DFB-WM-Prämien 2026: Wie Rettig, Kimmich und Tah über den Schnaps mehr verhandeln
48 Stunden vor dem WM-Auftakt gegen Curaçao stehen DFB und Mannschaftsrat in der Prämien-Frage kurz vor der Einigung. Was 2014 und 2022 floss und was 2026 möglich ist.
Von Lukas Brandt 12. Juni 2026
48 Stunden vor dem WM-Auftakt 2026 gegen Curaçao sind sich der DFB und der Mannschaftsrat in der Frage der Siegprämien noch nicht einig. Geschäftsführer Sport Andreas Rettig hat die Verhandlungsführung übernommen und kommunizierte am Donnerstag mit einer Mischung aus Lakonie und Versprechen, die im DFB-Lager Winston-Salem gut ankommt. “Wenn wir Weltmeister werden, wollen wir einen Schnaps mehr”, sagte Rettig in einer kicker-Runde und beschrieb damit ohne konkrete Summe, was die DFB-Auswahl am Ende eines vollständigen Sechs-Spiele-Wegs durch das Turnier zusätzlich erwarten kann.
Was 2014 und 2022 floss - und was sich seitdem geändert hat
Die Vergleichswerte stehen seit Jahren in der DFB-Bilanz. Nach dem WM-Titel 2014 in Brasilien zahlte der Verband an jeden Nationalspieler 300.000 Euro Siegprämie aus, vereinbart vor dem Turnier zwischen Verbands-Spitze und Spielerrat. Vier Jahre später, beim Aus in der Vorrunde der WM 2018 in Russland, sah die Skala 350.000 Euro vor - aus rein hypothetischen Gründen blieb das Papier. Für die WM 2022 in Katar wurden 400.000 Euro pro Spieler vereinbart, ebenfalls nicht aktiviert, weil die Mannschaft in der Vorrunde scheiterte. 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wäre laut Rettig nun ein Sprung über die 400.000 fällig.
Hinter der Rechnung steht das gewachsene FIFA-Preisgeld. Die FIFA hat den Pool für die WM 2026 mit der Erweiterung auf 48 Teams und 104 Spiele deutlich aufgestockt. Wie viel davon an den DFB als Titelträger fließen würde, ist noch nicht offiziell bekanntgegeben, der Verband rechnet aber mit deutlich höheren Zuwendungen als 2022. Die Einnahmen sind zudem in US-Dollar zugesagt, was die DFB-Treasury vor neue Kursfragen stellt.
Wer verhandelt - Rettig und Neuendorf vs. Kimmich und Tah
Aufseiten der Mannschaft sind Kapitän Joshua Kimmich und Innenverteidiger Jonathan Tah die Hauptansprechpartner. Beide gehören zum vor dem Turnier neu konstituierten Mannschaftsrat. Tah, mit dem 2023er-Meistertitel des Bayer 04 Leverkusen im Rücken und seinem Sommer-2024-Wechsel zum FC Bayern, ist im Rat der Stille-Pol, der nach außen die wenigen Statements gibt. “Ja, wir sind kurz davor. Also, es sieht gut aus”, sagte Tah am Donnerstag in Winston-Salem zur Frage, ob die Einigung kurz bevorstehe.
Aufseiten des DFB führt Andreas Rettig, seit Frühjahr 2024 Geschäftsführer Sport, gemeinsam mit Präsident Bernd Neuendorf die Gespräche. Rettig hatte bereits im Mai erklärt: “Wenn die Mannschaft Weltmeister wird, gibt es mehr als in Katar, weil deutlich mehr reinkommt.” Die Verhandlungsformel ist seither kohärent geblieben. Niemand soll im Lager Lagerkoller bekommen, das hatte zuletzt auch Sportdirektor Rudi Völler in seiner PK in Winston-Salem als Linie vorgegeben. Die Pramien-Frage gehört nach DFB-Lesart zu den Themen, die man “in der Grundlinie” einigt - die Detailrechnung erfolgt nach dem letzten Spiel.
Dollar-Kurs, US-Steuer und die Drei-Länder-Logistik
Die Sondersituation USA, Mexiko und Kanada drückt auf die DFB-Kasse. Der Verband zahlt für das Basislager Graylyn Estate in Winston-Salem und das Wake-Forest-Trainingsareal in US-Dollar, die Logistik zwischen den Spielorten Houston, Atlanta und Boston ist deutlich teurer als die Helikopter-Strecken im katarischen Mini-Turnier 2022. Hinzu kommen US-amerikanische Steuerfragen für Prämien, die zwischen Bund und Einzelstaaten anders als in Deutschland strukturiert sind.
Rettig hat in mehreren Interviews darauf hingewiesen, dass der DFB in seiner Prämienplanung einen “Puffer” eingebaut habe. Die Aussage ist mehrdeutig: Sie steht für die Bereitschaft, im Erfolgsfall Spielraum nach oben zu öffnen, und gleichzeitig für die Vorsicht, im Vorrundenaus-Szenario nicht überdimensioniert dazustehen. Die FIFA-Klub-Entschädigung von 307 Millionen Euro an die Vereine ist davon getrennt - die DFB-Prämie ist eine Vereinbarung Verband-Spieler, das FIFA-Geld an die Klubs eine globale FIFA-Vereinbarung.
Tahs “kurz davor” und der Auftakt am Sonntagabend US-Zeit
Die Hoffnung im DFB-Lager ist, dass die Einigung vor dem Anstoß am Sonntag um 19:00 Uhr MESZ in Houston vorliegt. Für die Kabine ist die Klarheit hilfreich, wenn auch nicht spielentscheidend - Trainer Julian Nagelsmann hat seine Aufstellung mit der Doppel-Sechs Pavlovic und Nmecha im Kopf, der Mannschaftsrat hat den Kopf bei der Aufstellung und nicht beim Vertrag. Der DFB hat sich, anders als 2018 und 2022, bewusst gegen eine vorab medienwirksame Verkündung der Beträge entschieden.
Gleichwohl bleibt der wirtschaftliche Faden ein wichtiger Subtext. Die DFB-Auswahl hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend als wirtschaftliches Schwergewicht positioniert. Die DFB-Auswahl zahlt 600 Fans den Bus zum Spiel gegen Ecuador am 25. Juni nach New York/New Jersey - eine Goodwill-Geste, die in der Kommunikation als Brückenschlag zum eigenen Anhang funktioniert. Die Siegprämien dagegen sind das interne Pendant: ein Reglement, das die Spieler-Klub-Spannung über das Turnier hinaus puffert.
Wie ein DFB-Prämienmodell 2026 aussehen könnte
Der DFB hat seit 2014 mit einer Staffel-Logik gearbeitet, die jeden Turnierschritt mit einer Stufe vergütet. Auf Basis der bisherigen Skala und der Rettig-Andeutung “mehr als in Katar” rechnen Beobachter in Berlin mit folgenden Größenordnungen für 2026: Achtelfinale ab etwa 60.000 Euro, Viertelfinale 75.000 bis 100.000 Euro, Halbfinale 125.000 bis 150.000 Euro, Final-Niederlage rund 200.000 Euro, Titel 450.000 bis 500.000 Euro. Die Zahlen sind nicht bestätigt - sie sind eine Modellrechnung auf Basis der Logik 2014-2022 plus FIFA-Aufstockung.
Sollte die Einigung wie erwartet bis Sonntagmittag stehen, würde der DFB die Beträge wahrscheinlich nach dem Turnier kommunizieren. Eine Veröffentlichung vorab wäre ein Bruch mit der Linie der vergangenen drei WM-Zyklen. Für die Mannschaft um Kapitän Kimmich, die nach dem Heim-EM-Halbfinale 2024 nun mit dem Stern Nummer fünf den nächsten Schritt machen will, ist die Botschaft am Ende ohnehin die einfache: Wer den Stern holt, kann den Schnaps mehr nehmen.
Autor
Lukas BrandtRedakteur WM & DFB-Team
Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.