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DFB-Team

Klopp leistet Abbitte bei Nagelsmann: 'Werde 59 und bin immer noch daemlich'

Nach dem DFB-7:1 gegen Curacao entschuldigt sich Klopp auf MagentaTV bei Nagelsmann fuer das 'noch'. Chronologie eines drei Tage langen TV-Streits.

Von Lukas Brandt 15. Juni 2026

Juergen Klopp als MagentaTV-Experte am Spielfeldrand des NRG Stadium in Houston, kurz vor dem 7:1-DFB-Auftakt gegen Curacao am 14. Juni 2026 (Foto: Tom Walko / ZUMA Wire). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es ist 21:32 Uhr MESZ im NRG Stadium in Houston, das Schlusspfiff-Echo des 7:1 noch nicht ganz verklungen, als sich Juergen Klopp im MagentaTV-Studio direkt an Julian Nagelsmann wendet. Der Bundestrainer ist persoenlich in die Sendung gekommen, links neben Klopp sitzt Thomas Mueller. “Ich haette mir dafuer aufs Maul hauen koennen”, sagt Klopp ueber einen Satz, den er drei Tage zuvor bei der MagentaTV-Eroeffnungsspiel-Sendung gesagt hatte. “Aber das war schon zu spaet und ich war im Fernsehen. Das ist flapsig rausgerutscht.”

Vier Buchstaben - “noch” - haben das DFB-Lager und die Republik drei Tage lang beschaeftigt. Mit dem 7:1-Kantersieg gegen Curacao ist die Personalfrage im Wortsinn erledigt: Nagelsmann sitzt auf der Bank, und seine Mannschaft hat einen WM-Auftakt hingelegt, der in der DFB-Geschichte erst einmal hoeher ausfiel. Klopps Selbst-Anklage im Studio ist der Schlusspunkt einer TV-Experten-Episode, die viel ueber das Format MagentaTV-WM 2026 verraet.

Das “noch”, das drei Tage Deutschland beschaeftigt hat

Es faengt am 11. Juni an, beim WM-Eroeffnungsspiel Mexiko gegen Suedafrika im Estadio Azteca. Klopp, der seit dem Ende seiner Amtszeit als Head of Global Soccer bei Red Bull im Mai ohne festen Posten im Profifussball ist, sitzt fuer MagentaTV im Studio. Gemeinsam mit Mueller hat ihn der Telekom-Sender als Doppel-Experten fuer die WM verpflichtet - Klopps erste TV-Experten-Rolle seit rund 20 Jahren.

In einer Bemerkung ueber die anstehende DFB-Aufstellung sagt Klopp: “Zum Glueck stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf - noch.” Es ist eine Mini-Sekunde, ein Sprachreflex, vier Buchstaben. Sport1, ARD-Morgenmagazin und die Bild greifen das “noch” am 12. Juni auf - das ZDF-Sportstudio am Abend ebenfalls.

Am 12. Juni meldet sich Lothar Matthaeus in der Bild zu Wort und nennt die Klopp-Bemerkung “ueberfluessig”. Andreas Moeller, ehemaliger Welt- und Europameister, legt im Sport1-Doppelpass am Sonntagvormittag nach: “No Go.” Die Logik der Kritik: An einem WM-Eroeffnungswochenende, an dem die DFB-Elf zwei Tage spaeter ihren Auftakt vor sich hat, ist ein angedeutetes Misstrauensvotum eines TV-Experten gegen den Bundestrainer das, was kein DFB-Lager braucht.

Klopp reagiert am 13. Juni am fruehen Abend mit einer Praezisierung: Es sei keine Kritik an Nagelsmanns Qualitaet gewesen, sondern ein flapsiger Sprachreflex, den man nicht ueberbewerten muesse. Die Klarstellung trifft den Kicker-Liveticker um 19:12 Uhr. Sie reicht aber nicht, um das “noch” aus der Schlagzeile zu kriegen. Im Hintergrund laeuft parallel die Musiala-Startelf-Debatte, die Klopp und Mueller bei MagentaTV ebenfalls angestossen hatten - die Magenta-Bank-Loesung fuer den Bayern-Zehner, die Matthaeus in der Bild kontert.

Schweinsteigers Frage auf ARD: “vier Buchstaben, die ganz Deutschland beschaeftigen”

Etwa eine Stunde vor Anpfiff in Houston, also gegen 18:00 Uhr MESZ am 14. Juni, schaltet sich die ARD aus dem Studio dazu. Bastian Schweinsteiger, dort als Experte im Einsatz, hat Nagelsmann am Mikrofon - und kommt nicht umhin, das “noch” zur Sprache zu bringen.

“Juergen Klopp hat da was gesagt mit dem ‘noch’ - vier Buchstaben, die ganz Deutschland beschaeftigen”, formuliert Schweinsteiger, dann legt er nach: “Beschaeftigt dich das ein bisschen oder sagst du: Das interessiert mich nicht?”

Nagelsmann antwortet zurueckhaltend: Sein Job sei es, eine Mannschaft aufzustellen, die guten Fussball spiele und nach dem Turnier weiter gute Spiele liefere. Er beisst nicht an, kontert nicht, nimmt das Stichwort nicht auf. Schweinsteiger fasst sueffisant zusammen: “Also eher nein!” Die Antwort passt zur Linie des 38-Jaehrigen, der TV-Schlagabtausche oeffentlich konsequent meidet.

Klopps Abbitte im MagentaTV-Studio: das Unwort des Jahres heisst “noch”

Drei Stunden spaeter ist die Frage praktisch beantwortet. Houston: Felix Nmecha trifft in der 6. Minute zum 1:0, Curacao gleicht durch den 18-jaehrigen Comenencia kurz aus, dann gewinnt Deutschland deutlich. Sieben Tore in einem WM-Auftakt, dazu die Doppel-Sechs Pavlovic/Nmecha und der Joker Undav - Nagelsmann verlaesst den Platz mit der wohl vorzeigbarsten Auftaktbilanz seines Amtsantritts.

Im MagentaTV-Studio, kurz nach Abpfiff, sitzen Klopp, Mueller und Nagelsmann nebeneinander. Klopp nimmt das Mikro und liefert seine Abbitte in einer Sequenz, die im Liveticker des Kicker (21:16 Uhr) und im Tagesspiegel verbatim zitiert wird:

  • “Ich haette mir dafuer aufs Maul hauen koennen, aber das war schon zu spaet und ich war im Fernsehen. Das ist flapsig rausgerutscht.”
  • “Das hat gar keine Relevanz. Da hoffe ich, dass das alle da draussen verstehen.”
  • “Das Unwort meines Jahres habe ich bereits gefunden - und das ist noch.”
  • “Was ich festgestellt habe, ich werde uebermorgen 59 und bin immer noch daemlich. Aber es ist einfach passiert.”

Mueller, der die Doppel-Experten-Rolle mit Klopp ausfuellt, springt seinem Kollegen bei, ohne den Satz zu retten: Sie seien “leidenschaftlich, nicht abfaellig”. Klopp setzt nach: “Wir sind komplett auf eurer Seite.” Nagelsmann sitzt daneben, hoert zu, laechelt, klatscht am Ende ein High-Five mit Klopp ab. Der Bundestrainer bleibt damit oeffentlich bei seiner Linie: kein TV-Schlagabtausch, kein Reflex - das Spielergebnis erledigt die Debatte.

Was die Episode ueber TV-Experten bei der WM 2026 zeigt

Klopps “noch”-Affaere ist nicht der erste Reibungspunkt seiner Rueckkehr ans Mikrofon. Der Telekom-Sender hat den Ex-Liverpool-Trainer im Mai mit dem Slogan beworben, er stehe “erstmals seit 20 Jahren wieder als TV-Experte vor der Kamera”. Klopp selber hatte vor der WM angekuendigt, er wolle “ehrlich, locker, ohne Filter” reden. Genau das ist passiert - mit dem bekannten Risiko, dass der Filter, den man bei einem TV-Sender erwartet, fehlt.

Was die Episode auch zeigt: Im 48-Team-Format der WM 2026 ist Sendezeit kein Engpass. MagentaTV hat sich alle 104 Spiele gesichert, ARD und ZDF zeigen jeweils rund 40 Begegnungen kostenfrei, plus Doppel-Studio-Strecken im Tagesprogramm. Jedes Wort, das in einem TV-Studio faellt, hat damit eine wesentlich groessere Halbwertzeit als bei einem 32-Team-Format - Schlagzeilen wachsen heute laenger nach. Klopps “noch” hat es deshalb durch drei Tage und drei TV-Stationen geschafft.

Die Saison-Vorgeschichte spielt mit hinein. Bayern-Praesident Uli Hoeness hatte Nagelsmann vor wenigen Wochen oeffentlich kritisiert, weil er aus seiner Sicht zu wenig auf Bayern-Spieler setzt. Dazu kam die Vertragsdiskussion: Nagelsmanns DFB-Vertrag laeuft nach der WM 2026 aus, eine Vertragsverlaengerung steht offen. Klopps “noch” ist deshalb mehr als ein Sprachreflex gewesen - es hat in eine Vertragslage hinein gepiekt, die der DFB lieber hinter den Kulissen klaeren wollte.

Mit dem 7:1 und Klopps Abbitte ist die TV-Experten-Frage in der Gruppe E erledigt. Die naechste Pruefung steht am 20. Juni in Atlanta gegen die Elfenbeinkueste an - dann wird wieder gestellt, kommentiert, gewertet. Nur ohne “noch”: Klopp hat das Wort fuer den Rest des Turniers offiziell zum Unwort erklaert.

Autor

Lukas Brandt

Redakteur WM & DFB-Team

Lukas Brandt schreibt seit Jahren über große Turniere und die deutsche Nationalmannschaft. Für fussballweltmeisterschaft.online begleitet er die WM 2026, den DFB-Kader und die K.-o.-Phase mit Vorberichten, Analysen und Spielberichten.

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