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WM 2026

Marcos Llorente tritt aus der Nationalelf zurueck: Weltmeister verlaesst Spanien

Spaniens Weltmeister Marcos Llorente (31, Atletico Madrid) beendet die Nationalelf-Karriere: drei WM-Einsaetze, im MetLife-Finale nicht im Kader, 27 Laenderspiele.

Von Marco Feldmann 03. September 2026

Guadalajara, 26. Juni 2026: Marcos Llorente im letzten Gruppen-Spiel gegen Uruguay im Estadio Akron im Duell mit Maximiliano Araujo. Es war einer von drei WM-Einsaetzen des Atletico-Profis; im Endspiel gegen Argentinien am 19. Juli in East Rutherford sass er nicht im Kader (Foto: Zuma Press Wire). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Marcos Llorente hat am Donnerstagabend seine Karriere in der spanischen Nationalmannschaft beendet. Der 31-jaehrige Mittelfeldspieler von Atletico Madrid gab die Entscheidung am 3. September 2026 bekannt - keine sieben Wochen nach dem 1:0 nach Verlaengerung im WM-Finale von East Rutherford gegen Argentinien und ohne dass er in dem Endspiel im MetLife Stadium ueberhaupt im Kader gestanden haette.

Es ist ein Rueckzug aus der zweiten Reihe des Weltmeister-Kaders, den die Kicker-Ueberschrift zutreffend als “Viele werden das nicht verstehen” aufgemacht hat. 27 Laenderspiele, kein Tor, drei WM-2026-Einsaetze, ein EM-Titel 2024 in Berlin - und mit 31 Jahren, im Selbst-Verstaendnis von de la Fuentes Kader, eher Reservist als Stammspieler.

Die Ankuendigung: was Llorente am Donnerstag gesagt hat

Der Wortlaut liegt in der Kicker-Meldung von Donnerstagabend, 20:17 Uhr MESZ, vor. “Nachdem ich lange darueber nachgedacht habe, habe ich beschlossen, meine Zeit in der Nationalmannschaft zu beenden”, sagte Llorente. Und weiter: “Mir ist bewusst, dass ich noch jung bin und dass ich vielleicht noch Jahre vor mir haette, um in diesem Trikot zu spielen, wenn ich weiterhin gute Leistungen zeige.”

Die Ankuendigung erreichte den deutschsprachigen Raum am spaeten Donnerstagnachmittag ueber die kicker.de-Feeds und ueber die spanische Fach-Presse; sie folgt keiner Verletzung, keinem oeffentlichen Zerwuerfnis mit Bundestrainer Luis de la Fuente und keiner Nations-League-Nominierungs-Runde, die als Ausloeser genannt werden koennte. Was Llorente formuliert, ist eine geplante Entscheidung mit Karriere-Deckel-Argument - ein Muster, das im spanischen Kader nach dem WM-Titel bereits zum zweiten Mal auftaucht.

Die WM 2026 aus der Bench-Perspektive: drei Einsaetze bis zum MetLife-Titel

Llorentes Beitrag zum spanischen Titel-Lauf in Nordamerika war Reservisten-Arbeit. In der Gruppenphase kam er beim 1:1 gegen Uruguay im Estadio Akron in Guadalajara am 26. Juni 2026 zu einer Einwechslung in der Schluss-Phase; auch die drei Gruppenspiele gegen Peru (Ersatzbank), Kap Verde (Ersatzbank) und Oesterreich (Ersatzbank) verbrachte er ueberwiegend an der Seiten-Linie. Sein Kader-Nutzen lag im Optionswert, den de la Fuente an Universal-Aussenverteidigern und defensiv-mobilen Sechser-Kandidaten schaetzt.

In der K.-o.-Phase - Sechzehntelfinale gegen den Gruppen-A-Zweiten, Achtelfinale gegen Portugal (1:0-Merino-Kopfball), Viertelfinale und Halbfinale gegen Frankreich im AT&T Stadium (2:0) - kam Llorente jeweils nicht zum Einsatz. Beim Endspiel selbst, dem 1:0-Sieg nach Verlaengerung durch das Ferran-Torres-Tor in der 106. Minute, war er nicht in der 26-Mann-Auswahl. Aus dieser Situation heraus ist der Ruecktritt konsequent: Ein Spieler, der die groesste Buehne des Fussballs miterlebt, aber nicht mitbestreitet, hat den natuerlichen Zeitpunkt fuer den Abschied gefunden.

Das Ye-Yé-Erbe der Familie und die Real-Madrid-Atletico-Wende

Marcos Llorente kommt aus einer Real-Madrid-Fussballer-Dynastie, wie sie in der spanischen Hauptstadt selten ist. Sein Grossonkel Francisco Gento (1933-2022) war die Aussenstuermer-Ikone der Ye-Yé-Real-Madrid-Generation und gewann fuenfmal in Folge den Europapokal der Landesmeister (1956 bis 1960). Sein Grossvater Ramon Grosso spielte im Real-Madrid-Team, das 1966 den sechsten Europacup holte. Sein Vater Paco Llorente (Jahrgang 1965) trug das weisse Trikot zwischen 1987 und 1994 und feierte drei spanische Meisterschaften.

Marcos wuchs mit dem Real-Madrid-Ausbildungs-Pfad auf: Nachwuchs 2008-2014, Castilla 2014-2016, erste Mannschaft 2015-2019 (22 Einsaetze plus die Deportivo-Alaves-Leihe 2016/17 mit 32 Einsaetzen). Der bruchhafte Karriere-Kick kam im Sommer 2019 mit dem Wechsel zum Stadt-Konkurrenten Atletico Madrid, wo er unter Diego Simeone zum Universal-Spieler auf sechs verschiedenen Positionen ausgebildet wurde. 212 Pflichtspiel-Einsaetze und 24 Tore fuer die Rojiblancos stehen inzwischen zu Buche, dazu die spanische Meisterschaft 2021.

Fuer die Nationalmannschaft debuetierte er unter Luis Enrique am 11. November 2020 in einem Freundschaftsspiel gegen die deutsche Elf. Kader-Nominierungen fuer die EM 2020 (Halbfinal-Aus gegen Italien im Elfmeterschiessen), die WM 2022 in Katar (ein Einsatz, Achtelfinal-Aus gegen Marokko im Elfmeterschiessen) und die EM 2024 mit dem Titel im Berliner Olympiastadion folgten. Der Bogen endet mit einem Weltmeister-Sternchen im Trikot - das grosse Turnier, das er im Finale von der Ehrentribuene verfolgte.

Der Ruecktritts-Kontext post-WM: Cucurella, Ruediger, Messi und jetzt Llorente

Der Llorente-Rueckzug fuegt sich in eine Post-WM-2026-Kette ein, die in der Weltmeister- und Vize-Weltmeister-Umgebung inzwischen ein Muster erkennen laesst.

Vorlaeufer im spanischen Kader war Marc Cucurella: Der Chelsea-Linksverteidiger hatte am Samstag vor dem Endspiel, dem 18. Juli 2026, im Movistar+-Interview einen bedingten Ruecktritt angekuendigt - er wolle Luis de la Fuente am Tag nach einem Titelgewinn anrufen und aus der Nationalmannschaft zuruecktreten. Seine Begruendung damals: “Mit einer Europameisterschaft und einer Weltmeisterschaft koennte ich nichts Besseres mehr erreichen.” Die Wortwahl ist mit Llorentes fast deckungsgleich, die Position im Kader (Cucurella als Stamm-Linksverteidiger, Llorente als Bench-Spieler) hingegen entgegengesetzt.

Im DFB-Umfeld hat Antonio Ruediger seinen Rueckzug am 30. August 2026 per Instagram-Post bekannt gegeben, nach 86 Laenderspielen. Bei Argentinien folgte einen Tag spaeter, am 31. August, der Instagram-Ruecktritt von Lionel Messi nach 207 Laenderspielen und Vize-Weltmeister-Trophaeengang.

Vier Wochen nach dem MetLife-Finale steht damit ein sichtbares Muster: Wer die WM 2026 als Weltmeister oder unmittelbar am Rand des Titels erlebt hat, prueft danach nuechtern das eigene Alter, den kommenden Vier-Jahres-Zyklus und den zu erwartenden Grenznutzen weiterer Nations-League-Runden.

Was das fuer die Nations-League-Runde ab September 2026 bedeutet

Fuer Luis de la Fuentes ersten Kader-Zyklus nach dem Titel hat der Llorente-Abschied konkrete Konsequenzen. Der Bundestrainer hat den Atletico-Profi in seiner Amtszeit als eine Art vertrauens-technische Universalversicherung eingesetzt: mal rechter Aussenverteidiger, mal einer der drei zentralen Sechser, mal ein zusaetzlicher Box-to-Box-Laeufer, je nach Spielverlauf. Diese Rolle ist im aktuellen Kader schwer zu duplizieren.

Fabian Ruiz (Paris Saint-Germain) uebernimmt im Mittelfeld die zentrale Ordnungs-Rolle. Auf der rechten Aussenposition sitzt Pedro Porro (Tottenham) fest, links ist der Dauer-Wettstreit zwischen Alejandro Balde (Barcelona) und Alex Grimaldo (Bayer Leverkusen) offen. Dazu kommt: Sollte Cucurella im Nachgang zu seiner Juli-Ankuendigung tatsaechlich einen Anruf beim Bundestrainer aufsetzen, waeren beide Aussenverteidiger-Positionen im September gleichzeitig in einem Umbruch. Fuer die Nations-League-Runde-A-Termine im September und Oktober 2026 muss de la Fuente also nicht nur einen Reservisten, sondern moeglicherweise einen Stamm-Linksverteidiger neu integrieren.

Fuer Llorente selbst geht es zurueck an die Metropolitano-Achse. Atletico Madrid hat unter Diego Simeone die Saison 2026/27 in der Champions-League-Ligaphase, in der Copa del Rey und in der Meisterschaft vor sich - Rechnung ohne die Nationalmannschafts-Doppelbelastung, die er seit November 2020 an sich getragen hatte. Ein Karriere-Deckel im Trikot der Roja, ein Klub-Kapitel weiter offen.

Weitere Einordnungen zum spanischen Post-WM-Kader liefern die Weltmeister-Heimkehr-Chronik in Madrid sowie die Team-Uebersicht auf der Spanien-Seite im WM-Hub.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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