Zum Inhalt springen
WM 2026

Sabitzer-Tor in Unterzahl: Österreich gewinnt WM-Generalprobe 1:0 gegen Tunesien

Sabitzer-Goldtor, Laimer-Rot, drei Lattentreffer fuer Tunesien: Österreich gewinnt die WM-Generalprobe in Wien 1:0 - eine Stunde davon in Unterzahl.

Von Marco Feldmann 02. Juni 2026

Marcel Sabitzer im OEFB-Trikot: Bei der WM-Generalprobe in Wien traf der Kapitaen in der 63. Minute zum 1:0-Siegtreffer gegen Tunesien. Foto: Zuma Press via SmartFrame

Es war keine souveraene, sondern eine kuriose Generalprobe - und am Ende doch ein OEFB-Sieg, der die Mannschaft mit einer guten Erinnerung in das Trainingslager nach Kalifornien schickte: Österreich schlug am Montagabend in Wien Tunesien 1:0, dabei spielte die Elf von Teamchef Ralf Rangnick rund eine Stunde in Unterzahl. Kapitaen Marcel Sabitzer traf in der 63. Minute zum einzigen Tor des Abends, Konrad Laimer sah nach VAR-Korrektur in der 37. Minute Rot. Es war der letzte Test vor dem Aufbruch zur Fussball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.

Der Test im Kurzueberblick

  • Datum / Anstoss: Montag, 1. Juni 2026, 20:30 Uhr MESZ
  • Spielort: Ernst-Happel-Stadion, Wien
  • Zuschauer: 35.100
  • Schiedsrichter: Jeremie Pignard (Frankreich)
  • Endstand: Österreich 1:0 Tunesien (Halbzeit 0:0)
  • Torschuetze: Sabitzer (63., Vorlage Chukwuemeka, Pass Posch)
  • Rote Karte: Laimer (37., Handspiel als letzter Mann, nach VAR)
  • Gelbe Karten: Danso, Sabitzer (Österreich) - Gharbi (Tunesien)

Aufstellung Österreich: A. Schlager - Posch (80. Prass), Lienhart (46. Danso), Alaba (46. Friedl), Laimer - Seiwald, X. Schlager (62. Wanner) - Schmid (46. Chukwuemeka), Gregoritsch (46. Mwene), Sabitzer - Arnautovic (46. Kalajdzic).

Aufstellung Tunesien: Chamakh - Valery, Talbi, Rekik, Abdi - Khedira (82. Saad), Skhiri - Ben Slimane (62. Ayari), Hannibal Mejbri (78. Hadj Mahmoud), Gharbi (62. Tounekti) - Chaouat (62. Elloumi).

Laimer-Rot nach 37 Minuten - der Wendepunkt

Es war der Moment, der Rangnicks Drehbuch zerriss. Konrad Laimer, in den Augen vieler der wichtigste Achter im OEFB-System der letzten zwei Jahre, stoppte in der 37. Minute einen Steilpass im eigenen Strafraum mit der Hand. Schiedsrichter Jeremie Pignard zeigte zunaechst Gelb, der VAR schickte ihn an den Bildschirm und korrigierte die Aktion zur Notbremse. Laimer sah Rot.

Wichtig fuer das WM-Aufgebot: Die Sperre greift in keinem Pflichtspiel - es war ein Freundschaftsspiel. Laimer kann am 17. Juni gegen Jordanien starten. Auf dem Platz allerdings musste Rangnick die naechsten 60 Minuten mit einem Mann weniger planen.

Drei Lattentreffer fuer Tunesien

Die Schlussfolgerung “verdienter Sieg” ist nach diesem Abend nicht zwingend. Tunesien war in der ersten Halbzeit das aktivere Team - die Lattentreffer-Statistik liest sich wie ein Vorbote eines anderen Endstands: Hannibal Mejbri (12.) per Freistoss, Firas Chaouat (18.) und Ben Slimane (37.) zielten alle aufs Holz. Die Querverbindung der drei Aluminium-Knaller deckt nicht nur Pech der Tunesier auf, sondern auch ein Loch in der Strafraumzuordnung der OEFB-Defensive, mit dem Rangnick im Trainingslager wird arbeiten muessen.

Auf der Gegenseite reichte ein Posch-Pass und ein einziger sauberer Ballverlauf. Tunesien-Trainer Sabri Lamouchi sagte hinterher, seinem Team habe “in numerischer Ueberzahl die Reife gefehlt” - sie haetten gegen Österreich geduldiger spielen muessen.

Sabitzers Goldtor - 63. Minute, in der Unterzahl

Das 1:0 entstand auf eine Art, die fuer das WM-Programm der OEFB-Elf typisch werden koennte: Schneller Vertikalpass von Stefan Posch auf die rechte Seite, der eingewechselte Carney Chukwuemeka zog in den Strafraum und legte mit dem Aussenrist zurueck, Sabitzer schloss flach ins kurze Eck ab. Es war Sabitzers 26. Tor im OEFB-Trikot - womit der 32-Jaehrige in die ewige Torschuetzenliste-Top-10 der Nationalmannschaft aufrueckt.

Kurz nach dem Treffer haette Posch das 2:0 nachlegen koennen, sein Kopfball klatschte an die Latte, der Nachschuss-Volley ebenfalls. Auch das ist eine Notiz fuer Rangnick: Vier Lattentreffer in einem Spiel ist keine Linie, die sich gegen Argentinien in elf Tagen wiederholen sollte.

Rangnicks Halbzeit-Plan und die Wechsel-Welle

Was ueberlagert wurde von der Roten Karte: Rangnick wechselte zur Pause gleich fuenfmal und gab dabei die Marschroute fuer die WM-Verteidigung vor. Lienhart, Alaba, Schmid, Gregoritsch und Arnautovic machten Platz fuer Danso, Friedl, Chukwuemeka, Mwene und Kalajdzic. Der Doppelwechsel auf den Aussenbahnen mit dem Mainzer Phillipp Mwene und Werder-Profi Marco Friedl ist die wahrscheinliche Variante fuer das Auftaktspiel gegen Jordanien - dort, wo das ÖFB-Team im 3-4-3 die Aussenbahnen tief besetzen und situativ aufschieben wird.

Wenig spaeter musste Mittelfeldchef Xaver Schlager verletzungsfrei zur Schonung runter, fuer ihn kam Eintracht-Frankfurts Paul Wanner. Vor dem Anpfiff hatte schon Christoph Baumgartner mit Oberschenkel-Problemen die Startelf verlassen muessen; Gregoritsch ersetzte ihn. Beide kleinen Sorgenfaelle sieht Rangnick laut OEFB-Mitteilung als unkritisch fuer das Eroeffnungsspiel.

Was der Trainer und der Kapitaen sagten

Rangnicks Fazit fiel nuechtern aus: “Die zweite Halbzeit hat mir sehr gut gefallen. Wir waren naeher am 2:0 als Tunesien am Ausgleich. Das gibt uns neue Erkenntnisse.” Auch Sabitzer haengte die Latte selbstkritisch hoch: “Kein Weltklassespiel, aber unter den Umstaenden in Ordnung. Gegen tief stehende Gegner brauchen wir bessere Loesungen.”

Genau diese Aussage zielt auf Jordanien. Der erste Gruppengegner wird sich tief positionieren, das System der Whites ist auf 5-4-1-Block plus Konter ausgelegt. Sabitzers Forderung - mehr Tempo zwischen den Linien - liest sich wie die Hausaufgabe fuer das kalifornische Trainingslager der naechsten zwoelf Tage.

Tunesiens Generalprobe vor der schwersten Gruppe F

Fuer Tunesien war es eine Generalprobe gegen einen anderen Stil, als sie in Gruppe F erwartet. Dort warten Niederlande, Japan und Schweden - drei Mannschaften, die der OEFB-Spielidee tendenziell aehnlicher sind als z. B. Saudi-Arabien oder ein Aussenseiter aus Afrika. Die drei Lattentreffer und die Pressing-Wellen in Halbzeit eins werden Lamouchi nicht stoeren - der wackelige Schlussabschnitt in Ueberzahl schon. Tunesien startet am 17. Juni gegen Schweden in Atlanta, also am selben Tag wie der OEFB-Auftakt.

Der Fahrplan - Österreichs naechste Daten

  • 2.-3. Juni 2026 - zwei Erholungstage, dann Abreise ins Trainingslager nach Santa Clara, Kalifornien
  • 17. Juni 2026, 06:00 MESZ - WM-Auftakt gegen Jordanien (Levi’s Stadium, Santa Clara)
  • 22. Juni 2026, 19:00 MESZ - Argentinien, AT&T Stadium, Dallas
  • 28. Juni 2026, 04:00 MESZ - Algerien, Arrowhead Stadium, Kansas City

Österreich nimmt aus der Wiener Generalprobe einen 1:0-Sieg, einen Sabitzer in Form, einen Laimer ohne Sperre und ein offenes Bild seiner Defensive mit. Es ist die erste WM seit Frankreich 1998 - und sie startet in zweieinhalb Wochen. Die Details, die Sabitzer und Rangnick beim Ergebnis-Interview als “Hausaufgaben” formulierten, haben jetzt zwoelf Tage Zeit. Mehr Informationen zum Pillar finden sich auf der Teamseite Österreich bei der WM 2026, zur Gruppe auf der Gruppe-J-Vorschau, die Vorgeschichte des Kaders im Artikel Rangnicks Aufgebot fuer die erste WM seit 1998 und die DACH-Lagebeurteilung in Deutschland, Österreich, Schweiz: Chancen der DACH-Trio. Fuer den Gegenpart in Wien lohnt der Blick in die Kader-Analyse Tunesien.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

Mehr aus WM 2026