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WM 2026

Nagelsmann-Zukunft als DFB-Bundestrainer: Voeller stuetzt, Klopp winkt ab - die Debatte nach dem WM-Aus

Nach dem DFB-Aus gegen Paraguay schliesst Nagelsmann den Ruecktritt aus. Sportdirektor Voeller stuetzt 'wahrscheinlich den Richtigen', Klopp winkt ab.

Von Lukas Brandt 30. Juni 2026

Julian Nagelsmann beim Gruppenspiel gegen Ecuador in MetLife Stadium / New Jersey am 25. Juni 2026 - vier Tage vor dem K.-o.-Aus gegen Paraguay (Foto: Ulrik Pedersen / ZUMA Press Wire). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Die DFB-Elf ist am 29. Juni 2026 im Sechzehntelfinale der WM 2026 gegen Paraguay ausgeschieden (3:4 im Elfmeterschiessen nach 1:1 n. V., Spielbericht aus Boston). Zum dritten Mal in Folge endet eine Weltmeisterschaft fuer Deutschland frueh: 2018 in Russland und 2022 in Katar war bereits in der Gruppenphase Schluss. Am Morgen danach dominiert eine einzige Frage die deutsche Sportpublizistik - die nach der Zukunft des Bundestrainers. Nagelsmann selbst will bleiben. Rudi Voeller stuetzt ihn unter Vorbehalt. Juergen Klopp winkt als Nachfolge-Kandidat ab. Und der ARD-Sportschau-Kommentar fordert in der Nacht zum 30. Juni unmissverstaendlich einen Wechsel.

Nagelsmann: “Bin keiner, der weglaeuft”

Julian Nagelsmann hat eine knappe Stunde nach Abpfiff im ARD-Interview im Gillette Stadium in Foxborough einen Ruecktritt kategorisch ausgeschlossen. Seine zentrale Aussage: “Bin keiner, der weglaeuft.” Auf die Frage, ob er sein Amt fortfuehren werde, antwortete der 38-Jaehrige: “Stehe bereit, wenn man das moechte.” Damit gibt er die Entscheidung formell an das DFB-Praesidium und an Sportdirektor Rudi Voeller weiter. Sein eigener Wille ist eindeutig.

Inhaltlich sucht Nagelsmann die Verantwortung im Schlussabschnitt selbst, vermeidet aber Selbstkritik im Grundsatz. Zum 3:4 sagte er, im Fussball koenne man “leider auch mit ganz einfachen Mitteln Tore schiessen”. Zum Elfmeterschiessen: “Wenn du am Ende so viele verschiesst, reicht es im Normalfall nicht.” Drei DFB-Schuetzen - Kai Havertz, Jonathan Tah und Nick Woltemade - hatten verschossen, nur Joshua Kimmich, Jamal Musiala und Nadiem Amiri verwandelten. Der entscheidende paraguayische Versuch von Jose Canale fiel zum 4:3.

Voeller stuetzt mit Vorbehalt: “Wahrscheinlich der Richtige”

DFB-Sportdirektor Rudi Voeller stellt sich gegenueber der Sportschau hinter den Bundestrainer - mit einer doppelten Einschraenkung. Seine Aussage: “Noch ueberzeugt, dass er wahrscheinlich der Richtige ist.” Beide Worte - “noch” und “wahrscheinlich” - lassen eine Hintertuer offen. In demselben Interview betonte Voeller, er entscheide nicht alleine: “Bin nicht der DFB alleine.” Das verweist auf das DFB-Praesidium um Praesident Bernd Neuendorf, das die formelle Personalkompetenz haelt.

Voellers Linie ist konsistent mit seinem Auftritt vor der WM in Herzogenaurach, wo er den Bundestrainer ebenfalls gestuetzt und die DFB-Elf bewusst nicht zum Top-Favoriten erklaert hatte. Anders als beim Hoeness-Verweis im Mai 2026, als der Bayern-Ehrenpraesident Nagelsmanns Kommunikation kritisiert hatte, hat Voeller diesmal jedoch keine inhaltliche Unterstuetzungs-Formel geliefert, sondern nur eine prozedurale.

Klopp winkt ab: “Es ist nicht der Moment”

Juergen Klopp war fuer die ARD als TV-Experte im Studio und wurde direkt nach dem Spiel auf den Bundestrainer-Posten angesprochen. Seine Antwort: “Es ist nicht der Moment.” Klopp verwies auf seine aktuelle Rolle als Global Head of Soccer bei Red Bull, die er seit 1. Januar 2025 ausuebt. Sein Vertrag dort laeuft bis 2027, eine vorzeitige Aufloesung waere nur einvernehmlich moeglich.

Klopps Auftritt ist insofern bemerkenswert, als er die Debatte direkt einordnet - und sich gleichzeitig aus ihr herausnimmt. Bereits vor dem Turnier hatte Klopp Nagelsmann auf MagentaTV “Abbitte” geleistet fuer eine als zu hart empfundene Kritik. Eine kurzfristige Klopp-Loesung scheidet damit aus zwei Gruenden aus: Klopp will nicht, und der DFB hat Nagelsmann nicht freigestellt. Eine mittelfristige Loesung Richtung EM 2028 ist nicht ausgeschlossen, aber spekulativ.

Drei WM-Pleiten in Folge - der Sportschau-Kommentar fordert den Wechsel

Konkrete Forderung nach einem Trainerwechsel kommt in der Nacht zum 30. Juni aus der ARD-Sportschau selbst. Der Kommentar mit dem Titel “Es ist Zeit fuer einen neuen Bundestrainer” argumentiert, dass die dritte WM-Pleite in Folge - 2018 in Russland in der Gruppenphase, 2022 in Katar in der Gruppenphase, 2026 in den USA im Sechzehntelfinale - eine Zaesur erforderlich mache. Das Argument: Nagelsmann sei “keiner fuer einen perspektivischen Aufbau”, weil er von Turnier zu Turnier denke statt strukturell.

Konkret kritisiert der Kommentar zwei Entscheidungen des Bundestrainers: die Rueckkehr von Manuel Neuer aus dem DFB-Ruhestand, die in Foxborough mit Neuers Abschiedserklaerung endete, sei eine “Traeumerei” gewesen. Und die Wechsel-Logik gegen Ecuador (mit Rotation und ohne den durchgehenden Wirtz-Havertz-Pavlovic-Block) widerspreche der vorher kommunizierten Rollen-Klarheit: “Wer A sagt, aber B macht, verliert an Glaubwuerdigkeit.”

Stimmen aus der Mannschaft: Havertz, Ruediger, Kimmich

Aus der Kabine kommt ein gemischtes Bild. Kai Havertz, Torschuetze zum 1:1 und einer der drei Elfmeter-Versager, sagte zur ARD: “Meine zweite WM, zweimal reingeschissen.” Und: “Packe mir an die eigene Nase.” Selbstkritik also, ohne Forderung an Nagelsmann.

Antonio Ruediger, einer der Routiniers im Team, plaedierte explizit fuer einen Verbleib Nagelsmanns. Der Real-Madrid-Verteidiger formulierte fuer den Bundestrainer Rueckendeckung und liess seine eigene DFB-Zukunft offen. Joshua Kimmich, der Kapitaen, blieb in seiner Bewertung neutral und sprach pauschal davon, das DFB-Team habe “unter dem Strich mal wieder deutlich zu wenig” gezeigt - ohne Personalfragen aufzumachen.

Vertrag, Praesidium, Zeitplan - so funktioniert die Entscheidung

Strukturell ist die Lage eindeutig: Nagelsmanns Vertrag laeuft bis zum Sommer 2028 - er war im September 2023 als Nachfolger von Hansi Flick mit Vertrag bis zur Heim-EM 2024 verpflichtet worden, im Anschluss hatte der DFB den Vertrag um vier Jahre bis nach der EM 2028 in Grossbritannien und Irland verlaengert. Eine vorzeitige Trennung wuerde Abloesekosten in Millionenhoehe ausloesen.

Die formelle Entscheidung ueber eine Fortsetzung trifft das DFB-Praesidium auf Empfehlung des Sportdirektors. Voellers oeffentliche “wahrscheinlich”-Formel signalisiert, dass eine Empfehlung pro Nagelsmann derzeit wahrscheinlich, aber nicht endgueltig ist. Ein Zeitfenster nennt der DFB nicht. Die naechsten Pflichtspiele sind die ersten Spiele der EM-2028-Qualifikation im Maerz 2027 - der DFB hat also strukturell mindestens acht Monate Zeit fuer die Entscheidung. Erfahrungsgemaess kommuniziert das Praesidium Trainer-Personalien nach einem WM-Aus innerhalb von zwei bis vier Wochen nach Turnier-Ende. Eine Entscheidung im Juli oder fruehen August 2026 ist daher realistisch.

Bis dahin bleibt Julian Nagelsmann Bundestrainer. Und die naechsten Tage gehoeren der Aufarbeitung dieses WM-Aus - mit den uebrigen Akteuren der WM 2026, den 16 verbliebenen Teams im Achtelfinale und der wachsenden Erkenntnis, dass der dritte deutsche K.-o.-Rueckfall in Folge einen tieferen Befund verlangt als nur eine Trainer-Personalie.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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