Major Tom bleibt DFB-Torhymne bei der WM 2026
Zwei Tage vor dem Curaçao-Auftakt bestaetigt der DFB: Peter Schillings Major Tom bleibt Torhymne. WM 2026 laesst erstmals jede Nation selbst waehlen.
Von Lukas Brandt 12. Juni 2026
Der DFB hat am Freitagnachmittag eine der letzten offenen Fragen vor dem WM-Auftakt geklaert, und sie hat nichts mit der Nummer eins im Tor oder dem Sturmzentrum zu tun. Zwei Tage vor dem Anpfiff gegen Curaçao im NRG Stadium von Houston steht fest: “Major Tom (Voellig losgeloest)” von Peter Schilling bleibt die offizielle Torhymne der deutschen Nationalmannschaft. Anders gesagt - wenn Kai Havertz, Florian Wirtz oder Nick Woltemade am Sonntag gegen Curaçao treffen, wird im Stadion in Houston der 1982er Synthie-Hit losgehen, der bereits bei der EM 2024 im ganzen Land mitgegroelt wurde.
Die Bestaetigung ueber den Sportschau-Liveblog kam parallel zur Meldung bei kicker.de und ist weniger trivial, als sie klingt. Denn die FIFA hat fuer dieses Turnier zum ersten Mal die Praxis aus den nordamerikanischen Sport-Ligen uebernommen, dass jede Nation ihren Tor-Sound selbst waehlen darf.
”Voellig losgeloest” bleibt: Was der DFB am Freitag bestaetigt hat
Die Nachricht passt in einen Satz: Major Tom bleibt. Und doch ist sie das Ende einer Diskussion, die seit der Heim-EM 2024 immer wieder hochpoppte. Damals war der Song nach einer Petition im Maerz 2024 ueber die EM-Spiele zur inoffiziellen Hymne geworden, der DFB hatte ihn nach dem Turnier offiziell zur Torhymne aller Nationalteams erklaert - Maenner und Frauen, vom A-Team bis zur U17.
Dass das auch im Sommer 2026 so bleibt, war keine Selbstverstaendlichkeit. Ein neues Turnier, neue Stadien, eine neue FIFA-Regel - es haette einen Anlass fuer einen Wechsel gegeben. Der DFB hat sich dagegen entschieden. Begruendung aus dem Verbandsumfeld: Die Spieler haetten sich gegen einen Wechsel ausgesprochen, der Song sei mittlerweile Teil der Routine und mit der erfolgreichsten Phase der juengeren DFB-Geschichte verknuepft. Auch DFB-Generalsekretaer Andreas Rettig hat in der Praemien-Verhandlung mit Joshua Kimmich und Jonathan Tah signalisiert, dass Kontinuitaet das Stichwort dieser Vorbereitung ist.
Drei Songs in einem Paket: An Tagen wie diesen und Zeit, dass sich was dreht
Nach Sportschau-Informationen hat der DFB nicht nur Major Tom an die FIFA gemeldet. Zwei weitere “Signature Songs” stehen auf der Liste, die der Verband bei der WM-Stadionregie eingereicht hat: “An Tagen wie diesen” von Die Toten Hosen und “Zeit, dass sich was dreht” von Herbert Groenemeyer. Die genaue Spielregie - wann welcher Song laeuft - kommuniziert der DFB nicht. Bei der EM 2024 lief Major Tom nach jedem Tor, “An Tagen wie diesen” ueblicherweise nach Schlusspfiff im Falle eines Siegs. Eine vergleichbare Aufteilung gilt als Standard.
Auffaellig: Beide Zusatz-Songs sind keine Stadion-Klassiker im engeren Sinn, sondern Tracks mit grossen Mitsing-Refrains und einer expliziten Botschaft. “An Tagen wie diesen wuenscht man sich Unendlichkeit” und “Zeit, dass sich was dreht” zielen erkennbar darauf ab, Stimmung in Stadien zu erzeugen, in denen der deutsche Fanblock prozentual kleiner sein wird als bei einem Heimturnier. Vor allem im NRG Stadium in Houston, in dem Deutschland am Sonntag gegen Curaçao um 19:00 MESZ den Auftakt spielt, erwartet der DFB einen lautstark gemischten Block, in dem Curaçao-Fans aus dem Houstoner Niederlande-Umfeld und mitgereiste DFB-Anhaenger aufeinandertreffen.
Wieso jede Nation erstmals waehlen darf - und was die anderen aufgelegt haben
Die FIFA-Regel ist in den offiziellen Stadionbetriebs-Richtlinien fuer die WM 2026 verankert: Jeder der 48 Teilnehmer darf bis zu drei eigene Signature-Songs an die Stadionregie melden, die nach Toren, beim Einlauf oder am Schlusspfiff gespielt werden. Bisher hatte die FIFA bei WM-Turnieren ein einheitliches Sound-Set vorgegeben, das von einem turnierweiten Komponisten erstellt wurde - so etwa “Waving Flag” 2010 oder “Live It Up” 2018. Bei der WM 2022 in Katar war das Sound-Konzept zentralisiert.
Die Aenderung fuer 2026 ist eine bewusste Geste an die Co-Gastgeber USA und Kanada, wo NHL- und NBA-Teams seit Jahrzehnten eigene “Goal Horns” und Soundtracks pflegen. Mexiko, der dritte Co-Gastgeber, hat das Prinzip am 11. Juni im Aztekenstadion erstmals demonstriert: Beim 2:0-Eroeffnungssieg gegen Suedafrika ertoente nach beiden Treffern “El Son de la Negra”, ein traditionelles Mariachi-Stueck, das im Jalisco-Stil der 1940er Jahre arrangiert ist und als heimliche Zweithymne Mexikos gilt. Der Effekt war beachtlich: Die Mariachi-Trompeten gaben dem ohnehin ohrenbetaeubend lauten Heimspiel im 87.000er-Aztekenstadion eine bewusst kulturelle Praegung - parallel zur grossen Eroeffnungsfeier mit Shakira, J Balvin und Mana.
Andere Nationen sind bislang weniger offen mit ihrer Wahl umgegangen. US Soccer hat einen US-Pop-Track eingereicht, dessen Titel die FIFA noch nicht freigegeben hat. Kanada hat einen kanadischen Indie-Song hinterlegt, der am Freitagabend bei der zweiten Eroeffnungsfeier im BMO Field in Toronto angeschnitten werden duerfte. Spanien geht mit einem Flamenco-Pop-Track, England mit einem Oasis-Klassiker - die genaue Liste ist Teil der WM-Stadionregie und wird je Spieltag freigegeben.
Vom 1982er Nummer-1-Hit zur DFB-Hymne: Major Toms ungewoehnliche Karriere
Peter Schilling, geboren 1956 in Stuttgart, veroeffentlichte “Major Tom (Voellig losgeloest)” Ende 1982 als Teil seines Debuetalbums. Der Song ueber den Astronauten, der “voellig losgeloest von der Erde” durchs All schwebt, ist eine deutsche Antwort auf David Bowies “Space Oddity” und erreichte Platz 1 im deutschsprachigen Raum. Die englische Version “Major Tom (Coming Home)” stieg im Herbst 1983 auf Platz 14 der US Billboard Hot 100 ein und hielt sich in Kanada acht Wochen lang an der Spitze der Charts - ein bemerkenswerter Erfolg fuer einen deutschen Synthie-Pop-Track.
Die zweite Karriere des Songs begann im Maerz 2024, als eine Petition forderte, ihn zur EM-2024-Torhymne der DFB-Auswahl zu machen. Der DFB folgte, der Song lief nach jedem Tor der Heim-EM und wurde von 60.000 Stadiongaesten mitgegroelt. Konsequenz: Im Juli 2024 schaffte es die Originalfassung zurueck in die deutschen Single-Charts - 41 Jahre nach dem Debuet, der einzige Hit, dem das bislang in Originalfassung gelungen ist. Seitdem ist Major Tom Pflichtprogramm bei jeder DFB-Partie, vom Test in Herzogenaurach bis zum Champions-League-Halbfinale-Helden auf dem Trainingsplatz.
Was das fuer den Auftakt gegen Curaçao am Sonntag bedeutet
Ganz praktisch heisst das: Falls Deutschland am Sonntag um 19:00 MESZ im NRG Stadium gegen den Curaçao-Auftakt trifft - und die historische DE-Auftakt-Bilanz von 14 Siegen aus 22 WM-Eroeffnungen spricht klar fuer Deutschland - wird Peter Schillings Synthesizer durch die texanische Klimaanlage roehren. Fuer die ARD-Zuschauer in Deutschland ist das praktisch ein akustisches Heimspiel-Surrogat: Major Tom war auch der Sound, mit dem Florian Wirtz das EM-Achtelfinale gegen Daenemark in Dortmund einleitete.
Fuer das DFB-Team, das sich unter Bundestrainer Julian Nagelsmann in dieser Vorbereitung bewusst eng an die EM-2024-Routinen angelehnt hat - vom Trainingslager-Stil bis zur PK-Choreografie -, ist die Torhymne ein weiteres Indiz, dass Kai Havertz und seine Mitspieler nicht alles neu erfinden, sondern an die letzte erfolgreiche Phase anknuepfen wollen. Wenn Major Tom in Houston laeuft, ist das mehr als ein Pop-Song. Es ist das akustische Bekenntnis zu einer Mannschaft, die sich daran erinnern moechte, wie EM-2024-Stimmung sich angefuehlt hat - und wie sie sich anhoeren soll, wenn das DFB-Team Tore schiesst.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.
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