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WM 2026

Ismaël Koné: OP nach Schien- und Wadenbeinbruch geglückt - Kanadas Mittelfeld-Anker monatelang weg

Diagnose ist da: Ismaël Koné hat sich gegen Katar Schienbein und Wadenbein gebrochen. Sassuolo-Profi nach erfolgreicher OP monatelang außer Gefecht, WM 2026 vorbei.

Von Marco Feldmann 19. Juni 2026

Ismaël Koné im Sassuolo-Trikot beim Serie-A-Auswärtsspiel gegen Lazio Rom (9. März 2026, Stadio Olimpico). Bei der WM 2026 zog sich der 24-Jährige nach einem Madibo-Foul Schien- und Wadenbeinbruch zu (Foto: SIPA USA / Emanuele Pennacchio). Foto: SIPA USA via SmartFrame

Es ist die Sorte Mitteilung, auf die der kanadische Fußball-Verband seit Donnerstagabend gewartet hat - und vor der er gleichzeitig Angst hatte. Ismaël Koné hat sich beim 6:0-Erfolg über Katar im BC Place zu Vancouver Schien- und Wadenbein gebrochen. Die Operation am Freitag verlief nach Angaben aus dem Mannschafts-Hotel erfolgreich, der 24-Jährige wird aber für den Rest der WM 2026 ausfallen und voraussichtlich auch den Start der Saison 2026/27 in der Serie A bei seinem Klub US Sassuolo verpassen. Trainer Jesse Marsch verliert damit den Mittelfeld-Anker, der das Team in den ersten beiden Spielen gestaltete - mehr als ein sportlicher Verlust für Kanada bei der WM 2026.

Schienbein- und Wadenbeinbruch: die Diagnose vom Freitagmorgen

Die Bilder am späten Donnerstagabend hatten wenig Hoffnung gelassen. Koné lag auf dem Rücken im Strafraum, hielt sich das linke Bein, ein Mediziner-Trupp eilte vom Spielfeldrand heran, schließlich wurde der Mittelfeldspieler auf der Trage vom Feld gebracht. Er winkte den Fans, hob den Daumen - eine Geste, die in den frühen Morgenstunden Ortszeit weltweit durch die Bildagenturen ging. Die offizielle Klarheit folgte am Freitagvormittag in Vancouver: doppelter Bruch im linken Unterschenkel, Tibia und Fibula, dazu eine umgehend angesetzte Operation in einem Krankenhaus in der kanadischen Hafenstadt. Die OP sei “planmäßig” verlaufen, hieß es vom Verband, eine erste Reha-Phase werde in Kanada begonnen, ehe Koné nach Italien zurückkehrt.

Vom kicker bis zur Sportschau sprach im Laufe des Freitags alles davon, dass der Mittelfeldspieler monatelang ausfällt. Eine konkrete Frist nannte der Verband nicht. Vergleichbare Verletzungen bei Profifußballern - der doppelte Unterschenkelbruch mit Plattenosteosynthese - bedeuten erfahrungsgemäß fünf bis acht Monate Pause. Das hieße: Sassuolo verliert seinen Mittelfeldspieler bis weit in die Rückrunde 2026/27, und für die anschließende Klub-Sommerphase ebenso wie für die ersten Pflichtspiele der WM-Quali 2030 muss Kanada ohne ihn planen.

Die 55. Minute, das Madibo-Foul, die VAR-Rote

Wer das Spiel gegen Katar noch einmal sieht, erkennt die Szene unmittelbar: 55. Minute, Kanada führt 3:0 und kontrolliert den BC Place, Koné fordert hoch im Mittelfeld den Ball. Katars Assim Madibo kommt mit gestrecktem Bein heran, trifft Koné direkt auf der Wade. Schiedsrichter Mustapha Ghorbal aus Algerien zieht zunächst nur Gelb. Erst nach Hinweis aus dem Videokeller - kanadische Stationen sprachen von einer Empfehlung des VAR-Teams für eine direkte Rote, der Unparteiische entschied sich am Monitor für die zweite Gelbe - geht Madibo mit Gelb-Rot vom Platz. Eine Entscheidung, die Kanadas Reservebank stillstehen lässt: jeder im Tunnel hat in diesem Moment längst registriert, was bei Koné passiert ist.

In der vierten Halbzeit-Minute, sechs Minuten nach der Auswechslung, dedizierte Nathan Saliba sein 4:0 dem verletzten Mannschaftskollegen. Der 22-jährige Achter, der Koné direkt ersetzte, trug nach seinem Kopfball-Treffer Konés Trikot mit der Rückennummer 8 vor die Tribüne. Es war einer der emotionalsten Momente eines Abends, an dem Kanada zwar seinen ersten WM-Sieg überhaupt feierte, aber von der Mannschaftsbank aus die Hand auf den Bildschirm legte, sobald die TV-Bilder erneut auf Koné im Krankenwagen wechselten.

Sassuolo verliert seinen Achter, Kanada den Anker im Mittelfeld

Für US Sassuolo ist Koné seit Februar 2026 ein zentraler Baustein. Der Klub aus der Emilia-Romagna hatte den 1,88-Meter-Mann zunächst auf Leihbasis von Olympique Marseille geholt und sich Anfang Februar zur permanenten Verpflichtung entschieden, Trikot 90, Vertrag bis 2030. In der vergangenen Spielzeit 2025/26 stand Koné in 35 Serie-A-Spielen auf dem Platz, erzielte sechs Tore - darunter sein gefeierter Treffer beim 2:2 im San Siro gegen AC Milan am 14. Dezember 2025. Trainer Fabio Grosso baute ihn als linken Achter im 4-3-3 ein, mit Box-to-Box-Auftrag und großem Raum nach vorn. Genau das war auch die Rolle, in der Koné bei Kanada glänzte.

Bei der WM 2026 hatte Koné Marschs Mittelfeld zusammengehalten. Im 1:1 zum WM-Auftakt gegen Bosnien-Herzegowina in Toronto war er Spieler des Spiels, gegen Katar war er bis zur 55. Minute mit Abstand der ballsicherste Akteur im Feld - 47 Ballaktionen, 92 Prozent Passquote. “Ismaël ist nicht perfekt, aber dafür lieben wir ihn”, hatte Marsch nach Schlusspfiff zu Protokoll gegeben. Eine ungewöhnliche Formulierung, die in Kanada längst zum geflügelten Wort geworden ist.

Auch jenseits der reinen Spielzeit hat Koné für die Mannschaft eine Funktion: Er war der Brückenkopf zwischen den nordamerikanisch sozialisierten Spielern und der europäisch geprägten Generation um Alphonso Davies, dessen Comeback gegen Katar ebenfalls von Koné mit organisiert worden war. Dass er jetzt in der K.-o.-Phase fehlt, trifft den kanadischen Aufbau strukturell.

Karriere-Portrait: vom Abidjan-Asyl zur Saputo-zur-San-Siro-Bühne

Konés Lebensweg passt zu einer Mannschaft, deren halber WM-2026-Kader sich aus Spielern mit Migrationsgeschichte zusammensetzt. Geboren am 16. Juni 2002 in Abidjan, kam Koné im Vorschulalter mit seinen Eltern aus der Elfenbeinküste nach Quebec. Er wuchs in Montreal auf, durchlief die Jugend-Akademie des CF Montréal und gab sein MLS-Debüt im Juli 2021. Es folgte der erste Turnier-Moment seines Lebens: Bei der WM 2022 in Katar gehörte er mit 20 Jahren bereits zum Kader von John Herdman.

Im Januar 2023 wechselte er für etwa 10 Millionen Euro zum FC Watford in die englische Championship. 58 Pflichtspiele, vier Tore. Im Sommer 2024 holte ihn Olympique Marseille unter dem damaligen Trainer Roberto De Zerbi nach Frankreich - acht Ligue-1-Spiele, dann eine Leihe an Stade Rennes als Auftakt einer ungewollten Wanderschaft. Seit Februar 2026 ist Sassuolo seine sportliche Heimat. Mit der Verlängerung in der Emilia-Romagna kam die Stabilität, mit der Stabilität kam die beste Phase seiner Karriere - und unmittelbar danach die Berufung in Marschs WM-Stammelf.

Konés FIFA-Statistik vor dem Madibo-Foul: 42 Länderspiele, vier Tore, dazu Einsätze bei der Copa América 2024 und dem CONCACAF Gold Cup 2025. Mit dem Treffer-Doppelpack in der WM-Qualifikation gegen Curaçao im Frühjahr 2025 - er traf binnen 17 Minuten zweimal - hatte er sich endgültig in die Stammelf gespielt. Die Frage, ob ihn die Verbände der Elfenbeinküste oder Frankreichs jemals erfolgreich umworben hätten, ist seit Jahren beantwortet: “Kanada hat mir alles gegeben”, sagte Koné 2023 in einem Interview mit dem Toronto Star.

Was Marsch jetzt tun kann: Nachnominierung und K.-o.-Phase ohne Koné

Sportlich steht Kanada trotz des Schocks vor einer historischen Konstellation. Mit sechs Punkten und einem Torverhältnis von 7:1 ist die Mannschaft praktisch sicher fürs Sechzehntelfinale qualifiziert. Das letzte Gruppenspiel am 24. Juni 2026 gegen die Schweiz in Vancouver - ebenfalls im BC Place - hat damit eher Aufstellungs- als Existenz-Charakter. Marsch dürfte rotieren, der Druck auf Koné-Ersatz Saliba steigt, gleichzeitig kommt Sechser Stephen Eustáquio vom FC Porto in den Fokus.

Die FIFA erlaubt Verletzungs-Nachnominierungen bis 24 Stunden vor dem nächsten Mannschaftsspiel. Heißt: Bis spätestens Dienstagabend Ortszeit muss der kanadische Verband entscheiden, ob er einen weiteren Mittelfeldspieler beruft. Naheliegende Kandidaten sind Mathieu Choinière (CF Montréal) und Liam Fraser (CF Montréal), beide nahmen am letzten Pre-WM-Trainingslager teil. Beim CF-Montréal-Sportchef ging am Freitag erst spät eine offizielle Anfrage ein.

Was bleibt, ist die größere Geschichte. Kanada hat seinen ersten WM-Sieg überhaupt errungen - und gleichzeitig seinen wichtigsten Mittelfeldspieler verloren. “Magisch und tragisch”, titelte der kicker am Freitagnachmittag, der entsprechende Doppelschlag spiegelt sich auch in der Stimmung im kanadischen Quartier in Coquitlam wider. Marsch sagte am Abend in einer kurzen Stellungnahme: “Wir spielen die nächsten Spiele für Ismaël.” Eine Formel, die das Team über die letzten Stunden getragen hat - und es ab Mittwoch in der Vorrunde gegen die Schweiz und danach in der K.-o.-Phase der WM 2026 tragen muss.

Mehr zur Bühne des Geschehens findet sich im Stadion-Profil BC Place Vancouver, den Tabellen-Stand der schweren Vorrundengruppe sortiert das Pillar Gruppe B - jene Konstellation, in der Koné am Donnerstagabend zur tragischen Hauptfigur eines historischen kanadischen Abends wurde.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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