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WM 2026

Ronaldo hat den Koffer noch nicht gepackt: Zwei Ziele - das 1.000. Tor und der Nations-League-Titel

Cristiano Ronaldo nennt vor Portugal-Wales seine zwei Ziele: das 1.000. Karriere-Tor und der Nations-League-Titel. Der Koffer bleibt vorerst ungepackt.

Von Marco Feldmann 23. September 2026

Cristiano Ronaldo trifft zum 3:1 gegen die Schweiz im UEFA-Nations-League-Halbfinale am 5. Juni 2019 im Dragon Stadium Porto. Portugal gewann anschliessend den ersten Nations-League-Titel der Geschichte gegen die Niederlande (Foto: Zuma Press). Foto: Zuma Press via SmartFrame

Cristiano Ronaldo hat am Dienstag, 23. September 2026, in Lissabon vor dem Nations-League-Auftakt gegen Wales am Donnerstag zwei konkrete Ziele fuer seine weitere Karriere ausgerufen. Der 41-Jaehrige sagte laut dpa auf der Pressekonferenz im Trainingszentrum der Selecao: “Ich habe zwei Ziele: mein 1.000. Tor zu erzielen und mit Portugal die Nations League zu gewinnen.” Ronaldo steht derzeit bei 979 Pflichtspiel-Toren fuer Klub und Nationalmannschaft; 21 Treffer trennen ihn von der historischen 1.000er-Marke. Portugal ist amtierender Nations-League-Sieger und startet unter dem neuen Bondscoach Jorge Jesus am Donnerstag um 20:45 Uhr MESZ im Estadio Jose Alvalade gegen Wales in die Titelverteidigung. Zur Zukunfts-Frage sagte Ronaldo: “Es ist sehr gut moeglich, dass dies mein letztes Jahr ist” - blieb aber vage: “Ich weiss es nicht.” Ein Wechsel des Narrativs ist es dennoch. Nach dem Achtelfinal-Aus gegen Spanien in Dallas am 6. Juli hatte die europaeische Sportpresse seinen Auftritt am AT&T Stadium als hoechstwahrscheinlich letztes WM-Spiel eingeordnet. Jetzt bleibt der Koffer, wie kicker treffend formulierte, noch nicht gepackt.

”Ich habe zwei Ziele” - Ronaldos Ansage vor Portugal-Wales

Die Selecao trifft sich seit Montag im Cidade do Futebol in Oeiras vor den Toren Lissabons - Portugals Trainingszentrum - und Ronaldo wurde am Dienstagnachmittag im Rahmen der Auftakt-Pressekonferenz vor Portugal-Wales vor die Mikrofone gebeten. Die neue Aera unter Jorge Jesus startet an genau diesem Donnerstag: 24. September 2026, 20:45 Uhr MESZ, Estadio Jose Alvalade in Lissabon, live auf DAZN. Es ist das erste von zwei Heim-Doppel-Auftakten der Nations-League-Saison 2026/27 in Liga A, Gruppe A4.

Ronaldo, der mit 233 Laenderspielen vor der Partie bereits den ewigen Rekord aller Verbaende fuehrt, formulierte auf der PK zwei Ziele so konkret wie selten. Der zentrale Wortlaut: “Ich habe zwei Ziele: mein 1.000. Tor zu erzielen und mit Portugal die Nations League zu gewinnen.” Beide Ziele sind mess- und zeitbindbar. Beide binden Ronaldo an ein konkretes Karriere-Fenster - und beide setzen voraus, dass er weiter in Portugal-Trikot und im Al-Nassr-Trikot regelmaessig spielt. Die Ansage ist damit auch eine Absage an die im Sommer haeufig zu lesende Deutung, wonach das R16-Aus gegen Spanien in Dallas auch den stillen Rueckzug aus der Selecao markiert habe.

Auf die Nachfrage, ob es sein letztes Jahr sein koenne, antwortete Ronaldo mit einer Doppel-Formulierung, die Interpretations-Spielraum laesst: “Es ist sehr gut moeglich, dass dies mein letztes Jahr ist.” Und direkt danach: “Ich weiss es nicht, ich wuenschte, ich wuesste die Antwort, aber ich weiss sie nicht.” Zwei Saetze, die einerseits den Ruecktritts-Horizont oeffnen, andererseits keinen Termin nennen. Der operative Zeitrahmen ist damit umrissen: Nations-League-Gruppenphase bis November, Final-Turnier im Juni 2027 in noch nicht endgueltig fixierter Ausrichter-Stadt, und danach die WM-2030-Qualifikations-Kampagne, in der Portugal als Co-Gastgeber neben Spanien und Marokko formal keine sportliche Quali-Pflicht mehr hat.

979 Tore - was noch fehlt zur 1.000er-Marke

Ronaldos Torstand ist seit Jahren die vielleicht beobachtetste Zahl im Weltfussball. Der Karriere-Zaehler steht nach dem Stand vom 23. September 2026 bei 979 Toren: Sporting Lissabon (5), Manchester United (145 in zwei Amtszeiten), Real Madrid (450), Juventus (101), Al-Nassr (139 und laufend) sowie 139 Laenderspiel-Tore fuer Portugal. 21 Treffer trennen ihn damit von der 1.000er-Marke. Bei seiner Al-Nassr-Ausbeute der Vorsaison (rund 30 Pflichtspiel-Tore) und drei bis fuenf Portugal-Toren pro Nations-League-Zyklus ist der Meilenstein rein statistisch im ersten Halbjahr 2027 erreichbar.

Ronaldo betonte den Kontext-Rahmen. Wortlaut: “Ich weiss, dass ich das schaffen werde, aber es ist keine Obsession. Wenn man von etwas besessen ist, wird man es nicht erreichen; man sollte es einfach geniessen. Aber ja, ich moechte diesen Meilenstein erreichen.” Es ist die geuebte Ronaldo-Rhetorik: das Ziel wird benannt, aber nicht mit Druck aufgeladen. Zum Vergleich: Der zweitplatzierte historische Torschuetze aller Zeiten, Lionel Messi, steht Ende September 2026 bei rund 890 Pflichtspiel-Toren und hat nach dem WM-2026-Aus im Halbfinale die Karriere-Endstation Inter Miami / Argentinien-Nationalelf offen gelassen. Die 1.000er-Marke wuerde Ronaldo damit als erster Spieler der Fussball-Geschichte erreichen - eine Zahl, die vor drei Jahrzehnten in keiner Rekord-Prognose vorkam.

Die Nations League - der letzte fehlende Team-Titel

Der zweite Ziel-Anker ist selbstbewusst gesetzt - Portugal ist amtierender Nations-League-Sieger und hat den Wettbewerb bereits zweimal gewonnen: 2019 unter Fernando Santos (1:0-Finalsieg gegen die Niederlande in Porto, Ronaldo mit Hattrick im Halbfinale gegen die Schweiz) und 2024/25 unter Roberto Martinez. Ronaldo war beide Male dabei. Die Ausgabe 2026/27 startet fuer Portugal in Liga A, Gruppe A4 mit Wales, Ungarn und der Tuerkei. Vier Doppelspieltage bis November 2026, dann die K.-o.-Runde im Juni 2027.

Die Nations-League-Endrunde 2027 wuerde Ronaldo mit 42 Jahren erreichen. Der Rahmen ist realistisch: Portugal geht als Titelverteidiger und mit fast unveraendertem WM-Kader in die Saison. Der von Martinez zu Jesus vollzogene Trainer-Wechsel setzt personell auf Bruno Fernandes (weiterhin Kapitaen der zweiten Reihe), Bernardo Silva, Rafael Leao (nach der Achtelfinal-Sperre bei der WM 2026 wieder frei), Nuno Mendes, Vitinha, Joao Neves, Diogo Costa und eben Ronaldo. Ein dritter Nations-League-Titel wuerde Ronaldos Team-Bilanz mit Portugal auf drei Nations-League-Erfolge plus EM 2016 kompaktieren.

Nach dem WM-2026-Aus in Dallas - vom Abschieds-Narrativ zum Weitermachen

Das WM-Aus in Dallas war fuer Ronaldo emotional der bisherige Karriere-Tiefpunkt. Am 6. Juli 2026 verlor Portugal im AT&T Stadium in Arlington gegen Spanien mit 0:1, das entscheidende Tor erzielte Joker Mikel Merino in der 91. Minute. Ronaldo absolvierte die vollen 90 Minuten, verzeichnete drei Torschuesse und blieb ohne Wirkung. Nach dem Schlusspfiff blieb er lange auf dem Rasen sitzen. Die 200 Meter zu den Interview-Zonen ging er ohne Mikrofon-Aufenthalt. Ein Statement zum Nationalmannschafts-Ende gab er nicht ab - und genau diese Leerstelle wurde in den Wochen danach als Abschieds-Narrativ interpretiert.

Der Pre-WM-Ausblick auf den letzten Tanz der goldenen Ronaldo-Messi-Modric-Generation bekam damit im Juli einen vorlaeufigen Schlusspunkt. Bei der WM 2026 spielte Ronaldo seine sechste Weltmeisterschaft - Rekord unter allen Spielern. Doch die Titel-Bilanz auf WM-Buehne bleibt leer: In sechs Anlaeufen kam Portugal nur zweimal ins Halbfinale (2006) und nie ins Endspiel.

Die heutige PK-Ansage in Lissabon setzt jetzt einen anderen Zeitrahmen. Ronaldo definiert seine verbleibenden Ziele explizit ohne WM 2030, aber auch ohne festes Karriere-Ende. Der auslegbare Satz “Es ist sehr gut moeglich, dass dies mein letztes Jahr ist” oeffnet das Fenster fuer einen geordneten Selecao-Abschied nach der Nations-League-Endrunde 2027 - oder eben ein Weitermachen bis zur Portugal-Co-Gastgeber-WM 2030. Auf die Kritik an seiner Fortsetzung antwortete Ronaldo: Falls er dem Team nichts mehr bringe, waere er selbst der erste, der geht - dann wuerde er “den Koffer packen und gehen”. Der Konjunktiv bleibt. Der Koffer bleibt vorerst ungepackt.

Jorge Jesus als neuer Bondscoach - eine bekannte Konstellation

Der Trainer-Wechsel im Sommer 2026 hat fuer Ronaldo eine seltene Kontinuitaets-Ebene geschaffen. Roberto Martinez hatte den auslaufenden Vertrag nicht verlaengert und die Selecao nach dem R16-Aus in Dallas verlassen. Der portugiesische Verband FPF berief drei Tage spaeter Jorge Jesus zum neuen Bondscoach - eine schnelle Entscheidung, in der Presse vorbereitete Kandidatur-Runden mit Mourinho, Conceicao und Vieira wurden nicht in Nominierungen umgemuenzt.

Jesus, 71 Jahre alt, war zuletzt beim saudi-arabischen Klub Al-Nassr unter Vertrag - eine kurze Amtszeit, in der er direkt fuer Cristiano Ronaldo verantwortlich war. Es ist die zweite Ronaldo-Jesus-Konstellation: Der Trainer kennt den Spieler taeglich aus dem Al-Nassr-Trainingsalltag, kennt seine Fitness-Grenzen, seine Belastungs-Fenster und die Rhetorik des inzwischen 41-Jaehrigen im Umgang mit Medien. Fuer Ronaldo ist die neue Bank kein Betriebs-Fremdkoerper, sondern eine bekannte Konstellation ins Portugal-Trikot uebertragen.

Jesus fuehrt die Selecao Richtung EM 2028 (Ausrichter Grossbritannien und Irland) und WM 2030 (Portugal Co-Gastgeber neben Spanien und Marokko). Beide Turniere liegen in Ronaldos hypothetischer Reichweite - aber nur, wenn er das heutige “moeglicherweise letzte Jahr” nach der Nations-League-Endrunde 2027 in ein weiteres verlaengert. Am Donnerstag um 20:45 Uhr MESZ in Lissabon beginnt der Zeitpunkt-Zaehler.

Autor

Marco Feldmann

Redakteur Internationaler Fußball

Marco Feldmann hat den Blick auf den Weltfußball: WM-Qualifikation in allen Konföderationen, die 48 WM-2026-Teilnehmer, die Klub-WM und Geheimfavoriten. Bei fussballweltmeisterschaft.online ordnet er ein, wer in Nordamerika für Überraschungen sorgen kann.

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