spieltag das 2:2 gegen Uruguay holte - die Inselrepublik kehrt nach Miami zurück, und Bubista hat genau dort die taktische Vorlage in der Hand, dass ein 0:0 nach 90 Minuten gegen einen Favoriten in seinen Reihen kein Schock, sondern ein Plan ist.

Die Übersicht über alle 16 Sechzehntelfinalpartien und die anstehenden Anstosszeiten in MESZ steht im WM-Spielplan; die Modell-Wahrscheinlichkeiten zum Titelrennen 2026 stehen im WM-Rechner zum Weltmeister. Wer in der Nacht zum 4. Juli wach bleibt, sieht entweder die nächste Bestätigung des Argentinien-Favoritenstatus - oder die Fortsetzung einer Geschichte, die nach drei Remis nun zum Schlager geworden ist.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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