Riyad Mahrez tritt zurueck: Algeriens Fussball-Legende beendet Laenderspiel-Karriere nach WM-Aus
Nach dem 0:2 gegen die Schweiz erklaert Riyad Mahrez in Vancouver seinen Ruecktritt aus der Nationalmannschaft. 119 Laenderspiele, 40 Tore, Afrika-Cup-Sieger 2019.
Von Marco Feldmann 03. Juli 2026
Riyad Mahrez hat nach dem 0:2 gegen die Schweiz im Sechzehntelfinale der WM 2026 sein Karriereende in der algerischen Nationalmannschaft verkuendet. Der 35-Jaehrige stellte sich am Donnerstagabend Ortszeit in der Mixed Zone des BC Place in Vancouver den mitreisenden Reportern und beantwortete die Frage nach seiner Zukunft mit einem klaren “Ja, das war mein letztes Spiel in der Nationalmannschaft”. Mahrez war in der 71. Minute im BC Place fuer Mohamed Amoura ausgewechselt worden und hatte kurz zuvor mit einem geblockten Distanzschuss die letzte grosse algerische Chance auf den Ausgleich vergeben. Sein Ruecktritt beendet eine zwoelf Jahre lange Fennecs-Aera mit 119 Laenderspielen, 40 Toren, dem Afrika-Cup-Titel 2019 und dem Ruf des zentralen Spielmachers und Kapitaens der algerischen Fussball-Generation nach 2010.
Der Ruecktritts-Moment: Mixed Zone in Vancouver, direkt nach der Auswechslung
Der Ruecktritt kam nicht auf einer Pressekonferenz, sondern in der Mixed Zone unmittelbar nach dem Abpfiff. Mahrez hatte das Feld in der 71. Minute geraeumt, den Handschlag mit dem eingewechselten Youcef Belaili absolviert und danach die algerische Bank aufgesucht. Die algerische Sport-Kommunikations-Chefin Amel Bouchouki hatte die Journalisten nach dem Abpfiff darauf hingewiesen, dass Mahrez sich aeussern werde - klassisches Signal fuer eine vorbereitete Botschaft. Der Al-Ahli-Profi kam mit ruhigem Blick vor die deutschsprachigen und internationalen Mikrofone. Auf die knappe Nachfrage der Reporter, ob er weitermache, folgte die Ein-Satz-Antwort. Ein zweiter Satz kam ohne Aufforderung hinterher: “Auf diesem Niveau werden Fehler in der Defensive sofort bestraft. Wir haben in diesem Turnier zu viele Tore kassiert.”
Damit spielte Mahrez auf die algerische Turnier-Bilanz an: ein Sieg (2:1 gegen Oesterreich), zwei Niederlagen (0:3 gegen Argentinien im Auftakt und 1:2 gegen Paraguay am dritten Spieltag), Gruppen-J-Dritter mit drei Punkten hinter Argentinien und Paraguay, dank der Best-Third-Regelung des 48er-Formats aber Einzug ins Sechzehntelfinale. Dort wartete die Schweiz mit einem souveraenen 2:0 durch Embolo und Ndoye. Es war das erste WM-Aufeinandertreffen der beiden Verbaende und fuer Mahrez das letzte von 119 A-Laenderspielen. Nachfolge-Trainer Vladimir Petkovic, der die Fennecs im Sommer 2025 von Djamel Belmadi uebernommen hatte, sagte auf der Post-Match-Pressekonferenz zur Mahrez-Ankuendigung schlicht: “Riyad ist eine Legende dieses Verbandes. Wenn das seine Entscheidung ist, respektieren wir sie. Er hat der Nationalmannschaft alles gegeben.”
Zahlen und Historie: 119 Spiele, 40 Tore, 12 Jahre Fennecs
Riyad Mahrez debuetierte am 31. Mai 2014 unter dem damaligen Trainer Vahid Halilhodzic beim WM-Testspiel-Sieg gegen Armenien (3:1) in Sion. Zwischen dem Debuet und dem 2. Juli 2026 in Vancouver stehen 119 A-Laenderspiele und 40 Tore zu Buche - eine Bilanz, die ihn auf Rang zwei der ewigen algerischen Torschuetzenliste hinter Islam Slimani (rund 46 Tore) und auf Rang zwei der ewigen Fennecs-Einsatz-Liste hinter Lakhdar Belloumi (rund 148 Einsaetze in den 1980er Jahren) einordnet. Die algerische Presse rechnete am Freitagmorgen vor: Mahrez hat waehrend seiner Nationalmannschafts-Aera drei WM-Endrunden mitgemacht (Brasilien 2014, Katar 2022 als Nicht-Qualifikant, WM 2026 in Nordamerika), vier Afrika-Cup-Endrunden (2015 Aequatorialguinea, 2017 Gabun, 2019 Aegypten mit Titel, 2021/22 Kamerun) und rund 25 WM-Qualifikations-Spiele.
Der Karriere-Bogen mit den Fennecs zerfaellt in drei Kapitel. Von 2014 bis 2018 unter Halilhodzic, Christian Gourcuff und Milovan Rajevac war Mahrez der aufstrebende Fluegel-Techniker, der sich neben Sofiane Feghouli und Islam Slimani entwickelte und im WM-2014-Achtelfinale gegen Deutschland (1:2 nach Verlaengerung in Porto Alegre) sein WM-Debuet gab. Zwischen 2018 und 2022 unter Djamel Belmadi war er das Gesicht der Afrika-Cup-Sieger-Elf und gewann mit den Fennecs 2019 in Aegypten den ersten Kontinentaltitel seit 1990 - unter anderem mit einem legendaeren Freistoss-Siegtor in der 95. Minute gegen Nigeria im Halbfinale in Kairo. Und ab 2022 unter Belmadi und ab 2025 unter dem Schweizer Vladimir Petkovic war Mahrez der Kapitaen und Spielmacher, der die WM-2022-Qualifikations-Pleite gegen Kamerun ueberstand und die Fennecs zur WM 2026 fuehrte.
Die Titel: Afrika-Cup 2019, Champions League 2023 und fuenf Premier-League-Meisterschaften
Auf Klub-Ebene ist die Titel-Sammlung noch groesser. Als Leicester-City-Profi wurde Mahrez am 3. Mai 2016 englischer Meister der Saison 2015/16 - der legendaeren Ranieri-Sensations-Saison, in der die Foxes mit den zweiten Wettbueros-Quoten von 5000 zu 1 die Premier League gewannen. Mahrez wurde damals PFA Players’ Player of the Year und Afrikas Fussballer des Jahres 2016 - der erste Algerier, der die letztgenannte Auszeichnung seit Rabah Madjer 1987 gewann.
Beim Wechsel zu Manchester City im Juli 2018 folgten vier weitere Premier-League-Titel (2018/19, 2020/21, 2021/22, 2022/23), zwei FA-Cup-Titel, drei League-Cup-Titel und die Kroenung im UEFA-Champions-League-Finale am 10. Juni 2023 in Istanbul, in dem City Inter Mailand mit 1:0 durch einen Rodri-Treffer besiegte. Mahrez stand in der Startelf, spielte 88 Minuten und wurde in der Schluss-Phase fuer Kevin De Bruyne (der nach 36 Minuten verletzt raus musste, dann kam Foden) und Julian Alvarez ausgewechselt. Mit dem Doppel-Triple aus Premier League, FA Cup, Champions League kroente City die legendaerste Saison der Klub-Geschichte.
Im Sommer 2023 folgte der Wechsel zu Al-Ahli nach Dschidda in Saudi-Arabien - Teil der grossen Saudi-Pro-League-Investitions-Offensive rund um Ronaldo, Benzema, Firmino und Mahrez. Bei Al-Ahli gewann er 2024 den Saudi Super Cup und 2025/26 unter dem Salzburger Ex-Trainer Matthias Jaissle die AFC Champions League Elite - die kontinentale Krone Asiens. Sein Vertrag laeuft bis 2027.
Der Karriere-Bogen: von Sarcelles ueber Le Havre und Leicester nach Manchester und Dschidda
Der Weg des 1991 in Sarcelles bei Paris geborenen Mahrez, Sohn algerisch-marokkanischer Eltern, war typisch fuer die franzoesische Banlieue-Generation. Ausbildung im AAS Sarcelles und im US Beauvais, Profi-Debuet 2010 in der Ligue 2 beim Le Havre AC, wo er unter Trainer Cedric Daury in vier Saisons rund 60 Ligue-2-Einsaetze absolvierte und die Aufmerksamkeit englischer Scouts auf sich zog. Der Wechsel zum damaligen englischen Zweitligisten Leicester City im Januar 2014 fuer eine Ablosesumme von rund 450.000 Britischen Pfund war die Weichenstellung: Innerhalb von zwei Saisons stieg er mit Leicester in die Premier League auf und wurde im dritten Jahr englischer Meister. Anschliessend die vier Jahre bei Manchester City mit Pep Guardiola. Und dann Al-Ahli.
Fuer die Nationalmannschaft entschied sich Mahrez waehrend seiner Zeit in Le Havre, obwohl er auch fuer Frankreichs U-Auswahlen infrage gekommen waere. Sein Doppelburger-Onkel Fouad Mahrez hatte in den 1980er Jahren fuer den franzoesischen Amateur-Verband gespielt; Riyad wollte den Fennecs den Vorzug geben.
Was jetzt fuer Algerien kommt: Neuaufbau unter Petkovic
Fuer die Fennecs beginnt jetzt ein Neuaufbau ohne den Kapitaen und Kombinations-Chef der letzten Dekade. Vladimir Petkovic, der Nachfolger Djamel Belmadis seit Juli 2025, hatte den Turnier-Auftritt in Nordamerika ohnehin als Uebergangs-WM eingeordnet und mehrfach betont, dass spaetestens fuer den Afrika-Cup 2027 in Kenia, Tansania und Uganda der Generationenwechsel abgeschlossen sein muesse. Die aktuellen Kandidaten der neuen Generation:
- Mohamed Amoura (25, VfL Wolfsburg, seit Sommer 2024 in der Bundesliga, rund 20 Bundesliga-Tore in der Saison 2025/26)
- Ibrahim Maza (20, Hertha BSC, algerisch-deutscher Doppelbuerger, im Vancouver-Kader gegen die Schweiz in der Startelf)
- Youcef Belaili (34, Espanyol Barcelona) - der klassische Fluegel-Techniker der Uebergangs-Elf
- Rayan Ait-Nouri (24, FC Chelsea) - der Neuzugang auf der linken Aussenbahn
- Hicham Boudaoui (26, Karagumruk Istanbul) - Mittelfeld-Achter
Auf der Kapitaens-Front waere Aissa Mandi (34, Trabzonspor, 96 A-Laenderspiele) der naechst-erfahrenste Anwaerter. Fuer die WM-Qualifikation zur WM 2030 (Marokko/Portugal/Spanien/Uruguay/Argentinien/Paraguay) startet die CAF-Qualifikation voraussichtlich im September 2027 - Zeit fuer den Umbau.
Fuer Mahrez selbst bleibt Al-Ahli. Und die Erinnerung an ein Freistoss-Tor in der 95. Minute am 14. Juli 2019 in Kairo, das die Fennecs ins Finale eines Afrika-Cups schoss, den sie kurz danach gewannen.
Autor
Marco FeldmannRedakteur Internationaler Fußball
Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.
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